{"id":65623,"date":"2024-07-09T14:58:12","date_gmt":"2024-07-09T11:58:12","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=65623"},"modified":"2024-07-09T14:58:49","modified_gmt":"2024-07-09T11:58:49","slug":"weltsynode-das-steht-im-neuen-grundlagentext","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/weltsynode-das-steht-im-neuen-grundlagentext\/","title":{"rendered":"Weltsynode: Das steht im neuen Grundlagentext"},"content":{"rendered":"<p class=\"article__subTitle\">Der Vatikan hat an diesem Dienstag den Grundlagentext f\u00fcr die zweite Vollversammlung (im Vatikansprech: f\u00fcr die XVI. Ordentliche Generalversammlung) der katholischen Weltsynode ver\u00f6ffentlicht. Sie findet vom 2. bis 27. Oktober im Vatikan statt. Eine \u00dcbersicht \u00fcber den Inhalt.<br \/>\n<b><i><br \/>\nIsabella Piro \u2013 Vatikanstadt<\/i><\/b><\/p>\n<div class=\"article__text\">\n<p>Wie kommen wir zu einer missionarischen, synodalen Kirche? Dies ist die grundlegende Frage, von der das \u201eInstrumentum laboris\u201c (IL) f\u00fcr die n\u00e4chste Sitzung der Bischofssynode ausgeht. Diese Sitzung folgt auf die erste, die im Oktober 2023 in der vatikanischen Audienzhalle zusammengetreten war. Das Dokument referiert die Ergebnisse des letzten Jahres und f\u00fchrt sie mit den Ergebnissen anderer Treffen zusammen, etwa dem internationalen Treffen der Pfarrer (das vom 29. April bis zum 2. Mai im Vatikan stattfand) und den Beratungen von zehn Studiengruppen, die im Auftrag des Papstes einige Themen der Synode von 2023 vertieft haben.<br \/>\nDas an diesem Dienstag, 9. Juli, ver\u00f6ffentlichte IL will keine vorgefertigten Antworten bieten, sondern \u201eHinweise und Vorschl\u00e4ge\u201c, wie die Kirche als Ganzes sich in eine synodal-missionarische Richtung entwickeln kann. Das Ziel: Die Kirche soll n\u00e4her bei den Menschen und weniger b\u00fcrokratisch sein, und alle Getauften sollen sich \u2013 in verschiedenen \u00c4mtern und Rollen \u2013 mitverantwortlich f\u00fchlen f\u00fcr das Leben der Kirche.<\/p>\n<p><strong>Die f\u00fcnf Teile des Dokuments<\/strong><br \/>\nDas Dokument gliedert sich in f\u00fcnf Abschnitte: Einleitung, Grundlagen und drei zentrale Teile. Die Einleitung erinnert an den bisher zur\u00fcckgelegten Weg. Dabei hebt sie das bereits Erreichte hervor, etwa die immer weiter verbreitete Anwendung der synodalen Methodik. Im Kapitel \u201eGrundlagen\u201c (Nr. 1-18) geht es dann vor allem um das Verst\u00e4ndnis von Synodalit\u00e4t als Weg der Umkehr und Reform. In einer von Spaltungen und Konflikten zerrissenen Welt sei die Kirche aufgerufen, ein Zeichen der Einheit und ein offenes Ohr f\u00fcr alle zu sein, insbesondere f\u00fcr die Armen und Ausgegrenzten. Synodalit\u00e4t solle \u201ein keiner Weise eine Abwertung der besonderen Autorit\u00e4t und der spezifischen Aufgabe bedeuten, die Christus selbst den Hirten anvertraut hat&#8220; (Nr. 8); sie sei auch kein \u201eSelbstzweck\u201c und m\u00fcsse in enger Verbindung mit der Mission gesehen werden (Nr. 9).<\/p>\n<p><strong>Die Wertsch\u00e4tzung der Frauen in der Kirche<\/strong><br \/>\nDie \u201eGrundlagen\u201c geben auch der Reflexion \u00fcber die Rolle der Frauen in allen Bereichen des kirchlichen Lebens breiten Raum (Nr. 13-18) und streichen die Notwendigkeit heraus, \u201eihre Charismen und ihre Berufung st\u00e4rker zu w\u00fcrdigen\u201c. Gott habe Frauen zu den ersten Zeuginnen und Verk\u00fcnderinnen der Auferstehung auserw\u00e4hlt; kraft der Taufe bef\u00e4nden sie sich innerhalb der kirchlichen Gemeinschaft \u201ein einem Zustand v\u00f6lliger Gleichheit, empfangen die gleiche Ausgie\u00dfung der Gaben des Geistes und sind zur Mitwirkung an der Sendung Christi berufen\u201c. Die erste Ver\u00e4nderung, die vorgenommen werden m\u00fcsse, sei die der Mentalit\u00e4t: Der Grundlagentext ruft nach einer \u201eUmkehr hin zu einer Vision der Beziehung, der gegenseitigen Abh\u00e4ngigkeit und der Komplementarit\u00e4t zwischen Frauen und M\u00e4nnern, die Schwestern und Br\u00fcder in Christus sind, im Hinblick auf die gemeinsame Sendung\u201c.