Am vergangenen Wochenende wurde in Großsanktnikolaus die vor ein paar Wochen eingetroffene neue, 1,2 Tonnen schwere Glocke mittels eines Krans auf den Kirchturm gehievt und gleichzeitig die zu ersetzende, durch zwei Sprünge kaputt gewordene Glocke aus dem Jahr 1921 herabgelassen und auf dem Kirchenvorplatz abgestellt. Die Arbeiten wurden von der in Arad ansässigen Firma APEL Industries, der Rumänienvertretung der österreichischen Firma Grassmayr, durchgeführt. Grassmayr ist eine Firma, die seit 1599 sich mit Glockengießerei und Glockenstuhlbau beschäftigt, mehrere Filialen in Österreich hat (neben dem Mutterwerk in Innsbruck) und ein eigenes privates Glockenmuseum betreibt. Die abmontierte Glocke hat das Interesse zahlreicher an der Lokalgeschichte von Großsanktnikolaus Interessierter geweckt, vor allem, weil auf ihren Klangkörper die Namen der Hauptspender aus den Zeiten des ersten Weltkriegs im Relief gegossen sind (u.a. die Besitzerfamilie des Netzwerks großer Banater Getreidemühlen, Prohaska, oder die Familie des zu Beginn des 20. Jahrhunderts wichtigsten Apothekers des Städtchens, Peter Bender, aber auch des Industriellen Ferdinand – „Nandor“ – Korber oder die Großbauernfamilien Thomas Röhrich, Johann u. Peter Kyri, Peter Grünn oder Stefan Haller – auf der Glocke vermerkt als „Haller Pistike“). Die monumentale römisch-katholische Kirche von Großsanktnikolaus, eine Stiftung der Grafenfamilie der Nákó, wird 2024 ihr 200. Weihejahr begehen. Sie ist der Heiligen Teresa von Ávila, einer Nonne des Karmeliterordens, Mystikerin und Kirchenlehrerin, geweiht. Der 15. Oktober, der Kirchweihtag von Großsanktnikolaus, ist im römischen, anglikanischen und evangelischen Namenskalender als Festtag verzeichnet. Bis zum Kirchenjubiläum 2024 möchte der zupackende Pfarrer von Großsanktnikolaus, Attila Ándó, auch den Glockenstuhl reparieren/ ersetzen lassen, sofern dafür ausreichend Spenden gesammelt werden können.

Werner Kremm

Erschienen in: Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien, 29. Jahrgang/Nr. 7220 Bukarest, Mittwoch, 16. November 2021, S. 5.

Foto: Octavian Marian Hapca