{"id":63582,"date":"2024-05-05T12:34:51","date_gmt":"2024-05-05T09:34:51","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=63582"},"modified":"2024-05-05T13:06:58","modified_gmt":"2024-05-05T10:06:58","slug":"botschaft-des-heiligen-vaters-franziskus-zum-58-welttag-der-sozialen-kommunikationsmittel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/botschaft-des-heiligen-vaters-franziskus-zum-58-welttag-der-sozialen-kommunikationsmittel\/","title":{"rendered":"Botschaft des Heiligen Vaters Franziskus zum 58. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel"},"content":{"rendered":"<p><b><i>K\u00fcnstliche Intelligenz und Weisheit des Herzens: f\u00fcr eine wahrhaft menschliche Kommunikation<\/i><\/b><\/p>\n<p>Liebe Br\u00fcder und Schwestern!<br \/>\nDie Entwicklung von Systemen sogenannter \u201ek\u00fcnstlicher Intelligenz\u201c, \u00fcber die ich mich bereits in meiner j\u00fcngsten <i><a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/peace\/documents\/20231208-messaggio-57giornatamondiale-pace2024.html\">Botschaft zum Weltfriedenstag<\/a><\/i>\u00a0ge\u00e4u\u00dfert habe, ver\u00e4ndert die Information und Kommunikation und damit einige der Grundlagen des zivilen Zusammenlebens in radikaler Weise. Es handelt sich um einen Wandel, der alle betrifft, nicht nur Fachleute. Die beschleunigte Verbreitung wunderbarer Erfindungen, deren Funktionsweisen und Potenziale den meisten von uns verschlossen bleiben, l\u00f6st ein Erstaunen aus, das zwischen Begeisterung und Orientierungslosigkeit schwankt und uns unweigerlich mit grundlegenden Fragen konfrontiert: Was ist der Mensch, was ist seine Besonderheit, und wie sieht die Zukunft unserer Spezies\u00a0<i>homo sapiens<\/i>\u00a0im Zeitalter der k\u00fcnstlichen Intelligenz aus? Wie k\u00f6nnen wir wahrhaft Mensch bleiben und den stattfindenden kulturellen Wandel zum Guten lenken?<\/p>\n<p><b>Vom Herzen ausgehen<\/b><br \/>\nZun\u00e4chst einmal lohnt es sich, das Terrain von schwarzmalerischen Lesarten und ihren l\u00e4hmenden Auswirkungen zu r\u00e4umen. Romano Guardini, der sich bereits vor hundert Jahren Gedanken \u00fcber die Technik und den Menschen machte, rief dazu auf, sich nicht gegen das \u201eNeue\u201c zu versteifen, in dem Bem\u00fchen, \u00bbeine sch\u00f6ne Welt zu bewahren [\u2026], die untergehen muss\u00ab. Zugleich warnte er aber auch eindringlich und prophetisch: \u00bbUnser Platz ist im Werdenden. Wir sollen uns hineinstellen, jeder an seinem Ort,[&#8230;] ehrlich unser Ja dazu sprechen; doch zugleich mit unbestechlichem Herzen f\u00fchlend bleiben f\u00fcr alles, was darin zerst\u00f6rend, unmenschlich ist\u00ab. Und er schloss mit den Worten: \u00bbWohl handelt es sich um technische, wissenschaftliche, politische Aufgaben; die aber sind nur vom Menschen her zu l\u00f6sen. Ein neues Menschentum muss erwachen, von tieferer Geistigkeit, neuer Freiheit und Innerlichkeit\u00ab <a class=\" cleaner\" href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/communications\/documents\/20240124-messaggio-comunicazioni-sociali.html#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>.