{"id":52397,"date":"2023-02-06T16:00:17","date_gmt":"2023-02-06T14:00:17","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=52397"},"modified":"2023-02-06T16:04:17","modified_gmt":"2023-02-06T14:04:17","slug":"botschaft-von-papst-franziskus-zum-31-welttag-der-kranken-11-februar-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/botschaft-von-papst-franziskus-zum-31-welttag-der-kranken-11-februar-2023\/","title":{"rendered":"BOTSCHAFT VON PAPST FRANZISKUS ZUM 31. WELTTAG DER KRANKEN &#8211; 11. Februar 2023"},"content":{"rendered":"<p><b><i>\u00abSorge f\u00fcr ihn\u00ab<\/i><\/b><br \/>\n<b><i>Mitgef\u00fchl als synodale \u00dcbung der Heilung<\/i><\/b><\/p>\n<p>Liebe Br\u00fcder und Schwestern,<br \/>\nKrankheit ist Teil unserer menschlichen Erfahrung. Aber sie kann unmenschlich werden, wenn sie in Isolation und Verlassenheit gelebt wird, wenn sie nicht von F\u00fcrsorge und Mitgef\u00fchl begleitet wird. Beim gemeinsamen Wandern ist es normal, dass sich jemand nicht gut f\u00fchlt, wegen M\u00fcdigkeit oder eines Unfalls auf dem Weg anhalten muss. In diesen Momenten zeigt sich, wie wir unterwegs sind: ob es wirklich ein <i>gemeinsames Gehen<\/i>\u00a0ist, oder ob wir zwar auf demselben Weg sind, aber jeder f\u00fcr sich, um seine eigenen Interessen zu verfolgen, und die anderen l\u00e4sst man \u201esich durchschlagen\u201c. Daher lade ich euch an diesem XXXI. Welttag der Kranken ein, inmitten eines synodalen Unterwegsseins, dar\u00fcber nachzudenken, dass wir gerade durch die Erfahrung von Gebrechlichkeit und Krankheit lernen k\u00f6nnen, gemeinsam nach dem Stil Gottes zu wandeln, der N\u00e4he, Mitgef\u00fchl und Z\u00e4rtlichkeit ist.<br \/>\nIm Buch des Propheten Ezechiel, in einer gro\u00dfen Weissagung, die einen der H\u00f6hepunkte der gesamten Offenbarung darstellt, spricht der Herr so: \u00bbIch, ich selber werde meine Schafe weiden und ich, ich selber werde sie ruhen lassen &#8211; Spruch Gottes, des Herrn. Das Verlorene werde ich suchen, das Vertriebene werde ich zur\u00fcckbringen, das Verletzte werde ich verbinden, das Kranke werde ich kr\u00e4ftigen [\u2026] Ich werde es weiden durch Rechtsentscheid\u00ab (34,15-16). Die Erfahrung des Verlorengehens, der Krankheit und der Schw\u00e4che sind ein nat\u00fcrlicher Bestandteil unseres Weges: Sie schlie\u00dfen uns nicht aus dem Volk Gottes aus, im Gegenteil, sie r\u00fccken uns in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit des Herrn, der Vater ist und nicht will, dass auch nur eines seiner Kinder auf dem Weg verloren geht. Es geht also darum, von ihm zu lernen, um wirklich eine Gemeinschaft zu sein, die miteinander geht und sich nicht von der Wegwerfkultur anstecken l\u00e4sst.<br \/>\nDie Enzyklika <i><a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/encyclicals\/documents\/papa-francesco_20201003_enciclica-fratelli-tutti.html\">Fratelli tutti<\/a><\/i>\u00a0bietet, wie ihr wisst, eine aktuelle Lesart des Gleichnisses vom barmherzigen Samariter an. Ich habe sie als Dreh- und Angelpunkt gew\u00e4hlt, um aus den \u201eSchatten einer abgeschotteten Welt\u201c herauszutreten und \u201eeine offene Welt zu denken und zu schaffen\u201c (vgl. Nr. 56). Es besteht in der Tat eine tiefe Verbindung zwischen diesem Gleichnis Jesu und den vielen Formen, in denen die Geschwisterlichkeit heute verleugnet wird. Insbesondere die Tatsache, dass die misshandelte und ausgeraubte Person am Stra\u00dfenrand\u00a0<i>verlassen<\/i>\u00a0wird, steht f\u00fcr den Zustand, in dem sich zu viele unserer Br\u00fcder und Schwestern befinden, wenn sie am meisten Hilfe ben\u00f6tigen. Die Unterscheidung, welche Angriffe auf das Leben und seine W\u00fcrde nat\u00fcrliche Ursachen haben und welche durch Unrecht und Gewalt verursacht werden, ist nicht einfach. Tats\u00e4chlich beeinflussen heute das Ausma\u00df der Ungleichheiten und die Vorherrschaft der Interessen einiger Weniger jedes menschliche Umfeld so sehr, dass es schwierig ist, jedwede Erfahrung als \u201enaturgegeben\u201c zu betrachten. Alles Leiden spielt sich in einer \u201eKultur\u201c und inmitten ihrer Widerspr\u00fcche ab.