{"id":52940,"date":"2023-02-22T06:00:35","date_gmt":"2023-02-22T04:00:35","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=52940"},"modified":"2023-02-20T13:59:36","modified_gmt":"2023-02-20T11:59:36","slug":"fastenbotschaft-von-papst-franziskus-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/fastenbotschaft-von-papst-franziskus-2023\/","title":{"rendered":"Fastenbotschaft von Papst Franziskus 2023"},"content":{"rendered":"<p>Wir dokumentieren an dieser Stelle die Botschaft von Papst Franziskus zur Fastenzeit im Wortlaut in der offiziellen deutschen \u00dcbersetzung. Auf vatican.va, der offiziellen Internetseite des Vatikans, finden Sie diese und alle anderen Texte des Papstes in den verschiedenen offiziellen \u00dcbersetzungen.<\/p>\n<p><b>BOTSCHAFT DES HEILIGEN VATERS <\/b><b>f\u00fcr die Fastenzeit 2023<\/b><br \/>\n<b><i>Askese in der Fastenzeit, ein synodaler Weg<\/i><\/b><\/p>\n<p>Liebe Br\u00fcder und Schwestern!<br \/>\nDie Evangelien nach Matth\u00e4us, Markus und Lukas berichten \u00fcbereinstimmend von der Begebenheit der Verkl\u00e4rung Jesu. In diesem Ereignis sehen wir die Antwort des Herrn auf das Unverst\u00e4ndnis, das ihm seine J\u00fcnger entgegengebracht hatten. Kurz zuvor war es n\u00e4mlich zu einer wirklichen Auseinandersetzung zwischen dem Meister und Simon Petrus gekommen, nachdem dieser sich zu Jesus als dem Christus, dem Sohn Gottes, bekannt hatte, dann aber seine Ank\u00fcndigung von Leiden und Kreuz zur\u00fcckgewiesen hatte. Jesus hatte ihn scharf getadelt: \u00bbTritt hinter mich, du Satan! Ein \u00c4rgernis bist du mir, denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen\u00ab (<i>Mt<\/i>\u00a016,23). Und \u00bbsechs Tage danach nahm Jesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes beiseite und f\u00fchrte sie auf einen hohen Berg\u00ab (<i>Mt<\/i>\u00a017,1).<br \/>\nDas Evangelium der Verkl\u00e4rung wird jedes Jahr am zweiten Fastensonntag verk\u00fcndet. Tats\u00e4chlich nimmt uns der Herr in dieser liturgischen Zeit beiseite, damit wir mit ihm kommen. Auch wenn unsere gew\u00f6hnlichen Pflichten von uns verlangen, an den angestammten Orten zu bleiben und ein manchmal langweiliges Alltagsleben mit vielen Wiederholungen zu f\u00fchren, sind wir in der Fastenzeit eingeladen, gemeinsam mit Jesus \u201eauf einen hohen Berg zu steigen\u201c, um mit dem heiligen Gottesvolk eine besondere Erfahrung von <i>Askese<\/i>\u00a0zu machen.<br \/>\nDie Askese in der Fastenzeit ist ein \u2013 stets von der Gnade beseeltes \u2013 Bestreben, unseren Mangel an Glauben und unseren Widerstand gegen die Nachfolge Jesu auf dem Weg des Kreuzes zu \u00fcberwinden. Genau das, was Petrus und die anderen J\u00fcnger n\u00f6tig hatten. Um unsere Kenntnis des Meisters zu vertiefen, um das Geheimnis des g\u00f6ttlichen Heils, das sich in der vollkommenen Selbsthingabe aus Liebe verwirklicht, voll zu verstehen und anzunehmen, muss man sich von ihm beiseite und in die H\u00f6he f\u00fchren lassen und sich von Mittelm\u00e4\u00dfigkeit und Eitelkeit befreien. Man muss sich auf den Weg machen, einen ansteigenden Weg, der Anstrengung, Opfer und Konzentration erfordert, so wie bei einer Bergwanderung. Diese Voraussetzungen sind auch wichtig f\u00fcr den synodalen Weg, den zu beschreiten wir uns als Kirche vorgenommen haben. Es wird uns guttun, \u00fcber diese Beziehung zwischen der Askese in der Fastenzeit und der synodalen Erfahrung nachzudenken.