Zur Geschichte

Zur Geschichte2019-02-21T20:19:43+03:00

DIE RÖMISCH-KATHOLISCHE DIÖZESE TEMESWAR

– Historischer Überblick –

 

1030 Die Pressburger Annalen (Bratislava/Pozsony) verzeichnen 1030 die Bischofsweihe des Heiligen Gerhard. Es ist der eigentliche Geburtsakt der Diözese Tschanad.

Gründer der Diözese war der Heilige Stefan, der erste christliche König Ungarns, der den Heiligen Gerhard im Jahre 1030 zum Bischof der neu errichteten Diözese ernannte.

Es ist bekannt, dass der aus Venedig-Murano stammende Gerhard Priester und Benediktinermönch war. Bevor er zum Bischof ernannt wurde, war er – dank seiner in den Klöstern und Klosterschulen des Benediktinerordens erworbenen Gelehrtheit – Erzieher des Heiligen Emmerich, des Sohnes und Nachfolgers Stefans. Die Vita Sancti Gerardi, eine für uns sehr wichtige Geschichtsquelle, stellt nicht nur die Bemühungen des Heiligen Gerhard um die Verbreitung des Christentums in der Diözese dar, sondern auch seine organisatorischen Maßnahmen. Es wird so das Tschanader Domkapitel ins Leben gerufen. Die ersten Domherren (Benediktinermönche, die mit dem hl. Gerhard ins Banat kamen) waren gleichzeitig Lehrer an der neu gegründeten Theologischen Schule, die erste dieser Art auf dem Gebiet des heutigen Rumänien. In Tschanad – in jener Zeit Bischofssitz und Sitz des Domkapitels – gab es außer der Theologischen Schule zwei Klöster (mit eigene Bibliotheken versehen) die dem Heiligen Gerhard unterstellt waren.

Der Heilige Gerhard gründete im Gebiet zwischen Marosch, Theiß, Donau und den Karpaten mehrere Pfarreien, errichtete Kirchen und taufte zahlreiche Heiden. Außer seiner pastoralen und organisatorischen Tätigkeit in der neuen Diözese, hat der Heilige Gerhard mehrere theologische Schriften verfasst, von denen eine einzige erhalten ist: Deliberatio Gerardi Morisenae Aecclesiae Episcopi Supra Hymnum Trium Puerorum ad Isingrimum Liberalem. Diese Schrift befindet sich heute in der Staatsbibliothek  München (Signatur CLM 6211).

1046 Das Leben des Heiligen Gerhard nimmt ein tragisches Ende, das die Lage des mittelalterlichen ungarischen Königreiches in seiner frühen Entwicklung widerspiegelt. In jener trüben und unruhigen Zeit verlangten einige Häuptlinge die Rückkehr zu den alten animistischen, heidnischen Religionen und die Abschaffung der christlichen Kirche. So konnte es geschehen, dass 1046, in einer politisch bewegten Zeit, die Bischöfe des Landes sich in Buda versammelten um den neuen König zu empfangen. Am 24. September 1046 wird der Heilige Gerhard, nachdem er die Heilige Messe zusammen mit den anderen Bischöfen zelebriert hat und sich unterwegs befand, von Rebellen gefangen genommen, gesteinigt, getötet und von einem Felsen in die Tiefe gestürzt. Dieser Fels trägt heute seinen Namen: Sankt Gerhardsberg (Gellérthegy).

Der Leichnam des Heiligen Gerhard, der für seine Glaubensüberzeugung den Märtyrertod erlitt, wurde 1053 in den Tschanader Dom überführt und in einen einfachen, aus Stein gemeißelten und bis heute erhaltenen Sarkophag gelegt. Die Gebeine des Heiligen werden von seinen geistigen Erben als Reliquien verehrt. Im Jahre 1083 wird Gerhard heiliggesprochen.

1241 Die Zeitumstände erwiese sich als unbarmherzig für das Erbe des Heiligen Gerhard. Eine erste große Vernichtung der Diözese durch die Tataren wird 1241 verzeichnet. Die Bischofsstadt Tschanad fiel dem Feuer zum Opfer, unzählige Christen wurden getötet, das Kloster und die Bibliothek der Zisterzienser von Igriș (Egresch) wurden niedergebrannt.

