{"id":45026,"date":"2022-07-24T12:14:20","date_gmt":"2022-07-24T09:14:20","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=45026"},"modified":"2022-07-24T17:42:16","modified_gmt":"2022-07-24T14:42:16","slug":"msgr-konrad-kernweiss-unter-den-neuen-ehrenbuergern-der-stadt-ciacova","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/msgr-konrad-kernweiss-unter-den-neuen-ehrenbuergern-der-stadt-ciacova\/","title":{"rendered":"Msgr. Konrad Kernweiss unter den neuen Ehrenb\u00fcrgern der Stadt Tschakowa"},"content":{"rendered":"<p><em>W\u00e4hrend der ordentlichen Sitzung, vom April dieses Jahres, hat der Gemeinderat der Stadt Tschakowa die Verleihung des Titels &#8222;Ehrenb\u00fcrger von Tschakowa&#8220; (post mortem) an sieben Pers\u00f6nlichkeiten unserer Stadt beschlossen: Ion Monoran &#8211; Dichter der Revolution, Josef Brandeisz &#8211; ber\u00fchmter Musiker, Konrad Kerneweiss &#8211; \u201eBischof\u201c aus Tschakowa, Dositej Obradovici &#8211; Eminescu der Serben, Stefan Polverejan &#8211; Veterin\u00e4r und J\u00e4ger, leidenschaftlicher Anh\u00e4nger der Region Tschakowa, Petru Fiat &#8211; einer der wichtigsten B\u00fcrgermeister von Tschakowa, Pavel Cebzan &#8211; der inzwischen verstorbene Klarinettist der Band von Gheorghe Zamfir. Der Entscheidungsentwurf wurde vom B\u00fcrgermeister von Ciacova, Dipl.-Ing. Petru Filip genehmigt. Die Initiative ist schon \u00e4lter. Ende 2019 wollten wir 100 Jahre rum\u00e4nische Verwaltung in Tschakowa mit der Verleihung des Titels &#8222;Ehrenb\u00fcrger unserer Stadt&#8220; an einige Pers\u00f6nlichkeiten aus Tschakowa feiern, aber das ist uns nicht gelungen. Die urspr\u00fcngliche, sehr viel umfangreichere Liste wurde vom Verfasser dieser Zeilen nach R\u00fccksprache mit dem B\u00fcrgermeister und mit Frau Cipriana Sava erstellt. Erfreulicherweise wurde diese Liste in diesem Fr\u00fchjahr auf Initiative des B\u00fcrgermeisters \u00fcberarbeitet, auch wenn sie jetzt viel k\u00fcrzer ist. Schlie\u00dflich ist es lobenswert, unsere Vorfahren auf diese Weise zu ehren, und es kostet uns nichts, sondern bringt den Familien unserer ehemaligen Pers\u00f6nlicheiten eine kleine Freude. Nat\u00fcrlich kann diese Liste, wie jede andere auch, als subjektiv betrachtet werden, sie kann Diskussionen und Meinungen hervorrufen (und das ist selbstverst<\/em><em>\u00e4ndlich<\/em><em>), und nat\u00fcrlich kann sie immer verbessert werden. Ich glaube nicht, dass wir bef\u00fcrchten m\u00fcssen, dass wir zu viele Ehrenb\u00fcrger von Tschakowa haben werden. Im Gegenteil, ich bin der Meinung, dass jeder von uns seine Vorfahren kennen und das sch\u00e4tzen sollte, was sie uns hinterlassen haben, ebenso wie wir die Tschakowaer sch\u00e4tzen sollten, die in ihrer T\u00e4tigkeit Herausragendes geleistet haben und noch unter uns weilen.<\/em><\/p>\n<p><strong>Ion Monoran (1953-1993)<\/strong><br \/>\nDer rum\u00e4nische Dichter, Journalist und Publizist wurde am 18. Januar 1953 im Dorf Petroman geboren. In seinem letzten Schuljahr wurde er von der Schule verwiesen, weil er versucht hatte, illegal \u00fcber die Grenze zu kommen. Somit beendete Ion Monoran seine Schulausbildung erst 1978 mit dem Abschluss des Gymnasiums f\u00fcr Philologie und Geschichte in Temeswar. Ab 1973 besuchte er drei Jahre lang das Pavel-Dan-Zentrum im Studentenkulturzentrum in Timi\u0219oara, und 1976 machte er sein literarisches Deb\u00fct in der Zeitschrift &#8222;Forum Studen\u021besc&#8220; mit den Gedichten &#8222;Prietenilor mei&#8220; und &#8222;Mult\u0103 vreme&#8220;. Er schrieb auch Verse f\u00fcr andere Zeitschriften der damaligen Zeit, wie &#8222;Orizont&#8220;, &#8222;Amfiteatru&#8220;, &#8222;Echinox&#8220; und &#8222;Luceaf\u0103rul&#8220;.