<br \/>\nZu den \u201eExerzitien\u201c auf dem Berg Tabor nimmt Jesus drei J\u00fcnger mit, die erw\u00e4hlt wurden, um Zeugen eines einzigartigen Ereignisses zu sein. Er m\u00f6chte, dass diese Erfahrung der Gnade nicht eine einsame, sondern eine gemeinsame ist, wie unser ganzes Glaubensleben. Jesus folgt man gemeinsam nach. Und gemeinsam, als pilgernde Kirche durch die Zeit, leben wir das Kirchenjahr und in ihm die Fastenzeit, indem wir gemeinsam mit denen gehen, die uns der Herr als Weggef\u00e4hrten zur Seite gestellt hat. In Analogie zum Aufstieg Jesu und der J\u00fcnger auf den Berg Tabor k\u00f6nnen wir sagen, dass unser Weg in der Fastenzeit \u201esynodal\u201c ist, denn wir gehen ihn gemeinsam und auf demselben Weg, als J\u00fcnger des einzigen Meisters. Ja wir wissen, dass er selbst <i>der Weg<\/i>\u00a0ist, und deshalb tut die Kirche sowohl im Vollzug der Liturgie wie auch der Synode nichts anderes, als immer tiefer und voller in das Geheimnis Christi, des Erl\u00f6sers, einzutreten.<br \/>\nUnd so kommen wir zum H\u00f6hepunkt. Das Evangelium berichtet, dass Jesus \u00bbvor ihnen verwandelt [wurde]; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne und seine Kleider wurden wei\u00df wie das Licht\u00ab (<i>Mt<\/i>\u00a017,2). Das ist also der \u201eGipfel\u201c, das Ziel des Weges. Am Ende des Aufstiegs, als sie mit Jesus auf dem hohen Berg stehen, wird den drei J\u00fcngern die Gnade zuteil, ihn in seiner Herrlichkeit zu schauen, in einem \u00fcbernat\u00fcrlichen Licht, das nicht von au\u00dfen kam, sondern von ihm selbst ausstrahlte. Die g\u00f6ttliche Sch\u00f6nheit dieses Anblicks war unvergleichlich gr\u00f6\u00dfer als jede Anstrengung, die die J\u00fcnger beim Aufstieg auf den Tabor h\u00e4tten unternehmen k\u00f6nnen. Wie bei jeder anstrengenden Bergwanderung muss man beim Aufstieg den Blick fest auf den Pfad gerichtet halten, doch das Panorama, das sich am Ende er\u00f6ffnet, \u00fcberrascht und entsch\u00e4digt durch seine Pracht. Auch der synodale Prozess erscheint oft beschwerlich und manchmal k\u00f6nnten wir den Mut verlieren. Aber was uns am Ende erwartet, ist zweifellos etwas Wunderbares und \u00dcberraschendes, das uns helfen wird, Gottes Willen und unseren Auftrag im Dienst an seinem Reich besser zu verstehen.<br \/>\nDie Erfahrung der J\u00fcnger auf dem Berg Tabor wird noch weiter angereichert, als neben dem verkl\u00e4rten Jesus Mose und Elija erscheinen, die f\u00fcr das Gesetz beziehungsweise die Propheten stehen (vgl. <i>Mt<\/i>\u00a017,3). Die Neuheit Christi ist die Erf\u00fcllung des alten Bundes und der Verhei\u00dfungen; sie ist untrennbar mit der Geschichte Gottes mit seinem Volk verbunden und offenbart deren tiefe Bedeutung. Im analogen Sinn ist auch der synodale Weg in der Tradition der Kirche verwurzelt und gleichzeitig offen f\u00fcr das Neue. Die Tradition ist Quelle der Inspiration f\u00fcr die Suche nach neuen Wegen, wobei die gegens\u00e4tzlichen Versuchungen der Unbeweglichkeit und des improvisierten Experimentierens vermieden werden m\u00fcssen.<br \/>\nDer asketische Weg der Fastenzeit und in \u00e4hnlicher Weise der synodale Weg haben beide das Ziel einer Verkl\u00e4rung, sowohl auf der pers\u00f6nlichen als auch auf der kirchlichen Ebene. Einer Verwandlung, die in beiden F\u00e4llen ihr Vorbild in der Verkl\u00e4rung Jesu findet und durch die Gnade seines \u00f6sterlichen Geheimnisses bewirkt wird. Damit sich eine solche Verkl\u00e4rung in diesem Jahr in uns verwirklicht, m\u00f6chte ich zwei \u201ePfade\u201c vorschlagen, die wir beschreiten k\u00f6nnen, um gemeinsam mit Jesus aufzusteigen und mit ihm das Ziel zu erreichen.