{"id":63122,"date":"2024-04-17T11:44:19","date_gmt":"2024-04-17T08:44:19","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=63122"},"modified":"2024-04-17T11:44:51","modified_gmt":"2024-04-17T08:44:51","slug":"botschaft-von-papst-franziskus-zum-61-weltgebetstag-um-geistliche-berufungen-21-april-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/botschaft-von-papst-franziskus-zum-61-weltgebetstag-um-geistliche-berufungen-21-april-2024\/","title":{"rendered":"Botschaft von Papst Franziskus zum 61. Weltgebetstag um geistliche Berufungen &#8211; 21. April 2024"},"content":{"rendered":"<p><b><i>Berufen, Hoffnung zu s\u00e4en und Frieden zu schaffen<\/i><\/b><\/p>\n<p>Liebe Br\u00fcder und Schwestern!<br \/>\nDer Weltgebetstag um geistliche Berufungen l\u00e4dt uns jedes Jahr dazu ein, \u00fcber das kostbare Geschenk des Rufs nachzudenken, den der Herr an einen jeden von uns richtet, an sein gl\u00e4ubiges Volk, das sich auf dem Weg befindet, damit wir an seinem Plan der Liebe teilhaben und die Sch\u00f6nheit des Evangeliums in den verschiedenen Lebensst\u00e4nden Gestalt annehmen lassen k\u00f6nnen. Auf den g\u00f6ttlichen Ruf zu h\u00f6ren, ist keineswegs eine von au\u00dfen auferlegte Pflicht, vielleicht im Namen eines religi\u00f6sen Ideals, es ist vielmehr der sicherste Weg, den wir haben, um die Sehnsucht nach Gl\u00fcck zu n\u00e4hren, die wir in uns tragen: Unser Leben verwirklicht und erf\u00fcllt sich, wenn wir entdecken, wer wir sind, welches unsere St\u00e4rken sind, in welchem Bereich wir sie fruchtbar werden lassen k\u00f6nnen, welchen Weg wir gehen k\u00f6nnen, um in unserem jeweiligen Lebensumfeld ein Zeichen und ein Werkzeug der Liebe, der Gastfreundschaft, der Sch\u00f6nheit und des Friedens zu werden.<br \/>\nSo ist dieser Tag stets eine sch\u00f6ne Gelegenheit, sich vor dem Herrn mit Dankbarkeit an das treue, t\u00e4gliche und oft verborgene Engagement derjenigen zu erinnern, die eine Berufung angenommen haben, die ihr ganzes Leben einbezieht. Ich denke an die M\u00fctter und V\u00e4ter, die nicht in erster Linie auf sich selbst schauen und nicht dem Strom eines oberfl\u00e4chlichen Stils folgen, sondern ihr Leben darauf ausrichten, sich mit Liebe und Selbstlosigkeit um Beziehungen zu k\u00fcmmern, indem sie sich dem Geschenk des Lebens \u00f6ffnen und sich in den Dienst ihrer Kinder und deren Heranwachsens stellen. Ich denke an all diejenigen, die ihre Arbeit mit Hingabe und im Geiste der Zusammenarbeit verrichten; an diejenigen, die sich in verschiedenen Bereichen und auf unterschiedliche Weise f\u00fcr den Aufbau einer gerechteren Welt, einer solidarischeren Wirtschaft, einer faireren Politik und einer menschlicheren Gesellschaft einsetzen: an alle M\u00e4nner und Frauen guten Willens, die sich dem Gemeinwohl verschrieben haben. Ich denke an die Personen des geweihten Lebens, die ihr Leben dem Herrn in der Stille des Gebets wie auch im apostolischen Wirken hingeben, manchmal in Randgebieten und ohne sich zu schonen, indem sie ihr Charisma kreativ entfalten und es jenen zur Verf\u00fcgung stellen, denen sie begegnen. Und ich denke an diejenigen, die die Berufung zum Weihepriestertum angenommen haben und sich der Verk\u00fcndigung des Evangeliums widmen und ihr Leben zusammen mit dem eucharistischen Brot f\u00fcr ihre Br\u00fcder und Schwestern hingeben, indem sie Hoffnung s\u00e4en und allen die Sch\u00f6nheit des Reiches Gottes aufzeigen.