{"id":57878,"date":"2023-09-23T20:43:22","date_gmt":"2023-09-23T17:43:22","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=57878"},"modified":"2023-09-23T20:44:12","modified_gmt":"2023-09-23T17:44:12","slug":"botschaft-von-papst-franziskus-zum-109-welttag-des-migranten-und-fluechtlings-24-september-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/botschaft-von-papst-franziskus-zum-109-welttag-des-migranten-und-fluechtlings-24-september-2023\/","title":{"rendered":"Botschaft von Papst Franziskus zum 109. Welttag des Migranten und Fl\u00fcchtlings &#8211; 24. September 2023."},"content":{"rendered":"<p><b><i>Frei in der Entscheidung auszuwandern oder zu bleiben<\/i><\/b><\/p>\n<p>Liebe Br\u00fcder und Schwestern!<\/p>\n<p>Die Migrationsstr\u00f6me unserer Tage sind Ausdruck eines komplexen und vielschichtigen Ph\u00e4nomens, dessen Verst\u00e4ndnis eine sorgf\u00e4ltige Analyse aller Aspekte erfordert, die die verschiedenen Phasen einer Migration kennzeichnen, vom Aufbruch bis zur Ankunft, einschlie\u00dflich einer eventuellen R\u00fcckkehr. In der Absicht, zu diesem Bem\u00fchen, die Realit\u00e4t zu verstehen, beizutragen, habe ich beschlossen, die Botschaft zum 109. Welttag des Migranten und des Fl\u00fcchtlings der Freiheit zu widmen, die die Entscheidung, das eigene Land zu verlassen, immer kennzeichnen sollte.<\/p>\n<p>\u201eFrei zu gehen, frei zu bleiben\u201c lautete der Titel einer Solidarit\u00e4tsinitiative, die vor einigen Jahren von der italienischen Bischofskonferenz als konkrete Antwort auf die Herausforderungen der heutigen Migration auf den Weg gebracht wurde. Und im best\u00e4ndigen H\u00f6ren auf die Teilkirchen konnte ich feststellen, dass die Gew\u00e4hrleistung dieser Freiheit ein weit verbreitetes und gemeinsames pastorales Anliegen ist.<\/p>\n<p>\u00bbDa erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und flieh nach \u00c4gypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu t\u00f6ten\u00ab (<i>Mt<\/i>\u00a02,13). Die Flucht der Heiligen Familie nach \u00c4gypten ist nicht das Ergebnis einer freien Entscheidung, so wie viele der Wanderungen, die die Geschichte des Volkes Israel gekennzeichnet haben, nicht freiwillig waren. Migration sollte immer eine freie Entscheidung sein, aber in vielen F\u00e4llen ist sie das auch heute noch nicht. Konflikte, Naturkatastrophen oder ganz einfach die Unm\u00f6glichkeit, in der Heimat ein w\u00fcrdiges und gedeihliches Leben zu f\u00fchren, zwingen Millionen von Menschen zum Weggehen. Bereits 2003 erkl\u00e4rte der heilige Johannes Paul II.: \u00bbIm Blick auf die Migranten und Fl\u00fcchtlinge konkrete Friedensbedingungen zu schaffen, bedeutet vor allem, sich ernsthaft f\u00fcr das\u00a0Recht auf Sesshaftigkeit<i>\u00a0<\/i>einzusetzen, also f\u00fcr das Recht, in Frieden und W\u00fcrde in der eigenen Heimat zu leben\u00ab (<i><a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/john-paul-ii\/de\/messages\/migration\/documents\/hf_jp-ii_mes_20031223_world-migration-day-2004.html\">Botschaft zum 90. Welttag der Migranten und Fl\u00fcchtlinge<\/a><\/i>, 3).