{"id":41214,"date":"2022-04-30T12:56:19","date_gmt":"2022-04-30T09:56:19","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=41214"},"modified":"2022-04-30T13:24:10","modified_gmt":"2022-04-30T10:24:10","slug":"erinnerungen-ostern-in-der-einstigen-elisabethstadt-und-vieles-mehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/erinnerungen-ostern-in-der-einstigen-elisabethstadt-und-vieles-mehr\/","title":{"rendered":"Erinnerungen: Ostern in der einstigen Elisabethstadt und Vieles mehr&#8230;"},"content":{"rendered":"<p><em><a href=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Kirche-Aussen.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"lazyload size-full wp-image-41219 alignright\" src=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Kirche-Aussen.jpg\" data-orig-src=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Kirche-Aussen.jpg\" alt=\"\" width=\"377\" height=\"600\" srcset=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27377%27%20height%3D%27600%27%20viewBox%3D%270%200%20377%20600%27%3E%3Crect%20width%3D%27377%27%20height%3D%27600%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-srcset=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Kirche-Aussen-189x300.jpg 189w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Kirche-Aussen-200x318.jpg 200w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Kirche-Aussen.jpg 377w\" data-sizes=\"auto\" data-orig-sizes=\"(max-width: 377px) 100vw, 377px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/46437334_1919769158099367_1838078632107442176_n.jpg\"><br \/>\n<\/a>Heute, an Karfreitag, f\u00fchle ich mich sehnsuchtsvoll ins einst heimatliche Temeswar zur\u00fcck versetzt, in unser Elternhaus in der Turghenievgasse (jetzt Protopop Dragomir) Nr.13, im Herzen der Elisabethstadt gelegen,\u00a0 mit dem Klang der Herz- Jesu- Kirche im Ohr, vor Augen das Bl\u00fchen im Hof, das erste Gr\u00fcn im nahe gelegenen Park (P-ta Bisericii), benannt nach der dem Park gegen\u00fcber liegenden alten, denkmalgesch\u00fctzten rum\u00e4nisch \u2013 orthodoxen Kirche. <\/em>\u2013 Doch eben so nah war das russische Milit\u00e4r stationiert. Aus dem Kloster der Salvatorianer \u2013 Patres war eine Kaserne geworden, mit Eingang in der hinter der Kirche gelegenen kurzen Ga\u0219par-Gasse. Ein- zwei weitere H\u00e4user, ehemals Privatbesitz, wurden von der Besatzung genutzt. Ihnen war jeder Kontakt zur Zivilbev\u00f6lkerung streng untersagt, obwohl sie in der ganzen Stadt anzutreffen waren. Sie blieben bis Sommer 1958. Kurz vor ihrem Abzug brach die Mauer des Schweigens zusammen, schnell wurde das eine oder andere Gesch\u00e4ft abgewickelt. Ich hatte eben mein Lehrerinnendiplom erworben und kaufte mir mit meinem Ersparten &#8211; aus Privatstunden und Stipendium &#8211; meine erste Handuhr, eine Pobeda.<br \/>\n2022 liegen die Festtage dicht beisammen: Ostern (die Karwoche, die Auferstehungsfeier sowohl der katholischen wie der rum\u00e4nisch-orthodoxen und griechisch-katholischen Christen), das j\u00fcdische Pessach [Passah]- Fest, der muslimische Ramadan. Letzterer ist uns vollkommen fremd geblieben. Auch zu den Hochfesten der j\u00fcdischen Gemeinde(n), zu den Riten hatten wir f\u00fcnf Geschwister, drei M\u00e4dchen, zwei Buben, keinen wirklichen Bezug und wenn, dann eher zuf\u00e4llig (z. B. bei der Familie Naschitz und dem Morawetz- Gro\u00dfvater), dies obwohl unsere Eltern mehr wussten und wir (Eltern wie Kinder) mit einigen j\u00fcdischen Familien befreundet waren. So brachte uns Frau Irene Gr\u00fcnhut einige Male vom Pessach-Fest <em>Matze<\/em>, das unges\u00e4uerte Brot. Doch wir fragten nicht viel. Neugierde hatte uns hingegen in die fast benachbarte orthodoxe Kirche gelockt, um bei Taufen dabei zu sein. &#8211; Aus Glaubensgr\u00fcnden hat es jedenfalls schon zu Zeiten der Gro\u00dfeltern und Urgro\u00dfeltern keine Zwistigkeiten gegeben. Es war ein eher friedliches, ja gutes Nebeneinander, als ein enges Miteinander. Temeswar \u2013 ein Vielv\u00f6lkerstaat im Kleinen. Und der Geist der Toleranz hat sich sogar w\u00e4hrend der Jahre 1940-44 bew\u00e4hrt, wof\u00fcr Getta Neumann das Beispiel des deutschen Konditors Potichen w\u00e4hlt, der sich geweigert hat, in seinem Schaufenster die drohend- diskriminierende Mitteilung\u00a0 \u201eJuden unerw\u00fcnscht!