{"id":63534,"date":"2024-05-02T15:37:55","date_gmt":"2024-05-02T12:37:55","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=63534"},"modified":"2024-05-02T15:39:25","modified_gmt":"2024-05-02T12:39:25","slug":"brief-des-papst-an-die-pfarrer-fuer-die-synode","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/brief-des-papst-an-die-pfarrer-fuer-die-synode\/","title":{"rendered":"Brief des Heiligen Vaters, Papst Franziskus an die \u201ePfarrer f\u00fcr die Synode\u201c"},"content":{"rendered":"<p class=\"article__subTitle\">Wir dokumentieren hier den Wortlaut des Briefes von Papst Franzisus an die \u201ePfarrer f\u00fcr die Synode\u201c in einer offiziellen deutschen \u00dcbersetzung. Die rund 200 Priester hatten Anfang Mai in Sacrofano bei Rom an einem Treffen zur Vorbereitung der zweiten Sitzung der Weltsynode im Herbst teilgenommen.<\/p>\n<p><b><i>BRIEF DES HEILIGEN VATERS AN DIE PFARRER<\/i><\/b><\/p>\n<div class=\"article__text\">\n<p>Liebe Br\u00fcder Pfarrer!<br \/>\nDas internationale Treffen der \u201ePfarrer f\u00fcr die Synode\u201c und der Dialog mit denen, die daran teilgenommen haben, sind f\u00fcr mich Anlass, aller Pfarrer auf der Welt im Gebet zu gedenken, an die ich diese Worte mit gro\u00dfer Zuneigung richte.<br \/>\nEs ist so offensichtlich, dass es fast schon banal klingt, aber das macht es nicht weniger wahr: Die Kirche k\u00f6nnte ohne euer Engagement und euren Dienst nicht fortbestehen. Deshalb m\u00f6chte ich vor allem meine Dankbarkeit und Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr die gro\u00dfz\u00fcgige Arbeit zum Ausdruck bringen, die ihr jeden Tag leistet, indem ihr das Evangelium in alle m\u00f6glichen B\u00f6den s\u00e4t (vgl. <i>Mk<\/i>\u00a04,1-25).<br \/>\nWie ihr in diesen Tagen des Austauschs feststellen k\u00f6nnt, befinden sich die Gemeinden, in denen Ihr Euren Dienst verrichtet, in sehr unterschiedlichen Situationen: angefangen bei Gemeinden in der Peripherie von Megast\u00e4dten \u2013 ich habe sie in Buenos Aires unmittelbar kennengelernt \u2013 bis hin zu solchen, die so gro\u00df sind wie Provinzen in weniger dicht besiedelten Regionen; von Gemeinden in den urbanen Zentren vieler europ\u00e4ischer L\u00e4nder, in denen alte Basiliken immer kleinere und \u00e4ltere Gemeinden beherbergen, bis hin zu solchen, in denen man unter einem gro\u00dfen Baum feiert und sich der Gesang der V\u00f6gel mit den Stimmen der vielen Kinder vermischt.<br \/>\nDie Pfarrer wissen das alles sehr gut, sie kennen das Leben des Volkes Gottes von innen heraus, seine M\u00fchen und Freuden, seine Bed\u00fcrfnisse und Reicht\u00fcmer. Deshalb braucht eine synodale Kirche ihre Pfarrer: Ohne sie werden wir nie lernen k\u00f6nnen, gemeinsam unterwegs zu sein, wir werden nie in der Lage sein, den Weg der Synodalit\u00e4t einzuschlagen, der \u00bbdas [ist], was Gott sich von der Kirche des dritten Jahrtausends erwartet\u00ab<a href=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/de\/papst\/news\/2024-05\/wortlaut-brief-papst-franziskus-pfarrer-fuer-die-synode-deutsch.html#_ftn1\" target=\"_blank\" rel=\"external nofollow noopener\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>.<br \/>\nWir werden nie eine synodale missionarische Kirche werden, wenn die Pfarrgemeinden die Beteiligung aller Getauften an der einen Mission der Verk\u00fcndigung des Evangeliums nicht zum Kennzeichen ihres Lebens machen. Wenn die Pfarreien nicht synodal und missionarisch sind, wird es auch die Kirche nicht sein. Der <i>Synthese-Bericht<\/i>\u00a0der Ersten Sitzung der Sechzehnten Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode ist diesbez\u00fcglich sehr deutlich: Ausgehend von ihren Strukturen und der Organisation ihres Alltags, sind die Pfarreien aufgerufen, sich \u00bbin erster Linie im Dienst der Sendung [zu] verstehen, die die Gl\u00e4ubigen in der Gesellschaft, in der Familie und im Berufsleben aus\u00fcben, ohne sich ausschlie\u00dflich auf die Aktivit\u00e4ten zu konzentrieren, die in ihnen stattfinden, und auf ihre organisatorischen Bed\u00fcrfnisse\u00ab (8, l). Deshalb ist es notwendig, dass die Pfarrgemeinden immer mehr zu Orten werden, von denen die Getauften als missionarische J\u00fcngerinnen und J\u00fcnger ausziehen und zu denen sie voller Freude zur\u00fcckkehren, um von den Wundern zu erz\u00e4hlen, die der Herr durch ihr Zeugnis gewirkt hat (vgl.