{"id":22431,"date":"2020-02-02T15:43:55","date_gmt":"2020-02-02T13:43:55","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=22431"},"modified":"2020-02-02T15:46:07","modified_gmt":"2020-02-02T13:46:07","slug":"der-wille-zu-ueberleben-der-glaube-an-gott-die-zuhause-gebliebene-familie-gaben-den-russlanddeportierten-halt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/der-wille-zu-ueberleben-der-glaube-an-gott-die-zuhause-gebliebene-familie-gaben-den-russlanddeportierten-halt\/","title":{"rendered":"\u201eDer Wille zu \u00fcberleben, der Glaube an Gott, die zuhause gebliebene Familie gaben den Russlanddeportierten Halt\u201c"},"content":{"rendered":"<p>ADZ-Gespr\u00e4ch mit Erwin Josef \u021aigla, dem Vorsitzenden des Demokratischen Forums der Banater Berglanddeutschen (DFBB)<br \/>\n(Erschienen in: ADZ &#8211; Allgemeine Deutsche Zeitung f\u00fcr Rum\u00e4nien, 28. Jahrgang\/Nr. 6772 Bukarest, Mittwoch, 29. Januar 2020, S. 3.)<\/p>\n<p><strong><em><a href=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/44b.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"lazyload size-medium wp-image-22270 alignleft\" src=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/44b-300x219.jpg\" data-orig-src=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/44b-300x219.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"219\" srcset=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27300%27%20height%3D%27219%27%20viewBox%3D%270%200%20300%20219%27%3E%3Crect%20width%3D%27300%27%20height%3D%27219%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-srcset=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/44b-200x146.jpg 200w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/44b-300x219.jpg 300w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/44b-400x292.jpg 400w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/44b-600x438.jpg 600w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/44b-768x561.jpg 768w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/44b-800x584.jpg 800w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/44b-1024x747.jpg 1024w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/44b-1200x876.jpg 1200w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/44b.jpg 1296w\" data-sizes=\"auto\" data-orig-sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Jedes Jahr im Januar wird in Reschitza\/Re\u0219i\u021ba der Deportation der Rum\u00e4niendeutschen in die ehemalige Sowjetunion gedacht. Es ist stets auch ein Treffen der ehemaligen Russlanddeportierten, deren Zahl von Jahr zu Jahr sinkt. Damit dieses Kapitel rum\u00e4niendeutscher Geschichte nicht in Vergessenheit ger\u00e4t, daf\u00fcr sorgt im Banater Bergland Erwin Josef \u021aigla. Der DFBB-Vorsitzende ist seit Jahren bestrebt, die Aufmerksamkeit der \u00d6ffentlichkeit auf das Thema der Russlanddeportation zu lenken. Vergangene Woche fand, anl\u00e4sslich der 75 Jahre seit dem Beginn der Russlanddeportation der Rum\u00e4niendeutschen, eine vielf\u00e4ltige Veranstaltungsreihe in Reschitza statt, die Ausstellungser\u00f6ffnungen, Buchpr\u00e4sentationen, Dokumentarfilmvorf\u00fchrungen und Vortr\u00e4ge umfasste. Wieso er sich stets f\u00fcr die Russlanddeportierten einbringt, erfahren Sie aus folgendem Interview, das Raluca Nelepcu mit Erwin Josef \u021aigla gef\u00fchrt hat.<\/em><\/strong><br \/>\n<strong>Sie sorgen jedes Jahr daf\u00fcr, dass im Banater Bergland der Russlanddeportation der Rum\u00e4niendeutschen gedacht wird. Welcher ist Ihr pers\u00f6nlicher Bezug zu diesem Thema?<\/strong><br \/>\nJosef Wrattny war einer der Banater Berglanddeutschen Russlanddeportierten, die f\u00fcr f\u00fcnf Jahre, weit weg von der Heimat, ins Ural-Gebirge, deportiert wurden. Seine Tochter, Anna, war viereinhalb Jahre alt, als sie ohne Vater blieb. Als er das Gl\u00fcck hatte, lebendig nach Hause zur\u00fcckzukehren, war sie bereits neuneinhalb Jahre alt, kannte aber ihren Vater fast nicht mehr. Die gr\u00f6\u00dfte Freude im Leben der Familie Wrattny war, wie in so manchen anderen deutschen Familien aus Rum\u00e4nien, am Heiligen Abend des Jahres 1949, als der Vater aus der Deportation heimkam: Es war das sch\u00f6nste Weihnachtsgeschenk, das die Familie bis dahin und auch \u00fcberhaupt im Leben bekommen sollte.