{"id":67033,"date":"2024-09-01T10:18:49","date_gmt":"2024-09-01T07:18:49","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=67033"},"modified":"2024-09-01T10:18:49","modified_gmt":"2024-09-01T07:18:49","slug":"botschaft-von-papst-franziskus-zum-weltgebetstag-fuer-die-bewahrung-der-schoepfung-1-september-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/botschaft-von-papst-franziskus-zum-weltgebetstag-fuer-die-bewahrung-der-schoepfung-1-september-2024\/","title":{"rendered":"Botschaft von Papst Franziskus  zum Weltgebetstag f\u00fcr die Bewahrung der Sch\u00f6pfung, 1. September 2024"},"content":{"rendered":"<p><i>Liebe Br\u00fcder und Schwestern<\/i>!<\/p>\n<p>\u201eHoffe und handle mit der Sch\u00f6pfung\u201c: Das ist das Thema des Gebetstages f\u00fcr die Bewahrung der Sch\u00f6pfung am kommenden 1. September. Es bezieht sich auf den Brief des heiligen Paulus an die R\u00f6mer 8,19-25: Der Apostel erkl\u00e4rt, was es bedeutet, dem Geist gem\u00e4\u00df zu leben und er konzentriert sich auf die sichere Hoffnung auf Erl\u00f6sung durch den Glauben, der neues Leben in Christus bedeutet.<\/p>\n<p>1. Beginnen wir also mit einer einfachen Frage, auf die es aber vielleicht keine offensichtliche Antwort gibt: Wenn wir wirklich gl\u00e4ubig sind,\u00a0\u00a0<i>wie kommt es, dass wir den Glauben haben<\/i>? Der Grund daf\u00fcr ist nicht so sehr, dass wir an etwas Transzendentes \u201eglauben\u201c, das unsere Vernunft nicht verstehen kann, an das unerreichbare Geheimnis eines entr\u00fcckten und fernen, eines unsichtbaren und unnennbaren Gottes. Vielmehr, so w\u00fcrde der heilige Paulus sagen, ist der Grund,\u00a0\u00a0<i>dass der Heilige Geist in uns wohnt<\/i>. Ja, wir sind Gl\u00e4ubige, weil \u00bbdie Liebe Gottes [\u2026] in unsere Herzen\u00ab ausgegossen wurde\u00ab (\u00a0<i>R\u00f6m<\/i>\u00a05,5). Deshalb ist der Geist jetzt wahrhaftig \u00bbder erste Anteil unseres Erbes\u00ab (\u00a0<i>Eph<\/i>\u00a01,14), als Heraus-Forderung, immer so zu leben, dass wir nach den ewigen G\u00fctern streben,\u00a0\u00a0<i>wie es der F\u00fclle des sch\u00f6nen und guten Menschseins Jesu entspricht<\/i>. Der Geist macht die Gl\u00e4ubigen sch\u00f6pferisch und pro-aktiv in der Liebe. Er f\u00fchrt sie auf einen gro\u00dfen Weg geistlicher Freiheit, der allerdings nicht frei ist vom Kampf zwischen der Logik der Welt und der Logik des Geistes, die einander entgegengesetzte Fr\u00fcchte hervorbringen (vgl.\u00a0\u00a0<i>Gal<\/i>\u00a05,16-17). Wir wissen, die erste Frucht des Geistes, die Summe aller anderen Fr\u00fcchte,\u00a0\u00a0<i>ist<\/i>\u00a0\u00a0<i>die Liebe<\/i>. Gef\u00fchrt vom Heiligen Geist sind die Gl\u00e4ubigen also Gottes Kinder und k\u00f6nnen ihn, genau wie Jesus, mit \u00bbAbba, Vater\u00ab anrufen (\u00a0<i>R\u00f6m<\/i>\u00a08,15), in der Freiheit derer, die nicht mehr in Todesangst zur\u00fcckverfallen, weil\u00a0\u00a0<i>Jesus von den Toten auferstanden<\/i>\u00a0ist. Dies ist also die gro\u00dfe Hoffnung: Gottes Liebe hat gesiegt, sie siegt weiterhin und wird auch k\u00fcnftig siegen. Die Bestimmung zur Herrlichkeit ist dem neuen Menschen, der im Geist lebt, bereits sicher, trotz des ihm bevorstehenden physischen Todes. Diese Hoffnung\u00a0\u00a0<i>l\u00e4sst nicht zugrunde gehen<\/i>, wie uns auch die\u00a0\u00a0<i><a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/bulls\/documents\/20240509_spes-non-confundit_bolla-giubileo2025.html\">Verk\u00fcndigungsbulle<\/a><\/i>\u00a0des n\u00e4chsten Heiligen Jahres in Erinnerung ruft\u00a0<a class=\" cleaner\" href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/cura-creato\/documents\/20240627-messaggio-giornata-curacreato.html#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>.