<br \/>\nNach einer strengen Auswahl durch den Autor stellt Ion Monoran 1993 den Gedichtband &#8222;Locus Periucundus&#8220; fertig, der Gedichte aus den Jahren 1975-1989 enth\u00e4lt; der Dichter stirbt aber am 2. Dezember 1993, bevor sein erster Gedichtband ver\u00f6ffentlicht wird. &#8222;Locus Periucundus&#8220; erblickte 1994 das Licht der Welt und wurde 1996 durch einen zweiten Band, &#8220; Ca un vagabond \u00eentr-o flanel\u0103 ro\u0219ie &#8220; (Wie ein Vagabund in einem roten Flanell), erg\u00e4nzt. In seiner literarischen Laufbahn wurde Ion Monoran mit mehreren Preisen ausgezeichnet, darunter der &#8222;Nichita St\u0103nescu&#8220;-Preis f\u00fcr zeitgen\u00f6ssische Poesie (1987), der Preis des Wettbewerbs f\u00fcr literarisches Schaffen (Sathmar, 1987) und der Deb\u00fctpreis des Schriftstellerverbandes. Er gilt als einer der wichtigsten Vertreter der 80er Generation der rum\u00e4nischen Schriftsteller.<br \/>\nEr war einer der Anf\u00fchrer der Revolution vom Dezember 1989 in Temeswar, der am 16. Dezember 1989 die Stra\u00dfenbahnen auf dem Marien-Platz anhielt und damit praktisch die Revolution selbst ausl\u00f6ste. Von diesem Moment an verwandelte sich der friedliche Protest vor dem Haus des reformierten Pfarrers L\u00e1szl\u00f3 T\u00f6kes in einen Aufstand, in Sprechch\u00f6re gegen das Regime und gegen Ceau\u0219escu. Er war der erste oder einer der ersten Revolution\u00e4re, der den Mut hatte, &#8222;Nieder mit Ceausescu!&#8220; zu skandieren. Gleichzeitig leistete er einen besonders wichtigen Beitrag zur Gr\u00fcndung der Zeitung <em>Timi\u0219oara<\/em>. Er war eines der Gr\u00fcndungsmitglieder der Zeitung im Jahr 1990, derjenige, der immer L\u00f6sungen fand, der die erste Schreibmaschine kaufte und eine Zeit lang die gesamte Redaktion der Zeitung in seiner Wohnung unterbrachte. Er war auch einer der Gr\u00fcnder der Gesellschaft <em>Timi\u0219oara<\/em> im Jahr 1990, die die ber\u00fchmte Proklamation von Temeswar verfasste. Er ist Ehrenb\u00fcrger von Temeswar (<em>post mortem<\/em>) gemacht worden, Stadt in der er zwischen der Traian-Br\u00fccke und dem Marienplatz eine B\u00fcste des Bildhauers Aurel Gheorghe Ardelean hat. Auch eine Temeswarer Stra\u00dfe tr\u00e4gt seinen Namen.<br \/>\n<strong><br \/>\nJosef Brandeisz jr. (1896 &#8211; 1978)<\/strong><br \/>\nEr wurde am 23. August 1896 in Tschakowa, heute Kreis Temesch, geboren. Sein Vater war der bekannte Baumeister Josef Brandeisz (1862-1921) aus Tschakowa, seine Mutter Maria, geborene Ludwig. Als Musikwissenschaftler, Lehrer und Violonist ist er einer der bedeutendsten Temeswarer Musiker des 20. Jahrhunderts gewesen. Er begann seine musikalischen Studien am St\u00e4dtischen Konservatorium Temeswar (1909-1911) bei Bela Tomna (Violine) und setzte sie an der Liszt Ferenc Zenem\u00fcv\u00e9szeti F\u0151iskola in Budapest (1921-1925) bei Moln\u00e1r Antal (Theorie-Solfeggio), Siklos Adalbert (Harmonielehre), G\u00e9za Moln\u00e1r (Musikgeschichte, Musik\u00e4sthetik), Hubay Jen\u0151 und Mambrinyi Gyula (Violine), Kem\u00e9ny Rezs\u0151 (Viola) und Tamay Alajos (Klavier) fort. Er studierte in Baden-Baden (1929) und an der Musik-Hochschule in Berlin (1932) bei Carl Flesch.