{"id":25369,"date":"2020-05-21T13:40:19","date_gmt":"2020-05-21T10:40:19","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=25369"},"modified":"2020-05-21T13:40:19","modified_gmt":"2020-05-21T10:40:19","slug":"die-corona-krise-und-unser-christlicher-glaube","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/die-corona-krise-und-unser-christlicher-glaube\/","title":{"rendered":"Die Corona-Krise und unser christlicher Glaube"},"content":{"rendered":"<p>Seit Wochen h\u00e4lt ein kleiner Virus die ganze Welt in Atem, legt ganze Wirtschaftszweige lahm, bringt Menschen in gro\u00dfe existentielle N\u00f6te und, und \u2026 Und nicht zuletzt: gef\u00e4hrdet das Leben unz\u00e4hliger Menschen! Virologen haben Alarm geschlagen, warnten und warnen vor dieser lebensbedrohlichen Pandemie. Der bisher erlebte und gelebte Alltag wurde \u00fcber Nacht abgeschaltet. Undenkbares und Unvorstellbares wurden Wirklichkeit. Wir haben Einschr\u00e4nkungen im privaten und \u00f6ffentlichen Leben in einem bisher unvorstellbaren Ausma\u00df erlebt. Auch das kirchliche Leben war davon massiv betroffen. \u00d6ffentliche Gottesdienste konnten nicht gefeiert werden. Wir haben die Kar- und Ostertage, den H\u00f6hepunkt des Kirchenjahres, in einer bisher nie dagewesenen Weis erlebt. Der Papst hat die Liturgie der Kar- und Ostertage ohne Anwesenheit der Pilger und Gl\u00e4ubigen gefeiert. Unser Heimatbischof Josef Csaba P\u00e1l hat die Liturgie der Kar-und Ostertage in der Kapelle des Bisch\u00f6flichen Ordinariats zelebriert, die live auf der Facebook-Homepage der Di\u00f6zese Temeswar \u00fcbertragen wurden. Wir sind froh und dankbar, dass die Technik uns viele M\u00f6glichkeiten bietet, miteinander in Verbindung zu kommen und in Verbindung zu bleiben \u00fcber alle r\u00e4umlichen Entfernungen hinweg. Viele Menschen konnten in dieser Zeit nur \u00fcbers Fernsehen, Radio und Internet Gottesdienste erleben und mitfeiern.<br \/>\nNun \u00f6ffnen sich wieder langsam die T\u00fcren, auch unsere Kirchent\u00fcren, so dass wir wieder miteinander Gottesdienst feiern k\u00f6nnen. Zwar \u00f6ffnen sich die T\u00fcren nur einen spaltbreit, aber sie \u00f6ffnen sich. Die Vorgaben zur Feier der \u00f6ffentlichen Gottesdienste sind streng, ihre Umsetzung sind mit gro\u00dfem Aufwand verbunden. Von einer R\u00fcckkehr zur Normalit\u00e4t sind wir noch weit entfernt. Viele Menschen sind auch noch sehr verunsichert. Andere wiederum sind froh, dass man endlich wieder Gottesdienste feiern kann.<br \/>\nWas immer wir in den n\u00e4chsten Wochen und Monaten auch tun k\u00f6nnen, es bleibt eine Notl\u00f6sung, wie so vieles auch in unserem Alltag und in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen. Aber eine Notl\u00f6sung ist meiner Meinung nach immer noch besser als gar keine L\u00f6sung.<br \/>\nDie Corona-Krise stellt auch unseren Glauben und unser Glaubensleben vor eine so noch nicht gekannte Herausforderung. Mich haben diese Ereignisse oft ratlos und manchmal auch sprachlos gemacht! Ein Gebet, das mich schon mehr als 40 Jahre begleitet, hat mir in den letzten Wochen und Monaten auch viel Kraft, Trost und Ermutigung gegeben.<br \/>\nIch m\u00f6chte hier nicht nur das Text des Gebetes bekannt machen, sondern (in kursiver Schrift) noch einige Gedanken hinzuf\u00fcgen, die mir immer wieder beim Beten in dieser schwierigen Zeit gekommen sind.