<br \/>\nJosef Wrattny ist am 8. M\u00e4rz 1910 in Reschitza geboren und gestorben ist er am 27. Januar 1992 ebenda. Er war mein Gro\u00dfvater m\u00fctterlicherseits. Ihm ist es zu verdanken, dass ich gleich nach der Wende 1990 begann, mich mit diesem Thema intensiv zu besch\u00e4ftigen. So wurde das erste gro\u00dfe den Russlanddeportierten gewidmete Denkmal Rum\u00e4niens im Jahr 1995 errichtet, so organisierte ich, neben den j\u00e4hrlichen Gedenkveranstaltungen in der Hauptstadt des Banater Berglands, auch die Landesgedenkveranstaltung zu 60 Jahren seit dem Beginn der Russlanddeportation, am 22. Januar 2005, und nun die Landesgedenkveranstaltung zu 75 Jahren, am 24. und 25. Januar dieses Jahres.<br \/>\n<strong>Wie viele Deutsche aus dem Banater Bergland wurden damals deportiert? Wie viele kehrten nach der Zwangsarbeit zur\u00fcck?<\/strong><br \/>\nLaut den Informationen, die ich besitze, waren es an die 10.000 Banater Berglanddeutsche, die in die ehemalige Sowjetunion deportiert wurden. 10 Prozent davon starben dort. Interessant ist die Tatsache, dass der Gro\u00dfteil der Banater Berglanddeutschen an den Rand Europas, in das Ural-Gebirge, deportiert wurde und haupts\u00e4chlich im Bergbau und Forstwesen besch\u00e4ftigt war. Nicht wenige waren diejenigen, die ihr Leben dort gelassen haben, infolge von Hunger, Krankheit und Ausbeutung durch Arbeit.<br \/>\nZurzeit leben im Banater Bergland 18 Deportierte, neun davon in Reschitza. Von Jahr zu Jahr werden sie weniger, von Jahr zu Jahr gehen sie schwerer, werden buckliger und doch, wenn man von einer gewissen Etappe ihrer Jugend spricht, atmen sie auf und ihnen kommen die Tr\u00e4nen.<br \/>\n<strong>Die Vorf\u00fchrung von Dokumentarfilmen zur Russlanddeportation in mehreren Reschitzaer Lyzeen war ein wichtiges Anliegen heuer. Inwiefern ist die Jugend mit diesem Thema vertraut?<\/strong><br \/>\nDie Idee kam mir vor einigen Jahren, als ich mitbekam, dass es immer weniger Menschen in der allgemeinen Gemeinschaft Reschitzas gibt, die Kenntnisse \u00fcber die Russlanddeportation besitzen. Und wer wird es in einigen Jahren sein? Die heutigen Schulkinder, die Erwachsenen von morgen, die gr\u00f6\u00dftenteils in der Gemeinschaft aktiv impliziert sind.<br \/>\nIn diesem Jahr waren es vier Schulen in Reschitza, in die ich hinging und \u00fcber die Russlanddeportation sprach. Wichtiger Bestandteil dieses Besuchs war auch jeweils eine Dokumentarfilmvorf\u00fchrung, eine Produktion meines Bukarester Freundes Cristian Amza, der 24 Filme zum Thema Deportation im Laufe der letzten Jahre gedreht hat. Ihm ist es zu verdanken, neben weiteren Initiativen, dass dieses Thema, Informationen dazu, gro\u00dfe Verbreitung findet. Man soll es nicht vergessen.<br \/>\nWas berichten die Geschichtsb\u00fccher dar\u00fcber? Finden Sie, dass das Thema in der Schule ausreichend behandelt wird oder gibt es Nachholbedarf?<br \/>\nEs muss uns bewusst sein, dass die Russlanddeportation f\u00fcr unsere Geschichte besonders wichtig ist. F\u00fcr Rum\u00e4nien als Land bildet sie eine der vielen dunklen Seiten der Geschichte des 20. Jahrhunderts. Erinnern wir uns u. a. an die Gef\u00e4ngnisse und das Foltern innerhalb derselben, an die B\u0103r\u0103gan-Deportation, an den Donau-Schwarzmeerkanal, u. v. m. Sicher, immer gibt es M\u00f6glichkeiten, es besser zu machen, so auch die Behandlung der Themen der Russlanddeportation in den Geschichtsschulb\u00fcchern.<br \/>\nBesonders wichtig ist die Tatsache, dass immer mehr Historiker, nicht nur deutsche, sich des Themas annehmen und in den Archiven t\u00e4tig sind, um neue Informationen zur Russlanddeportation herauszufinden und zu ver\u00f6ffentlichen. So bekommt man allgemein neue Kenntnisse und das finde ich sehr gut.<br \/>\n<strong>Ein \u00f6kumenischer Wortgottesdienst, bei dem der Temeswarer katholische Bischof, Josef Csaba P\u00e1l, und der evangelische Bischof Reinhart Guib zusammenkamen, fand zum Schluss der Veranstaltungsreihe statt. Warum war es f\u00fcr Sie wichtig, dass auch die evangelische Gemeinde miteinbezogen wird?