<br \/>\nJosef Brandeisz war von 1920 bis 1944 Geigenlehrer am St\u00e4dtischen Konservatorium in Temeswar, von 1920 bis 1938 Violonist des Streichquartetts &#8222;Tomm&#8220; ebenfalls in Temeswar, von 1920 bis 1946 erster Bratschist des Symphonieorchesters &#8222;Amicii muzicii&#8220; (Freunde der Musik) in Temeswar, Geigensolist und Dirigent des Orchesters der Rum\u00e4nischen Oper, Tremeswar zwischen 1947 und 1960 und der Philharmonie &#8222;Banatul&#8220; in Temeswar zwischen 1947 und 1949, Dozent f\u00fcr Kammermusik am Kunstinstitut in Temeswar zwischen 1949 und 1950, Geigen- und Bratschenlehrer am Musiklyz\u00e4um &#8222;Ion Vidu&#8220; in Temeswar zwischen 1954 und 1973.<br \/>\nW\u00e4hrend seiner fast 60-j\u00e4hrigen Lehrt\u00e4tigkeit, die er ausschlie\u00dflich in Temeswar aus\u00fcbte, bildete er mehr als 900 Violonisten aus, die Solisten, Mitglieder von Kammerensembles, Mitglieder bedeutender Orchester und Lehrer wurden. Er hat eine rege Konzertt\u00e4tigkeit entfaltet (mehr als 200 \u00f6ffentliche Auftritte im Land mit insgesamt 66 Konzerten und 84 verschiedenen St\u00fccken rum\u00e4nischer und ausl\u00e4ndischer Komponisten) und war an mehr als 50 Kammerkonzerten und 59 Opern- und Operettenpremieren in Temeswar beteiligt. Sein Vater, ein bemerkenswerter Architekt und Baumeister aus Tschakowa, Josef Brandeisz senior (1862-1921), baute unter anderem das imposante Geb\u00e4ude des Gymnasiums \u201eAlexandru Mocioni\u201c Tschakowa (1894) sowie die ehemalige ungarische Schule, die heute Sitz und Sozialkantine der Caritas Banat \u2013 St. Gerhardus \u2013 Tschakowa ist.<\/p>\n<p><strong>Msgr. Konrad Kernweiss (1913-1981)<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/3-Konrad-Kernweisz-1954-1981.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"lazyload wp-image-45007 alignleft\" src=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/3-Konrad-Kernweisz-1954-1981-702x1024.jpg\" data-orig-src=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/3-Konrad-Kernweisz-1954-1981-702x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"297\" height=\"433\" srcset=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27297%27%20height%3D%27433%27%20viewBox%3D%270%200%20297%20433%27%3E%3Crect%20width%3D%27297%27%20height%3D%27433%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-srcset=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/3-Konrad-Kernweisz-1954-1981-200x292.jpg 200w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/3-Konrad-Kernweisz-1954-1981-206x300.jpg 206w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/3-Konrad-Kernweisz-1954-1981-400x584.jpg 400w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/3-Konrad-Kernweisz-1954-1981-600x876.jpg 600w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/3-Konrad-Kernweisz-1954-1981-702x1024.jpg 702w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/3-Konrad-Kernweisz-1954-1981-768x1121.jpg 768w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/3-Konrad-Kernweisz-1954-1981-800x1168.jpg 