{"id":51006,"date":"2022-12-24T23:25:11","date_gmt":"2022-12-24T21:25:11","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=51006"},"modified":"2022-12-24T23:25:11","modified_gmt":"2022-12-24T21:25:11","slug":"predigt-des-papstes-in-der-christmette","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/predigt-des-papstes-in-der-christmette\/","title":{"rendered":"Predigt des Papstes in der Christmette"},"content":{"rendered":"<div class=\"article__subTitle\">Hier finden Sie die Predigt, die Papst Franziskus in der Christmette gehalten hat, in offizieller \u00dcbersetzung und vollem Wortlaut.<\/div>\n<div>\n<p>Was sagt diese Nacht unserem Leben noch? Nach zwei Jahrtausenden seit der Geburt Jesu, nach vielen Weihnachtsfesten inmitten von Schmuck und Geschenken, nach so viel Konsum, der das Geheimnis, das wir feiern, verh\u00fcllt hat, besteht die Gefahr, dass wir viel \u00fcber Weihnachten wissen, aber die Bedeutung dieses Festes vergessen. Wie k\u00f6nnen wir also den Sinn von Weihnachten wiederfinden? Und vor allem: Wo kann man danach suchen? Das Evangelium von der Geburt Jesu scheint genau daf\u00fcr geschrieben worden zu sein: um uns bei der Hand zu nehmen und uns wieder dorthin zu f\u00fchren, wo Gott uns haben will.<\/p>\n<p>Es beginnt mit einer Situation, die der unseren \u00e4hnlich ist: Alle sind mit einem wichtigen Ereignis besch\u00e4ftigt, der gro\u00dfen Volksz\u00e4hlung, die viel Vorbereitung erforderte. In diesem Sinne war die Atmosph\u00e4re damals \u00e4hnlich wie die, die uns heute zu Weihnachten umgibt. Doch von diesem weltlichen Geschehen entfernt sich die Erz\u00e4hlung des Evangeliums, alsbald l\u00f6st sie sich von dieser Perspektive, um eine andere Realit\u00e4t in den Blick zu nehmen, die ihr eigentliches Anliegen ist. Sie konzentriert sich auf einen kleinen, scheinbar unbedeutenden Gegenstand, der dreimal erw\u00e4hnt wird und um den herum sich die Protagonisten der Geschichte versammeln: zuerst Maria, die Jesus \u00bbin eine Krippe\u00ab legt (Lk 2,7); dann die Engel, die den Hirten ank\u00fcndigen, das sie \u00bbein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt\u00ab (V. 12); und schlie\u00dflich die Hirten, die \u00bbdas Kind, das in der Krippe lag\u00ab finden (V. 16). Die Krippe: Um den Sinn von Weihnachten wiederzuentdecken, muss man dort suchen. Aber warum ist die Krippe so wichtig? Weil sie das nicht zuf\u00e4llige Zeichen ist, mit dem Christus die Weltb\u00fchne betritt. Sie ist das Manifest, mit dem er sich pr\u00e4sentiert, die Art und Weise, wie Gott in die Geschichte hineingeboren wird, um die Geschichte wieder neu aufleben zu lassen. Was will er uns also durch die Krippe mitteilen? Mindestens drei Dinge: N\u00e4he, Armut und Konkretheit.<\/p>\n<p>1. N\u00e4he. Die Krippe dient dazu, das Essen nahe an den Mund zu bringen und es schneller verzehren zu k\u00f6nnen. Sie kann somit einen Aspekt des Menschseins symbolisieren: die Uners\u00e4ttlichkeit im Konsumieren. Denn w\u00e4hrend die Tiere im Stall Nahrung zu sich nehmen, verzehren die macht- und geldhungrige Menschen in der Welt sogar ihre N\u00e4chsten, ihre Br\u00fcder und Schwestern. Wie viele Kriege gibt es! Und an wie vielen Orten werden auch heute noch W\u00fcrde und Freiheit mit F\u00fc\u00dfen getreten! Und die Hauptleidtragenden der menschlichen Gier sind immer die Schwachen, die Armen. Auch dieses Weihnachten macht eine Menschheit, die uners\u00e4ttlich nach Geld, Macht und Vergn\u00fcgen strebt, keinen Platz f\u00fcr die Kleinen, f\u00fcr die vielen ungeborenen, armen, vergessenen Menschen, so wie es bei Jesus auch war (vgl. V. 7). Ich denke dabei besonders an die Kinder, die von Krieg, Armut und Ungerechtigkeit verschlungen werden. Aber Jesus kommt genau dorthin, als Neugeborener in die Krippe der Ausgrenzung und Ablehnung. In ihm, dem Kind von Betlehem, ist jedes Kind repr\u00e4sentiert. Und es l\u00e4dt uns ein, das Leben, die Politik und die Geschichte mit den Augen der Kinder zu betrachten.