<br \/>\nIn diesem Zeitalter, das in der Gefahr steht, reich an Technik und arm an Menschlichkeit zu sein, muss unser Nachdenken vom menschlichen Herzen ausgehen <a class=\" cleaner\" href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/communications\/documents\/20240124-messaggio-comunicazioni-sociali.html#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>. Nur wenn wir eine geistliche Sichtweise einnehmen, nur wenn wir wieder eine Herzensweisheit erlangen, k\u00f6nnen wir die Neuerungen unserer Zeit deuten und interpretieren und den Weg zu einer wahrhaft menschlichen Kommunikation wiederentdecken. Das Herz, biblisch verstanden als Sitz der Freiheit und der wichtigsten Lebensentscheidungen, ist ein Symbol der Ganzheit, der Einheit, aber es hat auch mit Gef\u00fchlen, W\u00fcnschen und Tr\u00e4umen zu tun; vor allem ist es ein innerer Ort der Gottesbegegnung. Die Herzensweisheit ist also jene Tugend, die es uns erm\u00f6glicht, das Ganze und die Teile, die Entscheidungen und ihre Folgen, die St\u00e4rken und die Schw\u00e4chen, die Vergangenheit und die Zukunft, das Ich und das Wir miteinander zu verbinden.<br \/>\nDiese Weisheit des Herzens l\u00e4sst sich von denen finden, die sie suchen, und sie l\u00e4sst sich von denen erblicken, die sie lieben; sie kommt denen zuvor, die nach ihr verlangen, und sie geht auf die Suche nach denen, die ihrer w\u00fcrdig sind (vgl. <i>Weish<\/i>\u00a06,12-16). Sie ist bei denen, die sich beraten lassen (vgl.\u00a0<i>Spr<\/i>\u00a013,10), bei denen, die ein f\u00fcgsames Herz, ein h\u00f6rendes Herz haben (vgl.\u00a0<i>1 K\u00f6n<\/i>\u00a03,9). Sie ist eine Gabe des Heiligen Geistes, die es erm\u00f6glicht, die Dinge mit den Augen Gottes zu sehen, die Zusammenh\u00e4nge, Situationen, Ereignisse zu verstehen und ihre Bedeutung zu entdecken. Ohne diese Weisheit wird das Leben fade, denn es ist gerade die Weisheit \u2013 deren lateinische Wortwurzel\u00a0<i>sapere<\/i>\u00a0sie mit\u00a0<i>sapor<\/i>\u00a0(Geschmack) verbindet \u2013 die dem Leben Geschmack verleiht.<\/p>\n<p><b>Chancen und Gefahren<\/b><br \/>\nWir k\u00f6nnen diese Weisheit nicht von Maschinen erwarten. Auch wenn der Begriff <i>k\u00fcnstliche Intelligenz<\/i>\u00a0inzwischen den korrekteren, in der wissenschaftlichen Literatur verwendeten Begriff\u00a0<i>maschinelles Lernen<\/i>\u00a0verdr\u00e4ngt hat, ist allein schon die Verwendung des Wortes \u201eIntelligenz\u201c irref\u00fchrend. Maschinen verf\u00fcgen sicherlich \u00fcber eine unermesslich gr\u00f6\u00dfere F\u00e4higkeit als der Mensch, Daten zu speichern und sie untereinander in Beziehung zu setzen, aber es ist kommt dem Menschen zu, und nur ihm, deren Sinn zu verstehen. Es geht also nicht darum von Maschinen zu verlangen, menschlich zu wirken. Es geht vielmehr darum, den Menschen aus der Hypnose zu wecken, in die er aufgrund seines Allmachtswahns verf\u00e4llt, indem er sich f\u00fcr ein v\u00f6llig autonomes und selbstbez\u00fcgliches Subjekt h\u00e4lt, das von allen sozialen Bindungen losgel\u00f6st ist und seine Gesch\u00f6pflichkeit vergessen hat.<br \/>\nIn Wirklichkeit macht der Mensch seit jeher die Erfahrung, dass er sich selbst nicht gen\u00fcgt und er versucht, seine Verwundbarkeit mit allen Mitteln zu \u00fcberwinden. Bei den fr\u00fchesten pr\u00e4historischen Artefakten angefangen, die als Verl\u00e4ngerung der Arme benutzt wurden, \u00fcber die Medien, die als Erweiterung des Sprechens eingesetzt werden, sind wir heute bei den ausgefeiltesten Maschinen angelangt, die als Hilfsmittel f\u00fcr das Denken dienen. Jede dieser Wirklichkeiten kann jedoch durch die Urversuchung vergiftet werden, <i>ohne<\/i>\u00a0Gott\u00a0<i>wie<\/i>\u00a0Gott zu werden (vgl.