Es ist ein Verdienst des Bischofs Blasius, der den Tschanader Bischofsstuhl 1243 bestieg, die Diözese wieder aufgebaut zu haben. Aus Ruinen, Hungersnot und Vernichtung gelang es ihm den Dom, die Kirchen, die Klöster und den Bischofssitz in Tschanad neu zu errichten. So konnten die päpstlichen Gesandten, die sich zwischen  1333-1337 auf dem Gebiet unserer Diözese aufhielten, neben dem sehr wichtigen und einflußreichen Domkapitel eine Zahl von 250 Pfarreien, die auf sieben Erzdechanate aufgeteilt waren, feststellen.

1514 Das 16. Jahrhundert bringt erneut Vernichtung und Leid über die Christen und somit auch über die Tschanader Diözese. Während des von Georg Dozsa angeführten Bauernaufstands, ermorden Aufständische den damaligen Bischof Nikolaus von Csák.

1526 Nur zwölf Jahre nach diesem unseligen Ereignis, am 29. August 1526, fallen der Bischof von Tschanad, Franz von Csáhol, zusammen mit dem König und den Magnaten des Landes auf dem Schlachtfeld von Mohács.

1552 Die türkische Herrschaft im Banat, die Ende Juli 1552 durch die Eroberung Temeswars einsetzte, bewirkte die Vernichtung aller Einrichtungen der Diözese und vieler Kirchen. Die Gläubigen wurden getötet oder gerieten in Gefangenschaft. Nur wenige Kirchen haben die 164 Jahre osmanischer Herrschaft überdauert. Die Tschanader Bischöfe setzten während der  türkischen Herrschaft ihre Tätigkeit in den Domkapiteln aus Nord- und Westungarn fort. Die einzigen im 17. Jahrhundert von den Türken auf dem Gebiet der Diözese geduldeten Kleriker waren die Franziskaner und Jesuiten, die sich in Zentren wie Szeged, Temeswar, Lipova (Lippa), Caransebeş (Karansebesch) oder Caraşova (Karaschowa) niedergelassen hatten.

1716 Im 18. Jahrhundert verzeichnet man die Wiederbelebung der Tschanader Diözese. Die Befreiung der Stadt Temeswar 1716 und des gesamten Gebietes unserer Diözese aus der Gewalt der Türken durch die Truppen Prinz Eugens von Savoyen schuf die Voraussetzungen für den Wiederaufbau der Diözese. Szeged ist nun der neue Sitz  des Tschanader Bischofs Ladislaus von Nádasd. Hier wird auch das Domkapitel wieder eingesetzt. Alte, untergegangene Pfarreien weden wiedererrichtet, neue werden gegründet. Die Jesuiten eröffnen in Temeswar eine Schule und beteiligen sich aktiv zusammen mit den Franziskanern an der geistigen Entwicklung  der Stadt.

1719 Die Jesuiten eröffneten in Temeswar die erste moderne Knabenschule. Sie beteiligten sich unermüdlich, paralell zu den Franziskanern, Minoriten, Kapuzinern und den Barmherzigen Brüdern an den Wiederaufbau des spirituellen Lebens des Bistums.

1732 Bischof Adalbert von Falkenstein (schon 1730 zum Bischof ernannt) verlegt den Bischofssitz von Szeged nach Temeswar. Im Jahre 1740, siedelt auch das Domkapitel in die Stadt an der Bega um.

1736 Am 5. August 1736 legt Bischof Adalbert von Falkenstein den Grundstein für den Bau eines neuen Doms in der Diözese Tschanad. Der Bau des Doms erfreut sich der hohen Schirmherrschaft des Kaisers Karl VI. und der Kaiserin Maria Theresia. Die Monarchen senden zu diesem Zwecke sehr gute Inginieure nach Temeswar, die die Bauleitung an den Dom sichern. Erbaut in einem wunderschönen Barockstil, bleibt die Kathedrale, die den Temeswarern auch unter den Namen „Die Domkirche“ bekannt ist, bis zur Gegenwart die erste Kirche unserer Diözese, des Römisch-Katholischen Bistums Temeswar.