<\/p>\n<p>\u00bbSie nahmen ihr Vieh und ihre Habe, die sie im Land Kanaan erworben hatten, und gelangten nach \u00c4gypten, Jakob und mit ihm alle seine Nachkommen\u00ab (<i>Gen<\/i>\u00a046,6). Eine schwere Hungersnot zwang Jakob und seine ganze Familie, nach \u00c4gypten zu fliehen, wo sein Sohn Josef ihr \u00dcberleben gesichert hatte. Verfolgungen, Kriege, Wetterph\u00e4nomene und Elend geh\u00f6ren zu den offensichtlichsten Ursachen heutiger Zwangsmigration. Migranten fliehen aus Armut, aus Angst, aus Verzweiflung. Um diese Ursachen zu beseitigen und damit der erzwungenen Migration ein Ende zu setzen, brauchen wir das gemeinsame Engagement aller, eines jeden, entsprechend seiner Verantwortung. Ein Engagement, das damit beginnt, dass wir uns fragen, was wir tun k\u00f6nnen, aber auch, was wir nicht mehr tun d\u00fcrfen. Wir m\u00fcssen uns bem\u00fchen, das Wettr\u00fcsten, den wirtschaftlichen Kolonialismus, den Raub der Ressourcen anderer und die Zerst\u00f6rung unseres gemeinsamen Hauses zu beenden.<\/p>\n<p>\u00bbAlle, die glaubten, waren an demselben Ort und hatten alles gemeinsam. Sie verkauften Hab und Gut und teilten davon allen zu, jedem so viel, wie er n\u00f6tig hatte\u00ab (<i>Apg<\/i>\u00a02,44-45). Das Ideal der ersten christlichen Gemeinschaft scheint so weit von der heutigen Realit\u00e4t entfernt zu sein! Um die Migration zu einer wirklich freien Entscheidung zu machen, braucht es das Bem\u00fchen, allen einen gerechten Anteil am Gemeinwohl, die Achtung der Grundrechte und den Zugang zu einer ganzheitlichen menschlichen Entwicklung zu gew\u00e4hrleisten. Nur so k\u00f6nnen wir einem jeden die Chance bieten, in W\u00fcrde zu leben und sich pers\u00f6nlich und als Familie zu verwirklichen. Es ist klar, dass die Hauptaufgabe bei den Herkunftsl\u00e4ndern und ihren Regierenden liegt, die aufgerufen sind, eine gute, transparente, ehrliche und weitsichtige Politik im Dienste aller, insbesondere der Schw\u00e4chsten, zu betreiben. Sie m\u00fcssen jedoch in die Lage versetzt werden, dies zu tun, ohne dass sie ihrer Natur- und Humanressourcen beraubt werden und ohne Einmischung von au\u00dfen, welche die Interessen einiger weniger beg\u00fcnstigt. Und dort, wo die Umst\u00e4nde es erlauben zu w\u00e4hlen, ob man auswandert oder bleibt, muss sichergestellt werden, dass diese Entscheidung mit dem n\u00f6tigen Wissen und wohl\u00fcberlegt getroffen wird, um zu verhindern, dass viele M\u00e4nner, Frauen und Kinder risikoreichen Illusionen oder skrupellosen Menschenh\u00e4ndlern zum Opfer fallen.<\/p>\n<p>\u00bbIn diesem Jubeljahr soll jeder von euch zu seinem Besitz zur\u00fcckkehren\u00ab (<i>Lev<\/i>\u00a025,13). Die Feier des Jubeljahres stellte f\u00fcr das Volk Israel einen Akt kollektiver Gerechtigkeit dar: Alle konnten \u00bbin die urspr\u00fcngliche Situation zur\u00fcckkehren. Jede Schuld wurde erlassen, Grund und Boden zur\u00fcckgegeben, man konnte sich wieder der den Gliedern des Volkes Gottes eigenen Freiheit erfreuen\u00ab (<a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/audiences\/2016\/documents\/papa-francesco_20160210_udienza-generale.html\"><i>Katechese<\/i>, 10. Februar 2016<\/a>). Da wir uns dem Jubil\u00e4umsjahr 2025 n\u00e4hern, ist es gut, sich an diesen Aspekt der Jubil\u00e4umsfeiern zu erinnern. Es bedarf einer gemeinsamen Anstrengung der einzelnen L\u00e4nder und der internationalen Gemeinschaft, damit allen das Recht garantiert werden kann, nicht auszuwandern zu m\u00fcssen, d. h. die M\u00f6glichkeit, in Frieden und in W\u00fcrde im eigenen Land zu leben. Dieses Recht ist noch nicht kodifiziert, ist aber von grundlegender Bedeutung, und seine Gew\u00e4hrleistung ist als Bestandteil der