{"id":59552,"date":"2023-11-18T17:27:35","date_gmt":"2023-11-18T15:27:35","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=59552"},"modified":"2023-11-18T17:27:35","modified_gmt":"2023-11-18T15:27:35","slug":"botschaft-des-heiligen-vaters-zum-welttag-der-armen-19-november-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/botschaft-des-heiligen-vaters-zum-welttag-der-armen-19-november-2023\/","title":{"rendered":"Botschaft des Heiligen Vaters zum Welttag der Armen &#8211; 19. November 2023."},"content":{"rendered":"<p><b><i><span class=\"color-text\">\u00bbWende dein Angesicht von keinem Armen ab\u00ab (Tob 4,7)<\/span><\/i><\/b><\/p>\n<p><b><i>\u00a0<\/i><\/b><\/p>\n<p>1. Der\u00a0<i>Welttag der Armen<\/i>, ein fruchtbares Zeichen der Barmherzigkeit des Vaters, findet zum siebten Mal statt, um den Weg unserer Gemeinschaften zu begleiten. Es ist ein Termin, den die Kirche nach und nach in ihrer pastoralen Arbeit verankert, um immer mehr den zentralen Inhalt des Evangeliums zu entdecken. Jeden Tag bem\u00fchen wir uns darum, uns der Armen anzunehmen, und doch reicht das nicht aus. Ein Strom von Armut durchzieht unsere St\u00e4dte und wird immer gr\u00f6\u00dfer, bis er \u00fcber die Ufer tritt; dieser Strom scheint uns zu \u00fcberfluten \u2013 der Schrei unserer Br\u00fcder und Schwestern, die um Hilfe, Unterst\u00fctzung und Solidarit\u00e4t bitten, wird immer lauter. Deshalb versammeln wir uns am Sonntag vor dem Hochfest unseres Herrn Jesus Christus, des K\u00f6nigs des Weltalls, um seinen Tisch, um von ihm erneut das Geschenk und die Verpflichtung entgegenzunehmen, die Armut zu leben und den Armen zu dienen.<\/p>\n<p>\u00bb<i>Wende dein Angesicht von keinem Armen ab<\/i>\u00ab<i>\u00a0<\/i>(<i>Tob<\/i>\u00a04,7). Dieses Wort hilft uns, das Wesen unseres Zeugnisses zu begreifen. Die Betrachtung des\u00a0<i>Buches Tobit<\/i>, eines wenig bekannten alttestamentlichen Textes, der fesselnd und reich an Weisheit ist, mag uns helfen, den Inhalt, den der biblische Autor vermitteln will, besser zu verstehen. Wir sehen vor uns eine Szene aus dem Familienleben: Ein Vater, Tobit, nimmt von seinen Sohn Tobias Abschied, der sich auf eine lange Reise begeben wird. Der alte Tobit f\u00fcrchtet, dass er seinen Sohn nie wiedersehen wird, und hinterl\u00e4sst ihm deshalb sein \u201egeistiges Testament\u201c. Er war nach Ninive deportiert worden und ist nun blind, also doppelt arm, aber er hatte immer eine Gewissheit, die in seinem Namen zum Ausdruck kommt: \u201eDer Herr ist gut\u201c. Dieser Mann, der immer auf den Herrn vertraut hat, m\u00f6chte als guter Vater seinem Sohn nicht so sehr etwas Materielles hinterlassen, sondern das Zeugnis des Weges, den er im Leben gehen soll, und so sagt er zu ihm: \u00bbAlle deine Tage, Kind, gedenke des Herrn! H\u00fcte dich, zu s\u00fcndigen und seine Gebote zu \u00fcbertreten! Vollbringe alle Tage deines Lebens gerechte Taten und wandle nicht auf den Wegen des Unrechts!\u00ab (4,5).<\/p>\n<p>2. Wie man sofort sieht, beschr\u00e4nkt sich das Gedenken, das der alte Tobit von seinem Sohn fordert, nicht auf einen einfachen Akt des Erinnerns oder ein an Gott zu richtendes Gebet. Er verweist auf konkrete Gesten, die darin bestehen, gute Werke zu tun und gerecht zu leben. Die Ermahnung wird sogar noch konkreter: \u00bbTu f\u00fcr alle, die die Gerechtigkeit tun, Almosen aus dem, was du hast! Wende dein Angesicht von keinem Armen ab, dann wird sich Gottes Angesicht nicht von dir abwenden!\u00ab (4,6-7).