{"id":37040,"date":"2021-11-20T12:04:00","date_gmt":"2021-11-20T10:04:00","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=37040"},"modified":"2021-11-20T12:07:38","modified_gmt":"2021-11-20T10:07:38","slug":"botschaft-von-papst-franziskus-zum-36-weltjugendtag-21-november-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/botschaft-von-papst-franziskus-zum-36-weltjugendtag-21-november-2021\/","title":{"rendered":"Botschaft von Papst Franziskus zum 36. Weltjugendtag &#8211; 21. November 2021"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>\u201cSteh auf! Ich erw\u00e4hle dich zum Zeugen dessen, was du gesehen hast\u201d\u00a0<\/em><\/strong><strong>(<em>vgl. Apg<\/em>\u00a026,16)<\/strong><\/p>\n<p><em>Liebe junge Menschen,<\/em><br \/>\nnoch einmal m\u00f6chte ich euch an die Hand nehmen, um unseren gemeinsamen geistlichen Pilgerweg fortzusetzen, der uns zum Weltjugendtag 2023 in Lissabon f\u00fchrt.<br \/>\nLetztes Jahr unterzeichnete ich kurz vor Ausbreitung der Pandemie die <a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/youth\/documents\/papa-francesco_20200211_messaggio-giovani_2020.html\">Botschaft<\/a>, deren Thema lautete: \u201eJ\u00fcngling, ich sage dir: Steh auf!\u201c (vgl.\u00a0<em>Lk<\/em>\u00a07,14). In seiner Vorsehung wollte der Herr uns bereits auf die \u00e4u\u00dferst harte Herausforderung vorbereiten, die wir erleben sollten.<br \/>\n\u00dcberall auf der Welt mussten wir leidvoll den Verlust so vieler geliebter Menschen und die soziale Isolation ertragen. Die gesundheitliche Notlage hat auch euch junge Menschen, die ihr von Natur aus weltoffen seid, daran gehindert, zur Schule, zur Universit\u00e4t, zur Arbeit zu gehen, euch zu treffen &#8230; Ihr fandet euch in schwierigen Situationen wieder, die ihr nicht gewohnt wart zu bew\u00e4ltigen. Diejenigen, die weniger vorbereitet waren und denen es an Unterst\u00fctzung fehlte, f\u00fchlten sich orientierungslos. In vielen F\u00e4llen traten famili\u00e4re Probleme auf, aber auch Arbeitslosigkeit, Depressionen, Einsamkeit und Abh\u00e4ngigkeiten. Ganz zu schweigen von aufgestautem Druck, Spannungen, Wutausbr\u00fcchen und vermehrter Gewalt.<br \/>\nAber Gott sei Dank ist das nur die eine Seite der Medaille. Die Pr\u00fcfung hat uns zwar unsere Schw\u00e4chen vor Augen gef\u00fchrt, hat aber auch unsere Tugenden zum Vorschein gebracht, darunter unsere Veranlagung zur Solidarit\u00e4t. \u00dcberall auf der Welt haben wir viele Menschen gesehen, darunter auch viele junge Menschen, die f\u00fcr das Leben k\u00e4mpfen, Hoffnung s\u00e4en, f\u00fcr Freiheit und Gerechtigkeit eintreten, Friedensstifter und Br\u00fcckenbauer sind.<br \/>\nWenn ein junger Mensch f\u00e4llt, f\u00e4llt in gewisser Weise auch die Menschheit. Aber es ist auch wahr, dass, wenn ein junger Mensch aufsteht, es so ist, als w\u00fcrde die ganze Welt wieder aufstehen. Liebe junge Menschen, welch gro\u00dfes Potenzial liegt in euren H\u00e4nden! Welche Kraft tragt ihr in euren Herzen!<br \/>\nSo sagt Gott heute noch einmal zu jedem von euch: \u201eSteh auf!