800w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/3-Konrad-Kernweisz-1954-1981-1052x1536.jpg 1052w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/3-Konrad-Kernweisz-1954-1981-1200x1751.jpg 1200w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/3-Konrad-Kernweisz-1954-1981.jpg 1310w\" data-sizes=\"auto\" data-orig-sizes=\"(max-width: 297px) 100vw, 297px\" \/><\/a>Er wurde am 9. Juni 1913 in Tschakowa als Sohn von Konrad Kerneweiss und Katharina, geb. Quitter, ebenfalls aus Tschakowa geboren. Er war das 11. Kind dieser tief religi\u00f6sen und katholischen Familie. Zwischen 1923 und 1931 besuchte er das Staatliche Deutsche Realgymnasium in Temeswar und legte im Juni 1931 die Abiturpr\u00fcfung ab. 1931 bis 1936 studierte er Theologie in Temeswar und wurde am 22. M\u00e4rz 1936 zum Priester geweiht. Nach seiner Priesterweihe studierte er auch kurz in Deutschland, in Freiburg im Breisgau und Marburg an der Lahn. Er war Kaplan in Hatzfeld und Triebswetter (1936-1938), Spiritual und Katechet am Gymnasium der Notre-Dame-Schwestern in Temeswar Josefstadt (1938-1944) und nacheinander Pfarrverwalter in Perjamosch, Haulik und Neusanktpeter (1944-1946). Auch in Perjamosch war er Spiritual der dortigen Notre-Dame-Schwestern. Ab 1951 arbeitete er in der Pfarrei Josefstadt, und kurz vor seinem Tod ernannte ihn Dr. Augustin Pacha, Bischof von Temeswar, zum <em>Ordinarius Substitutus<\/em> der R\u00f6misch-Katholischen Di\u00f6zese Temeswar, womit er unter schwierigen Bedingungen w\u00e4hrend der kommunistischen Diktatur das Amt des Bischofs aus\u00fcbte. Als Ordinarius besuchte er 1974 &#8211; praktisch &#8222;ad-limina&#8220; &#8211; Rom, als er zum ersten Mal die Grenzen des sozialistischen Rum\u00e4niens \u00fcberschreiten konnte, um seine Aufgabe als Seelsorger eines katholischen Bistums wahrzunehmen. Bei dieser Gelegenheit erhielt er auch den Titel eines Apostolischen Protonotars und wurde vom hl. Stuhl als Ordinarius der Di\u00f6zese Temeswar best\u00e4tigt. Bis 1975 lebte er mit den Pfarrern und seinem Generalvikar, Dr. Ferdinand Cziza, im Josefst\u00e4dter Pfarrhaus. 1975 gelang es ihm, vom Staat &#8211; mit ausl\u00e4ndischer Unterst\u00fctzung, d.h. des Heiligen Stuhls &#8211; zwei Domherren-H\u00e4user zur\u00fcck zu bekommen, in denen er das Ordinariat und einen Teil der Dienstwohnungen unterbrachte. Er leitete die Di\u00f6zese Temeswar mit Geschick und Hingabe und wurde von seinen Tschakowaer Lanbdsleuten liebevoll &#8222;unseren Bischof&#8220; genannt. Er starb am 23. Oktober 1981 in Temeswar und wurde auf seinen Wunsch hin am 26. Oktober auf dem katholischen Friedhof von Tschakowa beigesetzt und nicht in der Krypta der Temeswarer Domkirche, wo die meisten r\u00f6misch-katholischen Bisch\u00f6fe dieser Stadt begraben sind.