\u00a0<i>Gen<\/i>\u00a03), d.h. aus eigener Kraft das erobern zu wollen, was eigentlich als Geschenk Gottes angenommen und in der Beziehung zu anderen gelebt werden sollte.<br \/>\nJe nach Ausrichtung des Herzens wird alles, was sich in den H\u00e4nden des Menschen befindet, zur Chance oder zur Gefahr. Selbst sein K\u00f6rper, der als Ort der Kommunikation und Gemeinschaft geschaffen wurde, kann zu einem Mittel der Aggression werden. Ebenso kann jede technische Erweiterung des Menschen ein Werkzeug liebevollen Dienstes oder feindlicher Beherrschung sein. Die Systeme k\u00fcnstlicher Intelligenz k\u00f6nnen zur Befreiung von der Unwissenheit beitragen und den Informationsaustausch zwischen verschiedenen V\u00f6lkern und Generationen erleichtern. Sie k\u00f6nnen zum Beispiel eine enorme F\u00fclle von Wissen, das in vergangenen Zeiten aufgeschrieben wurde, zug\u00e4nglich und verst\u00e4ndlich machen oder Menschen in ihnen unbekannten Sprachen kommunizieren lassen. Aber sie k\u00f6nnen zugleich auch Instrument \u201ekognitiver Verschmutzung\u201c sein, einer Verzerrung der Wirklichkeit durch teilweise oder g\u00e4nzlich falsche Narrative, die dennoch geglaubt \u2013 und verbreitet \u2013 werden, als ob sie wahr w\u00e4ren. Es gen\u00fcgt, an das Problem der Desinformation zu denken, mit der wir seit Jahren in Form von <i>Fake News<\/i>\u00a0<a class=\" cleaner\" href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/communications\/documents\/20240124-messaggio-comunicazioni-sociali.html#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>\u00a0zu tun haben und die sich heute des\u00a0<i>Deep Fake<\/i>\u00a0bedient, d.h. der Erstellung und Verbreitung von Bildern, die vollkommen echt wirken, aber falsch sind (auch ich war davon schon betroffen), oder auch von Audiobotschaften, die die Stimme einer Person verwenden, um Dinge zu sagen, die dieselbe niemals gesprochen hat. Die Simulation, die diesen Programmen zugrunde liegt, kann in einigen speziellen Bereichen n\u00fctzlich sein, aber sie wird dort abartig, wo sie die Beziehung zu den anderen und zur Wirklichkeit verdreht.<br \/>\nDie erste Welle der k\u00fcnstlichen Intelligenz, die der sozialen Medien, haben wir bereits in ihrer Ambivalenz verstanden, indem wir neben ihren Chancen auch ihre Risiken und Pathologien hautnah erlebt haben. Die zweite Stufe generativer k\u00fcnstlicher Intelligenz markiert einen unbestreitbaren qualitativen Sprung. Es ist daher wichtig, die M\u00f6glichkeit zu haben, die Instrumente zu verstehen, zu begreifen und zu regulieren, die in den falschen H\u00e4nden zu negativen Szenarien f\u00fchren k\u00f6nnen. Wie alles andere, das aus dem Geist und den H\u00e4nden des Menschen hervorgegangen ist, sind auch Algorithmen nicht neutral. Daher ist es notwendig, pr\u00e4ventiv zu handeln und M\u00f6glichkeiten f\u00fcr eine ethische Regulierung vorzuschlagen, um die sch\u00e4dlichen und diskriminierenden oder sozial ungerechten Auswirkungen von Systemen k\u00fcnstlicher Intelligenz einzud\u00e4mmen und um zu verhindern, dass sie zur Verringerung von Pluralismus, zur Polarisierung der \u00f6ffentlichen Meinung oder zur Herausbildung eines Einheitsdenkens eingesetzt werden. Ich erneuere daher meinen Appell