\u201c. Ich hoffe von ganzem Herzen, dass diese Botschaft uns helfen m\u00f6ge, uns auf neue Zeiten vorzubereiten, auf ein neues Kapitel in der Menschheitsgeschichte. Aber ohne euch, liebe Jugendliche, gibt es keine Chance f\u00fcr einen Neuanfang. Um aufzustehen, braucht die Welt eure Kraft, eure Begeisterung und eure Leidenschaft. In diesem Sinne m\u00f6chte ich zusammen mit euch die Stelle aus der Apostelgeschichte betrachten, in der Jesus zu Paulus sagt: \u201eSteh auf! Ich erw\u00e4hle dich zum Zeugen dessen, was du gesehen hast\u201c (vgl. <em>Apg<\/em>\u00a026,16).<\/p>\n<p><strong><em>Paulus als Zeuge vor dem K\u00f6nig<\/em><\/strong><br \/>\nDer Vers, der das Motto des Weltjugendtags 2021 angeregt hat, stammt aus dem Zeugnis des Paulus vor K\u00f6nig Agrippa w\u00e4hrend der Zeit seiner Gefangenschaft. Er, der einst ein Feind und Verfolger der Christen war, wird nun f\u00fcr seinen Glauben an Christus verurteilt. Etwa f\u00fcnfundzwanzig Jahre sp\u00e4ter erz\u00e4hlt der Apostel seine Geschichte und das grundlegende Ereignis seiner Begegnung mit Christus.<br \/>\nPaulus bekennt, dass er in der Vergangenheit die Christen verfolgt hatte, bis er eines Tages, w\u00e4hrend er unterwegs nach Damaskus war, um einige von ihnen zu verhaften, von einem Licht \u201eheller als die Sonne\u201c umstrahlt wurde (vgl. <em>Apg\u00a0<\/em>26,13); er allein aber h\u00f6rte \u201eeine Stimme\u201c: Jesus sprach zu ihm und rief ihn beim Namen.<\/p>\n<p><strong>\u201e<em>Saulus, Saulus!\u201d<\/em><\/strong><br \/>\nVertiefen wir gemeinsam dieses Geschehnis. Indem der Herr ihn beim Namen nennt, macht er Saulus klar, dass er ihn pers\u00f6nlich kennt. Es ist, als w\u00fcrde er zu ihm sagen: \u201eIch wei\u00df, wer du bist, ich wei\u00df, was du im Schilde f\u00fchrst, aber trotzdem wende ich mich gerade an dich\u201c. Er ruft ihn zweimal, als Zeichen einer besonderen und sehr wichtigen Berufung, wie er es bei Mose (vgl. <em>Ex<\/em>\u00a03,4) und bei Samuel (vgl.\u00a0<em>1 Sam<\/em>\u00a03,10) getan hatte. Saulus st\u00fcrzt zu Boden und erkennt, dass er Zeuge einer g\u00f6ttlichen Erscheinung, einer machtvollen Offenbarung ist, die ihn ersch\u00fcttert, aber nicht ausl\u00f6scht, sondern ihn sogar mit seinem Namen anspricht.<br \/>\nIn der Tat ver\u00e4ndert nur eine pers\u00f6nliche und nicht anonyme Begegnung mit Christus das Leben. Jesus zeigt, dass er Saulus gut kennt, dass er ihn innerlich kennt. Auch wenn Saulus ein Verfolger ist, auch wenn sein Herz voller Hass auf die Christen ist, so wei\u00df Jesus doch, dass dies auf Unwissenheit beruht, und will an ihm sein Erbarmen bekunden. Gerade diese Gnade, diese unverdiente und bedingungslose Liebe wird das Licht sein, welches das Leben von Saulus radikal ver\u00e4ndern sollte.<\/p>\n<p><strong><em>\u201eWer bist du, Herr?&#8220;<\/em><\/strong><br \/>\nAngesichts dieser geheimnisvollen Pr\u00e4senz, die ihn beim Namen ruft, fragt Saulus: \u00bbWer bist du, Herr?