<\/p>\n\n\t\t<style type=\"text\/css\">\n\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\twidth: 50%;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t}\n\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-45026 gallery-columns-2 gallery-size-large'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a data-rel=\"iLightbox[postimages]\" data-title=\"KERNWEISZ-Deutschpereg-100-Jaehriges-Kirchweihfest-15.08.1979\" data-caption=\"\" 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Sein Vater, Giurgia Obradovici, war von Beruf Sch\u00e4ler aus Tschakowa, und seine Mutter, Kruna, war die Tochter von Ranko Paunkici aus Serbisch-Sanktmartin. Es ist historisch belegt, dass er die ersten Jahre seines Lebens in Tschakowa verbrachte. Er verlor schon fr\u00fch seinen Vater, so da\u00df seine Mutter erneut heiratete und mit ihren vier Kindern nach Serbisch-Sanktmartin zog. Doch das Schicksal meinte es nicht gut mit dem armen Jungen, denn als er erst 9 oder 10 Jahre alt war, verlor er auch seine Mutter. Nach seiner R\u00fcckkehr nach Tschakowa lebte Dimitrie eine Zeit lang bei seinem Onkel Grui\u021ba und dann bei einem anderen Onkel, Nikola Parcianin, der keine Kinder hatte und ihn adoptieren lassen wollte. Da er unter Rum\u00e4nen lebte, lernte Dimitrie von klein auf auch Rum\u00e4nisch. Dobra, der Lehrer, weckte die Liebe des jungen Mannes zur Literatur, indem er ihn den Psalter und den Katechismus lehrte, und sein Durst nach Lesen und Wissen f\u00fchrte ihn in die \u00f6rtliche Kirche (eine andere als die heutige, die nicht mehr existiert), wo er heimlich alles las, was er im Altarraum finden konnte. Ein weiterer Lehrer w\u00e4hrend seiner Zeit in Tschakowa war Stefan Mikasinovich, bei dem er den Katechismus lernte und der ihn in seinem Wunsch, M\u00f6nch zu werden, entscheidend beeinflussen sollte. Begeistert von den Erz\u00e4hlungen des Lehrers floh er von zu Hause und wollte in die Kl\u00f6ster in Serbien ziehen. Seine erste Reise war jedoch kurz und er schaffte es nur bis zum nahe gelegenen Kloster S\u00e2ngeorge in der N\u00e4he von Gataja, das vom Despoten Iovan Brancovici erbaut worden war, wo er von seinem Onkel gefunden wurde, der ihn als Lehrling zu einem Hutmacher nach Temeswar schickte. Der junge Mann hatte keine Neigung zu diesem Beruf und las in seiner Freizeit eifrig. Nach anderthalb Jahren Lehrzeit folgte er seinem Traum und ging 1757 mit seinem Freund aus Tschakowa, Nica Putin, ins Kloster Novo Hopovo bei Novi Sad\/ Neusatz in Serbien. Zu dieser Zeit war er erst 14 oder 15 Jahre alt.<br \/>\nIn diesem Kloster nahm er 1758 die M\u00f6nchskutte an und erhielt den M\u00f6nchsnamen Dositej. Doch das Leben als M\u00f6nch erschien dem zuk\u00fcnftigen Gelehrten zu eint\u00f6nig und beschr\u00e4nkt, so dass er 1761 das Kloster verlie\u00df, seine M\u00f6nchskutte ablegte und sich auf eine mehr als vier Jahrzehnte dauernde Reise durch Europa begab, die ihn nacheinander nach Griechenland, Albanien, Kroatien, \u00d6sterreich, Ungarn, in die Slowakei, die T\u00fcrkei, nach Moldawien, Deutschland, Polen, Russland, Frankreich und England f\u00fchrte, wo er von den vornehmsten und wohlhabendsten Familien der damaligen Zeit aufgenommen wurde. Er unterst\u00fctzte sich selbst, indem er die Kinder dieser gro\u00dfen Adligen unterrichtete. In den Jahren 1781-1782 hielt er sich im F\u00fcrstentum Moldawien auf und unterrichtete nacheinander in Galaz, Roman und Jassy an den H\u00f6fen mehrerer dortiger Adelsfamilien. In London traf er die ber\u00fchmten Wissenschaftler Joseph Edison und Jonathan Swift und war der erste Serbe (und, wie wir hinzuf\u00fcgen m\u00f6chten, der erste Tschakowaer), der in der englischen Hauptstadt eine Gedenktafel erhielt: &#8222;<em> Here lived in 1784 Dositey Obradovich (1742-1811), eminent serbian man of letters<\/em>, <em>first minister of<\/em><em> education in Serbia<\/em> &#8220; (Hier lebte 1784 Dositey Obradovich (1742-1811), ein bedeutender serbischer Literat und erster Bildungsminister in Serbien). Neben der serbischen und rum\u00e4nischen Sprache, mit der er aufgewachsen war, lernte und unterrichtete Obradovici auch eine Vielzahl von Sprachen und Dialekten. Er lernte Alt- und Neugriechisch, Latein, Deutsch, Englisch, Franz\u00f6sisch, Albanisch und Italienisch.