<\/p>\n<p>2. Das Leben des Christen ist ein Leben im Glauben, in t\u00e4tiger N\u00e4chstenliebe und \u00fcberflie\u00dfend vor Hoffnung, in Erwartung der Wiederkunft des Herrn in seiner Herrlichkeit. Die \u201eVerz\u00f6gerung\u201c der Parusie, also seines zweiten Kommens, stellt kein Problem dar. Die Frage ist eine andere: \u00bbWird [\u2026] der Menschensohn, wenn er kommt, den Glauben auf der Erde finden?\u00ab (<i>Lk<\/i>\u00a018,8). Ja, der Glaube ist eine Gabe, eine Frucht der Gegenwart des Heiligen Geistes in uns, aber er ist auch eine\u00a0<i>Aufgabe<\/i>, die in Freiheit und im Gehorsam gegen\u00fcber dem Liebesgebot Jesu wahrzunehmen ist. Dies ist die beseligende Hoffnung, die es zu bezeugen gilt: Wo? Wann? Wie? In den\u00a0<i>Dramen der leidenden Menschen<\/i>. Wenn wir auch tr\u00e4umen, so m\u00fcssen wir jetzt\u00a0<i>mit offenen Augen tr\u00e4umen<\/i>, beseelt von einer Vision der Liebe, der Geschwisterlichkeit, der Freundschaft und der Gerechtigkeit f\u00fcr alle.\u00a0<i>Das christliche Heil gelangt bis ins Innerste des Leids der Welt<\/i>, das nicht nur die Menschen erfasst, sondern das gesamte Universum und auch die Natur, den\u00a0<i>oikos\u00a0<\/i>des Menschen, seinen Lebensraum. Es erfasst die Sch\u00f6pfung als \u201eirdisches Paradies\u201c, die Mutter Erde, die ein\u00a0<i>Ort der Freude und der Gl\u00fccksverhei\u00dfung f\u00fcr alle<\/i>\u00a0sein sollte. Der christliche Optimismus gr\u00fcndet auf einer lebendigen Hoffnung: Er wei\u00df, dass alles auf die Herrlichkeit Gottes ausgerichtet ist, auf die endg\u00fcltige Vollendung in seinem Frieden, auf die leibliche Auferstehung in Gerechtigkeit, \u201evon Herrlichkeit zu Herrlichkeit\u201c<i>.\u00a0<\/i>Doch in der verg\u00e4nglichen Zeit teilen wir Schmerz und Leid:<i>\u00a0Die gesamte Sch\u00f6pfung seufzt<\/i>\u00a0(vgl.\u00a0<i>R\u00f6m<\/i>\u00a08,19-22), die Christen seufzen (vgl. V. 23-25) und der Geist selbst seufzt (vgl. V. 26-27).\u00a0<i>Das Seufzen bringt Unruhe und Leid zusammen mit Sehnsucht und Verlangen zum Ausdruck<\/i>. Im Seufzen \u00e4u\u00dfert sich\u00a0<i>Vertrauen auf Gott\u00a0<\/i>und seine liebende und fordernde Begleitung, im Hinblick auf die Erf\u00fcllung seines Plans der Freude, der Liebe und des Friedens im Heiligen Geist.<\/p>\n<p>3. Die ganze Sch\u00f6pfung ist in diesen Prozess der Neugeburt eingebunden und wartet seufzend auf die Befreiung: Es handelt sich um ein verborgenes Wachstum, das reift, fast wie \u201eein Senfkorn, das zu einem gro\u00dfen Baum wird\u201c oder wie der \u201eSauerteig im Mehl\u201c (vgl.\u00a0\u00a0<i>Mt<\/i>\u00a013,31-33). Die Anf\u00e4nge sind winzig, doch die erwarteten Ergebnisse k\u00f6nnen von unendlicher Sch\u00f6nheit sein. Insoweit sie Erwartung einer Geburt ist \u2013 des Offenbarwerdens der Kinder Gottes \u2013,\u00a0\u00a0<i>erm\u00f6glicht es<\/i>\u00a0\u00a0<i>die Hoffnung, inmitten von Widrigkeiten standhaft zu bleiben und<\/i>\u00a0nicht mutlos zu werden in Zeiten der Bedr\u00e4ngnis oder angesichts der menschlichen Barbarei.