\u00ab (<em>Apg<\/em>\u00a026,15). Diese Frage ist \u00e4u\u00dferst wichtig und wir alle m\u00fcssen sie uns irgendwann in unserem Leben stellen. Es reicht nicht aus, von anderen \u00fcber Christus geh\u00f6rt zu haben, man muss mit ihm pers\u00f6nlich sprechen. Das bedeutet letztlich, zu beten. Es ist ein direktes Gespr\u00e4ch mit Jesus, auch wenn in unserem Herzen vielleicht noch Unordnung besteht, unser Geist von Zweifeln oder sogar von Geringsch\u00e4tzung f\u00fcr Christus und die Christen erf\u00fcllt ist. Ich w\u00fcnsche mir, dass jeder junge Mensch aus tiefstem Herzen dazu kommt, diese Frage zu stellen: \u201eWer bist du, Herr?\u201c<br \/>\nWir k\u00f6nnen es nicht als selbstverst\u00e4ndlich voraussetzen, dass alle Jesus kennen, selbst nicht im Zeitalter des Internets. Die Frage, die viele Menschen Jesus und der Kirche stellen, lautet genauso: \u201eWer bist du?\u201c. In der gesamten Erz\u00e4hlung \u00fcber die Berufung des Paulus ist dies das einzige Mal, dass er etwas sagt. Und auf seine Frage antwortet der Herr umgehend: \u00bbIch bin Jesus, den du verfolgst\u00ab (<em>ebd.<\/em>).<\/p>\n<p><strong><em>\u201eIch bin Jesus, den du verfolgst!\u201c<\/em><\/strong><br \/>\nDurch diese Antwort offenbart der Herr Jesus Saulus ein gro\u00dfes Geheimnis: dass er sich mit der Kirche, mit den Christen identifiziert. Bis dahin hatte Saulus nichts von Christus gesehen, au\u00dfer den Gl\u00e4ubigen, die er ins Gef\u00e4ngnis gesperrt hatte (vgl. <em>Apg\u00a0<\/em>26,10) und deren Todesurteil er selbst zugestimmt hatte (<em>ebd.<\/em>). Und er hatte gesehen, wie die Christen dem B\u00f6sen mit dem Gutem, dem Hass mit der Liebe antworteten und Ungerechtigkeit, Gewalt, Verleumdung und Verfolgung, die sie um des Namens Christi willen erlitten hatten, in Kauf nahmen. Wenn wir also genau hinschauen, war Saulus auf gewisse Weise Christus unwissentlich begegnet: Er war ihm in den Christen begegnet!<br \/>\nWie oft haben wir sagen h\u00f6ren: \u201eJesus ja, die Kirche nein\u201c, als ob das Eine eine Alternative zu dem Anderen sein k\u00f6nnte. Man kann Jesus nicht kennen, wenn man die Kirche nicht kennt. Man kann Jesus nicht kennenlernen, wenn nicht durch die Br\u00fcder und Schwestern seiner Gemeinschaft. Man kann sich nicht voll und ganz als Christ bezeichnen, wenn man nicht die kirchliche Dimension des Glaubens lebt.<\/p>\n<p><strong><em>\u201eEs wird dir schwerfallen, gegen den Stachel auszuschlagen.\u201c<\/em><\/strong><br \/>\nDies sind die Worte, die der Herr an Saulus richtet, nachdem er zu Boden gefallen ist. Aber es ist, als h\u00e4tte er schon seit einiger Zeit auf geheimnisvolle Weise zu ihm gesprochen und versucht, ihn an sich zu ziehen; Saulus jedoch widersetzte sich. Unser Herr richtet dieselbe sanfte \u201eZurechtweisung\u201c an jeden jungen Menschen, der sich von ihm entfernt: \u201eWie lange willst du vor mir weglaufen? Warum h\u00f6rst du nicht, dass ich dich rufe? Ich warte auf deine R\u00fcckkehr\u201c. Wie der Prophet Jeremia sagen wir zuweilen: \u201eIch will nicht mehr an ihn denken\u201c (<em>Jer<\/em>\u00a020,9). Aber im Herzen eines jeden von uns brennt es wie ein Feuer: Auch wenn wir versuchen, es einzud\u00e4mmen, k\u00f6nnen wir es nicht, denn es ist st\u00e4rker als wir.