Mitverantwortung aller Staaten f\u00fcr ein Gemeinwohl zu begreifen, das \u00fcber die nationalen Grenzen hinausgeht. Da die Ressourcen der Welt nicht unbegrenzt sind, h\u00e4ngt die Entwicklung der wirtschaftlich \u00e4rmeren L\u00e4nder in der Tat davon ab, ob es gelingt, unter den V\u00f6lkern die F\u00e4higkeit zum gegenseitigen Teilen zu erwecken. Solange dieses Recht nicht gew\u00e4hrleistet ist \u2013 und bis dahin ist es noch ein langer Weg \u2013, werden noch viele auf der Suche nach einem besseren Leben auswandern m\u00fcssen.<\/p>\n<p>\u00bbDenn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt mich besucht; ich war im Gef\u00e4ngnis und ihr seid zu mir gekommen\u00ab (<i>Mt<\/i>\u00a025,35-36). Diese Worte erklingen als eine best\u00e4ndige Mahnung, in dem Migranten nicht nur einen Bruder oder eine Schwester in Not zu erkennen, sondern Christus selbst, der an unsere T\u00fcr klopft. Wenn wir uns also daf\u00fcr einsetzen, dass jede Migration die Frucht einer freien Entscheidung sein kann, sind wir aufgerufen, die W\u00fcrde jedes Migranten in h\u00f6chstem Ma\u00dfe zu achten; das bedeutet, die Migrationsbewegungen so gut wie m\u00f6glich zu begleiten und zu lenken, indem wir Br\u00fccken und nicht Mauern bauen und die Wege f\u00fcr eine sichere und regul\u00e4re Migration erweitern. Wo auch immer wir uns entscheiden, unsere Zukunft aufzubauen, in unserem Geburtsland oder anderswo, wichtig ist, dass es dort immer eine Gemeinschaft gibt, die bereit ist, alle aufzunehmen, zu sch\u00fctzen, zu f\u00f6rdern und zu integrieren, ohne Unterschied und ohne jemanden au\u00dfen vor zu lassen.<\/p>\n<p>Der Weg der Synodalit\u00e4t, auf den wir uns als Kirche begeben haben, l\u00e4sst uns in den verletzlichsten Menschen \u2013 und unter ihnen viele Migranten und Fl\u00fcchtlinge \u2013 besondere Weggef\u00e4hrten sehen, die wir als Br\u00fcder und Schwestern lieben und f\u00fcr die wir Sorge tragen m\u00fcssen. Nur wenn wir gemeinsam gehen, werden wir weiter vorankommen und das gemeinsame Ziel unserer Reise erreichen.<\/p>\n<p><i>Rom, St. Johannes im Lateran, 11. Mai 2023<\/i><\/p>\n<p>FRANZISKUS<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Gebet<\/b><\/p>\n<p>Gott, allm\u00e4chtiger Vater,<br \/>\ngib uns die Gnade, uns tatkr\u00e4ftig einzusetzen<br \/>\nf\u00fcr Gerechtigkeit, Solidarit\u00e4t und Frieden,<br \/>\ndamit allen deinen Kindern<br \/>\ndie Freiheit gew\u00e4hrleistet ist,<br \/>\nsich f\u00fcr die Migration oder das Bleiben zu entscheiden.<\/p>\n<p>Gib uns den Mut,<br \/>\nalle Gr\u00e4uel in unserer Welt klar zu benennen,<br \/>\nund gegen jede Ungerechtigkeit zu k\u00e4mpfen,<br \/>\nwelche die Sch\u00f6nheit deiner Gesch\u00f6pfe und<br \/>\ndie Harmonie unseres gemeinsamen Hauses verunstaltet.<\/p>\n<p>St\u00e4rke uns mit der Kraft deines Geistes,<br \/>\ndamit wir gegen\u00fcber jedem Migranten,<br \/>\ndem du uns begegnen l\u00e4sst,<br \/>\ndeine Z\u00e4rtlichkeit an den Tag legen,<br \/>\nund in den Herzen und in jedem Umfeld<br \/>\ndie Kultur der Begegnung und der F\u00fcrsorge verbreiten.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/migration\/documents\/20230511-world-migrants-day-2023.html\">www.vatican.va<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frei in der Entscheidung auszuwandern oder zu bleiben Liebe Br\u00fcder und Schwestern! 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