1737 Die Barmherzigen Brüder eröffnen in Temeswar den ersten zivilen (nicht-militärischen) Spital. Dieser funktionierte zusammen mit einer Apotheke (die älteste der Stadt) im selben Gebäude mit dem Kloster dieser Brüder. Die Klosterkirche zum hl. Josef, der Nährvater Jesu, wurde 1757 fertig gebaut.

1739 Nach den ersten Kolonisationsaktionen, die vor allem mit katholischen Gläubigen deutscher Herkunft realisiert wurden, kommen auch die katholischen Bulgaren in das Banat. Als eine sehr interessante Erscheinung im Rahmen der multiethnischen banater Landschaft, verließen die katholischen Bulgaren ihre Heimat wegen den Verfolgungen denen sie ausgesetzt waren. Sie liessen sich in Ortschaften wie: Vinga (Winga), Kikinda Mică (Klein Kikinda bei Lovrin / Lowrin) und Dudeştii Vechi (Altbeschenowa) nieder, wo sie starke Pfarrgemeinden bildeten. Mit ihnen kam auch der bulgarische Bischof und Franziskanepater Nicolaus Stanislavich. Er wird den vakanten Bischofsstuhl der Tschanader Diözese zwischen 1739-1750 als Diözesanbischof besetzen.

1754 Bischof Franz Anton von Engl zu Wagrain zelebriert die erste Heilige Messe in der noch nicht fertig gebauten Domkirche. Bischof Engl wird auch den Grundstein einer neuen Kirche für den Wallfahrtsort Maria Radna im Jahre 1756 legen. Nur elf Jahre danach segnete er diese neue Wallfahrtskirche und überführte persönlich und auf feierlicher Weise die wundertätige Ikone der Gottesmutter in die neue Kirche.

1806 Bischof Ladislaus Köszeghy eröffnet das erste neuzeitliche Theologische Seminar der Diözese Tschanad. Derselbe Bischof wird 1804 die nun fertig gebaute  Domkirche, die Kathedrale der Tschanader Diözese, feierlich konsekrieren.

1841 Der gelehrte Bischof Joseph Lonovics de Krivina, der die Eröffnung einer Universität anstrebt, gründet 1841 die erste Temeswarer Hochschule: die Juristische Fakultät und 1845 die Philosophische Fakultät. Beide Schulen, zusammen mit der 1806 gegründeten Theologischen Fakultät, waren die höchsten akademischen Einrichtungen der Stadt und der Gegend.

1858 Von diesem Jahre an sind auch die Armen Schulschwestern (die Notre Dame Schwestern), auf Ansuchen des damaligen Bischofs Alexander Csajághy in Temeswar anwesend. Sie eröffneten in der Stadt an der Bega ihre erste Mädchenschule und Kloster in der Inneren Stadt (Huniade-Platz Nr. 2, verstaatlicht 1948). Diese berühmten Schwestern werden große Generationen von katholischen und nicht nur katholischen Mädchen aus dem Banat und der ganzen Diözese Tschanad, bzw. Temeswar erziehen.

1919 Das Ende des Ersten Weltkriegs bringt eine Dreiteilung der Tschanader Diözese mit sich. Eine Zahl von 33 Pfarreien und die Stadt Szeged bleiben unter ungarischer Herrschaft. In Szeged residiert ab 1923 auch der Tschanader Bischof. Dieses Gebiet wird 1982 in eine neue Diözese umgestaltet: die Diözese Szeged-Csanád. Ein zweiter Teil des Diözesangebietes, und zwar 64 Pfarreien mit dem Zentrum in Großbetschkerek (Zrenjanin), wird dem Serbisch-Kroatisch-Slowenischen Königreich einverleibt. Im Jahre 1988 entsteht aus diesem Gebiet die  Diözese Zrenjanin. Das größte Gebiet der ehemaligen Tschanader Diözese wird dem Rumänischen Königreich zugeteilt: 163 Pfarreien mit dem Zentrum in Temeswar.