<br \/>\nDer Herr erw\u00e4hlt einen, der ihn sogar verfolgt und ihm und den Seinen v\u00f6llig feindselig ist. Aber es gibt keinen Menschen, der f\u00fcr Gott unwiederbringlich verloren ist. Durch eine pers\u00f6nliche Begegnung mit ihm ist es immer m\u00f6glich, neu anzufangen. Kein junger Mensch ist au\u00dferhalb der Reichweite von Gottes Gnade und Barmherzigkeit. \u00dcber niemanden kann man sagen: Er ist zu weit weg \u2026 Es ist zu sp\u00e4t! Wie viele junge Menschen sind leidenschaftlich darin, sich zu widersetzen und gegen den Strom zu schwimmen, tragen aber in der Verborgenheit ihres Herzens das Bed\u00fcrfnis, sich zu engagieren, mit aller Kraft zu lieben, sich mit einer Mission zu identifizieren! Jesus sieht genau das in dem jungen Saulus.<\/p>\n<p><strong><em>Die eigene Blindheit erkennen<\/em><\/strong><br \/>\nWir k\u00f6nnen uns vorstellen, dass Saulus vor seiner Begegnung mit Christus in gewisser Weise \u201evon sich eingenommen\u201c war und sich aufgrund seiner moralischen Integrit\u00e4t, seines Eifers, seiner Herkunft und seiner Kultur f\u00fcr \u201egro\u00df\u201c hielt. Sicherlich war er \u00fcberzeugt, im Recht zu sein. Doch als der Herr sich ihm offenbart, wird er \u201ezu Boden geworfen\u201c und findet sich blind wieder. Pl\u00f6tzlich stellt er fest, dass er nicht nur k\u00f6rperlich, sondern auch geistig nicht mehr sehen kann. Seine Gewissheiten geraten ins Schwanken. In seiner Seele sp\u00fcrt er, dass das, was ihn so leidenschaftlich angetrieben hatte &#8211; der Eifer, die Christen zu beseitigen &#8211; v\u00f6llig falsch war. Er erkennt, dass er nicht der absolute Inhaber der Wahrheit ist, sondern vielmehr weit davon entfernt ist. Und zusammen mit seinen Gewissheiten f\u00e4llt auch seine \u201eGr\u00f6\u00dfe\u201c. Pl\u00f6tzlich entdeckt er sich als verloren, zerbrechlich, \u201eklein&#8220;.<br \/>\nDiese Demut \u2013 das Bewusstsein der eigenen Begrenztheit \u2013 ist grundlegend! Wer glaubt, alles \u00fcber sich selbst, andere und sogar religi\u00f6se Wahrheiten zu wissen, wird es schwer haben, Christus zu begegnen. Saulus ist erblindet und hat seine Orientierungspunkte verloren. In der Dunkelheit allein gelassen, ist das Einzige, das ihm klar ist, das Licht, das er sah, und die Stimme, die er h\u00f6rte. Welch ein Paradox: Gerade wenn man erkennt, dass man blind ist, beginnt man zu sehen!<br \/>\nNach seiner blitzartigen Erleuchtung auf dem Weg nach Damaskus wird Saulus es vorziehen, Paulus genannt zu werden, was \u201eder Kleine\u201c bedeutet. Es handelt sich nicht um einen Spitznamen oder einen \u201eK\u00fcnstlernamen\u201c, wie er heute selbst unter gew\u00f6hnlichen Menschen sehr gebr\u00e4uchlich geworden ist: Die Begegnung mit Christus hat ihn dies wirklich so empfinden lassen und die Mauer niedergerissen, die ihn daran hinderte, sich selbst in Wahrheit zu erkennen. Er sagt von sich selbst: \u00bbDenn ich bin der Geringste von den Aposteln; ich bin nicht wert, Apostel genannt zu werden, weil ich die Kirche Gottes verfolgt habe\u00ab (<em>1 Kor<\/em>\u00a015,9).