<br \/>\nWichtig ist hier jedoch, den Zustand der Einsamkeit, des Verlassenseins zu erkennen. Es handelt sich um eine Erbarmungslosigkeit, die noch vor jeder anderen Ungerechtigkeit \u00fcberwunden werden kann, denn \u2013 so erz\u00e4hlt das Gleichnis &#8211; alles, was es braucht, um sie zu beseitigen, ist ein Augenblick der Aufmerksamkeit, die innere Bewegung des Mitgef\u00fchls. Zwei Passanten, die als religi\u00f6s gelten, sehen den Verwundeten und bleiben nicht stehen. Der Dritte aber, ein Samariter, ein Verachteter, wird von Mitleid ergriffen, k\u00fcmmert sich um den Fremden auf dem Weg und behandelt ihn wie einen Bruder. Auf diese Weise ver\u00e4ndert er, ohne \u00fcberhaupt dar\u00fcber nachzudenken, die Dinge und schafft eine geschwisterlichere Welt.<br \/>\nBr\u00fcder und Schwestern, wir sind nie auf die Krankheit vorbereitet; und oft auch nicht darauf, das fortschreitende Alter zuzugeben. Wir f\u00fcrchten uns vor Verletzlichkeit, und die allgegenw\u00e4rtige Kultur des Marktes treibt uns dazu an, sie zu leugnen. F\u00fcr Zerbrechlichkeit gibt es keinen Platz. Und so schmettert uns das Ungl\u00fcck zu Boden, wenn es \u00fcber uns hereinbricht und uns angreift. Es kann dann vorkommen, dass andere uns im Stich lassen oder dass wir den Eindruck haben, dass wir sie verlassen lassen m\u00fcssen, um ihnen nicht zur Last zu fallen. So beginnt die Einsamkeit, und wir werden von dem bitteren Gef\u00fchl einer Ungerechtigkeit vergiftet, f\u00fcr die sich sogar der Himmel zu verschlie\u00dfen scheint. In der Tat f\u00e4llt es uns schwer, in Frieden mit Gott zu bleiben, wenn unsere Beziehung zu anderen und zu uns selbst zerr\u00fcttet ist. Deshalb ist es so wichtig, dass sich die gesamte Kirche auch im Hinblick auf die Krankheit am evangeliumsgem\u00e4\u00dfen Beispiel des barmherzigen Samariters misst, um ein wahres \u201eFeldlazarett\u201c zu werden: Ihre Sendung dr\u00fcckt sich n\u00e4mlich besonders in den historischen Umst\u00e4nden, die wir durchschreiten, und in der Aus\u00fcbung der F\u00fcrsorge aus. Wir alle sind zerbrechlich und verletzlich; wir alle brauchen die mitf\u00fchlende Aufmerksamkeit, die wei\u00df, wie man inneh\u00e4lt, sich n\u00e4hert, heilt und aufrichtet. Der Stand der Kranken ist daher ein Appell, der die Gleichg\u00fcltigkeit aufbricht und die Schritte derer bremst, die so weitergehen, als h\u00e4tten sie keine Schwestern und Br\u00fcder.<br \/>\nDer Welttag der Kranken l\u00e4dt n\u00e4mlich nicht nur zum Gebet und zur N\u00e4he zu den Leidenden ein, sondern will auch das Volk Gottes, die Einrichtungen des Gesundheitswesens und die Zivilgesellschaft f\u00fcr einen neuen gemeinsamen Fortschritt sensibilisieren. Die zu Beginn zitierte Prophetie Ezechiels enth\u00e4lt ein sehr hartes Urteil \u00fcber die Priorit\u00e4ten derjenigen, die wirtschaftliche, kulturelle und staatliche Macht \u00fcber das Volk aus\u00fcben: \u00bbDas Fett verzehrt ihr und mit der Wolle kleidet ihr euch. Das Mastvieh schlachtet ihr, die Schafe aber weidet ihr nicht. Die Schwachen habt ihr nicht gest\u00e4rkt, das Kranke habt ihr nicht geheilt, das Verletzte habt ihr nicht verbunden, das Vertriebene habt ihr nicht zur\u00fcckgeholt, das Verlorene habt ihr nicht gesucht; mit H\u00e4rte habt ihr sie niedergetreten und mit Gewalt\u00ab (34,3-4). Das Wort Gottes ist immer erhellend und zeitgem\u00e4\u00df, nicht nur wenn es anprangert, sondern auch mit seinen Anregungen. Der Schluss des Gleichnisses vom barmherzigen Samariter zeigt uns n\u00e4mlich, wie die praktizierte Geschwisterlichkeit, die mit einer pers\u00f6nlichen Begegnung beginnt, in eine organisierte F\u00fcrsorge erweitert werden kann. Die Herberge, der Gastwirt, das Geld, das Versprechen, sich gegenseitig auf dem Laufenden zu halten (vgl. <i>Lk<\/i>\u00a010,34-35): All dies l\u00e4sst uns an den Dienst der Priester, die T\u00e4tigkeit der im Gesundheits- und Sozialwesen Besch\u00e4ftigten, das Engagement der Familienangeh\u00f6rigen und der Ehrenamtlichen denken, denen es zu verdanken ist, dass jeden Tag in allen Teilen der Welt das Gute dem B\u00f6sen entgegentritt.