{"id":44427,"date":"2022-07-05T12:47:53","date_gmt":"2022-07-05T09:47:53","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=44427"},"modified":"2022-07-05T12:48:30","modified_gmt":"2022-07-05T09:48:30","slug":"john-lennon-im-kreuzweg-die-roemisch-katholische-kirche-in-orschowa-und-ihre-symbolik-der-aufmuepfigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/john-lennon-im-kreuzweg-die-roemisch-katholische-kirche-in-orschowa-und-ihre-symbolik-der-aufmuepfigkeit\/","title":{"rendered":"John Lennon im Kreuzweg &#8211; Die r\u00f6misch-katholische Kirche in Orschowa und ihre Symbolik der Aufm\u00fcpfigkeit"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u00dcber 32 Jahre sind vergangen, seit in Rum\u00e4nien der kommunistische Diktator Nicolae Ceau\u0219escu gest\u00fcrzt wurde. Der galt als ein besonders rabiater Herrscher, der vor allem f\u00fcr die r\u00f6misch-katholische Kirche nicht viel \u00fcbrighatte \u2013 und eigentlich eher Gottesh\u00e4user dutzendweise abrei\u00dfen lie\u00df, als den Bau neuer Kirchen voranzutreiben. Da grenzt es dann schon an ein kleines Wunder, dass in den 1970er Jahren, also mitten in der kommunistischen Zeit, im Donau-Anrainerst\u00e4dtchen Orschowa eine neue katholische Kirche errichtet wurde. Was den Kommunisten damals entging: Die Erbauer schummelten seinerzeit Symbole westlicher Pop-Kultur, offensichtlich als Zeichen der Aufm\u00fcpfigkeit, in den Kreuzweg hinein. Und auch dar\u00fcber hinaus kann man in dieser Kirche unweit des rum\u00e4nischen Donauufers so allerlei Besonderheiten finden, wenn man den richtigen F\u00fchrer hat.<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/DSCN3617.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"lazyload wp-image-44413 alignright\" src=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/DSCN3617-1024x768.jpg\" data-orig-src=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/DSCN3617-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"557\" height=\"418\" srcset=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27557%27%20height%3D%27418%27%20viewBox%3D%270%200%20557%20418%27%3E%3Crect%20width%3D%27557%27%20height%3D%27418%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-srcset=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/DSCN3617-200x150.jpg 200w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/DSCN3617-300x225.jpg 300w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/DSCN3617-400x300.jpg 400w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/DSCN3617-600x450.jpg 600w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/DSCN3617-768x576.jpg 768w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/DSCN3617-800x600.jpg 800w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/DSCN3617-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/DSCN3617-1200x900.jpg 1200w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/DSCN3617-1536x1152.jpg 1536w\" data-sizes=\"auto\" data-orig-sizes=\"(max-width: 557px) 100vw, 557px\" \/><\/a>\u201eDie Kirche ist eine \u201eKirche der unbefleckten Empf\u00e4ngnis\u2018, eine wundersch\u00f6ne Kirche, gebaut in den 70er Jahren. Was damals gelungen ist \u2013 fantastisch! Eine Kirche ohne Fenster, das Licht kommt durch das Kreuz, das oben das Gew\u00f6lbe teilt \u2013 LICHT DURCH DAS KREUZ! &#8211; sehr symbolisch. Licht auch durch einen Mauerdurchbruch in der Altarwand: wieder ein Kreuz. Das meiste ist Beton, aber auch Holz haben wir in der Kirche, teils als T\u00e4felung und Farbkontrast \u2013 W\u00e4rme &#8211; zum Grau.