\u201c auszulegen. Ihr Kommentar: \u201eTr\u0103iau mul\u021bi oameni cumsecade \u00een Timi\u0219oara multietnic\u0103 \u0219i pluriconfesional\u0103, fapt care reiese din m\u0103rturiile contemporanilor.\u201c (S. 201 ihres Buches \u201ePe urmele Timi\u0219oarei evreie\u0219ti. Mai mult dec\u00e2t un ghid\u201c \/ 2019 &#8211; inzwischen auch in deutscher \u00dcbersetzung, unter dem Titel\/ 2021 erschienen).<br \/>\nIch geh\u00f6re zur Generation, die in ihrer Kindheit die letzten Kriegsjahre gr\u00f6\u00dftenteils bewusst erlebt hat, die in die Jahrzehnte des Sozialismus \/ Kommunismus hineinwuchs, die nicht unber\u00fchrt blieb von der langen Reihe schwer wiegender Fehler gegen\u00fcber den sogenannten Minderheiten, ver\u00fcbt &#8211; nach sowjetischem Muster- von Politik, Staat und den durchf\u00fchrenden Organen. Davon betroffen waren vor allem die Rum\u00e4niendeutschen und die Geistlichkeit \u2013 in unserem Fall die katholischen Priester. Ich muss nicht aufz\u00e4hlen, da die Fakten inzwischen hinl\u00e4nglich bekannt sind. Doch ich will versuchen, die Stimmung von damals zu skizzieren.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Piata-Crucii.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"lazyload wp-image-41198 alignleft\" src=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Piata-Crucii.jpg\" data-orig-src=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Piata-Crucii.jpg\" alt=\"\" width=\"441\" height=\"274\" srcset=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27441%27%20height%3D%27274%27%20viewBox%3D%270%200%20441%20274%27%3E%3Crect%20width%3D%27441%27%20height%3D%27274%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-srcset=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Piata-Crucii-200x124.jpg 200w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Piata-Crucii-300x186.jpg 300w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Piata-Crucii-400x248.jpg 400w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Piata-Crucii-600x373.jpg 600w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Piata-Crucii-768x477.jpg 768w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Piata-Crucii-800x497.jpg 800w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Piata-Crucii.jpg 990w\" data-sizes=\"auto\" data-orig-sizes=\"(max-width: 441px) 100vw, 441px\" \/><\/a>Es waren gegenl\u00e4ufige Richtungen: Einerseits bedr\u00e4ngten \u00c4ngste und Verunsicherung die Menschen, nur zu berechtigt war ihre Furcht davor, wann immer zu S\u00fcndenb\u00f6cken gestempelt zu werden und als solche Ausgelieferte zu sein. Jedem Unbekannten begegnete man mit Misstrauen, mit innerer Ablehnung, vor allem wenn er im Namen der Polizei (damals Miliz genannt) oder einer Beh\u00f6rde agierte. Im Umgang mit ihnen war Vorsicht geboten. Schwierig war die Pflege privater Kontakte. &#8211; Die aufs \u00dcberleben bedachten Eltern und Gro\u00dfeltern, die direkt Betroffenen, verbannten ihre Bef\u00fcrchtungen und Sorgen tief in ihr Inneres, ebenso ihr Aufbegehren gegen Unrecht und erduldeten Machtmissbrauch. \u2013 Dazu geh\u00f6rte unter vielem anderen die Verdr\u00e4ngung aus der eigenen Wohnung durch Herbeigezogene, beg\u00fcnstigt durch ebenfalls neu besetzte Beh\u00f6rden. \u2013 Viel Z\u00fcndstoff, der nicht explodieren durfte! &#8211; N\u00f6te dieser Art f\u00fchrten zwangsl\u00e4ufig zu einer Ann\u00e4herung von Minderheiten untereinander. Dennoch kann man nicht generell von einer Spaltung in ethnischer Hinsicht sprechen, denn den alteingesessenen rum\u00e4nischen Mitb\u00fcrgern, wie \u00fcberhaupt den Banater Rum\u00e4nen begegneten die meisten, erfreulicher Weise, mit Vertrauen. Was durchaus auf Gegenseitigkeit beruhte. Mancher gl\u00fcckliche Einzelfall und die Zeit f\u00fchrten allm\u00e4hlich zu einer inneren Akzeptanz des anderen.