und fordere \u00bbdie V\u00f6lkergemeinschaft auf, gemeinsam daran zu arbeiten, einen verbindlichen internationalen Vertrag zu schlie\u00dfen, der die Entwicklung und den Einsatz von k\u00fcnstlicher Intelligenz in ihren vielf\u00e4ltigen Formen regelt\u00ab <a class=\" cleaner\" href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/communications\/documents\/20240124-messaggio-comunicazioni-sociali.html#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a>. Doch wie in jedem Lebensbereich reicht eine Reglementierung nicht aus.<\/p>\n<p><b>In der Menschlichkeit wachsen<\/b><br \/>\nWir sind aufgerufen, gemeinsam zu wachsen, in der Menschlichkeit und als Menschheit. Die Herausforderung, vor der wir stehen, liegt darin, einen qualitativen Sprung zu machen, um einer komplexen, multiethnischen, pluralistischen, multireligi\u00f6sen und multikulturellen Gesellschaft gerecht zu werden. Es ist unsere Aufgabe, uns \u00fcber die theoretische Entwicklung und den praktischen Gebrauch dieser neuen Instrumente der Kommunikation und der Erkenntnis Gedanken zu machen. Gro\u00dfe Chancen auf Gutes gehen mit dem Risiko einher, dass sich alles in ein abstraktes Kalk\u00fcl verwandelt, das die Menschen auf Daten reduziert, das Denken auf ein Schema, die Erfahrung auf einen Einzelfall, das Gute auf den Profit und vor allem, dass am Ende die Einzigartigkeit eines jeden Menschen und seiner Geschichte geleugnet wird und sich die Konkretheit der Wirklichkeit in eine Reihe statistischer Daten aufl\u00f6st.<br \/>\nDie digitale Revolution kann uns freier machen, aber sicher nicht, wenn sie uns in Modelle einsperrt, die heute als Echokammern bekannt sind. In solchen F\u00e4llen besteht die Gefahr, sich in einem anonymen Sumpf zu verlieren und die Interessen des Marktes oder der Macht zu bedienen, statt den Informationspluralismus zu steigern. Es ist nicht hinnehmbar, dass der Gebrauch k\u00fcnstlicher Intelligenz zu einem anonymen Denken, zu einer Zusammensetzung von unbest\u00e4tigten Daten und zu einer kollektiven redaktionellen Verantwortungslosigkeit f\u00fchrt. Die Abbildung der Wirklichkeit in <i>Big Data<\/i>, so zweckm\u00e4\u00dfig sie f\u00fcr den Gebrauch von Maschinen auch sein mag, impliziert n\u00e4mlich einen erheblichen Verlust hinsichtlich der Wahrheit der Dinge, was die zwischenmenschliche Kommunikation behindert und unsere Menschlichkeit selbst zu beeintr\u00e4chtigen droht. Information kann nicht von lebendiger Beziehung getrennt werden: Sie umfasst den K\u00f6rper, das Stehen in der Wirklichkeit; sie verlangt, nicht nur Daten, sondern auch Erfahrungen miteinander in Beziehung zu setzen; sie erfordert das Gesicht, den Blick, das Mitgef\u00fchl und den Austausch.<br \/>\nIch denke an die Berichterstattung \u00fcber Kriege und an jenen \u201eParallelkrieg\u201c, der durch Desinformationskampagnen gef\u00fchrt wird. Und ich denke daran, wie viele Reporter vor Ort verletzt werden oder sterben, damit wir sehen k\u00f6nnen, was ihre Augen gesehen haben. Denn nur, wenn wir das Leiden von Kindern, Frauen und M\u00e4nnern hautnah erleben, k\u00f6nnen wir die Absurdit\u00e4t von Kriegen verstehen.