<\/p>\n<p><strong>Teilhabe und Verantwortung von Frauen<\/strong><br \/>\nIn einigen Kulturen, so f\u00e4hrt das IL fort, \u201eist der m\u00e4nnliche Chauvinismus nach wie vor stark pr\u00e4sent\u201c; aus diesem Grund sei die zweite Synodensitzung zu einer \u201ebreiteren Beteiligung von Frauen an den kirchlichen Entscheidungsprozessen und in allen Phasen der Entscheidungsfindung\u201c aufgefordert. Au\u00dferdem brauche es \u201eeinen breiteren Zugang zu verantwortlichen Positionen in den Di\u00f6zesen und kirchlichen Einrichtungen\u201c sowie in Seminaren, Instituten, theologischen Fakult\u00e4ten und in der Rolle des Richters in kanonischen Verfahren. Die Vorschl\u00e4ge betreffen auch die geweihten Frauen, f\u00fcr die man sich eine \u201est\u00e4rkere Anerkennung und entschiedenere Unterst\u00fctzung\u201c ihrer Lebensform und ihrer Charismen sowie \u201eihre Besch\u00e4ftigung in verantwortlichen Positionen\u201c w\u00fcnscht.<\/p>\n<p><strong>Nachdenken \u00fcber weiblichen Diakonat geht weiter<\/strong><br \/>\nWas eine Zulassung von Frauen zum Diakonat betrifft, so berichtet das IL, dass sie von \u201eeinigen Ortskirchen\u201c gefordert werde, w\u00e4hrend andere \u201eihre Ablehnung bekr\u00e4ftigen\u201c (Nr. 17). Das Thema werde nicht Gegenstand der Arbeit im kommenden Oktober sein; dennoch sei es richtig, dass die theologische Reflexion weitergeht\u201c. Jedenfalls werde in allen \u00dcberlegungen zur Rolle der Frau \u201eder Wunsch nach einer St\u00e4rkung aller von den Laien ausge\u00fcbten \u00c4mter hervorgehoben\u201c; gefordert werde au\u00dferdem, dass sie \u201ebei entsprechender Ausbildung auch an der Verk\u00fcndigung des Wortes Gottes und an der Feier der Eucharistie mitwirken k\u00f6nnen\u201c, (Nr. 18), hei\u00dft es im Grundlagen-Dokument.<\/p>\n<p><strong>Teil I &#8211; Beziehungen zu Gott, zu den Br\u00fcdern und Schwestern und unter den Ortskirchen<\/strong><br \/>\nNach der \u201eEinleitung\u201c und den \u201eGrundlagen\u201c geht das IL auf die Beziehungen zu Gott, zu den Br\u00fcdern und Schwestern und unter den einzelnen Ortskirchen ein (Nr. 22-50). Charismen, \u00c4mter und gottgeweihte Personen seien unverzichtbar. Aus den Ortskirchen werde die Stimme junger Menschen laut: Sie forderten eine Kirche, welche weder aus Strukturen noch aus B\u00fcrokratie bestehe, sondern auf Beziehungen beruhe, die Dynamik hervorbr\u00e4chten. Daher solle die Versammlung im Oktober \u00fcber den Vorschlag nachdenken, neue Dienste wie den des \u201eZuh\u00f6rens und Begleitens\u201c einzuf\u00fchren. \u201eWir brauchen eine &#8218;offene T\u00fcr&#8216; der Gemeinschaft, durch die die Menschen eintreten k\u00f6nnen, ohne sich bedroht oder verurteilt zu f\u00fchlen\u201c (Nr. 34).<\/p>\n<p><strong>Teil II &#8211; Ausbildungswege und gemeinschaftliche Unterscheidung<\/strong><br \/>\nAllerdings gebe es \u201ekeine Sendung ohne Kontext, keine Kirche ohne konkrete \u00f6rtliche Verwurzelung\u201c (Nr. 53) \u2013 darum m\u00fcssten diese neuen Dienste auf angemessene und kontextualisierte Weise entwickelt werden (Nr. 51-79). Besonders wichtig dabei: die Ausbildung und die \u201egemeinschaftliche Unterscheidung\u201c. Sie soll die Kirchen in die Lage versetzen, angemessene Entscheidungen zu treffen \u2013 unter Mitverantwortung und Beteiligung m\u00f6glichst aller. \u201eAlle, die Schwachen und die Starken, die Kinder, die Jungen und die Alten, haben viel zu empfangen und viel zu geben\u201c (Nr. 55).<\/p>\n<p><strong>Die Bedeutung der Rechenschaftspflicht<\/strong><br \/>\nDas IL kommt auch auf das heikle Thema der Rechenschaftspflicht zu sprechen: Wer in der Kirche Verantwortung trage, m\u00fcsse in transparenter Weise Rechenschaft \u00fcber sein Handeln zum Wohl und zur Sendung der Kirche ablegen. \u201eEine synodale Kirche braucht eine Kultur und Praxis der Transparenz und der Rechenschaftspflicht\u201c, hei\u00dft es im IL. \u201eDas ist unerl\u00e4sslich, um das gegenseitige Vertrauen zu f\u00f6rdern, welches notwendig ist, um gemeinsam voranzugehen und Mitverantwortung f\u00fcr die gemeinsame Sendung zu \u00fcbernehmen\u201c (Nr. 73).