{"id":61641,"date":"2024-02-10T11:23:03","date_gmt":"2024-02-10T09:23:03","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=61641"},"modified":"2024-02-10T11:23:39","modified_gmt":"2024-02-10T09:23:39","slug":"botschaft-von-papst-franziskus-zum-32-welttag-der-kranken-11-februar-2024-die-sorge-um-die-kranken-durch-das-pflegen-der-beziehungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/botschaft-von-papst-franziskus-zum-32-welttag-der-kranken-11-februar-2024-die-sorge-um-die-kranken-durch-das-pflegen-der-beziehungen\/","title":{"rendered":"Botschaft von Papst Franziskus zum 32. Welttag der Kranken, 11. Februar 2024 &#8211; Die Sorge um die Kranken durch das Pflegen der Beziehungen"},"content":{"rendered":"<p>Der Welttag der Kranken wurde1993, in der Katholischen Kirche, vom Hl. Vater, Papst Johannes Paul II. eingef\u00fchrt, als man 135 Jahre seit den Erscheinungen der Gottesmutter Maria in Lourdes feierte. Aus diesem Grunde begeht man den Tag der Kranken und Leidenden, j\u00e4hrlich, am 11. Feber. Jedes Jahr h\u00e4lt der Papst zu diesem Anlass eine Botschaft an die Gl\u00e4ubigen. Das Thema der diesj\u00e4hrigen Botschaft von Papst Franziskus: <b>\u00bbEs ist nicht gut, dass der Mensch allein ist\u00ab. Die Sorge um die Kranken durch das Pflegen der Beziehungen<\/b><\/p>\n<p>\u00bbEs ist nicht gut, dass der Mensch allein ist\u00ab (<i>Gen<\/i>\u00a02,18). Von Anfang an hat Gott, der die Liebe ist, den Menschen f\u00fcr die Gemeinschaft geschaffen, indem er seinem Wesen die Dimension der Beziehung eingeschrieben hat. So sind wir in unserem Leben, das nach dem Bild der Dreifaltigkeit geformt ist, dazu berufen, uns in der Dynamik von Beziehungen, Freundschaft und gegenseitiger Liebe voll zu verwirklichen. Wir sind dazu geschaffen, zusammen zu leben, nicht allein. Und gerade weil diese Bestimmung zur Gemeinschaft so tief im menschlichen Herzen eingeschrieben ist, erschreckt uns die Erfahrung des Verlassenwerdens und der Einsamkeit und erscheint uns schmerzhaft, ja geradezu unmenschlich. Dies trifft umso mehr in Zeiten der Gebrechlichkeit, Ungewissheit und Unsicherheit zu, die oft durch den Ausbruch einer schweren Krankheit verursacht werden.<\/p>\n<p>Ich denke zum Beispiel an diejenigen, die w\u00e4hrend der Covid-19-Pandemie furchtbar einsam gewesen sind: Patienten, die keine Besuche empfangen konnten, aber auch Pfleger, \u00c4rzte und Hilfspersonal, die alle \u00fcberlastet und in Isolierstationen eingeschlossen waren. Und nat\u00fcrlich d\u00fcrfen wir auch diejenigen nicht vergessen, die der Todesstunde allein entgegengehen mussten, begleitet von medizinischem Personal, aber fern von ihren Familien.<\/p>\n<p>Zugleich nehme ich mit Schmerz an der leidvollen und einsamen Situation derjenigen Anteil, die aufgrund von Krieg und seinen tragischen Folgen ohne Unterst\u00fctzung und Beistand sind: Der Krieg ist die schrecklichste aller gesellschaftlichen Krankheiten und die schw\u00e4chsten Personen zahlen den h\u00f6chsten Preis daf\u00fcr.<\/p>\n<p>Es ist jedoch zu betonen, dass selbst in L\u00e4ndern in Frieden und mit gr\u00f6\u00dferen Ressourcen die Zeit des Alters und der Krankheit oft in Einsamkeit und manchmal sogar in Verlassenheit verbracht wird. Diese traurigen Umst\u00e4nde sind vor allem eine Folge einer Kultur des Individualismus; diese verherrlicht die Leistung um jeden Preis und hegt den Mythos der Effizienz, sodass sie gleichg\u00fcltig und sogar r\u00fccksichtslos wird, wenn die Menschen nicht mehr die Kraft haben, mitzuhalten. Sie wird dann zu einer Wegwerfkultur, die Menschen werden \u00bbnicht mehr als ein vorrangiger, zu respektierender und zu sch\u00fctzender Wert empfunden, besonders, wenn sie arm sind oder eine Behinderung haben, wenn sie \u2013 wie die Ungeborenen \u2013 \u201enoch nicht n\u00fctzlich sind\u201c oder \u2013 wie die Alten \u2013 \u201enicht mehr n\u00fctzlich sind\u201c\u00ab (Enzyklika\u00a0<i><a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/encyclicals\/documents\/papa-francesco_20201003_enciclica-fratelli-tutti.html#18\">Fratelli tutti<\/a><\/i>, 18). Diese Logik durchzieht leider auch bestimmte politische Entscheidungen, die die W\u00fcrde des Menschen und seiner Bed\u00fcrfnisse nicht in den Mittelpunkt stellen und nicht immer die notwendigen Strategien und Mittel beg\u00fcnstigen, um jedem Menschen das Grundrecht auf Gesundheitsversorgung und den Zugang zur Behandlung zu garantieren. Zugleich werden die Vernachl\u00e4ssigung gebrechlicher Menschen und ihre Einsamkeit durch die Beschr\u00e4nkung der Pflege auf rein medizinische Dienstleistungen hervorgerufen, ohne dass diese auf kluge Weise in einer \u201etherapeutische Allianz\u201c zwischen Arzt, Patient und Familienangeh\u00f6rigen begleitet werden.