<\/p>\n<p>In die Krippe der Ablehnung und Unwirtlichkeit legt sich Gott hinein. Er kommt dorthin, weil dort das Problem der Menschheit liegt, die Gleichg\u00fcltigkeit, die durch das uners\u00e4ttliche Verlangen nach Besitz und Konsum entsteht. Dort wird Christus geboren, und in dieser Krippe entdecken wir seine N\u00e4he. Er kommt an diese Futterstelle, um uns zur Speise zu werden. Gott ist kein Vater, der seine Kinder verschlingt, sondern der Vater, der uns durch Jesus zu seinen Kindern macht und uns z\u00e4rtlich n\u00e4hrt. Er kommt, um unsere Herzen zu ber\u00fchren und uns zu sagen, dass die einzige Kraft, die den Lauf der Geschichte ver\u00e4ndert, die Liebe ist. Er bleibt nicht fern und m\u00e4chtig, sondern kommt uns dem\u00fctig ganz nah; er, der im Himmel thronte, l\u00e4sst sich in eine Krippe legen.<\/p>\n<p>Lieber Bruder, liebe Schwester, heute Nacht kommt Gott dir nahe, weil du ihm wichtig bist. Von der Krippe aus, als Nahrung f\u00fcr dein Leben, sagt er dir: \u201eWenn du dich von den Ereignissen aufgezehrt f\u00fchlst, wenn dein Schuldgef\u00fchl und deine Unzul\u00e4nglichkeit dich auffressen, wenn du nach Gerechtigkeit hungerst, bin ich, Gott, bei dir. Ich wei\u00df, was du erlebst, ich habe es in dieser Krippe selbst erfahren. Ich kenne dein Elend und deine Geschichte. Ich wurde geboren, um dir zu sagen, dass ich bei dir bin und immer bei dir sein werde\u201c. Die Weihnachtskrippe, diese erste Botschaft des kindlichen Gottes, sagt uns, dass er bei uns ist, uns liebt und uns sucht. Nur Mut, lass dich nicht von Angst, Resignation und Verzweiflung \u00fcberw\u00e4ltigen. Gott wird in einer Krippe geboren, damit du eben dort neu geboren wirst, da wo du meintest, den Tiefpunkt erreicht zu haben. Es gibt kein \u00dcbel, keine S\u00fcnde, aus der Jesus dich nicht retten will und kann. Weihnachten bedeutet, dass Gott nahe ist: m\u00f6ge das Vertrauen wieder neu aufleben!<\/p>\n<p>2. Die Krippe von Betlehem spricht zu uns nicht nur von N\u00e4he, sondern auch von Armut. Um eine Krippe herum gibt es in der Tat nicht viel: Stroh, ein paar Tiere und wenig anderes. Die Menschen hielten sich im Warmen auf, in den Herbergen, nicht im kalten Stall solch einer Unterkunft. Doch Jesus wird dort geboren, und die Krippe erinnert uns daran, dass er nichts sonst um sich hatte als diejenigen, die ihn liebten: Maria, Josef und die Hirten; alles arme Leute, die ihre Zuneigung und ihr Staunen verband und nicht ihr Reichtum und gro\u00dfe M\u00f6glichkeiten. Die arme Krippe l\u00e4sst also den wahren Reichtum des Lebens ans Licht kommen: nicht Geld und Macht, sondern Beziehungen und Personen.<\/p>\n<p>Und die erste Person, der erste Reichtum, ist Jesus. Aber wollen wir an seiner Seite stehen? N\u00e4hern wir uns ihm, lieben wir seine Armut? Oder ziehen wir es vor, bequem in unseren eigenen Interessen zu verharren? Und vor allem: besuchen wir ihn dort, wo er sich befindet, n\u00e4mlich in den armen Krippen unserer Welt? Dort ist er gegenw\u00e4rtig. Und wir sind aufgerufen, eine Kirche zu sein, die den armen Jesus anbetet und Jesus in den Armen dient. Wie ein heiliger Bischof sagte: \u00bbDie Kirche unterst\u00fctzt und segnet die Bem\u00fchungen, die ungerechten Strukturen zu ver\u00e4ndern, und