\u00a0<i>Lk<\/i>\u00a010,17).<br \/>\nAls Hirten sind wir gerufen, die Gemeinden, denen wir dienen, auf diesem Weg zu begleiten und uns zugleich mit Gebet, Unterscheidungsverm\u00f6gen und apostolischem Eifer darum zu bem\u00fchen, dass unser Dienst den Anforderungen einer synodalen missionarischen Kirche gerecht wird. Diese Herausforderung betrifft den Papst, die Bisch\u00f6fe und die R\u00f6mische Kurie, und sie betrifft auch euch Pfarrer. Er, der uns berufen und geweiht hat, l\u00e4dt uns heute ein, auf die Stimme seines Geistes zu h\u00f6ren und in die von ihm gewiesene Richtung zu gehen. In einem Punkt k\u00f6nnen wir sicher sein: Er wird es uns nicht an seiner Gnade fehlen lassen. Entlang des Weges werden wir auch entdecken, wie wir unseren Dienst von all dem befreien k\u00f6nnen, was ihn erm\u00fcdend macht, und wie wir seinen wahren Kern wiederentdecken k\u00f6nnen: Das Wort zu verk\u00fcnden und die die Gemeinde im Brechen des Brotes zu vereinen.<br \/>\nIch fordere euch daher auf, diesen Ruf des Herrn anzunehmen und als Pfarrer Bauleute einer synodalen missionarischen Kirche zu sein und euch mit Begeisterung f\u00fcr diesen Weg einzusetzen. Zu diesem Zweck m\u00f6chte ich drei Vorschl\u00e4ge machen, die f\u00fcr den Lebensstil und f\u00fcr das Handeln der Hirten inspirierend sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>1. Ich lade euch ein,\u00a0<i>euer spezifisches Charisma immer mehr im Dienst der vielf\u00e4ltigen Gaben zu leben, die der Heilige Geist im Volk Gottes verbreitet<\/i>. Es ist n\u00e4mlich dringend notwendig, \u00bbdie vielf\u00e4ltigen Charismen der Laien, schlichte wie bedeutendere, mit Glaubenssinn\u00ab aufzusp\u00fcren, zu best\u00e4rken und hervorzuheben (Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret\u00a0<i>Presbyterorum Ordinis<\/i>, 9), die f\u00fcr die Evangelisierung der Lebenswirklichkeit der Menschen unverzichtbar sind. Ich bin \u00fcberzeugt, dass ihr auf diese Weise viele verborgene Sch\u00e4tze zum Vorschein bringen und euch bei der gro\u00dfen Aufgabe der Evangelisierung weniger allein gelassen f\u00fchlen werdet, da ihr die Freude einer echten V\u00e4terlichkeit erlebt, die nicht den ersten Platz beansprucht, sondern in den anderen, M\u00e4nnern und Frauen, viel wertvolles Potenzial zutage f\u00f6rdert.<\/p>\n<p>2. Ich empfehle euch von ganzem Herzen,\u00a0<i>die Kunst der gemeinschaftlichen Unterscheidung zu erlernen und zu praktizieren<\/i>\u00a0und daf\u00fcr die Methode des \u201eGespr\u00e4chs im Heiligen Geist\u201c zu nutzen, die uns im Verlauf der Synode und bei der Durchf\u00fchrung der Vollversammlung selbst so hilfreich war. Ich bin sicher, dass ihr damit nicht nur in den Gemeinschaftsstrukturen, wie dem Pastoralrat der Pfarrei, sondern auch in zahlreichen anderen Bereichen viele Fr\u00fcchte ernten k\u00f6nnt. Wie der\u00a0<i>Synthese-Bericht<\/i>\u00a0in Erinnerung ruft, ist die Unterscheidung ein Schl\u00fcsselelement des pastoralen Wirkens einer synodalen Kirche: \u00bbEs ist wichtig, dass die Praxis der Unterscheidung auch im pastoralen Bereich in einer den jeweiligen Kontexten angemessenen Weise umgesetzt wird, um die Konkretheit des kirchlichen Lebens zu erhellen. Sie wird es erm\u00f6glichen, die in der Gemeinschaft vorhandenen Charismen besser zu erkennen, Aufgaben und \u00c4mter weise zu \u00fcbertragen und pastorale Wege im Licht des Geistes zu planen, die \u00fcber die blo\u00dfe Planung von Aktivit\u00e4ten hinausgehen\u00ab (2, l).