<\/p>\n<p><strong>Eine glaubw\u00fcrdige Kirche erfordert Transparenz und Rechenschaftspflicht<\/strong><br \/>\nDer Grundlagentext erinnert daran, dass \u201edie Rechenschaftspflicht f\u00fcr den eigenen Dienst an der Gemeinschaft zu den \u00e4ltesten Traditionen geh\u00f6rt, die auf die apostolische Kirche zur\u00fcckgehen\u201c (Nr. 74). Heute seien Transparenz und Rechenschaftspflicht \u201einfolge des Verlusts an Glaubw\u00fcrdigkeit aufgrund von Finanzskandalen und insbesondere sexuellem und anderem Missbrauch von Minderj\u00e4hrigen und schutzbed\u00fcrftigen Personen\u201c n\u00f6tiger denn je. Der Mangel an Transparenz und Rechenschaftspflicht n\u00e4hre den Klerikalismus (Nr. 75); dieser beruhe n\u00e4mlich auf der irrigen Annahme, dass geweihte Amtstr\u00e4ger niemandem gegen\u00fcber f\u00fcr die Aus\u00fcbung ihrer Autorit\u00e4t verantwortlich seien.<\/p>\n<p><strong>Ruf nach Bewertungs-Strukturen<\/strong><br \/>\nRechenschaftspflicht und Transparenz, so betont das IL, betreffen alle Ebenen der Kirche und beschr\u00e4nken sich nicht auf den Bereich des sexuellen und finanziellen Missbrauchs. Sie gelten auch f\u00fcr \u201epastorale Pl\u00e4ne, Methoden der Evangelisierung und die Art und Weise, wie die Kirche die W\u00fcrde der menschlichen Person achtet, zum Beispiel in Bezug auf die Arbeitsbedingungen in ihren Einrichtungen\u201c (Nr. 76). Daraus ergibt sich die Forderung nach \u201enotwendigen Strukturen und Formen der Bewertung &#8211; verstanden in einem nicht-moralistischen Sinne &#8211; der Art und Weise, wie die dienstlichen Aufgaben aller Art ausge\u00fcbt werden\u201c (Nr. 77).<br \/>\nIn diesem Zusammenhang erinnert das Dokument an die Notwendigkeit, dass die Kirche einen Jahresbericht ver\u00f6ffentlicht \u2013 sowohl \u00fcber die Verwaltung der G\u00fcter und Ressourcen als auch \u00fcber die Erf\u00fcllung ihrer Sendung. Das gelte ausdr\u00fccklich auch f\u00fcr \u201eInitiativen, die im Bereich des Schutzes von Minderj\u00e4hrigen und gef\u00e4hrdeten Personen sowie der F\u00f6rderung des Zugangs von Frauen zu verantwortlichen Positionen und ihrer Beteiligung an Entscheidungsprozessen ergriffen wurden\u201c (Nr. 79).<\/p>\n<div>\n<div class=\"article__embed article__embed--unwrap article__embed--photo\">\n<p><strong>Teil III &#8211; Orte des Dialogs<\/strong><br \/>\nDas IL analysiert dann konkrete Orte und Kontexte des Dialogs zu anderen Kirchen und Religionen, aber auch zu Kultur und Gesellschaft (Nr. 80-108). Dabei m\u00fcssten eine statische Sichtweise und ein pyramidenf\u00f6rmiges Bild von Kirche \u00fcberwunden und ihre innere Vielfalt und Pluralit\u00e4t st\u00e4rker anerkannt werden, sonst drohten Partikularismus und Verflachung. In diesem Zusammenhang kommt das Arbeitspapier auch auf die Suche nach Formen einer zeitgem\u00e4\u00dfer Aus\u00fcbung des Petrusamtes zu sprechen. Das Amt solle dadurch offener werden f\u00fcr den Weg zur sichtbaren Einheit der Christen (Nr. 102 und 107).<\/p>\n<p><strong>Pilger der Hoffnung<\/strong><br \/>\nKeine zwei Monate nach der zweiten Vollversammlung der Weltsynode im Vatikan startet das Heilige Jahr 2025; darum schlie\u00dft das Dokument mit einem Verweis darauf (Nr. 112). Der Weg der Weltsynode solle als Pilgerschaft der Hoffnung auch im Heiligen Jahr fortgesetzt werden. Alle angerissenen Fragen und Vorschl\u00e4ge seien daran zu messen, was die Kirche tun k\u00f6nne, um die tiefen Wunden unserer Zeit zu heilen.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/de\/vatikan\/news\/2024-07\/synode-instrumentum-laboris-grundlagen-dokument-kirche-frauen.html\">www.vaticannews.va\/de<\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Vatikan hat an diesem Dienstag den Grundlagentext f\u00fcr die zweite Vollversammlung (im Vatikansprech: f\u00fcr die XVI. 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