\u201c Pfarrer Davor Lucacela, ein Kroate aus dem Banater Bergland, macht diese Einf\u00fchrung mit kaum unterdr\u00fcckter Begeisterung. In der Tat, man hat, trotz aller Moderne, das Gef\u00fchl, in einem Riesenzelt der Hirten und Nomaden zu sein, die das Urchristentum (er)lebten, was dann von drau\u00dfen wieder wie ein kieloben an den Strand zum Trocknen gezogenes Fischerboot anmutet \u2013 ja, waren die meisten der Apostel nicht Fischer? \u201eMenschenfischer\u201c? Orschowa, eine Zehntausend-Einwohner-Gemeinde im S\u00fcdwesten Rum\u00e4niens, direkt an der Donau gelegen; am gegen\u00fcberliegenden Ufer grenzt das Nachbarland Serbien an. Wenn der r\u00f6misch-katholische Gemeindepfarrer Davor Lucacela \u00fcber die Kirche mitten im Ort spricht, ger\u00e4t er leicht ins Schw\u00e4rmen. Und das hat nicht nur mit der modernistischen Architektur zu tun, mit der Betonbauweise, mit dem riesigen, in der Decke als Glask\u00f6rper eingearbeiteten Kreuz, durch das das Tageslicht f\u00e4llt. Pfarrer Luccela gesteht, aus diesem Grund die Messen vor der Abendd\u00e4mmerung zu zelebrieren, um das Tageslicht voll zu nutzen. Die Scheinwerfer \u2013 Original-Stadionscheinwerfer aus den 1970er Jahren &#8211; verbrauchen so viel Strom, dass er sich ans Tageslicht klammern muss&#8230; Diese Kirche in Orschowa weist gleich mehrere Besonderheiten auf: \u201eDa haben wir einen sehr modernen Kreuzweg. Es sind 15 Stationen. Nach der Wende hat man immer \u00f6fter ausgedr\u00fcckt, was so mancher l\u00e4ngst wusste: dass die Gesichter der gemalten Menschen auf dem Kreuzweg die Gesichter von in den 1970er bis 1980er Jahren (und teilweise auch davor) bekannten Personen sind. Da haben wir ber\u00fchmte Sportler und Schauspieler. Und dr\u00fcben, bei dem Prozess, wo Jesus verurteilt wurde, hat Gabriel Popa auch den Lenin gemalt. Unter die Pharis\u00e4er.\u201c Das war ja seinerzeit, im kommunistischen Rum\u00e4nien der 1970er Jahre, nicht gerade vereinbar mit der Staatsdoktrin. Doch bei diesem Gesicht, ebenfalls eingearbeitet in den Kreuzweg, ist das anders. \u201eDa, auf der 15. Station seines Kreuzwegs, der `Auferstehung\u00b4 oder `Verkl\u00e4rung durch die Musik\u00b4 hat er den John Lennon gemalt. Ich wei\u00df nicht, warum. Der Maler ist gestorben. Wir wissen nicht, warum er gerade John Lennon auserw\u00e4hlt hat.\u201c Oder warum die Gestalt mit dem Mikrofon in der Hand, mit nacktem Oberk\u00f6rper, so verd\u00e4chtig dem Mick Jagger von den Rolling Stones \u00e4hnelt&#8230; Oder warum er den damaligen Pfarrer der (alten und neuen) Orschowaer Kirche, ebenfalls auf dem `Auferstehungsbild\u00b4, einen Umhang im Kardinalsrot umgeh\u00e4ngt hat&#8230;\u201c Wo keine Gewissheit ist, bleiben Vermutungen: \u201eIch wei\u00df, es gibt sehr viele, sehr bekannte Melodien, auch im Rock und im Pop, die eine christliche Wurzel haben. Zum Beispiel haben wir das \u201aLet it be\u2018. Das ist von der Mutter Gottes, weil sie gesagt hat: Mir geschehe nach Deinem Wort. Warum aber ausgerechnet Lennon ausgew\u00e4hlt wurde, wissen wir nicht. Der Maler selbst hat das nicht erz\u00e4hlt. Zumindest ist es uns nicht \u00fcberliefert.\u201c Wohl mit gutem Grund, meint Pfarrer Davor Lucacela heute: \u201eEs war eine problematische Phase in der Kommunistischen Zeit. Gabriel Popa hatte wohl Angst, Argumente gegen sich zu liefern \u2013 meine Meinung! Aber gemalt hat er das alles. Trotz allem. Oder Allem zum Trotz.\u201c \u201eAlle Maler, die wichtige Kreuzwege gemalt haben, haben ihre Zeit im Kreuzweg eingeschlossen. Das, was wir in Orschowa zu sehen kriegen, ist eigentlich, so gesehen, nichts Besonderes! Es ist beste Kulturtradition,\u201c erg\u00e4nzt der ADZ-Journalist Werner Kremm, der, selbst katholisch, immer mal wieder die \u201aKirche der unbefleckten Empf\u00e4ngnis\u2018 in Orschowa besucht und der uns eigentlich auf die Idee dieses Besuchs f\u00fcr den Deutschlandfunk gebracht hat. Auch f\u00fcr Kremm bleibt die Frage: Wie konnte der Maler einst, Anfang der 1970er Jahre, in der Bl\u00fctezeit des Ceau\u0219escu-Kommunismus in Rum\u00e4nien, so einfach ein John-Lennon-Portr\u00e4t oder den Lenin unter die Pharis\u00e4er in den Kreuzgang \u201ahineinschummeln\u2018? \u201eIch glaube, es war nicht nur die versteckte Opposition eines denkenden K\u00fcnstlers: Es war mehr!