{"id":35776,"date":"2021-10-11T15:25:24","date_gmt":"2021-10-11T12:25:24","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=35776"},"modified":"2021-10-11T15:29:18","modified_gmt":"2021-10-11T12:29:18","slug":"franziskus-vor-weltsynode-wir-sind-gerufen-zur-einheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/franziskus-vor-weltsynode-wir-sind-gerufen-zur-einheit\/","title":{"rendered":"Franziskus vor Weltsynode: \u201eWir sind gerufen zur Einheit\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Vor dem Beginn der Weltsynode, die als kirchlicher Weg auf zwei Jahre angelegt ist, hat an diesem Samstag im Vatikan ein \u201eTag des Nachdenkens\u201c mit Delegierten aus allen Erdteilen stattgefunden. Papst Franziskus sagte, eine Synode sei erst dann fruchtbar, wenn sie zum \u201eHandeln\u201c werde, an dem das ganze Volk Gottes und nicht nur eine Elite teilhabe. Das sei keine Frage des Stils, sondern des Glaubens.<\/strong><\/p>\n<p><i>Gudrun Sailer &#8211; Vatikanstadt<\/i><br \/>\n\u201eDie Teilnahme ergibt sich notwendigerweise aus dem Glauben an die Taufe\u201c, sagte Franziskus. Aus der Taufe n\u00e4mlich leite sich \u201edie gleich W\u00fcrde der Kinder Gottes ab, wenn auch in der Verschiedenheit der \u00c4mter und Charismen\u201c. Deshalb seien alle gerufen, am Leben der Kirche und ihrer Sendung teilzunehmen. Andernfalls bestehe \u201edie Gefahr, dass die Rede von der Gemeinschaft nur eine fromme Absicht ist\u201c.<br \/>\nFranziskus benannte an diesem Punkt ein Defizit der Kirche, n\u00e4mlich das \u201eUnbehagen und Leid\u201c vieler Mitarbeitender in der Pastoral und namentlich der \u201eFrauen, die oft noch am Rande stehen\u201c, weil sie sich nicht hinreichend einbringen k\u00f6nnen. \u201eDie Teilnahme aller ist eine wesentliche kirchliche Verpflichtung!\u201c, so der Papst mit Nachdruck.<\/p>\n<p><strong>Synodale Gefahren<\/strong><br \/>\nAllerdings warnte Franziskus \u2013 nicht zum ersten Mal \u2013 auch vor Risiken, die er in synodalen Prozessen sieht. Er nannte drei davon: Formalismus, Intellektualismus und Unbeweglichkeit. Eine Synode sei nichts \u00c4u\u00dferes wie die sch\u00f6ne Fassade einer Kirche, die man nie betrete, sondern \u201eein Weg echter geistlicher Unterscheidung\u201c. Form allein gen\u00fcge nicht, es brauche auch \u201eSubstanz, Instrumente und Strukturen, die den Dialog und die Interaktion innerhalb des Gottesvolkes f\u00f6rdern, insbesondere zwischen Priestern und Laien.\u201c Ausdr\u00fccklich kritisierte der Papst ein unter Priestern vorhandenes \u201eElitedenken, das dazu f\u00fchrt, dass man sich von den Laien abkoppelt, und am Ende wird der Priester zum Hausherrn\u201c. Die Kirche brauche an diesem Punkt \u201eeine Ver\u00e4nderung bestimmter ,von oben herab\u00b4 gerichteter, verzerrter und einseitiger Vorstellungen von der Kirche, vom priesterlichen Dienst, der Rolle der Laien, der kirchlichen Verantwortung, der Leitungsfunktion, undsofort.