<br \/>\nDie Nutzung k\u00fcnstlicher Intelligenz wird einen positiven Beitrag im Bereich der Kommunikation leisten k\u00f6nnen, wenn sie die Rolle des Journalismus vor Ort nicht beseitigt, sondern ihn unterst\u00fctzt; wenn sie die Professionalit\u00e4t der Kommunikation zur Geltung kommen l\u00e4sst und jeden Kommunikator in die Verantwortung nimmt; wenn sie jedem Menschen wieder die Rolle eines kritikf\u00e4higen Subjekts der Kommunikation zur\u00fcckgibt.<\/p>\n<p><b>Fragen f\u00fcr Heute und Morgen<\/b><br \/>\nEs stellen sich daher spontan einige Fragen: Wie k\u00f6nnen die Professionalit\u00e4t und die W\u00fcrde der Besch\u00e4ftigten im Bereich der Kommunikation und Information sowie die der Nutzer weltweit gesch\u00fctzt werden? Wie kann die Interoperabilit\u00e4t der Plattformen gew\u00e4hrleistet werden? Wie kann sichergestellt werden, dass die Unternehmen, die digitale Plattformen entwickeln, ebenso Verantwortung f\u00fcr das \u00fcbernehmen, was sie verbreiten und wovon sie profitieren, wie die Anbieter von traditionellen Medien? Wie k\u00f6nnen die Kriterien transparenter gemacht werden, die hinter den Algorithmen zur Indizierung und De-Indizierung sowie f\u00fcr Suchmaschinen stehen, welche in der Lage sind, Menschen und Meinungen, Geschichten und Kulturen zu verherrlichen oder auszul\u00f6schen? Wie l\u00e4sst sich die Transparenz von Informationsprozessen gew\u00e4hrleisten? Wie kann man die Urheberschaft von Schriften ersichtlich und die Quellen nachvollziehbar machen, um einen Schirm der Anonymit\u00e4t zu verhindern? Wie kann offenkundig werden, ob ein Bild oder ein Video ein Ereignis abbildet oder es simuliert? Wie kann man vermeiden, dass sich Quellen auf eine einzige reduzieren, auf ein einziges, algorithmisch erzeugtes Denken? Und wie kann stattdessen ein Umfeld gef\u00f6rdert werden, das geeignet ist, den Pluralismus zu wahren und die Komplexit\u00e4t der Wirklichkeit darzustellen? Wie k\u00f6nnen wir dieses leistungsstarke, teure und extrem energieintensive Instrument nachhaltig werden lassen? Wie k\u00f6nnen wir es auch f\u00fcr Entwicklungsl\u00e4nder zug\u00e4nglich machen?<br \/>\nAnhand der Antworten auf diese und andere Fragen werden wir verstehen, ob k\u00fcnstliche Intelligenz am Ende neue, auf Informationsdominanz basierende Kasten hervorbringen wird und neue Formen der Ausbeutung und Ungleichheit schafft oder ob sie im Gegenteil mehr Gleichheit mit sich bringt, indem sie korrekte Information und ein gr\u00f6\u00dferes Bewusstsein f\u00fcr den Zeitenwandel, den wir durchlaufen, f\u00f6rdert sowie das H\u00f6ren auf die vielf\u00e4ltigen Bed\u00fcrfnisse von Menschen und V\u00f6lkern in einem artikulierten und pluralistischen Informationssystem beg\u00fcnstigt. Auf der einen Seite zeichnet sich das Gespenst einer neuen Sklaverei ab, auf der anderen Seite ein Zugewinn an Freiheit; einerseits die M\u00f6glichkeit, dass einige wenige das Denken aller bestimmen, andererseits die Chance, dass alle an der Entwicklung des Denkens mitwirken.<br \/>\nDie Antwort steht nicht fest, sie h\u00e4ngt von uns ab. Es liegt am Menschen zu entscheiden, ob er zum Futter f\u00fcr Algorithmen wird oder ob er sein Herz mit Freiheit n\u00e4hrt, das Herz, ohne das wir nicht in der Weisheit wachsen k\u00f6nnen. Diese Weisheit reift, indem man aus der Geschichte lernt und die Verletzlichkeit akzeptiert. Sie w\u00e4chst im B\u00fcndnis der Generationen, zwischen denen, die sich an das Vergangene erinnern und denen, die Zukunftsvisionen hegen. Nur in Gemeinschaft w\u00e4chst die F\u00e4higkeit, zu unterscheiden, wachsam zu sein und die Dinge von ihrer Erf\u00fcllung her zu sehen. Lasst uns \u2013 damit wir unsere Menschlichkeit nicht verlieren \u2013 die Weisheit suchen, die fr\u00fcher als alles erschaffen wurde (vgl. <i>Sir<\/i>\u00a01,4), die Gottesfreunde und Propheten schafft, indem sie in reine Seelen eintritt (vgl.