\u201c Werner Kremm verweist auf die Herkunft des Malers Gabriel Popa und des Architekten Hans Fackelmann, beide l\u00e4ngst verstorben. \u201eBeide sind Banater, beide lebten zu jener Zeit, als Kirche und Kreuzweg von Orschowa entstanden \u2013 das die Banater auch heute f\u00fcr ihr s\u00fcd\u00f6stlichstes St\u00e4dtchen halten &#8211; in Temeswar, in der westlichsten Gegend Rum\u00e4niens. Und diese westlichste Gegend war nicht umsonst die Gegend, in der nachher die Revolution ausgebrochen ist. Es war eine (welt-, kultur- und ideologie-) offenere Gegend. Au\u00dferdem waren Gabriel Popa und Hans Fackelmann im Umfeld der rum\u00e4nischen Pop-Bewegung in Temeswar, der Gruppe Phoenix. Und einer k\u00fcnstlerischen Avangarde (etwa die Gruppe Sigma um Stefan Bertalan und Roman Coto\u0219man). Also da schlie\u00dft sich, meiner Meinung nach, ein Kreis.\u201c Und so spiegelt dann die Kirche in Orschowa ein St\u00fcck weit auch die Geschichte in Ans\u00e4tzen vorhandener Aufm\u00fcpfigkeit gegen das kommunistische Regime von einst wieder. Von bewusst gelebter k\u00fcnstlerischer Freiheit \u2013 trotz Zensur. Interessant ist: Da sind eine ganze Reihe bekannter Pers\u00f6nlichkeiten der 1970er und 1980er Jahre auf den einzelnen Stationen des Kreuzwegs. Auch die Tatsache, dass die Christusportr\u00e4ts, die den Kreuzweg (eigentlich ein Kontinuum) strukturieren, Selbstportr\u00e4ts des K\u00fcnstlers sind. Viele von den Pers\u00f6nlichkeiten seiner Zeit hat Gabriel Popa unter dem Gekreuzigten platziert. Sie stehen direkt neben Maria unter dem Kreuz, etwa die Schauspieler Florin Piesic, Ana Szeles oder die Turnweltmeisterin Nadia Com\u0103neci.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/DSCN3625.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"lazyload wp-image-44416 alignleft\" src=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/DSCN3625-1024x768.jpg\" data-orig-src=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/DSCN3625-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"649\" height=\"487\" srcset=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27649%27%20height%3D%27487%27%20viewBox%3D%270%200%20649%20487%27%3E%3Crect%20width%3D%27649%27%20height%3D%27487%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-srcset=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/DSCN3625-200x150.jpg 200w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/DSCN3625-300x225.jpg 300w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/DSCN3625-400x300.jpg 400w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/DSCN3625-600x450.jpg 600w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/DSCN3625-768x576.jpg 768w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/DSCN3625-800x600.jpg 800w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/DSCN3625-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/DSCN3625-1200x900.jpg 1200w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/DSCN3625-1536x1152.jpg 1536w\" data-sizes=\"auto\" data-orig-sizes=\"(max-width: 649px) 100vw, 649px\" \/><\/a>Je \u00f6fter Pfarrer Davor Lucacela an dem Kreuzweg vorbeischlendert, desto h\u00e4ufiger kann er die Gesichter der abgebildeten bekannten Pers\u00f6nlichkeiten aus Kunst und Kultur zuordnen. Doch immer wieder bleibt er vor dem Abbild John Lennons stehen: \u201eEr h\u00e4lt seine Arme nach oben. Und genauso macht es ja Christus. Sicher hat der Maler da an eine Melodie gedacht.