\u201c<\/p>\n<p><strong>Eine Synode ist keine Studiengruppe<\/strong><br \/>\nZweitens d\u00fcrfe die Synode, Stichwort Intellektualismus, keine \u201eStudiengruppe\u201c werden. Dabei n\u00e4mlich w\u00fcrde sie sich \u201evon der Wirklichkeit des heiligen Volkes Gottes\u201c l\u00f6sen. Das dritte Risiko, die Unbeweglichkeit, kn\u00fcpft Franziskus an den aus seiner Sicht irrigen Leitsatz, nichts d\u00fcrfe sich \u00e4ndern, weil \u201ees immer so gemacht wurde\u201c. Dabei w\u00fcrden am Ende blo\u00df \u201ealte L\u00f6sungen f\u00fcr neue Probleme\u201c aufgetischt und der Riss im Ganzen gr\u00f6\u00dfer statt kleiner. Um das zu vermeiden, empfahl Franziskus, \u201edass der Synodale Weg wirklich ein solcher ist, dass er ein Prozess im Entstehen ist; er m\u00f6ge von unten ausgehen\u201c, das hei\u00dft von den Ortskirchen, wo die Gl\u00e4ubigen in \u201eeine leidenschaftliche und konkrete Arbeit\u201c im Stil der Partizipation einzubeziehen seien.<br \/>\nSchlie\u00dflich skizzierte Franziskus drei Chancen der Weltsynode: dass sie die Kirche zu einer synodalen, zu einer h\u00f6renden und zu einer nahen Kirche mache. Synodal nicht nur fallweise, sondern \u201estrukturell\u201c, wie der Papst betonte. Dann w\u00e4re die Kirche \u201eein offener Ort, wo sich alle zu Hause f\u00fchlen und teilhaben k\u00f6nnen\u201c. Und Franziskus ermutigte zu einer Kirche, die \u201ef\u00fcr die Neuheit offen ist, die Gott ihr eingeben will\u201c. Er zitierte dabei den Konzilstheologen Yves Congar, der bereits 1950 in einem Essay \u00fcber echte und falsche Reformen in der Kirche festgehalten hatte: \u201eMan muss nicht eine andere Kirche machen, man muss eine Kirche machen, die verschieden ist\u201c.<\/p>\n<p><strong>Fr\u00e8re Alois: Gl\u00e4ubige anderer Konfessionen einladen<\/strong><br \/>\nPapst Franziskus verlie\u00df den Ort der Versammlung, die Neue Synodenaula \u00fcber der vatikanischen Audienzhalle, fr\u00fcher als vorgesehen. So war er nicht mehr anwesend, als Fr\u00e8re Alois L\u00f6ser \u201eeinen Traum\u201c teilte. Der Prior der \u00f6kumenischen Gemeinschaft von Taiz\u00e9, die seit Jahrzehnten Jugendliche evangelisiert, schlug vor, im Lauf des Synodenprozesses Gl\u00e4ubige aus den verschiedenen Kirchen zu einer gro\u00dfen \u00f6kumenischen Versammlung einzuladen, in Rom und zur gleichen Zeit auch anderswo in der Welt. Gemeinsames H\u00f6ren auf das Wort Gottes, ein gemeinsamer langer Moment der Stille und eine gemeinsame F\u00fcrbitte f\u00fcr den Frieden, animiert von jungen Menschen, so die Anregung von Fr\u00e8re Alois.<br \/>\nIn der ersten Meditation sprach der Jesuit Paul B\u00e9r\u00e9 aus Burkina Faso, der 2019 als erster Afrikaner mit dem Ratzinger-Preis f\u00fcr Theologie geehrt worden war. Er hat an vielen Synoden teilgenommen und geh\u00f6rt nun zur Theologischen Kommission der Weltsynode. \u201e\u00d6ffne unsere Ohren\u201c, so seine Gebetsbitte, \u201edamit wir h\u00f6ren k\u00f6nnen, wie du durch die Schwestern und Br\u00fcder zu uns sprichst. Ohne Angst vor der zweischneidigen Zunge. Ohne Ungeduld mit dem Stotternden.\u201c<br \/>\nDie katholische Laientheologin Cristina Inog\u00e9s-Sanz sprach in ihrem Impuls davon, dass die Kirche \u201etief verwundet\u201c vor dem Herrn stehe. \u201eWir haben vielen Menschen viel Leid zugef\u00fcgt, und wir haben es uns selbst angetan. Jahrhunderte lang haben wir uns mehr auf unser Ego als auf dein Wort verlassen\u201c, so die Spanierin, die daf\u00fcr warb, diese Fehler zuzugeben, was auch Petrus getan habe. Bei der Synode sollten auch alle jene ihre \u00dcberlegungen, Sorgen, Schmerz einbringen, \u201edenen wir eines Tages nicht mehr zuh\u00f6ren konnten und die weggegangen sind, ohne dass wir sie vermissten\u201c, sagte die Theologin, die der methodologischen Kommission der Weltsynode angeh\u00f6rt.