<br \/>\nAll diesen Bedr\u00e4ngnissen stand nun auf der anderen Seite der unbedingte Wille durchzuhalten gegen\u00fcber. Unerm\u00fcdlich wurde gearbeitet, um den Unterhalt zu sichern. Wir f\u00fcnf waren in das K\u00e4mpfen ums Notwendigste mit eingebunden. Wie dieses Sich-Abrackern konkret ablief, nicht ohne Eifer und Freude, das soll w. u. eingeblendet werden.<br \/>\n<strong><a href=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Juventus-Salvator.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"lazyload wp-image-41201 alignright\" src=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Juventus-Salvator.jpg\" data-orig-src=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Juventus-Salvator.jpg\" alt=\"\" width=\"509\" height=\"377\" srcset=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27509%27%20height%3D%27377%27%20viewBox%3D%270%200%20509%20377%27%3E%3Crect%20width%3D%27509%27%20height%3D%27377%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-srcset=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Juventus-Salvator-200x148.jpg 200w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Juventus-Salvator-300x222.jpg 300w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Juventus-Salvator-400x296.jpg 400w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Juventus-Salvator-600x444.jpg 600w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Juventus-Salvator-768x568.jpg 768w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Juventus-Salvator-800x592.jpg 800w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Juventus-Salvator.jpg 960w\" data-sizes=\"auto\" data-orig-sizes=\"(max-width: 509px) 100vw, 509px\" \/><\/a>Ostern<\/strong>! Wie die \u00dcberschrift vermuten l\u00e4sst, hinterlie\u00dfen die Auferstehungsfeierlichkeiten tiefe Eindr\u00fccke. Kirchliche Feiertage hatten im Jahreslauf ihren festen Platz, nur Ostern erlebten wir zweimal. \u00dcber viele Jahre hinweg waren es n\u00e4mlich die &#8222;rum\u00e4nischen&#8220; Ostern, die wir als wiederkehrendes Wunder erlebten, jedes Mal, wenn die n\u00e4chtliche Auferstehungsprozession feierlich durch unsere Gasse Richtung Lahov\u00e1ry zog, unterm Gesang des Chors, dem Schein der Kerzen, die jeder der Gl\u00e4ubigen in H\u00e4nden hielt. In gro\u00dfer Zahl folgten sie ihren Priestern im festlichen Ornat unterm Baldachin. Es gab kaum ein Fenster in den H\u00e4usern links und rechts der Stra\u00dfe, das nicht durch Kerzenlicht und Blumenschmuck anzeigte, dass hinter den Vorh\u00e4ngen Erwachsene wie Kinder &#8211; jedwelcher Nation und Glaubensrichtung &#8211; ergriffen an der Andacht teilnahmen. &#8211; Nie zu vergessende Erfahrung von christlicher Solidarit\u00e4t in Jahren des Sozialismus. Nachdenken \u00fcber Religion und Glauben, \u00fcber die Grenzen der Konfessionen hinweg; vielleicht war sogar der Punkt erreicht, an dem ein besseres Verst\u00e4ndnis der christlichen Offenbarung einsetzte. &#8211; Dieses Miteinander begann eigentlich schon an Gr\u00fcndonnerstag, wenn mit den Hammerschl\u00e4gen der <em>toaca<\/em> Christi Leidensweg ins Tagesgeschehen herein geholt wurde. Unverwechselbar der Rhythmus. &#8211; Wie oft haben meine Br\u00fcder da mitgemacht!