<br \/>\nDie heilige Th\u00e9r\u00e8se von Lisieux wiederholte wie andere Heilige gerne, dass Demut die Wahrheit sei. In der heutigen Zeit w\u00fcrzen vor allem in den sozialen Netzwerken so viele \u201eGeschichten\u201c (<em>stories<\/em>) unsere Tage, die oft kunstvoll mit Kulissen, Kameras und verschiedenen Hintergr\u00fcnden gestaltet sind. Die Menschen suchen zunehmend das Rampenlicht, um \u201eFreunden\u201c und\u00a0<em>Followers<\/em>\u00a0ein Bild von sich zu zeigen, das manchmal nicht der Wahrheit entspricht. Christus, das Mittagslicht, kommt, um uns zu erleuchten und uns in unserer Echtheit wiederherzustellen, indem er uns von allen Masken befreit. Er zeigt uns deutlich, was wir sind, denn er liebt uns so, wie wir sind.<\/p>\n<p><strong><em>Die Perspektive wechseln<\/em><\/strong><br \/>\nDie Bekehrung des Paulus ist keine R\u00fcckw\u00e4rtsbewegung, sondern ein Sich-\u00f6ffnen f\u00fcr eine v\u00f6llig neue Perspektive. In der Tat, er ist weiterhin unterwegs nach Damaskus, aber er ist nicht mehr der, der er vorher war, er ist ein anderer Mensch (vgl. <em>Apg\u00a0<\/em>22,10). Man kann sich im allt\u00e4glichen Leben bekehren und erneuern und dabei die gewohnten Dinge tun wie vorher, aber mit einem verwandelten Herzen und einer anderen Motivation. Jesus bittet Paulus in diesem Fall ausdr\u00fccklich darum, nach Damaskus zu gehen, dorthin, wohin er schon unterwegs war. Paulus gehorcht, aber nun haben sich das Ziel und die Perspektive seiner Reise radikal ver\u00e4ndert. Von nun an wird er die Realit\u00e4t mit anderen Augen sehen. Zuvor sah er alles mit den Augen des Verfolgers und Vollstreckers, nun mit denen des J\u00fcngers und Zeugen. In Damaskus wurde er von Hananias getauft und in die christliche Gemeinschaft eingef\u00fchrt. In der Stille und im Gebet vertieft Paulus seine eigene Erfahrung und die neue Identit\u00e4t, die ihm Jesus, der Herr, verliehen hat.<br \/>\n<em>Die Kraft und Leidenschaft der jungen Menschen darf nicht vertan werden<\/em><br \/>\nDie Haltung des Paulus vor seiner Begegnung mit dem auferstandenen Jesus ist uns nicht ganz fremd. Wie viel Kraft und Leidenschaft steckt auch in euren Herzen, liebe junge Menschen! Aber wenn die Dunkelheit um euch herum und in euch selbst euch daran hindert, richtig zu sehen, riskiert ihr, euch in sinnlosen K\u00e4mpfen zu verlieren und sogar verletzend zu werden. Und leider geh\u00f6rt ihr und diejenigen, die euch nahestehen, zu den ersten Opfern. Es besteht auch die Gefahr, dass man f\u00fcr Dinge k\u00e4mpft, die urspr\u00fcnglich gerechte Werte verteidigen, die aber, wenn man sie auf die Spitze treibt, zu zerst\u00f6rerischen Ideologien werden. Wie viele junge Menschen werden heute, vielleicht getrieben von ihren politischen oder religi\u00f6sen \u00dcberzeugungen, zu Werkzeugen der Gewalt und der Zerst\u00f6rung im Leben vieler Menschen! Einige Digital Natives sehen in der virtuellen Umgebung und in den sozialen Netzwerken ein neues Schlachtfeld und nutzen skrupellos die Waffe der <em>Fake News<\/em>, um Gift zu verbreiten und ihre Gegner zu vernichten.