<br \/>\nIm Jahr 1804 kehrt er w\u00e4hrend des serbischen Aufstands gegen das osmanische Joch nach Serbien zur\u00fcck und hilft, Hilfsg\u00fcter f\u00fcr die Aufst\u00e4ndischen zu sammeln. Im Jahr 1808 gr\u00fcndete er in Belgrad die &#8222;Hohe Schule&#8220;, die sp\u00e4ter zur Universit\u00e4t wurde, eine Druckerei und wurde 1811 Bildungsminister in Serbien. Kurz darauf, am 28. M\u00e4rz 1811, starb er an einer Lungenentz\u00fcndung und wurde am Eingang der alten orthodoxen Kathedrale in Belgrad beigesetzt.<br \/>\nDositej Obradovici ist zweifellos eine, wenn nicht sogar die wichtigste kulturelle Pers\u00f6nlichkeit in Serbien. Er widmete einen gro\u00dfen Teil seines Lebens der Aufgabe, das serbische Volk durch Schulbildung aus seiner Unwissenheit und Unkultiviertheit auf eine h\u00f6here Stufe zu heben. Er beherrschte 11 Sprachen, reiste von einem Ende Europas zum anderen, war anscheinend Freimaurer und einer der angesehensten Gelehrten seiner Zeit. Geboren und aufgewachsen in Tschakowa, wo er, wie wir gesehen haben, lesen und schreiben lernte, ist Obradovici zweifellos die bedeutendste Pers\u00f6nlichkeit, die aus dem Herzen unserer Stadt hervorgegangen ist. In Tschakowa wurde sein Andenken geb\u00fchrend gew\u00fcrdigt, indem im Laufe der Jahre zwei gro\u00dfe und eindrucksvolle Gedenkfeiern organisiert wurden: eine im Jahr 1911 anl\u00e4sslich seines 100. Todestages und die zweite im Jahr 1961 anl\u00e4sslich seines 150. Todestages. An beiden Veranstaltungen nahmen gro\u00dfe Delegationen der Serbischen Akademie in Belgrad, des Bildungsministeriums und des serbischen Schriftstellerverbandes teil. An der zweiten Gedenkveranstaltung nahm auch eine Delegation aus Rum\u00e4nien teil, die sich aus Mitgliedern der Rum\u00e4nischen Akademie und des Bildungsministeriums in Bukarest zusammensetzte. Au\u00dferdem werden jedes Jahr Anfang Dezember in Tschakowa Ausstellungen in seienm Gedenkhaus und ein Gedenkgottesdienst in der serbischen Kirche organisiert, an denen zahlreiche serbische und rum\u00e4nische Kulturschaffende teilnehmen. Seine ber\u00fchmtesten Schriften: <em>Das Leben und die Ereignisse von Demetrius Obradovich<\/em>, 1783, <em>Brief an Haralampije,<\/em> 1783, <em>Ratschl\u00e4ge f\u00fcr einen gesunden Verstand<\/em>, 1784, <em>Fabeln von \u00c4sop und anderen Autoren, aus verschiedenen Sprachen ins Slawisch-Serbische \u00fcbersetzt, jetzt zum ersten Mal mit n\u00fctzlichen Moralvorstellungen und Lehren herausgegeben und der serbischen Jugend gewidmet<\/em>, 1788, <em>Lied \u00fcber die Rettung Serbiens<\/em>, 1789, usw.