1923 Das rumänische Gebiet der ehemaligen Tschanader Diözese wird am 17. Februar 1923 in einer Apostolischen Administratur mit dem Sitz in Temeswar organisiert. Der Domherr Augustin Pacha wird zum Apostolischen Administrator ernannt. Im selben Jahre verlässt der letzte Bischof von Tschanad, Dr. Julius Glattfelder, definitiv die Stadt Temeswar.

1930 Am 5. Juni 1930 wird die Apostolische Administratur Temeswar, durch die Bulle Sollemni Conventione des Papstes Pius XI. zum Rang einer Diözese erhoben. Dr. h. c. Augustin Pacha, der bisherige Titularbischof von Lebedo, wird zum ersten Diözesanbischof von Temeswar ernannt. Er war bereits 1927 in Temeswar zum Bischof konsekriert worden.

1948 Die Diözese Temeswar wurde einseitig von der atheistisch-kommunistischen Regime zum Rang eines Dekanats (Protopopiat) degradiert. Den religiösen Orden und den katholischen Vereinen wird jede Tätigkeit untersagt. Das Theologische Seminar, sowie alle katholischen Konfessionsschulen werden samt ihrer ganzen Ausstattung beschlagnahmt. Msgr. Josef Pless leitete ab 1948, offiziell, vor den staatlichen Behörden und bis zu seiner Verhaftung 1951, das Bistum.

1950 Diözesanbischof Dr. h. c. Augustin Pacha und 44 Priester werden verhaftet. Weihbischof Dr. Adalbert Boros, der in Bukarest am 12. Dezember 1948 durch den Apostolischen Nuntius Gerald O´Hara konsekriert wurde, leidet dreizehn Jahre in Haft.

1951-1954 wird die abusiv abgeschaffene Diözese Temeswar, unter schwierigen Umständen, vom Ordinarius Substitutus Iván Frigyér, Domherr und Pfarrer zu Temeswar VI Fratelia geleitet.

1954 Nach drei Jahren Haft und einem langen Leiden, stirbt in Temeswar am 4. November 1954 der Diözesanbischof Dr. h. c. Augustin Pacha im Alter von 84 Jahren. Sein Nachfolger, Msgr. Konrad Kernweisz trug als Oberhirte den Titel Ordinarius substitutus. Er leitete die Diözese bis zu seinem Tode 1981, zusammen mit dem Generalvikar Msgr. Ferdinand Cziza.

1981 Neuer Ordinarius substitutus wurde Msgr. Ferdinand Hauptmann, der sich aber 1983 zurückzog.

1983 Pfr. Sebastian Kräuter wird der nächste Ordinarius Substitutus ad Nutum Sancti Sedis. Dieser Titel bestätigte die Zustimmung des hl. Stuhl was die Wahl des Pfr. Kräuter in dieser Würde anbelangt.

1990 Die Diözese Temeswar wird wiederbelebt und Monsignore Sebastian Kräuter wird zum neuen Diözesanbischof ernannt und geweiht.

1999 An die Spitze der Diözese Temeswar tritt Seine Exzellenz Diözesanbischof Martin Roos, der 91. Nachfolger des Heiligen Gerhard am heutigen rumänischen Boden.

2005 Das Bistum feierte 975 Jahre seit der Gründung der alten Diözese Tschanad und 75 Jahre seit der Gründung der Diözese Temeswar, die Nachfolgerin des Bistums Tschanad in den zu Rumänien gehörenden Gebieten.

2016 Auf Initiative des Bistums Temeswar und ihres Bischofs, Msgr. Martin Roos, feierte man zusammen mit anderen Konfessionen, kulturellen und verwalterischen Einrichtungen 300 Jahre seit der Befreiung Temeswars von den Osmanen durch den Prinzen Eugen von Savoyen, sowie 280 Jahre seit der Grundsteinlegung zum Bau der Domkirche zum hl. Georg, die Kathedrale des Bistums Temeswar.

2018 Die Leitung des Bistums Temeswar wird durch den neu ernannten Oberhirten, Seine Exzellenz Josef Csaba Pál, Diözesanbischof, der 92. Nachfolger des hl. Gerhard am rumänischen Boden, übernommen. Papst Franziskus nahm den kirchenrechtlich, altersbedingten (75) Rücktritt von Bischof Martin Roos an.

 

AD MULTOS ANNOS!!!