<br \/>\nSo haben wir Christentum als ein einigendes Band erlebt, doch nicht ohne Wermutstropfen: Uns Katholiken war n\u00e4mlich die Auferstehungsprozession zu sp\u00e4ter Stunde untersagt worden. Um 18 Uhr konnte gestartet werden &#8211; bei Tageslicht und starkem Verkehr\u00a0 um das Karree: Kirche, um das altes Grundhaus herum (wo jetzt das Schulgeb\u00e4ude steht), einst Verwaltungssitz f\u00fcr diesen Bezirk, hinein in die Turghenievgasse, vorbei am Haus, in dem noch die Witwe des verdienstvollen Prof. D. Lintia wohnte, kurz darauf, beim Albert-Haus (bewohnt u. a. von Hans und Irene Mokka geb. Albert mit den beiden Kindern Horst und Heike Fassel, von dem allseits bekannten Musiklehrer und Chorleiter Mathias Schork und seiner Ehefrau) abbiegen in die \u201eRussengasse\u201c, der Kaserne entlang \u2013 abermals um die Ecke &#8211; der 6er Stra\u00dfenbahnlinie entlang (ehemalige Wilhelm- M\u00fchle- Stra\u00dfe) zur\u00fcck zum Kircheneingang. Da konnte keine rechte Andacht aufkommen. \u00dcberdies dachte so mancher der Gl\u00e4ubigen an die zu dieser Zeit bereits zu hohen Gef\u00e4ngnisstrafen verurteilten Geistlichen, nicht zuletzt an Bischof Augustin Pacha und Schwester Hildegardis \/ Dr. Hildegardis Wulff und das Schicksal der Lioba- Benediktinerinnen, die in der Elisabethstadt ihr Heim und Kloster gehabt hatten.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/DSC_0192-scaled.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"lazyload wp-image-41204 alignleft\" src=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/DSC_0192-685x1024.jpg\" data-orig-src=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/DSC_0192-685x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"405\" height=\"605\" srcset=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27405%27%20height%3D%27605%27%20viewBox%3D%270%200%20405%20605%27%3E%3Crect%20width%3D%27405%27%20height%3D%27605%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-srcset=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/DSC_0192-200x299.jpg 200w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/DSC_0192-201x300.jpg 201w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/DSC_0192-400x598.jpg 400w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/DSC_0192-600x896.jpg 600w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/DSC_0192-685x1024.jpg 685w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/DSC_0192-768x1147.jpg 768w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/DSC_0192-800x1195.jpg 800w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/DSC_0192-1028x1536.jpg 1028w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/DSC_0192-1200x1793.jpg 1200w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/DSC_0192-1371x2048.jpg 1371w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/DSC_0192-scaled.jpg 1714w\" data-sizes=\"auto\" data-orig-sizes=\"(max-width: 405px) 100vw, 405px\" \/><\/a>Aus einem Abstand von so vielen Jahrzehnten betrachtet, waren f\u00fcr uns f\u00fcnf\u00a0 die Jahre mit dem sich wiederholenden n\u00e4chtlichen Auferstehungswunder eine\u00a0 \u00fcberaus gl\u00fcckliche Zeit, auch wenn wir \u2013 wie viele Altersgenossen manche Verunsicherung und Spannung, manchen Zweifel mit uns herumtrugen. Der bis zum Rand ausgef\u00fcllte Alltag, unser eigener Optimismus und der unserer Eltern halfen uns dar\u00fcber hinweg. \u2013 Und so sah unser Alltag aus:<br \/>\nVater war neben seinem schlecht bezahlten Lehrerberuf seit 1947 Imker (wie halfen beim Schleudern). Zusammen mit uns bearbeitete er \u201eum die H\u00e4lfte\u201c [des Ertrags] zwei G\u00e4rten alter Frauen, ging zur Zeit der Weizenernte in den Schnitt um einen Anteil in natura. Wir zogen jedes Jahr ein Ferkel gro\u00df, mit K\u00fcchenabf\u00e4llen, die wir t\u00e4glich bei Verwandten und Bekannten einsammelten, schafften uns eine Ziege an, hielten ein paar H\u00fchner, standen um Petroleum und Lebensmittel an. Mutter ging in Stelle und pinselte in ihrer Freizeit h\u00fcbsche Andenken, die es im staatlichen Handel nicht gab: Gl\u00fcckwunschk\u00e4rtchen und Lesezeichen f\u00fcr Weihnachten, Ostern, zur Erstkommunion; bemalte kleine gedrechselte Andenken f\u00fcr die Sommerfrischler, die \u201eLuftschnapper\u201c in Wolfsberg oder auf dem Semenic. Mutter und Vater sangen mit uns, waren darauf bedacht, dass wir schwimmen lernten usw. Vater verdiente sich ein Zubrot als S\u00e4nger im Chor der Philharmonie; erkl\u00e4rte uns bei jeder Gelegenheit den Nutzen von Pflanzen, kannte die Geschichte unsrer Vaterstadt.