<br \/>\n<u><br \/>\nGebet: <\/u><\/p>\n<p>Du wei\u00dft den Weg<br \/>\n(aus dem \u201eGebetsschatz\u201c von A. M. Weigl S. 56-57: Die diese Worte sang, wurde zu<br \/>\nRiga am 22.05.1919 von den Kommunisten erschossen)<\/p>\n<p>\u201eWei\u00df ich den Weg auch nicht,<br \/>\nDu wei\u00dft ihn wohl.<br \/>\nDas macht die Seele still und friedensvoll.<\/p>\n<p><em>(\u201eJa, Du wei\u00dft auch, was noch alles durch diese Pandemie auf uns zukommen wird, ich wei\u00df es nicht! Aber gut, wenn Du das wei\u00dft!\u201c<\/em><\/p>\n<p>Ist`s doch umsonst, dass ich mich sorgend m\u00fch`,<br \/>\nDass \u00e4ngstlich schl\u00e4gt mein Herz, sei`s sp\u00e4t, sei`s fr\u00fch \u2013<br \/>\n<em>(Die Unsicherheit in der wir leben, macht mir schon zu schaffen!)<\/em><br \/>\nDu wei\u00dft den Weg ja doch!<\/p>\n<p><em>(Und das ist wirklich beruhigend und tr\u00f6stlich!)<\/em><\/p>\n<p>Du wei\u00dft die Zeit \u2013<br \/>\nDein Plan liegt fertig stets und ist bereit.<\/p>\n<p><em>(\u201eMein Gott, was hast du mit uns vor? Welcher Plan verbirgt sich hinter dieser weltweiten Pandemie? Und wie lange dauert sie noch an?\u201c)<\/em><\/p>\n<p>Ich preise Dich f\u00fcr Deiner G\u00fcte Macht.<\/p>\n<p><em>(\u201eBeim Anblick der vielen S\u00e4rge in Norditalien habe ich von dieser G\u00fcte nichts gesp\u00fcrt. Ich will aber fest daran glauben, dass Du uns nicht im Stich lassen wirst!\u201c)<\/em><\/p>\n<p>Ich preis`die Gnade, die mir Heil gebracht.<\/p>\n<p><em>(\u201eAuch wenn ich Deine G\u00fcte jetzt nicht sp\u00fcren kann, glaube ich daran, dass sich letztendlich alles zum Guten wenden wird.\u201c)<\/em><\/p>\n<p>Du wei\u00dft, woher der Wind so st\u00fcrmisch weht,<br \/>\nUnd du gebietest ihm, kommst nie zu sp\u00e4t.<\/p>\n<p><em>(\u201eUns geht es wie dien J\u00fcngern auf dem See Genesaret, als ein Sturm losbrach: Auch wir fragen besorgt: \u201eHerr, k\u00fcmmert es dich nicht, dass wir untergehen!\u201c. Doch Du hast alles im Griff: Du wirst schon rechtzeitig Dein Machtwort sprechen und dem Sturm auf dem Meer unseres Lebens und unserer Welt Einhalt gebieten!\u201c)<\/em><\/p>\n<p>Drum wart`ich still.<br \/>\nDein Wort ist ohne Trug.<br \/>\nDu wei\u00dft ja Weg und Zeit f\u00fcr mich \u2013<br \/>\nDas ist genug!\u201c<\/p>\n<p>Das ist ein Gebet, aus dem ich gerade in dieser schwierigen Zeit viel Kraft sch\u00f6pfe, auch wenn immer wieder Fragen und Zweifel aufkommen. Ich bin aber \u00fcberzeugt: Gott gibt uns auch in dieser unruhigen, schwierigen Zeit einen letzten Halt und in der Botschaft Jesu finden wir f\u00fcr uns eine sichere Orientierung!<br \/>\nWir Christen sind von unserem Glauben her Menschen der Hoffnung. Wir sind aber keine Tr\u00e4umer und Phantasten. Wir malen kein rosiges Bild von der Welt und ihren Zust\u00e4nden. Wir Christen sind Realisten. Wir sehen die Welt so wie sie ist \u2013 in ihrer Widerspr\u00fcchlichkeit und Unvollkommenheit. Wir wissen, dass die Welt bedroht ist: Wir sind oft bedr\u00fcckt, traurig und einsam. Wir erleben Misserfolge, Entt\u00e4uschungen, wir sto\u00dfen an die Grenzen unserer Kr\u00e4fte. Manchmal k\u00f6nnte man an der Welt und ihren Zust\u00e4nden verzweifeln.<br \/>\nUnd dennoch: Wir lassen uns nicht entmutigen! Denn es kann uns nichts passieren, ohne dass Gott es w\u00fcsste. Und ER verl\u00e4sst die Seinen nicht. Er vergisst uns nicht. Er l\u00e4sst uns nicht im Stich!