{"id":38078,"date":"2022-01-13T17:26:56","date_gmt":"2022-01-13T15:26:56","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=38078"},"modified":"2022-01-17T17:27:28","modified_gmt":"2022-01-17T15:27:28","slug":"schwowe-in-der-winterzeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/schwowe-in-der-winterzeit\/","title":{"rendered":"Schwowe in der Winterzeit"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Blasiussegen.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"lazyload wp-image-38072 alignleft\" src=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Blasiussegen-1024x727.jpg\" data-orig-src=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Blasiussegen-1024x727.jpg\" alt=\"\" width=\"526\" height=\"373\" srcset=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27526%27%20height%3D%27373%27%20viewBox%3D%270%200%20526%20373%27%3E%3Crect%20width%3D%27526%27%20height%3D%27373%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-srcset=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Blasiussegen-200x142.jpg 200w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Blasiussegen-300x214.jpg 300w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Blasiussegen-400x284.jpg 400w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Blasiussegen-600x426.jpg 600w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Blasiussegen-768x545.jpg 768w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Blasiussegen-800x568.jpg 800w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Blasiussegen-1024x727.jpg 1024w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Blasiussegen-1200x852.jpg 1200w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Blasiussegen-1536x1091.jpg 1536w\" data-sizes=\"auto\" data-orig-sizes=\"(max-width: 526px) 100vw, 526px\" \/><\/a>Das Leben der Schwaben im Banat war von vielen Schwierigkeiten gepr\u00e4gt, angefangen von der langwierigen Ansiedlung bis hin zu den wegen des Banater Sumpfklimas ausgebrochenen Krankheiten und Seuchen, Vertreibungen, Verschleppungen und Diskriminierungen. Das Schicksal der Schwaben stand von Anfang an unter einem schlechten Stern und die \u00fcber die Jahre erlebten Schwierigkeiten, wurden zum Ausl\u00f6ser ihrer Auswanderung.<br \/>\nTrotz dieser schweren Schicksalsschl\u00e4ge haben die Banater Schwaben sowohl ihren Glauben, als auch eine sehr gro\u00dfe Vielfalt an Sitten und Br\u00e4uchen bewahrt. Ihre Tradition war und ist bis heute noch ein wichtiges Element f\u00fcr die Identit\u00e4t des Banats und f\u00fcr die hier existierende Multikulturalit\u00e4t. Kirchweih! Daran denkt man wahrscheinlich, wenn man \u00fcber Banater Schwaben spricht. Doch ihre Tradition ist viel komplexer und es lohnt sich mit Sicherheit, auch andere Br\u00e4uche n\u00e4her kennenzulernen. Die sp\u00e4te Herbstzeit und der Winter gelten bei den Schwaben als die ruhigste Zeit des Jahres. Die Feldarbeiten sind getan und eine verdiente, lang ersehnte Pause ist f\u00fcr diese Zeitspanne charakteristisch. Die Winterzeit gilt als die Zeit, in der man die Verwandtschaft besucht und gemeinsame Abende verbringt. Die M\u00e4nner sitzen in Gesellschaft und spielen Karten \u2013 Fuchsen. Die Frauen widmen sich der Handarbeit. Sie h\u00e4keln, stricken und fertigen Wandschoner an. Diese pr\u00e4chtigen Schmuckst\u00fccke \u2013 k\u00f6nnte man sie nennen \u2013 verzieren die W\u00e4nde der R\u00e4umlichkeiten. In jedem Zimmer erblickt man diese Wandschoner, die mit verschiedenen Motiven und Texten verziert sind. Es gibt tausende Modelle, mit den verschiedensten Verzierungen und manchmal lustigen, aber auch tiefsinnigen Texten. Im Waschbereich steht geschrieben: \u201eBeim Wasserbankerl nett und fein,\/ darf niemals ausgesch\u00fcttet sein!