<br \/>\nDen jungen Menschen, vor allem denjenigen, die der Kirche fernstehen oder Misstrauen gegen sie hegen, m\u00f6chte ich sagen: Lasst euch von Jesus faszinieren, stellt ihm durch die Seiten des Evangeliums eure wichtigen Fragen, lasst euch von seiner Gegenwart aufr\u00fctteln, die uns immer in wohltuender Weise in Frage stellt. Er respektiert unsere Freiheit mehr als jeder andere, er dr\u00e4ngt sich nicht auf, sondern bietet sich selbst an: Gebt ihm Raum und ihr werdet euer Gl\u00fcck darin finden, ihm zu folgen und, falls er euch darum bittet, euch ihm ganz hinzugeben.<\/p>\n<p><i>Ein Volk auf dem Weg<\/i><br \/>\nDie Vielstimmigkeit der Charismen und Berufungen, die die christliche Gemeinschaft anerkennt und unterst\u00fctzt, hilft uns, unsere Identit\u00e4t als Christen voll und ganz zu verstehen: Als Volk Gottes, das auf den Stra\u00dfen der Welt unterwegs ist, beseelt vom Heiligen Geist und als lebendige Steine in den Leib Christi eingef\u00fcgt, entdeckt sich ein jeder von uns als Mitglied einer gro\u00dfen Familie, als Kind des Vaters und als Bruder und Schwester unserer Mitmenschen. Wir sind keine in sich selbst verschlossene Einheiten, sondern Teile des Ganzen. Deshalb tr\u00e4gt der Weltgebetstag um geistliche Berufungen den Stempel der Synodalit\u00e4t: Es gibt viele Charismen und wir sind aufgerufen, einander zuzuh\u00f6ren und gemeinsam unterwegs zu sein, um sie zu entdecken und zu unterscheiden, wozu der Geist uns zum Wohle aller ruft.<br \/>\nIn diesem Augenblick der Geschichte f\u00fchrt uns der gemeinsame Weg ferner auf das Jubil\u00e4umsjahr 2025 hin. Gehen wir auf das Heilige Jahr als <i>Pilger der Hoffnung<\/i>\u00a0zu, damit wir \u2013 indem wir unsere eigene Berufung wiederentdecken und die verschiedenen Gaben des Geistes miteinander in Beziehung setzen \u2013 in der Welt Mittler und Zeugen des Traums Jesu sein k\u00f6nnen: eine einzige Familie zu bilden, die in der Liebe Gottes vereint und durch das Band der N\u00e4chstenliebe, des Teilens und der Geschwisterlichkeit verbunden ist.<br \/>\nDieser Tag ist insbesondere dem Gebet gewidmet, um vom Vater die Gabe geistlicher Berufungen f\u00fcr den Aufbau seines Reiches zu erbitten: \u00bbBittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter f\u00fcr seine Ernte auszusenden!\u00ab (<i>Lk<\/i>\u00a010,2). Und das Gebet \u2013 das wissen wir \u2013 besteht mehr aus Zuh\u00f6ren als aus an Gott gerichteten Worten. Der Herr spricht zu unserem Herzen und m\u00f6chte es offen, aufrichtig und gro\u00dfz\u00fcgig vorfinden. Sein Wort ist in Jesus Christus Fleisch geworden, der uns den ganzen Willen des Vaters offenbart und mitteilt. In diesem Jahr 2024, das eben dem Gebet zur Vorbereitung des Jubil\u00e4ums gewidmet ist, sind wir aufgerufen, das unsch\u00e4tzbare Geschenk wiederzuentdecken, mit dem Herrn von Herz zu Herz in Dialog treten zu k\u00f6nnen und so zu Pilgern der Hoffnung zu werden, denn \u00bbdas Gebet ist die erste Kraft der Hoffnung. Du betest, und die Hoffnung w\u00e4chst, sie geht voran. Ich w\u00fcrde sagen, dass das Gebet die T\u00fcr zur Hoffnung \u00f6ffnet. Die Hoffnung ist da, aber mit meinem Gebet \u00f6ffne ich die T\u00fcr.\u00ab (<i><a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/audiences\/2020\/documents\/papa-francesco_20200520_udienza-generale.html\">Katechese<\/a><\/i>, 20. Mai 2020).