<br \/>\nDas ist unsere Hoffnung auch in der Corona-Krise, in der wir uns immer noch befinden. Dass wir diese Krise mit Gottes Hilfe gut bestehen k\u00f6nnen, daran glaube ich. Aber wie wir durch diese Krise letztendlich kommen, wie viele Verluste wir zu verkraften haben, welchen Preis im Alltag wir zahlen m\u00fcssen, dass wei\u00df ich nicht. Da tappen wir alle im Dunkeln. Ich bin aber \u00fcberzeugt: Unser christlicher Glaube schenkt uns so viel Licht als n\u00f6tig, um die Dunkelheiten dieses Lebens und dieser Welt ertragen zu k\u00f6nnen. Der Herr hat nicht versprochen, die Last des Lebens einfach von uns zu nehmen. Er gibt uns aber Kraft, diese Last zu tragen. Und denken wir immer wieder daran: Wir m\u00fcssen unseren Lebensweg nicht alleine gehen. Der Herr, unser Gott, geht mit. Und darum bleibe ich zuversichtlich inmitten vieler Fragen und Sorgen.<br \/>\nDie Corona-Pandemie ist eine weltweite, globale Erfahrung. Es gibt kaum ein Land auf dem Globus, das nicht betroffen w\u00e4re. Eine solche globale Erfahrung wird nicht ohne Folgen f\u00fcr unser pers\u00f6nliches, f\u00fcr das gesellschaftliche, aber auch f\u00fcr das kirchliche Leben bleiben. Man wird \u2013 wenn die Pandemie \u00fcberwunden ist \u2013 nicht einfach da weitermachen k\u00f6nnen, wo man vor der Pandemie aufgeh\u00f6rt hat. Man wird nicht so weitermachen k\u00f6nnen, als ob nichts gewesen w\u00e4re. Ich bin sicher: Es wird zu Ver\u00e4nderungen kommen. Welche das sind, das ist die spannende Frage.<br \/>\nWird diese weltweite Corona-Krise die Menschheit zum Besseren ver\u00e4ndern? Werden wir in Zukunft Priorit\u00e4ten anders setzen? Werden wir mehr darauf achten, was wirklich z\u00e4hlt? Worauf es wirklich ankommt im Leben? Wird es unserer Gesellschaft gelingen, notwendige Verbesserungen im Gesundheitswesen und in anderen lebenswichtigen Bereichen vorzunehmen? Sind die Menschen endlich bereit das Thema \u201eKlimawandel\u201c konsequent und entschieden anzugehen? Wird es insgesamt weniger Egoismus, weniger Streben nach Profit und Durchsetzung der eigenen Interessen geben, und stattdessen mehr Mitmenschlichkeit, mehr Gerechtigkeit und Solidarit\u00e4t?<br \/>\nDa sind wir alle gefragt und ich bin sicher, gerade unser christlicher Glaube kann uns eine wertvolle Hilfestellung geben, um uns den Herausforderungen zu stellen, die mit den eben genannten Fragen verbunden sind.<br \/>\nDie Erfahrungen, die jetzt alle weltweit machen, k\u00f6nnen die Menschen zu neuen Einsichten f\u00fchren und so die Menschheit auch weiterbringen. Wir werden an bestimmte Wahrheiten, erinnert, die wir vergessen oder verdr\u00e4ngt haben. Die Macht des Menschen ist begrenzt, ja ein kleiner Virus hat gen\u00fcgt, um sie in Ohnmacht zu verwandeln.<br \/>\nTrotz aller Fortschritte in Wissenschaft und Technik, haben wir nicht alles im Griff. Es gibt keine absolute Sicherheit, unser Leben ist vielen Gefahren und Bedrohungen ausgesetzt. Wir Menschen sind aufeinander angewiesen, wir bleiben voneinander abh\u00e4ngig. Wir brauchen einander. Wir m\u00fcssen auf vieles, was uns lieb und teuer ist, verzichten. Wir m\u00fcssen bereit sein, Opfer zu bringen und uns anzustrengen.