<\/p>\n<p>Die Worte dieses betagten Weisen verwundern nicht wenig. Vergessen wir nicht, dass Tobit sein Augenlicht gerade nach einem Werk der Barmherzigkeit verloren hat. Wie er selbst erz\u00e4hlt, war sein Leben von Jugend an Werken der N\u00e4chstenliebe gewidmet: \u00bbViele Werke der Barmherzigkeit tat ich meinen Br\u00fcdern und meinem Volk, die mit mir in das Land der Assyrer nach Ninive in Gefangenschaft gegangen waren [\u2026] Mein Brot gab ich den Hungernden und Kleider den Nackten; und wann immer ich sah, dass jemand aus meinem Volk starb und hinter die Mauer von Ninive geworfen wurde, begrub ich ihn\u00ab (1,3.17).<\/p>\n<p>Wegen dieses Zeugnisses der N\u00e4chstenliebe hatte ihm der K\u00f6nig alle seine G\u00fcter genommen und ihn v\u00f6llig verarmen lassen. Aber der Herr brauchte ihn immer noch; nachdem er sein Amt als Verwalter wieder aufgenommen hatte, f\u00fcrchtete er sich nicht, seinen Lebensstil weiter beizubehalten. H\u00f6ren wir seinen Bericht, der auch uns heute anspricht: \u00bbAn unserem Pfingstfest, welches das heilige Fest der Sieben Wochen ist, wurde mir ein gutes Mahl bereitet. Und ich lie\u00df mich nieder, um zu essen. Mir wurde der Tisch gerichtet und verschiedene Speisen wurden mir aufgetragen. Da sagte ich zu meinem Sohn Tobias: \u201eKind, geh, und wenn du unter unseren nach Ninive verschleppten Br\u00fcdern einen Armen findest, der mit ganzem Herzen des Herrn gedenkt, dann f\u00fchre ihn hierher und er soll gemeinsam mit mir speisen. Siehe, ich werde auf dich warten, mein Kind, bis du kommst\u201c\u00ab (2,1-2). Wie bedeutsam w\u00e4re es, wenn wir uns dieses Anliegen Tobits am Welttag der Armen zu eigen machen w\u00fcrden! Wenn wir dazu einladen w\u00fcrden, das sonnt\u00e4gliche Mittagessen miteinander zu teilen, nachdem wir den eucharistischen Tisch geteilt haben. Die Feier der Eucharistie w\u00fcrde wirklich zu einem Kriterium f\u00fcr Gemeinschaft werden. Wenn wir uns, um den Altar des Herrn versammelt, bewusst sind, dass wir alle Br\u00fcder und Schwestern sind, wie viel sichtbarer w\u00fcrde diese Geschwisterlichkeit werden, wenn wir das festliche Mahl mit denen teilten, denen es am N\u00f6tigsten fehlt!<\/p>\n<p>Tobias tat, was sein Vater ihm gesagt hatte, kam aber mit der Nachricht zur\u00fcck, dass ein armer Mann get\u00f6tet und mitten auf dem Platz liegen gelassen worden war. Ohne zu z\u00f6gern, stand der alte Tobit vom Tisch auf und ging, um den Mann zu begraben. Als er m\u00fcde nach Hause kam, schlief er im Hof ein; Vogelkot fiel auf seine Augen und er erblindete (vgl. 2,1-10). Ironie des Schicksals: Du tust einen Akt der N\u00e4chstenliebe und dich trifft das Ungl\u00fcck! So m\u00f6gen wir denken; doch der Glaube lehrt uns, tiefer zu gehen. Tobits Blindheit wird zu seiner St\u00e4rke, so dass er die vielen Formen der Armut um ihn herum noch besser erkennen kann. Und der Herr wird dem alten Vater zu gegebener Zeit das Augenlicht wiederschenken und die Freude, seinen Sohn Tobias wiederzusehen. Als dieser Tag kam, fiel Tobit \u00bbihm um den Hals, er weinte und rief Tobias zu: \u201eIch kann dich wieder sehen, Kind, du Licht meiner Augen! Und er sagte: Gepriesen sei Gott! Gepriesen sei sein gewaltiger Name! Gepriesen seien alle seine heiligen Engel! M\u00f6ge sein Name gro\u00df sein \u00fcber uns! Und gepriesen seien alle Engel in alle Ewigkeit! Denn er hat mich gez\u00fcchtigt, aber jetzt sehe ich meinen Sohn Tobias wieder\u201c\u00ab (11,13-14).