<br \/>\nAuch zwei Kardin\u00e4le als Vertreter der Institution Synode kamen zu Wort: Generalrelator Jean-Claude Hollerich aus Luxemburg und Generalsekret\u00e4r Mario Grech aus Malta. Hollerich sprach \u00fcber das Aufeinander-H\u00f6ren als Grundprinzip des synodalen Prozesses und r\u00e4umte ein, er habe \u201eimmer noch keine Ahnung, welches Instrument ich schreiben soll. Die Seiten sind leer, es liegt an Ihnen, sie zu f\u00fcllen. Das Einzige, was ich sagen kann, ist, dass ich es nicht allein tun werde.\u201c<\/p>\n<p><strong>Kardinal Hollerich: Synode l\u00e4uft spiralf\u00f6rmig nach oben zu<\/strong><br \/>\nDie Synode werde eine \u201espiralf\u00f6rmig nach oben\u201c zulaufende Dynamik haben, erkl\u00e4rte Hollerich: \u201evon kleinen Gemeinschaften zum globalen synodalen Moment, durch verschiedene Stadien in Raum und Zeit, <b>einen \u00dcbergang von einem ,Ich\u00b4 zu einem immer gr\u00f6\u00dferen ,Wir\u00b4.<\/b>&#8220; Den \u00dcbergang von einer Stufe zur n\u00e4chsten charakterisierte Hollerich als \u201eMoment der Opferung, in dem jeder und jede die H\u00e4nde \u00f6ffnen und alles dem Meister der Ernte \u00fcbergeben kann. Ihm \u00fcbergeben wir die Fr\u00fcchte unseres Zuh\u00f6rens, unserer Gespr\u00e4che, unserer Gebete, unserer \u00dcberlegungen und unserer Entscheidungen. Es ist ein Moment h\u00f6chster geistiger Freiheit, damit Gott unseren Weg best\u00e4tigt.\u201c Die ganze Dynamik der Synode m\u00fcsse eine Opfergabe sein, \u201edamit ich den synodalen Prozess nicht f\u00fcr meine eigenen Ziele instrumentalisiere, f\u00fcr meine Ziele einer Kirche, wie ich sie mir ertr\u00e4ume und w\u00fcnsche, sondern damit mein Traum von Kirche dank des Beitrags meiner Schwestern und Br\u00fcder unser Traum von Kirche wird.\u201c<\/p>\n<p><strong>Kardinal Grech: Wir gehorchen dem Geist, nicht umgekehrt<\/strong><br \/>\nKardinal Grech stellte klar, dass das Vorbereitungsdokument der Weltsynode und der Leitfaden keinesfalls den Weg der Synode vorgeben oder die Kirche verpflichten werde, \u201eeinem im Voraus festgelegten Weg zu folgen\u201c, denn: \u201eWir sind es, die dem Geist gehorchen m\u00fcssen, nicht umgekehrt.\u201c Der maltesische Kardinal sprach aber auch von der <b>Wiederentdeckung alter christlicher Wege, Kirche zu sein<\/b>, f\u00fcr ihn als \u201eMann des Meeres\u201c seien sie wie \u201eSchiffsrouten, die die Kirche im Laufe der Jahrhunderte bereits zur\u00fcckgelegt hat, wie die Tradition bezeugt. Synodalit\u00e4t ist nicht etwas, das wir erfinden: Sie ist eine Gabe und eine Dimension der Kirche &#8211; des Volkes Gottes -, die der Geist uns wiederentdecken und erfahren l\u00e4sst.\u201c Wesentlich seien dabei auch die Unterschiede im Gottesvolk. \u201eDer Weg, den wir heute eingeschlagen haben, kann ein Zeichen daf\u00fcr sein, dass wir &#8211; endlich &#8211; davon \u00fcberzeugt sind, dass die Kirche durch ihre Spannung auf das Reich Gottes definiert ist. Diese Spannung macht sie zu einem Volk auf dem Weg.