\u00a0\u00a0<i>Die christliche Hoffnung entt\u00e4uscht nicht, aber sie t\u00e4uscht auch nicht<\/i>: Wenn auch das Seufzen der Sch\u00f6pfung, der Christen und des Geistes eine Vorwegnahme und Erwartung der bereits stattfindenden Erl\u00f6sung ist, so sind wir jetzt doch in viele Leiden eingetaucht, die der heilige Paulus als \u201eBedr\u00e4ngnis, Not, Verfolgung, Hunger, K\u00e4lte, Gefahr, Schwert\u201c beschreibt (vgl.\u00a0\u00a0<i>R\u00f6m<\/i>\u00a08,35). Die Hoffnung bietet also eine alternative Lesart der Geschichte und der menschlichen Geschicke: nicht illusorisch, sondern realistisch, mit dem Realismus des Glaubens, der das Unsichtbare sieht. Diese Hoffnung ist\u00a0\u00a0<i>geduldiges Warten, vergleichbar dem Nicht-Sehen des Abraham<\/i>. Ich erinnere gern an den bedeutenden gl\u00e4ubigen Vision\u00e4r Joachim von Fiore, jenen Abt aus Kalabrien, der laut Dante Alighieri\u00a0<a class=\" cleaner\" href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/cura-creato\/documents\/20240627-messaggio-giornata-curacreato.html#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>\u00a0\u201emit prophetischem Geist begabt\u201c war. In einer Zeit blutiger K\u00e4mpfe, der Konflikte zwischen Papsttum und Kaiserreich, der Kreuzz\u00fcge, der Irrlehren und der Verweltlichung der Kirche vermochte er das Ideal eines\u00a0\u00a0<i>neuen Geistes des Zusammenlebens<\/i>\u00a0zwischen den Menschen aufzuzeigen, das gepr\u00e4gt war von universaler Geschwisterlichkeit und christlichem Frieden, der Frucht gelebten Evangeliums. Diesen Geist sozialer Freundschaft und universaler Geschwisterlichkeit habe ich in\u00a0\u00a0<i><a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/encyclicals\/documents\/papa-francesco_20201003_enciclica-fratelli-tutti.html\">Fratelli tutti<\/a><\/i>\u00a0vorgeschlagen. Und diese Harmonie zwischen den Menschen muss sich auch auf die Sch\u00f6pfung erstrecken, in einem \u201esituierten Anthropozentrismus\u201c (vgl.\u00a0\u00a0<i><a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/apost_exhortations\/documents\/20231004-laudate-deum.html\">Laudate Deum<\/a><\/i>, 67), in der Verantwortung\u00a0\u00a0<i>f\u00fcr eine menschliche und ganzheitliche \u00d6kologie<\/i>, die der Weg der Rettung ist f\u00fcr unser gemeinsames Haus und f\u00fcr uns, die wir darin leben.<\/p>\n<p>4. Warum gibt es so viel B\u00f6ses in der Welt? Warum so viel Ungerechtigkeit, so viele bruderm\u00f6rderische Kriege, die Kinder t\u00f6ten, St\u00e4dte zerst\u00f6ren und den Lebensraum des Menschen verschmutzen, die vergewaltigte und verw\u00fcstete Mutter Erde? Indem er sich implizit auf Adams S\u00fcnde bezieht, sagt Paulus: \u00bbDenn wir wissen, dass die gesamte Sch\u00f6pfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt\u00ab (<i>R\u00f6m<\/i>\u00a08,22). Der sittliche Kampf der Christen ist mit dem \u201eSeufzen\u201c der Sch\u00f6pfung verbunden, weil sie \u00bbder Nichtigkeit unterworfen\u00ab ist (V. 20). Der ganze Kosmos und alle Kreatur seufzt und sehnt sich \u201eungeduldig\u201c danach, dass der gegenw\u00e4rtige Zustand \u00fcberwunden und der urspr\u00fcngliche wiederhergestellt wird. Die Befreiung des Menschen beinhaltet n\u00e4mlich auch die Befreiung aller anderen Gesch\u00f6pfe, die wegen ihrer Verbindung mit der Menschennatur unter das Joch der Sklaverei geraten sind. Wie die Menschheit ist auch die Sch\u00f6pfung \u2013 ohne eigenes Verschulden \u2013 versklavt und nicht in der Lage, das zu tun, wozu sie gedacht ist, n\u00e4mlich einen dauerhaften Sinn und Zweck zu haben. Sie ist dem Zerfall und dem Tod ausgeliefert, was durch den missbr\u00e4uchlichen Umgang des Menschen mit der Natur noch verst\u00e4rkt wird. Anderseits stellt die Erl\u00f6sung des Menschen in Christus auch eine feste Hoffnung f\u00fcr die Sch\u00f6pfung dar: \u00bbDenn auch sie, die Sch\u00f6pfung, soll von der Knechtschaft der Verg\u00e4nglichkeit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes\u00ab (<i>R\u00f6m<\/i>\u00a08,21).