<br \/>\nDie Jahre der Pandemie haben unsere Empfindung der Dankbarkeit f\u00fcr diejenigen verst\u00e4rkt, die tagt\u00e4glich f\u00fcr Gesundheit und Forschung arbeiten. Aber es gen\u00fcgt nicht, eine so gro\u00dfe kollektive Trag\u00f6die durch die Ehrung von Helden hinter sich zu lassen. Covid-19 hat dieses gro\u00dfe Netz von Kompetenz und Solidarit\u00e4t auf die Probe gestellt und die strukturellen Grenzen der bestehenden Sozialsysteme aufgezeigt. Die Dankbarkeit muss daher damit einhergehen, dass in jedem Land aktiv nach Strategien und Mitteln gesucht wird, um jedem Menschen den Zugang zur Behandlung und das Grundrecht auf Gesundheitsversorgung zu garantieren.<br \/>\n\u00bbSorge f\u00fcr ihn\u00ab (<i>Lk<\/i>\u00a010,35) ist die Bitte des Samariters an den Gastwirt. Jesus richtet diese auch an jeden von uns und schlie\u00dflich fordert er uns auf: \u00bbGeh und handle du genauso\u00ab. Wie ich in\u00a0<i><a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/encyclicals\/documents\/papa-francesco_20201003_enciclica-fratelli-tutti.html\">Fratelli tutti<\/a>\u00a0<\/i>betont habe, \u00bbzeigt das Gleichnis auf, mit welchen Initiativen man eine Gemeinschaft erneuern kann, ausgehend von M\u00e4nnern und Frauen, die sich der Zerbrechlichkeit der anderen annehmen. Sie lassen nicht zu, dass eine von Exklusion gepr\u00e4gte Gesellschaft errichtet wird, sondern kommen dem gefallenen Menschen nahe, richten ihn auf und helfen ihm zu laufen, damit das Gute allen zukommt\u00ab (Nr. 67). In der Tat: \u00bbWir sind f\u00fcr die F\u00fclle geschaffen, die man nur in der Liebe erlangt. Es ist keine m\u00f6gliche Option, gleichg\u00fcltig gegen\u00fcber dem Schmerz zu leben\u00ab (Nr. 68).<br \/>\nBlicken wir auch am 11. Februar 2023 auf das Heiligtum von Lourdes als eine Prophezeiung, eine Lehre, die der Kirche inmitten der Moderne anvertraut wurde. Es ist nicht nur das etwas wert, was funktioniert, und nicht nur der ist wichtig, der etwas produziert. Die kranken Menschen stehen im Mittelpunkt des Gottesvolkes, das gemeinsam mit ihnen voranschreitet als Prophetie einer Menschheit, in der jeder wertvoll ist und niemand beiseitegeschoben werden darf.<br \/>\nDer F\u00fcrsprache Marias, dem Heil der Kranken, vertraue ich jeden von euch Kranken an; sowie euch, die ihr in der Familie, in der Arbeit, in der Forschung und im Ehrenamt Sorge f\u00fcr sie tragt; und euch, die ihr euch daf\u00fcr einsetzt, pers\u00f6nliche, kirchliche und zivile Bande der Geschwisterlichkeit zu kn\u00fcpfen. Von Herzen sende ich euch allen meinen Apostolischen Segen.<\/p>\n<p><i>Rom, Sankt Johannes im Lateran, am 10. Januar 2023.<\/i><\/p>\n<p>Franziskus<\/p>\n<p>Quelle:<a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/sick\/documents\/20230110-giornata-malato.html\"> www.vatican.va<\/a><\/p>\n<p>Foto: <a href=\"https:\/\/www.katholisch.de\/artikel\/19186-papst-bittet-glaeubige-um-gebet-zum-schutz-der-kirche\">www.katholisch.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00abSorge f\u00fcr ihn\u00ab Mitgef\u00fchl als synodale \u00dcbung der Heilung Liebe Br\u00fcder und Schwestern, Krankheit ist Teil unserer menschlichen Erfahrung. Aber sie kann unmenschlich werden, wenn sie in Isolation und Verlassenheit gelebt wird, wenn sie nicht von F\u00fcrsorge und Mitgef\u00fchl begleitet wird. 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