<br \/>\nAuch wenn sich unversehens &#8211; immer wieder &#8211; politisch motivierte schlimme Vorf\u00e4lle ereigneten, so fiel es den \u201eJungen\u201c in der Regel weniger schwer als manchem der \u00c4lteren, sich an dem aufzurichten, was erlaubt war, was uns geboten wurde: der Unterricht in deutscher Muttersprache (wieder zugelassen seit der Unterrichtsreform von 1948), die M\u00f6glichkeit, ein deutsches Theater zu besuchen, eine Tageszeitung in der Muttersprache zu beziehen, am Religionsunterricht im Innenraum der Kirche bzw. in der\u00a0 Sakristei teilzunehmen oder sich als Pfarrjugend zu treffen; die Matinee- Auff\u00fchrungen der Philharmonie zu besuchen, Zeit zum Lesen. In der Bibliothek unserer Eltern fand jeder das eben passende Buch. \u2013 Freilich, jedes Kind und jeder Jugendliche wusste, was gesagt werden durfte, was hingegen gef\u00e4hrlich war, wem man was anvertrauen durfte. \u2013 Schulen, die engere Nachbarschaft, der Arbeitsplatz boten viele Gelegenheiten, sich n\u00e4her kennen zu lernen. Immer \u00f6fter kam es zu Freundschaften, die Bestand hatten, trotz mancher neuer Hiebe in den Nacken von Seiten der Regierung.<br \/>\nDie Erinnerung an treue Bindungen ist ebenfalls Teil meiner Sehnsucht, freilich: durchzogen von Wehmut, weil fast alle, an denen das Herz hing, nicht mehr leben. Je \u00e4lter ich bin, desto dankbarer erkenne ich im Glauben an die Auferstehung den Ausblick, die N\u00e4he der Verhei\u00dfung<em>.<\/em> \u2013 F\u00fcr Temeswar. w\u00fcnsche ich mir \u2013 an das Beispiel der Turghenievgasse denkend -, dass zur Osterzeit an m\u00f6glichst vielen H\u00e4usern Fenster aufleuchten, zum Zeicchen, dass die Frohe Botschaft des Sieges \u00fcber den Tod angekommen ist.<br \/>\nAns Ende setze ich die Worte, mit denen auch mein Brief endet:<br \/>\n<em>Bewegt von solchen Erinnerungen \/ Gedanken w\u00fcnsche ich Ihnen, den Mitarbeitern der Di\u00f6zese, den Exzellenzen Bischof Martin Roos und Bischof Csaba P<\/em><em>\u00e1l eine segensreiche Zeit \u00fcber das Osterfest hinaus, pers\u00f6nlich Gesundheit,<\/em><em> ersprie\u00dfliches Wirken &#8211; und f\u00fcr uns alle &#8211; weltweit &#8211; eine friedlichere<\/em><em> Zeit.<\/em><\/p>\n<p>Ihre<br \/>\nRadegunde T\u00e4uber<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute, an Karfreitag, f\u00fchle ich mich sehnsuchtsvoll ins einst heimatliche Temeswar zur\u00fcck versetzt, in unser Elternhaus in der Turghenievgasse (jetzt Protopop Dragomir) Nr.13, im Herzen der Elisabethstadt gelegen,\u00a0 mit dem Klang der Herz- Jesu- Kirche im Ohr, vor Augen das Bl\u00fchen im Hof, das erste Gr\u00fcn im nahe gelegenen Park (P-ta Bisericii), benannt nach der dem [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":41207,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[66],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/41214"}],"collection":[{"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=41214"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/41214\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":41223,"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/41214\/revisions\/41223"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/41207"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=41214"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=41214"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=41214"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}