<\/p>\n<p>Es tut uns gut, dieses biblische Wort wieder zu vernehmen: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist! Gott spricht es zu Beginn der Sch\u00f6pfung aus und offenbart uns damit den tiefen Sinn seines Plans f\u00fcr die Menschheit, aber zugleich auch die t\u00f6dliche Verwundung durch die S\u00fcnde, die dazwischenkommt und Misstrauen, Br\u00fcche, Spaltungen und damit Isolation erzeugt. Sie beeintr\u00e4chtigt die Person in all ihren Beziehungen: zu Gott, zu sich selbst, zu anderen, zur Sch\u00f6pfung. Eine solche Isolation f\u00fchrt dazu, dass wir den Sinn unserer Existenz aus den Augen verlieren, sie beraubt uns der Freude an der Liebe und l\u00e4sst uns in allen entscheidenden Phasen des Lebens ein bedr\u00fcckendes Gef\u00fchl von Einsamkeit erleben.<\/p>\n<p>Br\u00fcder und Schwestern, die erste Behandlung, die wir bei Krankheit brauchen, ist eine N\u00e4he voller Mitgef\u00fchl und G\u00fcte. Sich um einen kranken Menschen zu k\u00fcmmern, bedeutet daher zuerst, sich um seine Beziehungen zu k\u00fcmmern, um alle seine Beziehungen: zu Gott, zu den anderen \u2013 Familie, Freunde, medizinisches Personal \u2013, zur Sch\u00f6pfung, zu sich selbst. Ist das m\u00f6glich? Ja, es ist m\u00f6glich, und wir alle sind aufgerufen, uns daf\u00fcr einzusetzen, dass es geschieht. Sehen wir auf das Vorbild des barmherzigen Samariters (vgl.\u00a0<i>Lk<\/i>\u00a010,25-37), auf seine F\u00e4higkeit, den Schritt zu verlangsamen und zum N\u00e4chsten zu werden, auf die G\u00fcte, mit der er die Wunden seines leidenden Bruders versorgt.<\/p>\n<p>Erinnern wir uns an diese zentrale Wahrheit unseres Lebens: Wir sind auf die Welt gekommen, weil uns jemand aufgenommen hat, wir sind f\u00fcr die Liebe geschaffen, wir sind zur Gemeinschaft und zur Geschwisterlichkeit berufen. Dieser Aspekt unseres Wesens tr\u00e4gt uns vor allem in Zeiten von Krankheit und Gebrechlichkeit, und er ist die erste Therapie, die wir alle gemeinsam anwenden m\u00fcssen, um die Krankheiten der Gesellschaft, in der wir leben, zu heilen.<\/p>\n<p>Euch, die ihr unter einer vor\u00fcbergehenden oder chronischen Krankheit leidet, m\u00f6chte ich sagen: Sch\u00e4mt euch nicht f\u00fcr euren Wunsch nach N\u00e4he und Zuwendung! Versteckt ihn nicht und denkt nie, dass ihr f\u00fcr die anderen eine Last seid. Der Krankenstand l\u00e4dt alle dazu ein, die \u00fcberdrehten Rhythmen, in denen wir uns befinden, zu z\u00fcgeln und wieder zu uns selbst zu finden.<\/p>\n<p>In dem Epochenwandel, in dem wir uns befinden, sind besonders wir Christen dazu aufgerufen, den barmherzigen Blick Jesu anzunehmen. K\u00fcmmern wir uns um diejenigen, die leiden und allein sind, vielleicht ausgegrenzt und beiseitegeschoben. Lasst uns die Wunden der Einsamkeit und Isolation mit jener wechselseitigen Liebe heilen, die Christus, der Herr, uns im Gebet schenkt, insbesondere in der Eucharistie. So arbeiten wir zusammen, um der Kultur des Individualismus, der Gleichg\u00fcltigkeit und des Wegwerfens entgegenzuwirken und die Kultur der Z\u00e4rtlichkeit und des Mitgef\u00fchls wachsen zu lassen.<\/p>\n<p>Die Kranken, die Schwachen, die Armen befinden sich im Herzen der Kirche und m\u00fcssen auch im Mittelpunkt unserer menschlichen Achtsamkeit und unserer seelsorglichen M\u00fchen stehen. Das d\u00fcrfen wir nicht vergessen! Vertrauen wir uns der allerseligsten Jungfrau Maria an, Heil der Kranken, damit sie f\u00fcr uns F\u00fcrsprache einlegt und uns hilft, N\u00e4he und geschwisterliche Beziehungen aufzubauen.<\/p>\n<p><i>Rom, Sankt Johannes im Lateran, 10. Januar 2024<\/i><\/p>\n<p>FRANZISKUS<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/sick\/documents\/20240110-giornata-malato.html\">www.vatican.va<\/a><\/p>\n<p>Foto: <a href=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/de\/papst\/news\/2021-01\/wortlaut-botschaft-von-papst-franziskus-zum-weltkrankentag-2021.html\">www.vaticannews.va\/de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Welttag der Kranken wurde1993, in der Katholischen Kirche, vom Hl. Vater, Papst Johannes Paul II. eingef\u00fchrt, als man 135 Jahre seit den Erscheinungen der Gottesmutter Maria in Lourdes feierte. Aus diesem Grunde begeht man den Tag der Kranken und Leidenden, j\u00e4hrlich, am 11. Feber. 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