\u00a0<i>Weish<\/i>\u00a07,27): Sie wird uns helfen, auch die Systeme k\u00fcnstlicher Intelligenz auf eine wahrhaft menschliche Kommunikation hin auszurichten.<\/p>\n<p><i>Rom, Sankt Johannes im Lateran, 24. Januar 2024<\/i><\/p>\n<p>FRANZISKUS<\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<p><a class=\" cleaner\" href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/communications\/documents\/20240124-messaggio-comunicazioni-sociali.html#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a>\u00a0\u00a0<i>Briefe vom Comer See<\/i>, Berlin 1927, 93-96.<\/p>\n<p><a class=\" cleaner\" href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/communications\/documents\/20240124-messaggio-comunicazioni-sociali.html#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a>\u00a0Als Fortsetzung zu den\u00a0<a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/communications.index.html\">Botschaften der vorangegangenen Welttage der sozialen Kommunikationsmittel<\/a>, die sich den Aspekte widmeten,\u00a0<i><a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/communications\/documents\/papa-francesco_20210123_messaggio-comunicazioni-sociali.html\">den Menschen zu begegnen, wo und wie sie sind<\/a><\/i>\u00a0(2021),\u00a0<i><a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/communications\/documents\/20220124-messaggio-comunicazioni-sociali.html\">mit dem Ohr des Herzens zu h\u00f6ren<\/a><\/i>\u00a0(2022) und\u00a0<i><a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/communications\/documents\/20230124-messaggio-comunicazioni-sociali.html\">mit dem Herzen zu sprechen<\/a><\/i>\u00a0(2023).<\/p>\n<p><a class=\" cleaner\" href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/communications\/documents\/20240124-messaggio-comunicazioni-sociali.html#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a>\u00a0Vgl\u00a0<a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/communications\/documents\/papa-francesco_20180124_messaggio-comunicazioni-sociali.html\"><i>\u00bbDie Wahrheit wird euch befreien\u00ab (Joh 8,32). Fake News und Journalismus f\u00fcr den Frieden. Botschaft zum 52. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel<\/i>, 2018<\/a>.<\/p>\n<p><a class=\" cleaner\" href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/communications\/documents\/20240124-messaggio-comunicazioni-sociali.html#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a>\u00a0\u00a0<i><a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/peace\/documents\/20231208-messaggio-57giornatamondiale-pace2024.html\">Botschaft zum 57. Weltfriedenstag<\/a><\/i>, 1. Januar 2024, 8.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/communications\/documents\/20240124-messaggio-comunicazioni-sociali.html\">www.vatican.va<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00fcnstliche Intelligenz und Weisheit des Herzens: f\u00fcr eine wahrhaft menschliche Kommunikation Liebe Br\u00fcder und Schwestern! 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