<\/p>\n<p><strong>Stefan Polverejan (1927-2019)<\/strong><br \/>\nDer im serbischen Banat geborene Veterin\u00e4rmediziner und Kreisveterin\u00e4r war der Stadt Tschakowa sehr verbunden, deren historische Vergangenheit er mit Leidenschaft erforschte. Als Lehrer an der Landwirtschaftsschule von Tschakowa und leidenschaftlicher J\u00e4ger ver\u00f6ffentlichte er zahlreiche Artikel \u00fcber lokale Geschichte, Jagdethik, Ornithologie, Tierzucht, die Geschichte der Jagd in Tschakowa und dem Banat in Zeitschriften wie <em>Diana<\/em>, <em>Preludii<\/em>, <em>Suflet Nou<\/em>, <em>Revista de Zootehnie und Veterin\u00e4rmedizin<\/em>. Er ist Mitverfasser des wertvollen Werks <em>Bicentenarul activit\u0103\u021bii farmaceutice din comuna Ciacova (200 Jahre Apothekent<\/em><em>\u00e4tigkeit in der Gemeinde Tschakowa<\/em><em>)<\/em>, Temeswar, 1995, sowie Autor mehrerer B\u00fccher \u00fcber die Jagd in Tschakowa und im Banat, die in der Fachwelt besonders gesch\u00e4tzt werden, unter denen wir erw\u00e4hnen: <em>Traditionelle Jagd im Banat<\/em>. Trotz seines hohen Alters beehrte er uns mit seiner Anwesenheit bei allen Veranstaltungen, die 2018 und 2019 in Tschakowa anl\u00e4sslich der Hundertjahrfeier Rum\u00e4niens organisiert wurden, und verstarb unerwartet am Ende des Sommers 2019. Besonders gesch\u00e4tzt und verbunden mit der \u00f6rtlichen Gemeinde Ciacova, schl\u00e4ft er seinen letzten Schlaf in Temeswar.<\/p>\n<p><strong>Petru Fiat (1897-1979)<\/strong><br \/>\nWurde am 20. Februar 1897 in Tschakowa als Sohn einer wohlhabenden Bauernfamilie geboren. Er besuchte die Schule im Geburtsort und wurde 1910 Drucker in der Druckerei Iulius Gammer in Tschakowa. Zwischen 1914 und 1918 k\u00e4mpfte er im Ersten Weltkrieg an der Front im Walkiria-Bataillon. Nach seiner R\u00fcckkehr von der Front kehrte er als Drucker in die Druckerei Gammer zur\u00fcck, aus der sp\u00e4ter die Druckerei Aleksandar Protici wurde. Gleichzeitig war er auch ein begeisterter Landwirt und besa\u00df \u00fcber 21 Hektar Land und Viehbestand. Im Jahr 1923 wurde er im Namen der Nationalen Bauernpartei B\u00fcrgermeister von Tschakowa und hatte dieses Amt 18 Jahre lang inne. Er wurde von den Einwohnern Tschakowas aller Nationalit\u00e4ten geliebt und respektiert, und seine Amtszeit war nicht nur lang, sondern auch voller Errungenschaften: die Pflasterung der Stra\u00dfen mit Bergsteinen, der Bau des Krankenhauses Dr. Avram Imbroane in der Gemeinde und der kommunalen B\u00e4der zwischen 1935 und 1936, der Bau des Schwimmbads und des Wasserbeckens innerhalb der Kula zur Versorgung unserer Gemeinde, im Jahr 1936. Die \u201eBelohnung\u201c kam einige Jahre sp\u00e4ter, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, als er und seine gesamte Familie 1951 in den B\u0103r\u0103gan deportiert wurden. Im B\u0103r\u0103gan, in der Ortschaft Vii\u0219oara, wo er zwangsweise leben musste, arbeitete er als Tagel\u00f6hner bei GAS M\u0103rcule\u0219ti, um seine Familie zu unterst\u00fctzen, bis sie 1956 nach Hause zur\u00fcckkehren durften. In Tschakowa arbeitete er nur als Wagenf\u00fchrer, beim DCA und dann bei CAP&#8230; Als echter Banater kannte er alle im Banat gesprochenen Sprachen: Rum\u00e4nisch, Serbisch, Deutsch, Ungarisch und Zigeunerisch. Er starb am 29. August 1979 und wurde auf dem orthodoxen Friedhof in Tschakowa beigesetzt.