<br \/>\nDer erste bezieht sich auf die Aufforderung, die Gottvater an die J\u00fcnger auf dem Tabor richtet, w\u00e4hrend sie den verkl\u00e4rten Jesus schauen. Die Stimme aus der Wolke sagt: \u00bbAuf ihn sollt ihr h\u00f6ren\u00ab (<i>Mt<\/i>\u00a017,5). Der erste Hinweis ist also ganz klar: auf Jesus h\u00f6ren. Die Fastenzeit ist eine Zeit der Gnade in dem Ma\u00dfe, in dem wir auf ihn h\u00f6ren, der zu uns spricht. Und wie spricht er zu uns? Vor allem im Wort Gottes, das uns die Kirche in der Liturgie schenkt: Lassen wir es nicht ins Leere fallen; wenn wir nicht immer an der Messe teilnehmen k\u00f6nnen, so lasst uns doch Tag f\u00fcr Tag die biblischen Lesungen, auch mit Hilfe des Internets, lesen. \u00dcber die Heiligen Schriften hinaus spricht der Herr zu uns in unseren Br\u00fcdern und Schwestern, vor allem in den Gesichtern und Geschichten derer, die der Hilfe bed\u00fcrfen. Aber ich m\u00f6chte noch einen weiteren Aspekt hinzuf\u00fcgen, der im synodalen Prozess sehr wichtig ist: Das H\u00f6ren auf Christus geschieht auch \u00fcber das H\u00f6ren auf unsere Br\u00fcder und Schwestern in der Kirche, jenes gegenseitige Zuh\u00f6ren, das in manchen Phasen das Hauptziel ist, das aber immer unverzichtbar bleibt in der Methode und im Stil einer synodalen Kirche.<br \/>\nAls sie die Stimme des Vaters h\u00f6rten, warfen sich die J\u00fcnger \u00bbmit dem Gesicht zu Boden und f\u00fcrchteten sich sehr. Da trat Jesus zu ihnen, fasste sie an und sagte: Steht auf und f\u00fcrchtet euch nicht! Und als sie aufblickten, sahen sie niemanden au\u00dfer Jesus allein\u00ab (<i>Mt<\/i>\u00a017,6-8). Hier ist der zweite Hinweis f\u00fcr diese Fastenzeit, der darin besteht, nicht Zuflucht in einer Religiosit\u00e4t zu suchen, die nur aus au\u00dfergew\u00f6hnlichen Ereignissen, aus eindrucksvollen Erfahrungen besteht, weil man Angst hat, sich der Realit\u00e4t mit ihren t\u00e4glichen M\u00fchen, N\u00f6ten und Widerspr\u00fcchen zu stellen. Das Licht, das Jesus den J\u00fcngern zeigt, ist ein Vorgeschmack auf die \u00f6sterliche Herrlichkeit, und auf diese geht man zu, indem man \u201eihm allein\u201c folgt. Die Fastenzeit ist auf Ostern ausgerichtet: Die \u201eExerzitien\u201c sind kein Selbstzweck, sondern bereiten uns darauf vor, das Leiden und das Kreuz mit Glaube, Hoffnung und Liebe zu leben, um zur Auferstehung zu gelangen. Auch der synodale Weg darf uns keine falschen Hoffnungen machen, wir seien angekommen, wenn Gott uns die Gnade einiger starker Gemeinschaftserfahrungen schenkt. Auch dort sagt uns der Herr: \u00bbSteht auf und f\u00fcrchtet euch nicht\u00ab. Lasst uns in die Ebene hinabsteigen, und m\u00f6ge die Gnade, die wir erfahren haben, uns dabei helfen, an der Synodalit\u00e4t im Alltagsleben unserer Gemeinschaften zu arbeiten.<br \/>\nLiebe Br\u00fcder und Schwestern, der Heilige Geist m\u00f6ge uns in dieser Fastenzeit bei Aufstieg mit Jesus beseelen, damit wir seinen g\u00f6ttlichen Glanz erfahren und \u2013 solcherma\u00dfen im Glauben gest\u00e4rkt \u2013 unseren Weg gemeinsam mit ihm fortsetzen k\u00f6nnen, der der Ruhm seines Volkes und das Licht aller V\u00f6lker ist.<\/p>\n<p><i>Rom, St. Johannes im Lateran, 25. Januar 2023, Fest der Bekehrung des heiligen Apostels Paulus.<\/i><br \/>\nFRANZISKUS<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/de\/papst\/news\/2023-02\/papst-franziskus-botschaft-fastenzeit-2023-askese-synodalitaet.html\">www.vaticannews.va\/de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir dokumentieren an dieser Stelle die Botschaft von Papst Franziskus zur Fastenzeit im Wortlaut in der offiziellen deutschen \u00dcbersetzung. Auf vatican.va, der offiziellen Internetseite des Vatikans, finden Sie diese und alle anderen Texte des Papstes in den verschiedenen offiziellen \u00dcbersetzungen. 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