stellt nur eine Bedingung: dass die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Ver\u00e4nderungen wirklich den Armen zugutekommen\u00ab (O.A. ROMERO, Hirtenwort zum neuen Jahr, 1. Januar 1980). Nat\u00fcrlich ist es nicht leicht, die angenehme W\u00e4rme der Weltlichkeit zu verlassen um sich auf die karge Sch\u00f6nheit der Grotte von Betlehem einzulassen, doch wir sollten uns daran erinnern, dass es ohne die Armen kein richtiges Weihnachten gibt. Auch ohne sie feiert man Weihnachten, aber nicht das Weihnachten Jesu. Br\u00fcder, Schwestern, an Weihnachten ist Gott arm: m\u00f6ge die N\u00e4chstenliebe wieder neu aufbl\u00fchen!<\/p>\n<p>3. Damit kommen wir zum letzten Punkt: Die Krippe spricht zu uns von Konkretheit. Ein Neugeborenes in einer Krippe ist in der Tat eine Vorstellung, die betroffen macht, die fast grausam ist. Sie erinnert uns daran, dass Gott tats\u00e4chlich Fleisch geworden ist. Und so reichen Theorien, sch\u00f6ne Gedanken und fromme Gef\u00fchle in Bezug auf ihn nicht mehr aus. Jesus, der arm zur Welt kommt, der arm gelebt hat und arm gestorben ist, hat keine gro\u00dfen Reden \u00fcber Armut gehalten, sondern hat sie bis ins Letzte f\u00fcr uns gelebt. Von der Krippe bis zum Kreuz war seine Liebe zu uns greifbar, konkret. Von der Geburt bis zum Tod nahm der Zimmermannssohn die Rauheit des Holzes, die Widrigkeiten unseres Lebens an. Er hat uns nicht mit Worten geliebt, er hat uns nicht zum Spa\u00df geliebt!<\/p>\n<p>Deshalb begn\u00fcgt er sich nicht mit dem \u00e4u\u00dferen Anschein. Er, der Fleisch geworden ist, will nicht nur gute Vors\u00e4tze. Er, der in der Krippe geboren wurde, will einen konkreten Glauben, der aus Anbetung und N\u00e4chstenliebe besteht, nicht aus Geschw\u00e4tz und \u00c4u\u00dferlichkeiten. Er, der nackt in der Krippe liegt und nackt am Kreuz h\u00e4ngen wird, verlangt von uns Wahrheit, er will, dass wir die nackte Wirklichkeit der Dinge suchen und dass wir Ausreden, Rechtfertigungen und Heucheleien vor der Krippe ablegen. Er, der von Maria liebevoll in Windeln gewickelt wurde, m\u00f6chte, dass wir uns mit Liebe bekleiden. Gott will nicht den Schein, sondern das Konkrete. Lassen wir dieses Weihnachten nicht verstreichen, ohne etwas Gutes zu tun. Da es sein Festtag, sein Geburtstag ist, sollten wir ihm Geschenke machen, die ihm gefallen! An Weihnachten ist Gott konkret: sorgen wir in seinem Namen daf\u00fcr, dass in denen, die ihre Hoffnung verloren haben, wieder ein wenig Hoffnung auflebt!<\/p>\n<p>Jesus, wir schauen auf Dich, der du in der Krippe liegst. Wir sehen Dich so nah, f\u00fcr immer nahe bei uns: Danke, Herr. Wir sehen Dich arm und du lehrst uns, dass der wahre Reichtum nicht in den Dingen liegt, sondern in den Menschen, besonders in den Armen: Vergib uns, wenn wir Dich in ihnen nicht erkannt und dir nicht in ihnen gedient haben. Wir sehen dich konkret, denn konkret ist deine Liebe zu uns: Hilf uns, unseren Glauben konkret zu leben. Amen.<\/p>\n<p>(vaticannews &#8211; skr)<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/de\/papst\/news\/2022-12\/papst-franziskus-christmette-predigt-krippe.html\">www.vaticannews.va\/de<\/a><\/p>\n<p>Foto: <a href=\"https:\/\/www.magyarkurir.hu\/hirek\/ferenc-papa-karacsony-ejjel-jezus-azert-szuletett-hogy-elmondja-velunk-van-szeret-es-keres-minket\">www.magyarkurir.hu<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier finden Sie die Predigt, die Papst Franziskus in der Christmette gehalten hat, in offizieller \u00dcbersetzung und vollem Wortlaut. Was sagt diese Nacht unserem Leben noch? 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