\u00a0<i>Die Erl\u00f6sung durch Christus macht es also m\u00f6glich, hoffnungsvoll auf das Band der Solidarit\u00e4t zwischen den Menschen und allen anderen Gesch\u00f6pfen zu blicken.<\/i><\/p>\n<p>5. In der hoffnungsvollen und beharrlichen Erwartung der glorreichen Wiederkunft Jesu l\u00e4sst der Heilige Geist die Gemeinschaft der Glaubenden wachsam bleiben; er lehrt sie best\u00e4ndig und ruft sie zur Umkehr in ihrer Lebensweise auf, um der vom Menschen verursachten Umweltzerst\u00f6rung entgegenzutreten und jene Gesellschaftskritik zu formulieren, die in erster Linie Zeugnis ablegt f\u00fcr die M\u00f6glichkeit, sich zu \u00e4ndern. Diese Umkehr besteht darin, von der Arroganz derer, die ihre Mitmenschen und die Natur beherrschen wollen \u2013 welche dabei auf ein manipulierbares Objekt reduziert wird \u2013, zur Demut jener \u00fcberzugehen, die f\u00fcr die Anderen und die Sch\u00f6pfung Sorge tragen. \u00bbEin Mensch, der sich anma\u00dft, sich an die Stelle Gottes zu setzen, wird zur schlimmsten Gefahr f\u00fcr sich selbst\u00ab (<i><a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/apost_exhortations\/documents\/20231004-laudate-deum.html\">Laudate Deum<\/a><\/i>, 73), denn Adams S\u00fcnde hat die grundlegenden Beziehungen zerst\u00f6rt, aus denen der Mensch lebt: die Beziehung zu Gott, zu sich selbst und den anderen Menschen und die zum Kosmos. Alle diese Beziehungen m\u00fcssen synergetisch wiederhergestellt, gerettet und \u201egerecht gemacht\u201c werden. Keine darf dabei fehlen. Wenn eine fehlt, scheitert das Ganze.<\/p>\n<p>6.\u00a0<i>Mit der Sch\u00f6pfung zu hoffen und zu handeln<\/i>\u00a0bedeutet vor allem, die Kr\u00e4fte zu b\u00fcndeln und gemeinsam mit allen M\u00e4nnern und Frauen guten Willens dazu beizutragen, \u00bbdie Frage nach der menschlichen Macht, nach ihrem Sinn und nach ihren Grenzen neu [zu] bedenken. Denn unsere Macht hat sich in nur wenigen Jahrzehnten rasant gesteigert. Wir haben beeindruckende und erstaunliche technologische Fortschritte gemacht, und wir sind uns nicht bewusst, dass wir gleichzeitig zu h\u00f6chst gef\u00e4hrlichen Wesen geworden sind, die das Leben vieler Gesch\u00f6pfe und unser eigenes \u00dcberleben gef\u00e4hrden k\u00f6nnen\u00ab (<i><a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/apost_exhortations\/documents\/20231004-laudate-deum.html\">Laudate Deum<\/a><\/i>, 28). Unkontrollierte Macht bringt Ungeheuer hervor und wendet sich gegen uns selbst. Deshalb ist es heute dringend notwendig, der Entwicklung der k\u00fcnstlichen Intelligenz ethische Grenzen zu setzen, welche mit ihrer Rechen- und Simulationskapazit\u00e4t zur Beherrschung von Mensch und Natur eingesetzt werden k\u00f6nnte, statt dem Frieden und einer ganzheitlichen Entwicklung zu dienen (vgl.\u00a0<i><a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/peace\/documents\/20231208-messaggio-57giornatamondiale-pace2024.html\">Botschaft zum Weltfriedenstag<\/a><\/i>\u00a02024).