\u201c<\/p>\n<p><strong>Frage der Abstimmungen neu l\u00f6sen?<\/strong><br \/>\nGrech warnte \u00e4hnlich wie der Papst mit Blick auf den Synodalen Weg in Deutschland vor der Versuchung, \u201edas Zuh\u00f6ren durch eine demokratische Dynamik zu l\u00f6sen\u201c. Abstimmungen in einer Synode h\u00e4tten das Risiko, die Versammlung zum \u201eParlament\u201c zu verwandeln. \u201eDaher frage ich mich, und ich frage Sie, ob wir nicht \u00fcber diesen Punkt nachdenken sollten, um andere L\u00f6sungen zur \u00dcberpr\u00fcfung des Konsenses zu finden.\u201c Bei Treffen mit kirchlichen Versammlungen und anderen Gruppen werde er \u201esehr oft auf die Frage der Abstimmung angesprochen\u201c; Grech schien damit unter anderem auf die Frage des Frauenwahlrechts anzuspielen, die in den vergangenen Synodenversammlungen eine starke Dynamik innerhalb wie au\u00dferhalb der Synode entwickelt hatte. <a title=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/de\/vatikan\/news\/2021-06\/vatikan-becquart-untersekretaerin-bischofssynode-frauen-kirche.html\" href=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/de\/vatikan\/news\/2021-06\/vatikan-becquart-untersekretaerin-bischofssynode-frauen-kirche.html\"><b>Papst Franziskus hatte Synoden-Untersekret\u00e4rin Nathalie Becquart als erste Frau mit dem Stimmrecht bei der Synode ausgestattet<\/b><\/a>. Grech stellte unter anderem zur Debatte, \u00fcber die Abs\u00e4tze des Schlussdokumentes nur dort abzustimmen, wo ein Konsens unsicher ist. \u201eW\u00e4re es nicht ausreichend, begr\u00fcndete Einw\u00e4nde gegen den Text vorzusehen, die vielleicht von einer angemessenen Anzahl von Mitgliedern der Versammlung unterzeichnet werden, die mit einer zus\u00e4tzlichen Diskussion gel\u00f6st werden, und als letzten und unerw\u00fcnschten Ausweg eine Abstimmung durchzuf\u00fchren?\u201c, fragte er.<br \/>\n<b>Am Sonntag, den 10. Oktober 2021, wurde Papst Franziskus die Weltsynode mit einem Gottesdienst im Petersdom er\u00f6ffnen. <\/b>Die Er\u00f6ffnung in den Bist\u00fcmern der Weltkirche erfolgt am Sonntag darauf, die di\u00f6zesane Phase des synodalen Prozesses soll sechs Monate dauern. Die Weltsynode steht unter dem Motto \u201eF\u00fcr eine Synodale Kirche: Gemeinschaft, Partizipation und Mission&#8220; und f\u00fchrt auf die 16. Ordentliche Generalversammlung im Oktober 2023 in Rom zu. Darauf soll eine gesamtkirchliche Umsetzungsphase folgen.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/de\/papst\/news\/2021-10\/papst-franziskus-synode-meditation-start-unbehagen-reform-kirche.html\">www.vaticannews.va\/de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor dem Beginn der Weltsynode, die als kirchlicher Weg auf zwei Jahre angelegt ist, hat an diesem Samstag im Vatikan ein \u201eTag des Nachdenkens\u201c mit Delegierten aus allen Erdteilen stattgefunden. Papst Franziskus sagte, eine Synode sei erst dann fruchtbar, wenn sie zum \u201eHandeln\u201c werde, an dem das ganze Volk Gottes und nicht nur eine Elite teilhabe. 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