<br \/>\nAls der Herr in das Leben des Paulus einbricht, nimmt er ihm weder seine Pers\u00f6nlichkeit noch l\u00f6scht er seinen Eifer und seine Leidenschaft aus, sondern er nutzt diese Gaben, um ihn zum gro\u00dfen Verk\u00fcnder zu machen, der das Evangelium bis an die Grenzen der Erde brachte.<\/p>\n<p><strong><em>Apostel f\u00fcr die Heiden<\/em><\/strong><br \/>\nPaulus sollte sp\u00e4ter als \u201eApostel der Heiden\u201c bekannt werden, er, der zuvor ein gewissenhafter Pharis\u00e4er war, der das Gesetz befolgte! Hier gibt es ein weiteres Paradox: Der Herr setzt sein Vertrauen ausgerechnet in diese Person, die ihn verfolgte. Wie Paulus kann jeder von uns in der Tiefe seines Herzens diese Stimme h\u00f6ren, die zu ihm sagt: \u201eIch vertraue dir. Ich kenne deine Geschichte und nehme sie gemeinsam mit dir in meine H\u00e4nde. Obwohl du dich oft gegen mich gestellt hast, erw\u00e4hle ich dich und mache dich zu meinem Zeugen\u201c. Die g\u00f6ttliche Logik kann den schlimmsten Verfolger zu einem gro\u00dfen Zeugen machen.<br \/>\nDer J\u00fcnger Christi ist berufen, \u00bbLicht der Welt\u00ab zu sein (<em>Mt\u00a0<\/em>5,14). Paulus muss bezeugen, was er gesehen hat, aber jetzt ist er blind. Hier sind wir beim n\u00e4chsten Paradox! Aber gerade durch diese pers\u00f6nliche Erfahrung kann sich Paulus in diejenigen hineinversetzen, zu denen der Herr ihn sendet. Ja, er wird zum Zeugen bestellt, \u00bbum ihnen die Augen zu \u00f6ffnen. Denn sie sollen sich von der Finsternis zum Licht\u00ab bekehren (<em>Apg\u00a0<\/em>26,18).<\/p>\n<p><strong><em>\u201eSteh auf und leg Zeugnis ab!\u201c<\/em><\/strong><br \/>\nWenn wir das neue Leben annehmen, das uns in der Taufe geschenkt wird, erhalten wir auch einen Auftrag vom Herrn: \u201eDu sollst mein Zeuge sein!\u201c. Dieser Aufgabe sollten wir nachkommen, sie ver\u00e4ndert unser Leben.<br \/>\nDie Aufforderung Christi an Paulus richtet sich heute an jeden einzelnen von euch jungen Menschen: Steh auf! Du kannst nicht einfach am Boden liegenbleiben und dich selbst bemitleiden, es wartet eine Aufgabe auf dich! Auch du kannst ein Zeuge der Werke sein, die Jesus in dir begonnen hat. Deshalb sage ich dir im Namen Christi:<br \/>\n&#8211; Steh auf und gib Zeugnis von deiner Erfahrung als Blinder, der dem Licht begegnet ist, der die G\u00fcte und Sch\u00f6nheit Gottes in sich selbst, in den anderen und in der Gemeinschaft der Kirche gesehen hat, die alle Einsamkeit \u00fcberwindet.<br \/>\n&#8211; Steh auf und lege Zeugnis ab von der Liebe und dem Respekt, die in menschlichen Beziehungen, im Familienleben, im Dialog zwischen Eltern und Kindern, zwischen Jung und Alt m\u00f6glich sind.<br \/>\n&#8211; Steh auf und verteidige die soziale Gerechtigkeit, die Wahrheit und Rechtschaffenheit, die Menschenrechte, die Verfolgten, die Armen und Schwachen, die, die in der Gesellschaft keine Stimme haben, die Migranten.<br \/>\n&#8211; Erheb dich und lege Zeugnis ab von der neuen Sichtweise, die dich die Sch\u00f6pfung mit staunenden Augen sehen l\u00e4sst, die dich die Erde als unser gemeinsames Haus erkennen l\u00e4sst und dir den Mut gibt, die integrale \u00d6kologie zu verteidigen.