<\/p>\n<p>7. \u00bbDer Heilige Geist begleitet uns im Leben\u00ab: Das haben die Jungen und M\u00e4dchen gut verstanden, die sich zu ihrem ersten Welttag, der mit dem Dreifaltigkeitssonntag zusammenfiel, auf dem Petersplatz versammelt hatten. Gott ist keine abstrakte Idee von Unendlichkeit, sondern er ist liebender Vater, er ist Sohn, Freund und Erl\u00f6ser eines jeden Menschen, und Heiliger Geist, der unsere Schritte auf dem Weg der Liebe leitet. Der Gehorsam gegen\u00fcber dem Geist der Liebe\u00a0<i>ver\u00e4ndert die Haltung des Menschen radikal<\/i>: er wird vom \u201ePl\u00fcnderer\u201c zum \u201eBewirtschafter\u201c des Gartens.\u00a0<i>Die Erde wird dem Menschen anvertraut, bleibt aber Gottes Eigentum<\/i>\u00a0(vgl.\u00a0<i>Lev<\/i>\u00a025,23). Dies ist der theologische Anthropozentrismus der j\u00fcdisch-christlichen Tradition. Der Anspruch, die Natur zu besitzen und zu beherrschen und sie nach Belieben zu manipulieren, ist daher eine Form von Idolatrie. Es ist der prometheische Mensch, der berauscht von seiner eigenen technokratischen Macht die Erde arrogant in einen \u201egnaden-losen\u201c Zustand versetzt, also in einen Zustand ohne die Gnade Gottes. Wenn nun Jesus, der gestorben und auferstanden ist, die Gnade Gottes ist, dann stimmt, was Benedikt XVI. sagte: \u00bbNicht die Wissenschaft erl\u00f6st den Menschen. Erl\u00f6st wird der Mensch durch die Liebe\u00ab (Enzyklika\u00a0<i><a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/benedict-xvi\/de\/encyclicals\/documents\/hf_ben-xvi_enc_20071130_spe-salvi.html\">Spe Salvi<\/a><\/i>, 26), die Liebe Gottes in Christus, von der uns nichts und niemand jemals trennen kann (vgl.\u00a0<i>R\u00f6m<\/i>\u00a08,38-39). Die Sch\u00f6pfung, best\u00e4ndig angezogen von ihrer eigenen Zukunft, ist nicht statisch oder in sich selbst verschlossen. Die Verbindung zwischen Materie und Geist zeigt sich heute, auch dank der Entdeckungen der gegenw\u00e4rtigen Physik, auf immer faszinierendere Weise.<\/p>\n<p>8. Au\u00dfer einer\u00a0<i>ethischen<\/i>\u00a0Frage ist die Bewahrung der Sch\u00f6pfung daher auch eine eminent\u00a0<i>theologische<\/i>. Sie betrifft n\u00e4mlich die Verflechtung zwischen dem Geheimnis des Menschen und dem Geheimnis Gottes.\u00a0<i>Diese Verflechtung kann \u201egenerativ\u201c genannt werden<\/i>, da sie auf den Akt der Liebe zur\u00fcckgeht, mit dem Gott den Menschen in Christus erschafft. Dieser sch\u00f6pferische Akt Gottes stiftet und begr\u00fcndet das freie Handeln des Menschen und seine gesamte Sittlichkeit. Sein Handeln ist gerade deshalb frei, weil er\u00a0<i>nach dem Ebenbild Gottes, das Jesus Christus ist<\/i>, geschaffen wurde und dadurch \u201eRepr\u00e4sentant\u201c der Sch\u00f6pfung in Christus ist. Es gibt eine transzendente (theologisch-ethische) Motivation, die den Christen verpflichtet, Gerechtigkeit und Frieden in der Welt zu f\u00f6rdern, auch durch die universale Bestimmung der G\u00fcter: es geht um das\u00a0<i>Offenbarwerden der Kinder Gottes, auf das die Sch\u00f6pfung seufzend wie in Geburtswehen wartet<\/i>. Es geht nicht nur um das irdische Leben des Menschen in dieser Zeit, sondern vor allem um seine ewige Bestimmung, das\u00a0<i>Eschaton<\/i>\u00a0unserer Seligkeit, das Paradies unseres Friedens, in\u00a0<i>Christus, dem Herrn des Kosmos, der sich aus Liebe kreuzigen lie\u00df und auferstanden ist<\/i>.