\u201c. Unterhaltsame Texte, mit einer \u201eversteckten\u201c Nachricht sind auch dabei: \u201eLieber Mann ich rate dir\/ meide Gasthaus, Wein und Bier\/ sei bei Nacht doch stets zu Haus\/ lieb dein Weibchen sonst ist\u2019s aus!\u201c. Nicht zu vergessen sind nat\u00fcrlich die emotionalen und religi\u00f6sen Texte: \u201eAlles fliehet alles eilet\/ fort im schnellen Zeitenlauf\/ nur die Mutterliebe weilet\/ bl\u00fchet immer sch\u00f6ner auf!\u201c, \u201eDas sch\u00f6nste im Leben was Gott kann geben\/ ist ein zufriedenes Heim und darin gl\u00fccklich sein!\u201c. Die alten Weisheiten der Oma wurden auch festgehalten: \u201eEinmal im Jahre bl\u00fcht der Mai\/ Einmal im Leben die Liebe!\u201c, oder \u201eEin Schifflein ist des Menschen Herz\/ f\u00e4hrt ohne Rast und Ruh\/ mit seiner Lust und seinem Schmerz\/ dem Land der Hoffnung zu!\u201c. In der K\u00fcche, dem wichtigsten Ort f\u00fcr die Hausfrau, stand nat\u00fcrlich auch ein Wandschoner: \u201eWei\u00dft du was am besten schmeckt?\/ Frisch gekocht und fein gedeckt!\u201c.<br \/>\nDie Weihnachtszeit ist nat\u00fcrlich die sch\u00f6nste Zeit des Jahres, aber es lohnt sich, einen Blick auch auf die Traditionen im Herbst zu werfen. Der ber\u00fchmte Traubenball hat in keiner Ortschaft gefehlt; er wurde Ende Oktober, oder auch noch im November organisiert. Ein Spiel gab es auch bei diesem Fest. Eine sch\u00f6n geschm\u00fcckte Krone mit Girlanden und Trauben war der H\u00f6hepunkt des Abends. Wenn jemand aber beim Traubenklauen erwischt wurde, wurde er als Dieb abgestempelt und er musste eine Strafe zahlen. Und wenn wir schon beim Thema Tanz und Musik sind, muss man auch den Kathreinerball erw\u00e4hnen. Diese Feierlichkeit war die letzte Gelegenheit, vor Weihnachten noch einmal zu feiern, zu singen und zu tanzen. Man sagte immer: \u201eKathrein sperrt die Geige ein!\u201c und damit war die Zeit der Unterhaltung abgeschlossen. Nun kam die Adventszeit, die Zeit der Familie und der Freunde. Man besuchte die Verwandtschaft, man verbrachte die Zeit vor Weihnachten zusammen. Mitte November ging es immer lustig zu, denn die Schweineschlacht begann. Die Kinder waren besonders gl\u00fccklich, wenn sie mithelfen konnten.<br \/>\nJede Woche war man bei einer anderen Familie, bei Verwandten oder Nachbarn. Der Adventskranz und -kalender haben nat\u00fcrlich nicht gefehlt, denn sie steigerten die Vorfreude auf die sch\u00f6nste Zeit des Jahres &#8211; Weihnachten!<br \/>\nDer Dezember kam mit schnellen Schritten. Am 4. Dezember war Barbaratag. An diesem Tag brachte man Kirschzweige in die Wohnung; man stellte sie ins Wasser und wenn sie bis Weihnachten bl\u00fchten, brachte dies Gl\u00fcck im kommenden Jahr. F\u00fcr die Kinder war nat\u00fcrlich der Nikolaustag der langersehnte Feiertag. Darauf freuten sie sich besonders. Die Schuhe und Stiefel wurden auf Hochglanz gebracht und sie wurden ans Fenster gestellt. Der Nikolaus brachte \u00c4pfel, N\u00fcsse und S\u00fc\u00dfigkeiten. \u00dcber diese Gaben freuten sich die Kinder sehr! Der Nikolaus kam aber nicht allein, sondern wurde vom Knecht Ruprecht