<\/p>\n<p>3. Wir k\u00f6nnen uns fragen: Woher hat Tobit den Mut und die innere St\u00e4rke, die ihn bef\u00e4higen, inmitten eines heidnischen Volkes Gott zu dienen und seinen N\u00e4chsten so sehr zu lieben, dass er daf\u00fcr sein eigenes Leben riskiert? Wir haben es mit einem au\u00dfergew\u00f6hnlichen Beispiel zu tun: Tobit ist ein treuer Ehemann und ein f\u00fcrsorglicher Vater; er wird weit weg aus seiner Heimat verschleppt und leidet zu Unrecht; er wird vom K\u00f6nig und seinen eigenen Nachbarn verfolgt&#8230; Obwohl er so gutherzig ist, wird er auf die Probe gestellt. Wie uns die Heilige Schrift oft lehrt, verschont Gott diejenigen, die Gutes tun, nicht vor Pr\u00fcfungen. Wie kommt das? Er tut dies nicht, um uns zu dem\u00fctigen, sondern um unseren Glauben an ihn zu festigen.<\/p>\n<p>Tobit entdeckt in der Zeit der Pr\u00fcfung seine eigene Armut, die ihn f\u00e4hig macht, die Armen zu erkennen. Er ist dem Gesetz Gottes treu und h\u00e4lt die Gebote, aber das reicht ihm nicht. Die aktive Sorge um die Armen ist ihm m\u00f6glich, weil er die Armut am eigenen Leib erfahren hat. Deshalb sind die Worte, die er an seinen Sohn Tobias richtet, sein wahres Verm\u00e4chtnis: \u00bbWende dein Angesicht von keinem Armen ab\u00ab (4,7). Wenn wir also vor einem Armen stehen, d\u00fcrfen wir unsere Augen nicht abwenden, denn wir w\u00fcrden uns selbst daran hindern, dem Antlitz des Herrn Jesus zu begegnen. Und achten wir gut auf die Formulierung \u00bbvon\u00a0<i>keinem<\/i>\u00a0Armen\u00ab. Jeder ist unser N\u00e4chster, unabh\u00e4ngig von der Hautfarbe, dem sozialen Status, der Herkunft&#8230; Wenn ich arm bin, kann ich erkennen, wer wirklich der Bruder ist, der mich braucht. Wir sind aufgerufen, jedem Armen und jeder Art von Armut zu begegnen und die Gleichg\u00fcltigkeit und Selbstverst\u00e4ndlichkeit abzusch\u00fctteln, mit denen wir unser illusorisches Wohlergehen abschirmen.<\/p>\n<p>4. Wir leben in einem geschichtlichen Moment, in dem die Aufmerksamkeit f\u00fcr die \u00c4rmsten nicht gef\u00f6rdert wird. Der Ruf nach Wohlstand wird immer lauter, w\u00e4hrend die Stimmen derer, die in Armut leben, mit einem Schalld\u00e4mpfer versehen werden. Man tendiert dazu, alles zu \u00fcbergehen, was nicht in die Lebensmodelle passt, die insbesondere f\u00fcr die j\u00fcngeren Generationen gedacht sind, die dem gegenw\u00e4rtig stattfindenden kulturellen Wandel am schutzlosesten gegen\u00fcberstehen. Was unangenehm ist und Leid verursacht, wird ausgeklammert, w\u00e4hrend k\u00f6rperliche Qualit\u00e4ten so hochgehalten werden, als w\u00e4ren sie das wichtigste Ziel, das es zu erreichen gilt. Die virtuelle Realit\u00e4t l\u00f6st das reale Leben ab, und immer leichter passiert es, dass man die beiden Welten verwechselt. Die Armen werden zu Bildern, die einen f\u00fcr einige Augenblicke ber\u00fchren, aber wenn man ihnen in Fleisch und Blut auf der Stra\u00dfe begegnet, st\u00f6rt man sich an ihnen und grenzt sie aus. Die Hektik, die t\u00e4gliche Begleiterin des Lebens, verhindert, dass man inneh\u00e4lt, dem anderen hilft und sich um ihn k\u00fcmmert. Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter (vgl.\u00a0<i>Lk<\/i>\u00a010,25-37) ist keine Erz\u00e4hlung aus der Vergangenheit, sondern stellt die Gegenwart eines jeden von uns in Frage. Es ist leicht, an andere zu delegieren; es ist eine gro\u00dfz\u00fcgige Geste, anderen Geld f\u00fcr ihr karitatives Handeln zu geben; es ist die Berufung eines jeden Christen, sich pers\u00f6nlich zu einzubringen.