<\/p>\n<p><i>Pilger der Hoffnung und Friedensstifter<\/i><br \/>\nAber was bedeutet es, <i>Pilger zu sein<\/i>? Wer eine Pilgerreise unternimmt, sucht zuerst\u00a0<i>das Ziel<\/i>\u00a0zu kl\u00e4ren und tr\u00e4gt es immer im Kopf und im Herzen. Um jenes Ziel zu erreichen, muss man sich jedoch gleichzeitig auf\u00a0<i>die<\/i>\u00a0<i>gegenw\u00e4rtige Etappe<\/i>\u00a0konzentrieren. Um diese anzugehen, darf man nicht schwer beladen sein, muss sich von unn\u00f6tigen Lasten befreien, das Wesentliche mitnehmen und jeden Tag k\u00e4mpfen, damit M\u00fcdigkeit, Angst, Unsicherheit und Dunkelheit den begonnenen Weg nicht verstellen. Pilger zu sein bedeutet also, jeden Tag neu aufzubrechen,\u00a0<i>immer wieder neu anzufangen<\/i>, den Enthusiasmus und die Kraft wiederzuentdecken, die verschiedenen Etappen des Weges zur\u00fcckzulegen, die trotz der M\u00fcdigkeit und der Schwierigkeiten immer wieder neue Horizonte und unbekannte Ausblicke vor uns er\u00f6ffnen.<br \/>\nDer Sinn des christlichen Pilgerns ist eben dies: Wir befinden uns auf einem Weg, um Gottes Liebe zu entdecken und zugleich uns selbst zu entdecken, durch eine innere Reise, die aber immer durch die Vielfalt der Beziehungen angeregt wird. Wir sind also <i>Pilger, weil wir berufen sind<\/i>: berufen, Gott zu lieben und uns gegenseitig zu lieben. So endet unser Weg auf dieser Erde niemals in sinnloser M\u00fche oder ziellosem Umherirren. Indem wir unserer Berufung folgen, versuchen wir jeden Tag vielmehr die m\u00f6glichen Schritte auf eine neue Welt hin zu gehen, in der wir in Frieden, Gerechtigkeit und Liebe leben. Wir sind Pilger der Hoffnung, weil wir nach einer besseren Zukunft streben und uns bem\u00fchen, sie entlang des Weges aufzubauen.<br \/>\nDies ist letztlich das Ziel jeder Berufung: M\u00e4nner und Frauen der Hoffnung zu werden. Als Einzelne und als Gemeinschaft, in der Vielfalt der Charismen und der Dienste, sind wir alle aufgerufen, der Hoffnung des Evangeliums \u201eLeib und Herz zu geben\u201c in einer Welt, die von epochalen Herausforderungen gepr\u00e4gt ist: dem bedrohlichen Voranschreiten eines dritten Weltkriegs in St\u00fccken; den Scharen von Migranten, die auf der Suche nach einer besseren Zukunft aus ihren Heimatl\u00e4ndern fliehen; der st\u00e4ndig wachsenden Zahl von Armen; der Gefahr, das Wohlergehen unseres Planeten unwiderruflich zu beeintr\u00e4chtigen. Und zu all dem kommen noch die Schwierigkeiten hinzu, denen wir tagt\u00e4glich begegnen und die uns manchmal in Resignation oder Def\u00e4tismus zu st\u00fcrzen drohen.<br \/>\nIn dieser unserer Zeit ist es f\u00fcr uns Christen also entscheidend, einen hoffnungsvollen Blick zu pflegen, um entsprechend der uns anvertrauten Berufung im Dienst des Reiches Gottes, eines Reiches der Liebe, der Gerechtigkeit und des Friedens, fruchtbar arbeiten zu k\u00f6nnen. Diese Hoffnung \u2013 so versichert uns der heilige Paulus \u2013 \u00bbl\u00e4sst nicht zugrunde gehen\u00ab (<i>R\u00f6m<\/i>\u00a05,5), denn es handelt sich um das Versprechen, das unser Herr Jesus uns gegeben hat, immer bei uns zu bleiben und uns in das Erl\u00f6sungswerk einzubeziehen, das er im Herzen eines jeden Menschen und im \u201eHerzen\u201c der Sch\u00f6pfung vollenden will. Diese Hoffnung findet ihre treibende Mitte in der Auferstehung Christi, die \u00bbeine Lebenskraft [beinhaltet], die die Welt durchdrungen hat. Wo alles tot zu sein scheint, sprie\u00dfen wieder \u00fcberall Anzeichen der Auferstehung hervor. Es ist eine unvergleichliche Kraft. Es ist wahr, dass es oft so scheint, als existiere Gott nicht: Wir sehen Ungerechtigkeit, Bosheit, Gleichg\u00fcltigkeit und Grausamkeit, die nicht aufh\u00f6ren. Es ist aber auch