Die Domkirche zum ,,HEILIGEN GEORG“

Die Domkirche zum ,,HEILIGEN GEORG“2019-02-21T20:31:21+03:00

Bekannt bei den alten Temeswarern unter dem Namen „Domkirche“ wurde die Kathedrale am Domplatz (heute „Piaţa Unirii“) nach der Vertreibung der Türken, auf die Initiative des Kaisers Karl VI. von Österreich errichtet. Die Baupläne wurden vom kaiserlichen Architekten Josef Emmanuel Fischer von Erlach erstellt; dieser hatte auch den Bau der Wiener Hofburg geleitet. Die in Temeswar tätigen Baumeister und Ingenieure Theodor Kostka, Carl Steinlein und Caspar Diss(t)l haben ebenfalls einen wesentlichen Beitrag zur Errichtung der Domkirche geleistet. Die Grundsteinlegung erfolgte am 6. August 1736, am Fest der „Verklärung des Herrn“, durch den damaligen Bischof von Tschanad mit Sitz in Temeswar, Adalbert von Falkenstein. Die Bauarbeiten begannen im Jahre 1736, doch nach zwei Jahren mussten sie wegen der Pestepidemie, die über die Stadt hereinbrach, eingestellt werden. Die Arbeiten wurden nach einigen Jahren wieder aufgenommen und so wurde die Kirche erst im Jahre 1754 teilweise vollendet. Am 30. April 1754 segnete Anton Graf Engl von Wagrain, Bischof von Tschanad, das Gotteshaus. Dieser zelebrierte hier, in der neuen Kathedrale, noch am 8. September desselben Jahres die erste Heilige Messe. Die Kirche ist im Barockstil erbaut und erhielt schon bei der Erstellung der ursprünglichen Pläne zwei Türme (auf der West-Fassade). Diese Türme wurden schon vom Anfang an nicht allzu hoch gebaut, so dass sie keine Ziele für die feindlichen Kanonen, zu Kriegszeiten, werden sollen. Diese war die Architekturlogik jener unruhigen Zeiten, aber eigentlich wollte man auch sparen.
Das Hauptaltarbild ,,Der Heilige Georg“ wurde im Jahre 1754 vom Direktor der Kunstakademie in Wien, Michael Angelo Unterberger, gemalt, die Gemälden der Nebenaltäre aber stammen vom Wiener Maler Johann Nepomuk Schöpf und wurden im Jahre 1772 bemalt. Die Orgel wurde vom Temeswarer Orgelbauer Leopold Wegenstein im Jahre 1907 gebaut, ersetzte aber ein älteres Instrument, aus dem 18. Jahrhundert. Die erste Turmuhr war ein Werk des Temeswarer Uhrmachers Josef Martin Kidt und wurde auf Verordnung des Bischofs Franz Anton Engl von Wagrain im Jahre 1764 gebaut. Eine neue „Repetieruhr” wurde 1893 aus eigenen Mitteln des Bistums angekauft. Die Domkirche verfügt über ein volles, beeindruckendes Geläut: in den zwei Türmen befinden sich insgesamt sieben Glocken. Die älteste Glocke wurde im Jahre 1762 in Buda, durch den Glockengießer Josef Steinstock gegossen. Die weiteren sechs wurden nach 1990 durch Bischof Kräuter und Kanzleidirektor Msgr. Roos bei der Firma Rincker in Sinn, Hessen erneuert worden. Die letzte gegossene Glocke stammt aus dem Jahre 2012 und wurde zu Ehren des Märtyrerbischofs Konstantin Ignaz Bogdánnffy, ein Sohn unseres Bistums, geweiht.
Die feierliche Konsekrierung der Domkirche, die Kathedrale der damaligen Tschanader Bischöfe, fand erst am 24. April 1803 statt, am zweiten Tag nach dem Fest des Heiligen Georg, Schutzpatron der Domkirche. Konsekrator war Bischof Ladislaus Köszeghy von Remete, der im Jahre 1804 auch das erste moderne römisch-katholische Priesterseminar in Temeswar gründete. Die Domkelche, die Prachtmonstranz, die „Ewige Licht”-Lampe, das Kapitelkreuz und andere wertvolle Gegenstände wurden durch den Wiener Goldschmied Josef Moser, teils 1754, teils danach gearbeitet. Zwei neu-gotische Nebenaltäre wurden der Innenausstattung der Domkirche durch Bischof Alexander Csajághi (1850-1860) hinzugefügt: einer der Gottesmutter Maria, der andere dem heiligen Gerhard, dem ersten Bischof der Diözese und Märtyrer (+1046), geweiht. Unter der Statue des hl. Gerhard wird eine Reliquie des ersten Bischofs aufbewahrt und verehrt. Obwohl die Struktur der beiden neu-gotischen Altäre aus Holz besteht, wurde die Statue der Gottesmutter, am gegenüberstehenden Altar, nach der Revolution von 1848-49, aus Metall gegossen. Das Material stammt von einer Kanone, die während der Belagerung Temeswars 1849 benutzt wurde… Der letzte Nebenaltar der Domkirche, chronologisch gesehen, wurde im Jahre 1900 erbaut und ist eine Spende der adeligen Familie Bersuder. Er ist dem Allerheiligsten Herzen Jesu geweiht und wurde aus Holz, bei der Firma Ferdinand Stuflesser, in St. Ulrich in Gröden (Südtirol, heute Ortisei, Nord-Italien) angefertigt.
Die Domkirche besitzt eine eigene Krypta, wo Bischöfe, Domherren, aber in der Vergangenheit auch einige Festungskommandanten und Adelige beerdigt wurden. Hier befinden sich auch die Ruhestätten der Temeswarer Bischöfe Augustin Pacha (+1954), Adalbert Boros (+2003, Weihbischof) und Sebastian Kräuter (2008).
Nennenswerte Renovierungen fanden 1926 und 1986 statt. 2003-2005 und 2011 wurde das Äußere der Domkirche nochmals renoviert. Aus einem rein kirchlich-administrativen Sichtpunkt gesehen ist die Domkirche exklusiv die Kirche, in der der Bischof von Temeswar und das Domkapitel die Heilige Messe zelebrieren und wo diese auch predigen. Die Messopfer werden auf Rumänisch, Deutsch und Ungarisch zelebriert. Die vom Bischof zelebrierten Messen beinhalten immer Teile, die auch in lateinischer, bulgarischer, kroatischer, tschechischer und slowakischer Sprache zelebriert werden. Da die Domkirche keine Pfarrkirche ist, hat sie auch keinen eigenen Pfarrer. Hier zelebrieren nur der Bischof, die Mitglieder des Domkapitels und die Priester aus der bischöflichen Aula.

Anschrift: Unirii-Platz, Nr 12.
Telefon: 0256-430.671