<br \/>\n<strong><br \/>\nPavel Cebzan (1944-2022)<\/strong><br \/>\nEr wurde am 10. Juni 1944 im Dorf Macedonia in einer Bauernfamilie aus dem Banat geboren. Er besuchte die Grundschule in seinem Heimatdorf und das Gymnasium in Tschakowa und f\u00fchlte sich schon als Kind zur Volksmusik hingezogen. Er brachte sich selbst die Geheimnisse der Fl\u00f6te bei und nahm seinen ersten Klarinettenunterricht bei dem Tschakowaer Bl\u00e4ser (in der Blasmusikkapelle) Haslinger. Im Alter von nur 17 Jahren wurde er Mitglied des Laz\u0103r-Cernescu-Orchesters von Karansebesch, zusammen mit anderen ber\u00fchmten K\u00fcnstlern der Zeit, und wurde bei einer Ruga (Kirchweih) in Macedonia von den Br\u00fcdern B\u0103lan aus Karansebesch entdeckt. Sp\u00e4ter arbeitete er mit dem Staatlichen Serbischen Ensemble in Temeswar mit, wo er bis 1970 blieb. Im selben Jahr heiratete er Ileana Vinca aus Banlok, mit der er eine Tochter, Alina, bekam. Der H\u00f6hepunkt der k\u00fcnstlerischen Karriere von Pavel Cebzan war seine Teilnahme an der ber\u00fchmten Band von Gheorghe Zamfir von 1976 bis 1989, mit der er in den ber\u00fchmtesten Konzerts\u00e4len der Welt in Frankreich, Belgien, D\u00e4nemark, USA, Kanada, Japan, S\u00fcdafrika, Neuseeland, Australien, Israel, Deutschland, der Schweiz usw. auftrat. In der Gruppe von Gheorghe Zamfir hatten Efta Botoca, Dorin Cuibariu und Pavel Cebzan die l\u00e4ngste Zusammenarbeit. Auf diese Weise trug Pavel Cebzan aus Tschakowa den Ruhm seines Heimatlandes in fast alle Ecken der Welt weiter. 1989 lie\u00df er sich in den Vereinigten Staaten Amerikas nieder, kehrte aber jedes Jahr nach Hause zur\u00fcck, um f\u00fcr sein geliebtes und stolzes Volk zu singen, das er nie vergessen hat. Im September 2001 sang Pavel Cebzan zusammen mit anderen gro\u00dfen Namen der Banater Folklore, wie Petric\u0103 Moise, Vasile Conea, Aurel Acea, bei der Einweihung des Geb\u00e4udes des k\u00fcrzlich renovierten Alexandru-Mocioni-Gymnasiums, in Tschakowa, als Ehrengast des damaligen Direktors, Prof. Dr. Petri\u0219or-Dorin Treta. Er verstarb am 13. M\u00e4rz 2022 in Chicago, USA, wo er auf Wunsch seiner Familie auch beigesetzt wurde.<\/p>\n<p>Bogdan Seculici<br \/>\nTschakowa<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend der ordentlichen Sitzung, vom April dieses Jahres, hat der Gemeinderat der Stadt Tschakowa die Verleihung des Titels &#8222;Ehrenb\u00fcrger von Tschakowa&#8220; (post mortem) an sieben Pers\u00f6nlichkeiten unserer Stadt beschlossen: Ion Monoran &#8211; Dichter der Revolution, Josef Brandeisz &#8211; ber\u00fchmter Musiker, Konrad Kerneweiss &#8211; \u201eBischof\u201c aus Tschakowa, Dositej Obradovici &#8211; Eminescu der Serben, Stefan Polverejan &#8211; Veterin\u00e4r [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":45013,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[66],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/45026"}],"collection":[{"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=45026"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/45026\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":45028,"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/45026\/revisions\/45028"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/45013"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=45026"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=45026"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=45026"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}