gewiss, dass mitten in der Dunkelheit immer etwas Neues aufkeimt, das fr\u00fcher oder sp\u00e4ter Frucht bringt\u00ab (Apostolisches Schreiben\u00a0<i><a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/apost_exhortations\/documents\/papa-francesco_esortazione-ap_20131124_evangelii-gaudium.html#Das_geheimnisvolle_Wirken_des_Auferstandenen_und_seines_Geistes\">Evangelii gaudium<\/a><\/i>, 276). Auch der Apostel Paulus erkl\u00e4rt, dass wir \u00bbauf Hoffnung hin\u00ab gerettet sind (<i>R\u00f6m<\/i>\u00a08,24). Die zu Ostern vollbrachte Erl\u00f6sung schenkt Hoffnung, eine sichere, verl\u00e4ssliche Hoffnung, mit der wir die Herausforderungen der Gegenwart angehen k\u00f6nnen.<br \/>\nPilger der Hoffnung und Friedensstifter zu sein, bedeutet also, die eigene Existenz auf den Felsen der Auferstehung Christi zu gr\u00fcnden und zu wissen, dass keine unserer M\u00fchen vergeblich ist, die wir in der Berufung erbringen, die wir angenommen haben und fortf\u00fchren. Trotz Misserfolgen und Stillst\u00e4nden w\u00e4chst das Gute, das wir s\u00e4en, in aller Stille, und nichts kann uns von unserem letzten Ziel trennen: der Begegnung mit Christus und der Freude, auf ewig in Geschwisterlichkeit miteinander zu leben. Diese letztg\u00fcltige Berufung m\u00fcssen wir jeden Tag vorwegnehmen: Denn die Beziehung der Liebe zu Gott und zu unseren Br\u00fcdern und Schwestern beginnt schon jetzt, den Traum Gottes zu verwirklichen, den Traum von Einheit, Frieden und Geschwisterlichkeit. Niemand soll sich von diesem Ruf ausgeschlossen f\u00fchlen! Ein jeder von uns kann in seinem Umfeld, in seinem Lebensstand, mit der Hilfe des Heiligen Geistes ein S\u00e4mann der Hoffnung und des Friedens sein.<\/p>\n<p><i>Der Mut, sich einzubringen<\/i><br \/>\nAus all diesen Gr\u00fcnden sage ich noch einmal, wie beim Weltjugendtag in Lissabon: \u201e<i>Rise up!<\/i>\u00a0\u2013 Erhebt euch!\u201c Wachen wir aus dem Schlaf auf, kommen wir aus der Gleichg\u00fcltigkeit heraus, \u00f6ffnen wir die Gitter des Gef\u00e4ngnisses, in das wir uns manchmal eingeschlossen haben, damit ein jeder von uns seine Berufung in der Kirche und in der Welt entdecken und Pilger der Hoffnung und Friedensstifter werden kann! Lasst uns Leidenschaft f\u00fcr das Leben empfinden und uns f\u00fcr die liebevolle F\u00fcrsorge f\u00fcr die Menschen um uns herum und die Umwelt, in der wir leben, einsetzen. Ich wiederhole es: Habt den Mut, euch einzubringen! Don Oreste Benzi, ein unerm\u00fcdlicher Apostel der N\u00e4chstenliebe, der immer auf der Seite der Letzten und Wehrlosen stand, pflegte zu wiederholen, dass niemand so arm ist, als dass er nicht etwas zu geben h\u00e4tte, und niemand so reich ist, als dass er nicht etwas erhalten m\u00fcsste.<br \/>\nErheben wir uns also und machen wir uns auf den Weg als Pilger der Hoffnung, damit auch wir, wie es Maria der heiligen Elisabet gegen\u00fcber getan hat, die Freude verk\u00fcnden, neues Leben hervorbringen und Baumeister der Geschwisterlichkeit und des Friedens sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><i>Rom, Sankt Johannes im Lateran, 21. April 2024, Vierter Sonntag der Osterzeit.<\/i><\/p>\n<p>FRANZISKUS<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/vocations\/documents\/20240421-messaggio-61-gm-vocazioni.html\">www.vatican.va<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berufen, Hoffnung zu s\u00e4en und Frieden zu schaffen Liebe Br\u00fcder und Schwestern! 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