\u201c Dass der Maler damals ausgerechnet das Konterfei einer westlichen Pop-Ikone in den Kreuzweg hineingemalt hat, ist den kommunistischen Machthabern anscheinend nicht aufgefallen. Oder hat man da beide Augen zugedr\u00fcckt? Diejenigen, die den Beatles-Star erkannten, behielten das f\u00fcr sich. Au\u00dferdem war solche \u201eKirchenmalerei\u201c \u2013 der orthodoxen, streng dogmatisch geregelten Ikonenmalerei folgend, die \u00dcberraschungen ausschloss \u2013 quasi zensurfrei. Au\u00dferdem: \u201eDamals war alles sehr still. Man wollte keine Probleme haben. Und auch anderen keinerlei Probleme aufhalsen. Ich denke, man hat damals sehr wenig dar\u00fcber geredet.\u201c Wobei die kritische Haltung des Malers nicht nur beim Lennon-Portr\u00e4t greifbar ist. \u201eInteressant ist es bei dem Lenin. Er wurde mit einem halben Gesicht gemalt. In der orthodoxen Ikonographie sind alle Heiligen, alle positiven Personen, mit dem ganzen Gesicht gemalt, frontal, mit dem Blick immer auf den Betrachter gerichtet. Beim Lenin ist zum Beispiel nur eine Seite, eine H\u00e4lfte seines Gesichtes\u2026 faktisch also ist er damit als negative Person beschrieben. Es war damals schon problematisch genug, den Lenin \u00fcberhaupt darzustellen, erst recht als eine negative Person in einer Kirche. Das war echt mutig!\u201c Von Ma\u00dfregelungen, Repressionen gegen den Maler ist allerdings nichts bekannt. Abgesehen vom in mehrfacher Hinsicht bedeutungsvollen Kreuzweg ist die katholische Kirche \u201eZur unbefleckten Empf\u00e4ngnis\u201c in Orsowa am rum\u00e4nischen Donauufer aber noch in einer weiteren Hinsicht einzigartig. Werner Kremm: \u201eEs ist die einzige r\u00f6misch-katholische Kirche, die in Rum\u00e4nien im Kommunismus gebaut wurde.\u201c \u00dcber 90 Prozent der Rum\u00e4ninnen und Rum\u00e4nen geh\u00f6rten, damals wie heute, der orthodoxen Kirche an; die katholische Kirche findet sich bis heute in Rum\u00e4nien in einer Art Diaspora wieder. Diktator Ceau\u0219escu hatte f\u00fcr die katholische Kirche wenig \u00fcbrig. \u201eDas ist auch das kleine Paradoxon hier: W\u00e4hrend Ceau\u0219escu daf\u00fcr bekannt ist, dass er Kirchen und Kl\u00f6ster in Bukarest erbarmungslos wegrasiert hat, um Neubauten zu errichten oder seinen Prunkboulevard des \u201aSieges des Sozialismus\u2018 und dass \u201eHaus des Volkes\u201c, sei-nen Amtssitz, ist hier eine Kirche gebaut worden. Allerdings einige Jahre vor seiner Zerst\u00f6rungswut, die er mit dem Segen des damaligen Patriarchen entfesselte!\u201c Die Gr\u00fcnde f\u00fcr den Bau der katholischen Kirche in der kleinen Donaugemeinde sind dann auch tief in der damaligen Politik verwurzelt. \u201eDer Vatikan hatte unter Ceau\u0219escu diplomatische Beziehungen aufgenommen mit Rum\u00e4nien. Vorher war die katholische Kirche eine geduldete Kirche. Es gab eine Konvention: Sollten Kirchen zerst\u00f6rt werden m\u00fcssen, sorgt der Staat daf\u00fcr, dass neue Kirchen aufgebaut werden. Das grunds\u00e4tzlich. Allerdings hat die deutsche Caritas diesen Fackelmann-Bau am Donauufer finanziert.\u201c In Orschowa wurde vorher eine Kirche zerst\u00f6rt: Direkt vor dem heutigen Donaustausee im \u201eGolf von Orschowa\u201c haben die Machthaber damals die Donau angestaut, zur Energiegewinnung.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/DSCN3618.