<\/strong><br \/>\nWir wissen ja, dass Anfang 1945 arbeitsf\u00e4hige M\u00e4nner und Frauen aus dem gesamten damaligen Territorium des K\u00f6nigreichs Rum\u00e4nien, aus Siebenb\u00fcrgen, aus dem Banat, aus dem Sathmarer Land und dem Kreisch-Gebiet, aus dem Buchenland, aus Bukarest und aus der Dobrudscha, aus dem ganzen Altreich aus der Mitte der eigenen Familie und Gemeinschaft gerissen wurden und in Viehwaggons bis weit in den Donezk-Raum, in der heutigen Ukraine, oder auch bis in das Uralgebiet, an der Grenze zwischen Europa und Asien, deportiert wurden. Ein wichtiger Teil davon geh\u00f6rte als Gl\u00e4ubige der Evangelischen Kirche A.B. in Rum\u00e4nien an. So ist es selbstverst\u00e4ndlich, dass wir gemeinsam dieser Ereignisse gedenken.<br \/>\nPers\u00f6nlich bin ich \u00f6kumenisch gepr\u00e4gt und habe seit 1990 alles, was in meiner Macht gestanden hat, f\u00fcr die F\u00f6rderung der \u00d6kumene getan. So erinnere ich mich sehr gerne an den 14. November 1992, als, innerhalb der zweiten Auflage der \u201eDeutschen Kulturdekade im Banater Bergland\u201c zum ersten Mal in der Geschichte der Rum\u00e4niendeutschen ein \u00f6kumenischer Lesegottesdienst der beiden Bisch\u00f6fe Sebastian Kr\u00e4uter, r\u00f6misch-katholischer Di\u00f6zesanbischof von Temeswar, und Dr. Christoph Klein, Bischof der Evangelischen Landeskirche A.B. Rum\u00e4nien, in der \u201eMaria Schnee\u201c-Pfarrkirche in Reschitza organisiert wurde. In pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4chen mit den beiden Bisch\u00f6fen wurde mir die Anerkennung zugesprochen, dass die Initiative \u201evon unten\u201c kam, von den Gl\u00e4ubigen, was mir Mut gab weiterzumachen. Nach dem \u00f6kumenischen Wortgottesdienst vom 14. November 1992 segneten beide Bisch\u00f6fe den Standort, wo das Denkmal zu Ehren der verstorbenen Russlanddeportierten 1995 errichtet werden sollte.<br \/>\nWeitere \u00f6kumenische Lesegottesdienste auf h\u00f6chster Ebene zwischen der R\u00f6misch-Katholischen Di\u00f6zese Temeswar und der Evangelischen Kirche A.B. Rum\u00e4nien fanden in Reschitza in meiner Mitorganisation am 14. Oktober 1995 mit der anschlie\u00dfenden Denkmaleinweihung und am 22. Januar 2005, als man auf Landesebene der 60 Jahre seit dem Beginn der Russlanddeportation in Reschitza gedachte, statt.<br \/>\n<strong>Die Russlanddeportierten werden Jahr f\u00fcr Jahr immer weniger. Wie k\u00f6nnte man es schaffen, dieses Thema in die Zukunft zu transportieren, damit es nicht in Vergessenheit ger\u00e4t?<\/strong><br \/>\nEinmal durch Buchver\u00f6ffentlichungen nicht nur in deutscher Sprache. Zweitens: Pr\u00e4senz zeigen in den Medien, gedruckt, Audio, Video und in den neuen, sozialen Medien, mit positivem Effekt weltweit. Dazu kommt der pers\u00f6nliche Einsatz dort, wo Deutsche in Rum\u00e4nien gelebt haben bzw. leben, Veranstaltungen organisieren, in deren Mittelpunkt die Russlanddeportation steht. Und selbstverst\u00e4ndlich Landesgedenkveranstaltungen, so wie es sie bis jetzt in Kronstadt\/Bra\u0219ov &#8211; 50 Jahre seit dem Beginn (12. &#8211; 14. Januar 1995), in Temeswar\/Timi\u0219oara &#8211; 55 Jahre (15. &#8211; 16. Januar 2000), in Reschitza &#8211; 60 Jahre (22. Januar 2005), in Sathmar\/Satu Mare &#8211; 65 Jahre (19. &#8211; 21. M\u00e4rz 2010) und in Temeswar (8. M\u00e4rz 2015) bzw. Hermannstadt\/Sibiu &#8211; 70 Jahre (10. &#8211; 11. M\u00e4rz 2015) gegeben hat.<br \/>\n<strong>Sie selbst haben sich schon so oft mit ehemaligen Deportierten unterhalten. Was haben Sie pers\u00f6nlich, bzw. was kann man im Allgemeinen von diesen Menschen lernen?<\/strong><br \/>\nDer Wille zu \u00fcberleben, der Glaube an Gott, die zuhause gebliebene Familie, die Heimatverbundenheit und -liebe: das gab allen Russlanddeportierten Halt. Sie bilden ein Beispiel f\u00fcr unsere heutigen und morgigen Zeiten!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ADZ-Gespr\u00e4ch mit Erwin Josef \u021aigla, dem Vorsitzenden des Demokratischen Forums der Banater Berglanddeutschen (DFBB) (Erschienen in: ADZ &#8211; Allgemeine Deutsche Zeitung f\u00fcr Rum\u00e4nien, 28. Jahrgang\/Nr. 6772 Bukarest, Mittwoch, 29. Januar 2020, S. 3.) Jedes Jahr im Januar wird in Reschitza\/Re\u0219i\u021ba der Deportation der Rum\u00e4niendeutschen in die ehemalige Sowjetunion gedacht. 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