<\/p>\n<p>9. Mit der Sch\u00f6pfung zu hoffen und zu handeln bedeutet also, einen fleischgewordenen Glauben zu leben, dem es gelingt, im leidenden und hoffnungsvollen konkreten Leben der Menschen einen Platz zu finden, in der gemeinsamen Erwartung der leiblichen Auferstehung, zu der die Gl\u00e4ubigen in Christus, dem Herrn, im Voraus bestimmt sind. In Jesus, dem ewigen Sohn in menschlichem Fleisch,\u00a0\u00a0<i>sind wir wirklich Kinder des Vaters<\/i>. Durch den Glauben und die Taufe beginnt f\u00fcr den Gl\u00e4ubigen ein Leben gem\u00e4\u00df dem Geist (vgl.\u00a0\u00a0<i>R\u00f6m<\/i>\u00a08,2),\u00a0\u00a0<i>ein heiliges Leben, ein Leben als Kinder des Vaters<\/i>, wie Jesus (vgl.\u00a0\u00a0<i>R\u00f6m<\/i>\u00a08,14-17), denn durch die Kraft des Heiligen Geistes lebt Christus in uns (vgl.\u00a0\u00a0<i>Gal<\/i>\u00a02,20). Ein Leben, das zu einem Liebeslied f\u00fcr Gott wird, f\u00fcr die Menschheit, mit der Sch\u00f6pfung und f\u00fcr die Sch\u00f6pfung, und das in der Heiligkeit zu seiner Vollendung findet.\u00a0<a class=\" cleaner\" href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/cura-creato\/documents\/20240627-messaggio-giornata-curacreato.html#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p><i>Rom, Sankt Johannes im Lateran, 27. Juni 2024<\/i><\/p>\n<p>FRANZISKUS<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>______________________________<\/p>\n<p><a class=\" cleaner\" href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/cura-creato\/documents\/20240627-messaggio-giornata-curacreato.html#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a>\u00a0\u00a0<i><a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/bulls\/documents\/20240509_spes-non-confundit_bolla-giubileo2025.html\">Spes non confundit<\/a><\/i>, Verk\u00fcndigungsbulle des ordentlichen Jubil\u00e4ums des Jahres 2025 (9. Mai 2024).<\/p>\n<p><a class=\" cleaner\" href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/cura-creato\/documents\/20240627-messaggio-giornata-curacreato.html#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a>\u00a0\u00a0<i>Die G\u00f6ttliche Kom\u00f6die<\/i>,\u00a0\u00a0<i>Paradies<\/i>, XII, 141.<\/p>\n<p><a class=\" cleaner\" href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/cura-creato\/documents\/20240627-messaggio-giornata-curacreato.html#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a>\u00a0Clemente Rebora, ein Priester des Ordens der Rosminianer, hat dies dichterisch zum Ausdruck gebracht: \u00bbW\u00e4hrend die Sch\u00f6pfung in Christus zum Vater aufsteigt, \/ ist in geheimnisvoller Bestimmung \/ alles Geburtswehe: \/ Wie viel Sterben, damit das Leben geboren werden kann! \/ Doch durch eine Mutter allein, die g\u00f6ttlich ist, \/ kommt man gl\u00fccklich ans Licht: \/ Leben, das die Liebe unter Tr\u00e4nen hervorbringt, \/ und wenn es atmet, ist es hier unten Poesie; \/ doch nur der Heiligkeit gelingt das Lied\u00ab (\u00a0<i>Curriculum vitae<\/i>, \u201ePoesia e santit\u00e0\u201d:\u00a0\u00a0<i>Poesie, prose e traduzioni<\/i>, Mailand 2015, S. 297).<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/cura-creato\/documents\/20240627-messaggio-giornata-curacreato.html\">www.vatican.va<\/a><\/p>\n<p>Foto: <a href=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/ro\/papa\/news\/2024-06\/mesaj-papa-francisc-ziua-creatiei-2024-prezentare.html\">www.vaticannews.va\/ro<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Br\u00fcder und Schwestern! \u201eHoffe und handle mit der Sch\u00f6pfung\u201c: Das ist das Thema des Gebetstages f\u00fcr die Bewahrung der Sch\u00f6pfung am kommenden 1. 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