<\/p>\n<p>5. Danken wir dem Herrn, dass es so viele M\u00e4nner und Frauen gibt, die sich den Armen und Ausgegrenzten widmen und mit ihnen teilen: Menschen jeden Alters und jeder sozialen Schicht, die sich derer annehmen und sich f\u00fcr diejenigen einsetzen, die am Rande stehen und leiden. Das sind keine \u00dcbermenschen, sondern \u201eNachbarn\u201c, denen wir jeden Tag begegnen und die sich im Stillen mit den Armen selbst zu Armen machen. Sie beschr\u00e4nken sich nicht darauf etwas zu geben: Sie h\u00f6ren zu, treten in Dialog, versuchen, die Situation und ihre Ursachen zu verstehen, um angemessene Ratschl\u00e4ge und richtige Empfehlungen zu geben. Sie achten auf die materiellen, aber auch auf die geistigen Bed\u00fcrfnisse, auf die ganzheitliche F\u00f6rderung des Menschen. Das Reich Gottes wird in diesem gro\u00dfz\u00fcgigen und unentgeltlichen Dienst gegenw\u00e4rtig und sichtbar; es ist wirklich wie der Same, der in den guten Boden des Lebens dieser Menschen f\u00e4llt und seine Frucht bringt (vgl.\u00a0<i>Lk<\/i>\u00a08,4-15). Die Dankbarkeit gegen\u00fcber den vielen Freiwilligen m\u00f6ge zum Gebet werden, auf dass ihr Zeugnis fruchtbar sei.<\/p>\n<p>6. Am 60. Jahrestag der Enzyklika\u00a0<i><a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/john-xxiii\/de\/encyclicals\/documents\/hf_j-xxiii_enc_11041963_pacem.html\">Pacem in terris<\/a><\/i>\u00a0ist es dringend geboten, die Worte des heiligen Papstes Johannes XXIII. aufzugreifen, der schrieb, \u00bbdass der Mensch das Recht auf Leben hat, auf die Unversehrtheit des Leibes sowie auf die geeigneten Mittel zu angemessener Lebensf\u00fchrung. Dazu geh\u00f6ren Nahrung, Kleidung, Wohnung, Erholung, \u00e4rztliche Behandlung und die notwendigen Dienste, um die sich der Staat gegen\u00fcber den einzelnen k\u00fcmmern muss. Daraus folgt auch, dass der Mensch ein Recht auf Beistand hat im Falle von Krankheit, Invalidit\u00e4t, Verwitwung, Alter, Arbeitslosigkeit oder wenn er ohne sein Verschulden sonst der zum Leben notwendigen Dinge entbehren muss\u00ab (Nr. 6).<\/p>\n<p>Wie viel Arbeit liegt noch vor uns, damit diese Worte Wirklichkeit werden, auch durch ein ernsthaftes und wirksames Bem\u00fchen in der Politik und in der Gesetzgebung! M\u00f6ge sich trotz der Grenzen und manchmal des Versagens der Politik \u2013 wenn es darum geht, das Gemeinwohl zu sehen und ihm zu dienen \u2013 die Solidarit\u00e4t und Subsidiarit\u00e4t vieler B\u00fcrger entwickeln, die an den Wert des ehrenamtlichen Engagements f\u00fcr die Armen glauben. Sicherlich geht es darum, Anregungen zu geben und Druck zu machen, damit die \u00f6ffentlichen Einrichtungen ihre Pflicht gut erf\u00fcllen; aber es hat keinen Sinn, passiv zu bleiben und darauf zu warten, dass alles \u201evon oben\u201c kommt: Die in Armut Lebenden m\u00fcssen ebenfalls einbezogen und in einem Prozess der Ver\u00e4nderung und Verantwortungs\u00fcbernahme begleitet werden.<\/p>\n<p>7. Leider m\u00fcssen wir wieder einmal feststellen, dass zu den bereits beschriebenen Formen der Armut neue hinzukommen. Ich denke dabei insbesondere an die Bev\u00f6lkerung in Kriegsgebieten, vor allem an die Kinder, die einer unbeschwerten Gegenwart und einer w\u00fcrdigen Zukunft beraubt sind. Niemand wird sich jemals an diese Situation gew\u00f6hnen k\u00f6nnen; versuchen wir weiterhin alles, damit sich der Friede als Geschenk des auferstandenen Herrn und als Frucht des Einsatzes f\u00fcr Gerechtigkeit und Dialog behaupten kann.