<\/p>\n<p>3. Und schlie\u00dflich m\u00f6chte ich euch empfehlen,\u00a0<i>den Austausch und die Br\u00fcderlichkeit unter euch und mit euren Bisch\u00f6fen zur Grundlage von allem zu machen<\/i>. Dieses Anliegen wurde mit Nachdruck vertreten auf der Internationalen Konferenz f\u00fcr die Weiterbildung von Priestern zum Thema \u00bbEntfache die Gnade Gottes wieder, die dir [\u2026] zuteilgeworden ist\u00ab (<i>2 Tim<\/i>\u00a01,6), die im vergangenen Februar hier in Rom stattgefunden hat, mit \u00fcber achthundert Bisch\u00f6fen, Priestern, gottgeweihten M\u00e4nnern und Frauen, die in diesem Bereich t\u00e4tig sind und achtzig L\u00e4nder repr\u00e4sentiert haben. Wir k\u00f6nnen keine wahren V\u00e4ter sein, wenn wir nicht vor allem S\u00f6hne und Br\u00fcder sind. Und wir sind nicht in der Lage, Gemeinschaft und Beteiligung in den uns anvertrauten Gemeinden zu f\u00f6rdern, wenn wir sie nicht zuallererst unter uns selbst leben. Ich wei\u00df wohl, dass ein solches Engagement angesichts der vielen pastoralen Aufgaben als Zugabe oder gar als Zeitverschwendung erscheinen k\u00f6nnte, aber in Wirklichkeit ist das Gegenteil der Fall: Nur so sind wir glaubw\u00fcrdig und macht unser Tun nicht das zunichte, was andere bereits aufgebaut haben.<\/p>\n<p>Nicht nur die synodale missionarische Kirche braucht Pfarrer, sondern auch der besondere Weg der Synode 2021-2024, \u201eF\u00fcr eine synodale Kirche: Gemeinschaft, Teilhabe und Sendung\u201c, im Hinblick auf die Zweite Sitzung der XVI. Ordentlichen Bischofssynode, die im kommenden Oktober stattfinden wird. Um sie vorzubereiten, m\u00fcssen wir auf eure Stimme h\u00f6ren.<br \/>\nAus diesem Grund lade ich diejenigen, die am Internationalen Treffen der \u201ePfarrer f\u00fcr die Synode\u201c teilgenommen haben, ein, nach ihrer R\u00fcckkehr auch euch gegen\u00fcber, ihren Mitbr\u00fcdern, Missionare der Synodalit\u00e4t zu sein und die Reflexion \u00fcber die Erneuerung des Pfarrerdienstes in einem synodalen und missionarischen Sinne anzuregen und gleichzeitig dem Generalsekretariat der Synode zu erm\u00f6glichen, euren unersetzlichen Beitrag f\u00fcr das Verfassen des <i>Instrumentum laboris<\/i>\u00a0mitaufzunehmen. Den Pfarrern zuzuh\u00f6ren war das Ziel dieses Internationalen Treffens, aber das darf nicht heute enden: Wir haben es n\u00f6tig, auch weiterhin auf euch zu h\u00f6ren.<br \/>\nLiebe Br\u00fcder, ich bin an eurer Seite auf diesem Weg, den auch ich zu gehen versuche. Ich segne euch alle von Herzen und brauche auch meinerseits eure N\u00e4he und die Unterst\u00fctzung eures Gebets. Vertrauen wir uns der seligen Jungfrau Maria <i>Hodegetria<\/i>\u00a0an: Sie ist diejenige, die den Weg weist, diejenige, die zum Weg, zur Wahrheit und zum Leben f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Rom, Sankt Johannes im Lateran, 2. Mai 2024<\/p>\n<p>FRANZISKUS<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/de\/papst\/news\/2024-05\/wortlaut-brief-papst-franziskus-pfarrer-fuer-die-synode-deutsch.html#_ftnref1\" target=\"_blank\" rel=\"external nofollow noopener\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a>\u00a0<i>Ansprache von Papst Franziskus zur 50-Jahr-Feier der Errichtung der Bischofssynode<\/i>, 17. Oktober 2015.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/de\/papst\/news\/2024-05\/wortlaut-brief-papst-franziskus-pfarrer-fuer-die-synode-deutsch.html\">www.vaticannews.va\/de<\/a><\/p>\n<p>Foto:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/it\/vaticano\/news\/2024-02\/parrochi-incontro-mondiale-vaticano-ascolto-preghiera.html\">www.vaticannews.va<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir dokumentieren hier den Wortlaut des Briefes von Papst Franzisus an die \u201ePfarrer f\u00fcr die Synode\u201c in einer offiziellen deutschen \u00dcbersetzung. Die rund 200 Priester hatten Anfang Mai in Sacrofano bei Rom an einem Treffen zur Vorbereitung der zweiten Sitzung der Weltsynode im Herbst teilgenommen. BRIEF DES HEILIGEN VATERS AN DIE PFARRER Liebe Br\u00fcder Pfarrer! 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