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"lazyload  wp-image-44419 alignright\" src=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/DSCN3618-1024x768.jpg\" data-orig-src=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/DSCN3618-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"567\" height=\"426\" srcset=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27567%27%20height%3D%27426%27%20viewBox%3D%270%200%20567%20426%27%3E%3Crect%20width%3D%27567%27%20height%3D%27426%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-srcset=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/DSCN3618-200x150.jpg 200w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/DSCN3618-300x225.jpg 300w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/DSCN3618-400x300.jpg 400w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/DSCN3618-600x450.jpg 600w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/DSCN3618-768x576.jpg 768w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/DSCN3618-800x600.jpg 800w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/DSCN3618-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/DSCN3618-1200x900.jpg 1200w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/DSCN3618-1536x1152.jpg 1536w\" data-sizes=\"auto\" data-orig-sizes=\"(max-width: 567px) 100vw, 567px\" \/><\/a>Das alte Orschowa versank im See \u2013 und mit der Ortschaft auch die alte Kirche. \u201eDer Grund war eigentlich der, dass die alte katholische Kirche von Orschowa auf dem Grund des Stausees versunken ist, nachdem die Donau beim Eisernen Tor ab 1971 aufgestaut war. Das hei\u00dft: Im Golf von Orschowa ist noch die alte Kirche vorhanden. Und wenn der Wasserspiegel sinkt, etwa bei Grundentleerungen, kann man sogar den Turm noch sehen.\u201c Heute bietet Pfarrer Davor Lucacela t\u00e4glich Gottesdienste in der neuen Kirche an \u2013 ein Beispiel f\u00fcr Multikulturalit\u00e4t. Denn: Orschowa geh\u00f6rt zum Westen Rum\u00e4niens und beugt sich den Regeln des Katholizismus in Rum\u00e4nien: Mehrsprachigkeit der Gottesdienste. Aber: \u201eWir haben eine kleine Gemeinde. Es ist heute eine fast ausschlie\u00dflich tschechische Gemeinde. Die Deutschen sind ausgewandert. Die Tschechen sind geblieben. 80, 90 Prozent Tschechen haben wir, Rum\u00e4nen ein wenig, Ungarn, ein paar Deutsche. Das sind noch so zehn bis zwanzig Familien.\u201c Die tschechische Gemeinde besteht aus den Nachfahren ehemaliger Migranten, Bergleute und Wehrbauern, die einst von Tschechien, aus dem B\u00f6hmerwald, hiergekommen sind \u2013 ebenso wie manche der Rum\u00e4niendeutschen, die Deutschb\u00f6hmen des Banater Berglands. Pfarrer Davor Lucacela selbst ist \u00fcbrigens weder ethnischer Deutscher, noch ethnischer Tscheche, von der Staatsb\u00fcrgerschaft zwar Rum\u00e4ne \u2013 aber: \u201eIch bin kroatischer Abstammung. Es gibt ja im Banat auch eine kroatische Minderheit in der N\u00e4he von Reschitza. Das sind sieben D\u00f6rfer. Ungef\u00e4hr 6500 Kroaten sind noch hier im Banat \u2013 eine sehr, sehr alte Minderheit.\u201c Und so wird die katholische Kirche in Orschowa zum einen zum Symbol der leisen Aufm\u00fcpfigkeit gegen den Kommunismus \u2013 und zu einer Art multikulturellem Schmelztiegel im Westen Rum\u00e4niens. Pfarrer Lucacela: \u201eSehr stolz bin ich. Das ist ein sehr gro\u00dfes Erbe. Und man hat eine sehr gro\u00dfe Verantwortung hier, nicht nur als Pfarrer.\u201c<\/p>\n<p>Von Thomas Wagner<br \/>\nFotos: Werner Kremm<\/p>\n<p>Erschienen in: <strong><em>Allgemeine Deutsche Zeitung f\u00fcr Rum\u00e4nien<\/em><\/strong>, 30. Jahrgang, Nr. 7360 Bukarest, Samstag, 18. Juni 2022, S. 8-9.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber 32 Jahre sind vergangen, seit in Rum\u00e4nien der kommunistische Diktator Nicolae Ceau\u0219escu gest\u00fcrzt wurde. Der galt als ein besonders rabiater Herrscher, der vor allem f\u00fcr die r\u00f6misch-katholische Kirche nicht viel \u00fcbrighatte \u2013 und eigentlich eher Gottesh\u00e4user dutzendweise abrei\u00dfen lie\u00df, als den Bau neuer Kirchen voranzutreiben. 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