<\/p>\n<p>Ich kann die Spekulationen nicht auslassen, die in verschiedenen Bereichen zu einem dramatischen Anstieg der Kosten f\u00fchren, wodurch viele Familien noch \u00e4rmer werden. Die L\u00f6hne sind schnell aufgebraucht und zwingen die Menschen zu Entbehrungen, die die W\u00fcrde eines jeden Menschen beeintr\u00e4chtigen. Wenn eine Familie zwischen Nahrungsmitteln f\u00fcr die Ern\u00e4hrung und Medikamenten f\u00fcr die Behandlung w\u00e4hlen muss, dann m\u00fcssen sich diejenigen zu Wort melden, die im Namen der Menschenw\u00fcrde das Recht auf beide G\u00fcter fordern.<\/p>\n<p>Man kann des Weiteren nicht umhin, auch auf die ethischen Missst\u00e4nde in der Arbeitswelt hinzuweisen. Die unmenschliche Behandlung vieler Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, die unzureichende Entlohnung f\u00fcr die geleistete Arbeit, die Gei\u00dfel der prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnisse, die zu vielen Opfer von Arbeitsunf\u00e4llen, die oft einer Mentalit\u00e4t geschuldet sind, die den unmittelbaren Profit auf Kosten der Sicherheit bevorzugt&#8230; Da denkt man an die Worte des heiligen Johannes Paul II: \u00bbDie erste Grundlage f\u00fcr den Wert der Arbeit [ist] der Mensch selbst [\u2026] So wahr es auch ist, dass der Mensch zur Arbeit bestimmt und berufen ist, so ist doch in erster Linie die Arbeit f\u00fcr den Menschen da und nicht der Mensch f\u00fcr die Arbeit\u00ab (Enzyklika\u00a0<i><a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/john-paul-ii\/de\/encyclicals\/documents\/hf_jp-ii_enc_14091981_laborem-exercens.html\">Laborem exercens<\/a><\/i>, 6).<\/p>\n<p>8. Diese an sich schon dramatische Auflistung gibt nur einen Teil der Armutssituationen wieder, die zu unserem t\u00e4glichen Leben geh\u00f6ren. Ich kann insbesondere eine Form des Missstands nicht unerw\u00e4hnt lassen, die jeden Tag deutlicher zutage tritt und die die Welt der Jugend betrifft. Wie viel Frustration und sogar Selbstmorde gibt es bei den jungen Menschen, die von einer Kultur get\u00e4uscht werden, die sie dazu bringt, sich als \u201eunf\u00e4hig\u201c und \u201egescheitert\u201c zu f\u00fchlen. Helfen wir ihnen, auf diese unheilvollen Impulse zu reagieren, damit jeder den Weg zur Erlangung einer starken und gro\u00dfm\u00fctigen Pers\u00f6nlichkeit finden kann.<\/p>\n<p>Wenn man von den Armen spricht, verf\u00e4llt man leicht in Phrasendrescherei. Eine t\u00fcckische Versuchung ist es auch, bei Statistiken und Zahlen stehen zu bleiben. Die Armen sind Menschen, sie haben Gesichter, Geschichten, Herzen und Seelen. Sie sind Br\u00fcder und Schwestern mit ihren Vorz\u00fcgen und Fehlern, wie alle anderen auch, und es ist wichtig, mit einem jedem von ihnen in eine pers\u00f6nliche Beziehung einzutreten.<\/p>\n<p>Das Buch Tobit lehrt uns die Konkretheit unseres Handelns mit und f\u00fcr die Armen. Es ist eine Frage der Gerechtigkeit, die uns alle dazu verpflichtet, einander zu suchen und zu begegnen, um die Harmonie zu f\u00f6rdern, die notwendig ist, damit eine Gemeinschaft zu einer Gemeinschaft wird. Das Interesse an den Armen ersch\u00f6pft sich also nicht im eiligen Almosengeben, sondern erfordert die Wiederherstellung der rechten zwischenmenschlichen Beziehungen, die durch die Armut besch\u00e4digt wurden. Das \u201eSich von keinem Armen abwenden\u201c f\u00fchrt auf diese Weise dazu, dass einem der Segen der Barmherzigkeit, der N\u00e4chstenliebe, zuteilwird, die dem ganzen christlichen Leben Sinn und Wert verleiht.