<br \/>\n&#8211; Steh auf und gib Zeugnis davon, dass gescheiterte Leben wiederaufgebaut werden k\u00f6nnen, dass Menschen, die im Geiste bereits tot sind, wieder auferstehen k\u00f6nnen, dass versklavte Menschen wieder frei werden k\u00f6nnen, dass von Traurigkeit belastete Herzen wieder Hoffnung finden k\u00f6nnen.<br \/>\n&#8211; Steh auf und bezeuge freudig, dass Christus lebt! Verbreite seine Botschaft der Liebe und des Heils unter Gleichaltrigen, in der Schule, an der Universit\u00e4t, am Arbeitsplatz, in der digitalen Welt, \u00fcberall.<br \/>\nDer Herr, die Kirche, der Papst, vertrauen euch und setzen euch als Zeugen f\u00fcr die vielen anderen jungen Menschen, denen ihr auf den \u201eDamaskus-Wegen\u201c unserer Zeit begegnet. Vergesst nicht: \u00bbWenn einer n\u00e4mlich wirklich die ihn rettende Liebe Gottes erfahren hat, braucht er nicht viel Vorbereitungszeit, um sich aufzumachen und sie zu verk\u00fcnden; er kann nicht darauf warten, dass ihm viele Lektionen erteilt oder lange Anweisungen gegeben werden. Jeder Christ ist in dem Ma\u00df Missionar, in dem er der Liebe Gottes in Jesus Christus begegnet ist\u00ab (<a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/apost_exhortations\/documents\/papa-francesco_esortazione-ap_20131124_evangelii-gaudium.html#Alle_sind_wir_missionarische_J%C3%BCnger\"><em>Evangelii Gaudium<\/em>, 120<\/a>).<\/p>\n<p><strong><em>Steht auf und feiert den Weltjugendtag in den Teilkirchen!<\/em><\/strong><br \/>\nIch lade euch junge Menschen in aller Welt erneut ein, an dieser geistlichen Pilgerreise teilzunehmen, die uns im Jahr 2023 zur Feier des Weltjugendtags in Lissabon f\u00fchren wird. Das n\u00e4chste Treffen ist jedoch das in euren Teilkirchen, in den verschiedenen Di\u00f6zesen und Eparchien der Welt, wo am Christk\u00f6nigsfest auf lokaler Ebene der Weltjugendtag 2021 gefeiert wird.<br \/>\nIch hoffe, dass wir alle diese Etappen als echte Pilger und nicht als \u201eGlaubenstouristen\u201c erleben k\u00f6nnen! Seien wir offen f\u00fcr die \u00dcberraschungen Gottes, der unseren Weg mit seinem Licht erleuchteten m\u00f6chte. Sein wir offen f\u00fcr das, was er uns sagen m\u00f6chte \u2013 auch durch unsere Br\u00fcder und unsere Schwestern. So helfen wir uns gegenseitig dabei aufzustehen und werden in diesem schwierigen Moment der Geschichte wir zu Propheten einer neuen, hoffnungsvollen Zeit! Die selige Jungfrau Maria sei unsere F\u00fcrsprecherin.<br \/>\n<em><br \/>\nRom, Sankt Johannes im Lateran, am 14. September 2021, Fest Kreuzerh\u00f6hung.<\/em><br \/>\n<strong>FRANZISKUS<\/strong><\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/youth\/documents\/papa-francesco_20210914_messaggio-giovani_2021.html\">www.vatican.va<\/a><\/p>\n<p>Foto: Jugendgruppe der Di\u00f6zese Temeswar beim Internationalen Eucharistischen Kongress in Budapest, September 2021<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201cSteh auf! 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