begleitet. Dieser rasselte mit Ketten und erschreckte die schlimmen Kinder, welche statt Geschenken eine Rute bekamen. Und schon n\u00e4herte sich Weihnachten, der H\u00f6hepunkt des Jahres. An Heiligabend, nachmittags, ging der Vater mit den Kindern zu den Gro\u00dfeltern. In der Zwischenzeit schm\u00fcckte die Mutter den Christbaum und legte die Geschenke unter den Baum. Oftmals kam auch das Christkind, dargestellt von Nachbarn oder Verwandten, und die Kinder sagten mit aufgeregten Stimmen Gedichte auf und sangen Weihnachtslieder.<br \/>\nAm ersten Weihnachtstag ging man nachmittags zu den Gro\u00dfeltern, zu den Paten und da gab es auch meistens Geschenke f\u00fcr die Kinder. S\u00fc\u00dfigkeiten, N\u00fcsse, \u00c4pfel waren eine gro\u00dfe Freude f\u00fcr die Kinder, und wenn es auch noch Geld gab, war die Freude umso gr\u00f6\u00dfer. Am Silvestertag ging man zur Kirche, um an der \u201eDanksagung\u201c teilzunehmen. Meistens gab der Pfarrer oder der Kantor auch die Anzahl der in diesem Jahr Verstorbenen, der Geburten und der Trauungen an. Man dankte auch f\u00fcr die gute Ernte und betete um ein gesundes, erfolgreiches neues Jahr. Nach so viel Pause gab es endlich wieder einen Ball, n\u00e4mlich den Silvesterball. An diesem Abend wurde bis kurz vor 24.00 Uhr getanzt. Die Musik wurde f\u00fcr kurze Zeit unterbrochen, um Mitternacht wurde das Licht gel\u00f6scht, man w\u00fcnschte sich gegenseitig ein gl\u00fcckliches, neues Jahr und mit einem schwungvollen Walzer tanzte man ins neue Jahr! An Neujahr gingen die Kinder zu den Paten \u201ew\u00fcnschen\u201c und bekamendann \u201eGode-sach\u201c. Die Weihnachtszeit ging mit dem Dreik\u00f6nigsfest (6. Januar) weiter. Da gab es meist Fettkrapfen zu essen. In drei der Krapfen wurden M\u00fcnzen eingebacken und diejenigen, die die M\u00fcnzen beim Essen fanden, waren die Heiligen Drei K\u00f6nige. In diesen Tagen kam der Priester mit der \u201eHausweihe\u201c. Begleitet von den Ministranten oder von einem Kantor oder Mann aus dem Kirchenrat, segnete er die H\u00e4user mit Weihwasser und Weihrauch und oft auch das Vieh, so da\u00df es von Gott im ganzen Jahr besch\u00fctzt bleib. Mit gesegnete Kreide schrieb er (oder ein Ministrant) das Jahr und die Initialen der Heiligen Drei K\u00f6nige, wie folgend: 20 + G + M+ B + 22.<br \/>\nDie Weihnachtszeit endete am 2. Feber, d.h. am Fest Mari\u00e4 Lichtme\u00df oder der Darstellung des Herrn, wenn die Kerzen gesegnet werden.<br \/>\n<strong><em>Astrid Kataro <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Erschienen in: <strong><em>Banater Zeitung<\/em><\/strong>, <strong><em>Wochenblatt f\u00fcr Temesch, Arad und das Banater Bergland,<\/em><\/strong> Mittwoch, 30. Jahrgang\/Nr. 1450, 12. Januar 2022, S. III.<br \/>\nRedaktionelle Bearbeitung: Presseb\u00fcro der R\u00f6misch-Katholischen Di\u00f6zese Temeswar<br \/>\nBilder: Pfr. Czank G\u00e1bor<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Leben der Schwaben im Banat war von vielen Schwierigkeiten gepr\u00e4gt, angefangen von der langwierigen Ansiedlung bis hin zu den wegen des Banater Sumpfklimas ausgebrochenen Krankheiten und Seuchen, Vertreibungen, Verschleppungen und Diskriminierungen. Das Schicksal der Schwaben stand von Anfang an unter einem schlechten Stern und die \u00fcber die Jahre erlebten Schwierigkeiten, wurden zum Ausl\u00f6ser ihrer Auswanderung. 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