<\/p>\n<p>9. Unsere Aufmerksamkeit f\u00fcr die Armen soll immer von einem evangeliumsgem\u00e4\u00dfen Realismus gepr\u00e4gt sein. Das Teilen muss den konkreten Bed\u00fcrfnissen des Anderen entsprechen, es geht nicht darum, dass ich \u00dcberfl\u00fcssiges loswerde. Auch hier bedarf es der Unterscheidung, unter der F\u00fchrung des Heiligen Geistes, damit wir die wahren Bed\u00fcrfnisse unserer Br\u00fcder und Schwestern erkennen, und nicht unsere eigenen Bestrebungen. Was sie sicherlich dringend brauchen, ist unsere Mitmenschlichkeit, unser f\u00fcr die Liebe offenes Herz. Vergessen wir nicht: \u00bbWir sind aufgerufen, Christus in ihnen zu entdecken, uns zu Wortf\u00fchrern ihrer Interessen zu machen, aber auch ihre Freunde zu sein, sie anzuh\u00f6ren, sie zu verstehen und die geheimnisvolle Weisheit anzunehmen, die Gott uns durch sie mitteilen will\u00ab (<i><a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/apost_exhortations\/documents\/papa-francesco_esortazione-ap_20131124_evangelii-gaudium.html#Der_bevorzugte_Platz_der_Armen_im_Volk_Gottes\">Evangelii gaudium<\/a><\/i>, 198). Der Glaube lehrt uns, dass jeder Arme ein Kind Gottes ist und dass Christus in ihm oder ihr gegenw\u00e4rtig ist: \u00bbWas ihr f\u00fcr einen meiner geringsten Br\u00fcder getan habt, das habt ihr mir getan\u00ab (<i>Mt<\/i>\u00a025,40).<\/p>\n<p>10. In diesem Jahr wird der 150. Jahrestag der Geburt der heiligen Therese vom Kinde Jesu begangen. Auf einer Seite ihrer\u00a0<i>Geschichte einer Seele<\/i>\u00a0schreibt sie: \u00bbJetzt verstehe ich, dass die vollkommene N\u00e4chstenliebe darin besteht, die Fehler der anderen zu ertragen, sich \u00fcber ihre Schw\u00e4chen keinesfalls zu wundern, sich an den kleinsten Tugenden zu erbauen, die wir sie praktizieren sehen, aber vor allem habe ich verstanden, dass die N\u00e4chstenliebe nicht im Grunde des Herzens verschlossen bleiben darf: \u201eNiemand, sagte Jesus, z\u00fcndet ein Licht an, um es unter einen Scheffel zu stellen, sondern stellt es auf den Leuchter, damit es\u00a0<i>alle<\/i>\u00a0im Haus erleuchtet\u201c. Mir scheint, dass dieses Licht f\u00fcr die N\u00e4chstenliebe steht, die nicht nur diejenigen erleuchten und aufmuntern soll, die mir am Herzen liegen, sondern\u00a0<i>alle<\/i>, die im Haus sind, ohne jemanden auszuschlie\u00dfen\u00bb (<i>Ms<\/i>\u00a0C, 12r).<\/p>\n<p>In diesem Haus, das die Welt ist, hat jeder das Recht, von der N\u00e4chstenliebe erleuchtet zu werden, niemand kann davon ausgeschlossen werden. M\u00f6ge die unerm\u00fcdliche Liebe der heiligen Theresia unsere Herzen an diesem Welttag inspirieren und uns helfen, \u201edas Angesicht nicht vom Armen abzuwenden\u201c und es immer dem menschlichen und g\u00f6ttlichen Antlitz unseres Herrn Jesus Christus zuzuwenden.<\/p>\n<p><i>Rom, Sankt Johannes im Lateran, 13. Juni 2023, Gedenktag des heiligen Antonius von Padua, Patron der Armen.<\/i><\/p>\n<p>FRANZISKUS<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/poveri\/documents\/20230613-messaggio-vii-giornatamondiale-poveri-2023.html\">www.vatican.va<\/a><\/p>\n<p>Foto: <a href=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/en\/pope\/news\/2022-11\/pope-offers-lunch-for-the-poor-of-rome.html\">www.vaticannews.va<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00bbWende dein Angesicht von keinem Armen ab\u00ab (Tob 4,7) \u00a0 1. Der\u00a0Welttag der Armen, ein fruchtbares Zeichen der Barmherzigkeit des Vaters, findet zum siebten Mal statt, um den Weg unserer Gemeinschaften zu begleiten. 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