<br \/>\nDas sind Wahrheiten, die immer G\u00fcltigkeit hatten. Aber man hat dar\u00fcber kaum noch gesprochen. Es war nicht \u201ein\u201c, so zu reden. Es klang so altmodisch und \u00fcberholt.<br \/>\nVielleicht ist man jetzt aufgrund der in dieser Krise gemachten Erfahrungen wieder mehr bereit, auf die Stimmen zu h\u00f6ren, die zur Besonnenheit und zu mehr Lebensweisheit mahnen. Vielleicht hat die christliche Botschaft, die uns ein Leben in F\u00fclle verhei\u00dft, wieder eine gr\u00f6\u00dfere Chance geh\u00f6rt zu werden.<br \/>\nUnser Christsein ist mehr als nur Beten und die Feier von Gottesdiensten. Unser christlicher Glaube muss alltagstauglich, sich im Alltag bew\u00e4hren. Dazu ein Gedanke aus einem Zeitungsartikel, geschrieben in der Zeit, als noch keine \u00f6ffentlichen Gottesdienste gefeiert werden konnten: \u201eAuch wenn die Kirchen \u201edicht\u201c sind \u2013 anderen zu helfen, wie es jetzt unz\u00e4hlige Pflegekr\u00e4fte und \u00c4rzte, aber auch Nachbarn und Freunde tun \u2013 das ist der vielleicht gr\u00f6\u00dfte Gottes-Dienst, den ein Christ zurzeit erweisen kann.\u201c<br \/>\nWer an Jesus glaubt, muss bereit sein zum Dienst an den Mitmenschen. Wir sollen Menschen werden, die sich engagieren, die sich einsetzen, Menschen, die f\u00fcreinander da sind. Das sagt sich leichter und schneller als man es tun kann. Wir sind von Natur aus nicht Gebe- Menschen, sondern vielmehr \u201eNehme- Menschen\u201c. Menschen, die lieber nehmen als geben, lieber empfangen als weiterschenken. Wir kennen aber alle das Sprichwort: \u201eGeben ist seliger als Nehmen\u201c.<br \/>\nWir sollen deshalb verwandelt werden. Wir sollen aus \u201eNehme-Menschen\u201c in \u201eGebe-Menschen\u201c verwandelt werden. In Menschen, die sich immer mehr in Jesu Gesinnung und Lebenshaltung ein\u00fcben. Das ist ein langer und m\u00fchsamer Prozess. Es lohnt sich aber, sich darauf einzulassen.<br \/>\nEin Leben in der Nachfolge Jesu ist nicht zum Nulltarif zu haben. Ganz ohne Anstrengung und Selbst\u00fcberwindung, ohne Verzicht und Opfer geht es nicht. Papst Benedikt XVI. sagte einmal: \u201eGott hat uns nicht f\u00fcr das Bequeme geschaffen, sondern f\u00fcr das Gro\u00dfe und f\u00fcr das Gute.\u201c<br \/>\nDiese Botschaft ist keine neue Botschaft, sie ist so alt wie das Evangelium, wie das Christentum. Aber sie waren in Gefahr in Vergessenheit zu geraten. Ich hoffe, dass die schmerzlichen Erfahrungen, die wir jetzt machen m\u00fcssen, uns helfen wieder aufmerksamer auf das zu h\u00f6ren, was dem Leben dient und uns und die Gesellschaft insgesamt weiterbringt.<br \/>\nDie Corona-Krise wird gewaltige Auswirkungen haben f\u00fcr unser Leben und die Welt, es wird zu gro\u00dfen Ver\u00e4nderungen kommen, auch in der Kirche. Wir alle sind gefordert, unseren Beitrag zu leisten, dass sich diese Ver\u00e4nderungen zum Wohle der Menschheit auswirken.<\/p>\n<p><em>Pfarrer Karl Zirmer, Dekan des Dekanats R\u00fcsselsheim<\/em><\/p>\n<p>(Gerhardsbote Mai, 2020)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Wochen h\u00e4lt ein kleiner Virus die ganze Welt in Atem, legt ganze Wirtschaftszweige lahm, bringt Menschen in gro\u00dfe existentielle N\u00f6te und, und \u2026 Und nicht zuletzt: gef\u00e4hrdet das Leben unz\u00e4hliger Menschen! Virologen haben Alarm geschlagen, warnten und warnen vor dieser lebensbedrohlichen Pandemie. 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