{"id":68102,"date":"2024-09-28T10:31:00","date_gmt":"2024-09-28T07:31:00","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=68102"},"modified":"2024-09-28T10:31:00","modified_gmt":"2024-09-28T07:31:00","slug":"gott-ist-mit-seinem-volk-unterwegs-botschaft-von-papst-franziskus-zum-110-welttag-des-migranten-und-fluechtlings-2024-september-29","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/gott-ist-mit-seinem-volk-unterwegs-botschaft-von-papst-franziskus-zum-110-welttag-des-migranten-und-fluechtlings-2024-september-29\/","title":{"rendered":"Gott ist mit seinem Volk unterwegs &#8211; Botschaft von Papst Franziskus zum 110. Welttag des Migranten und Fl\u00fcchtlings, 2024. September 29."},"content":{"rendered":"<p><i>Liebe Br\u00fcder und Schwestern<\/i>!<\/p>\n<p>Am 29. Oktober 2023 ging die erste Sitzung der 16. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode zu Ende, die es uns erm\u00f6glicht hat, das Verst\u00e4ndnis von Synodalit\u00e4t als urspr\u00fcnglicher Berufung der Kirche zu vertiefen. \u00bbDie Synodalit\u00e4t wird vor allem als gemeinsamer Weg des Volkes Gottes und als fruchtbarer Dialog der Charismen und Dienste f\u00fcr das anbrechende Reich Gottes behandelt\u00ab (<i><a href=\"https:\/\/www.synod.va\/content\/dam\/synod\/assembly\/synthesis\/german\/2023.10.28-DEU-Synthesis-Report.pdf\">Synthese-Bericht<\/a><\/i>, Einf\u00fchrung).<br \/>\nDie Betonung ihrer synodalen Dimension erlaubt es der Kirche, das ihr eigene Unterwegssein wiederzuentdecken. Sie ist unterwegs in der Geschichte als das dem Himmelreich entgegen pilgernde, wir k\u00f6nnten auch sagen \u201emigrierende\u201c, Volk Gottes (vgl. <i><a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/archive\/hist_councils\/ii_vatican_council\/documents\/vat-ii_const_19641121_lumen-gentium_ge.html\">Lumen gentium<\/a><\/i>, 49). Der Bezug zur biblischen Exodus-Erz\u00e4hlung, die vom Volk Israel auf dem Weg ins Gelobte Land spricht, liegt auf der Hand: ein langer Weg von der Sklaverei zur Freiheit, der den Weg der Kirche zur endg\u00fcltigen Begegnung mit dem Herrn vorwegnimmt.<br \/>\nEbenso kann man in den Migranten unserer Zeit, wie in denen einer jeden Epoche, ein lebendiges Abbild des Gottesvolkes auf dem Weg in die ewige Heimat sehen. Ihre Wege der Hoffnung erinnern uns daran, dass \u00bbunsere Heimat aber [\u2026] im Himmel [ist]. Von dorther erwarten wir auch Jesus Christus, den Herrn, als Retter\u00ab (<i>Phil<\/i>\u00a03,20).<br \/>\nDie beiden Bilder \u2013 das des biblischen Exodus und das der Migranten \u2013 zeigen mehrere Analogien. Wie das Volk Israel zur Zeit Moses fliehen Migranten oft vor Unterdr\u00fcckung und \u00dcbergriffen, vor Unsicherheit und Diskriminierung, vor mangelnden Entwicklungsperspektiven. Wie die Israeliten in der W\u00fcste sto\u00dfen Migranten auf viele Hindernisse auf ihrem Weg: Sie sind vor Durst und Hunger ersch\u00f6pft; sie sind von M\u00fchsal und Krankheit ausgelaugt; sie werden von der Verzweiflung versucht.<br \/>\nAber das Wesentliche des Exodus, eines jeden Exodus, ist, dass Gott seinem Volk und allen seinen Kindern \u2013 aller Zeiten und aller Orte \u2013 vorausgeht und sie begleitet. Gottes Gegenwart in der Mitte des Volkes ist eine Gewissheit der Heilsgeschichte: \u00bbDenn der Herr, dein Gott, er zieht mit dir. Er l\u00e4sst dich nicht fallen und verl\u00e4sst dich nicht\u00ab (<i>Dtn<\/i>\u00a031,6). F\u00fcr das aus \u00c4gypten ausgezogene Volk zeigt sich diese Gegenwart in verschiedenen Formen: Eine Wolken- und Feuers\u00e4ule weist und erleuchtet den Weg (vgl.\u00a0<i>Ex<\/i>\u00a013,21); das Zelt der Begegnung, das die Bundeslade beherbergt, macht Gottes N\u00e4he erfahrbar (vgl.\u00a0<i>Ex<\/i>\u00a033,7); die Stange mit der bronzenen Schlange gew\u00e4hrleistet g\u00f6ttlichen Schutz (vgl.\u00a0<i>Num<\/i>\u00a021,8-9); Manna und Wasser (vgl.\u00a0<i>Ex<\/i>\u00a016-17) sind Gottes Gaben an das hungernde und d\u00fcrstende Volk. Das Zelt ist eine Form der Gegenwart, die dem Herrn besonders teuer ist. W\u00e4hrend der Regierungszeit Davids weigert sich Gott, sich in einen Tempel einschlie\u00dfen zu lassen, um weiterhin in einem Zelt zu wohnen und so mit seinem Volk \u00bbvon Zelt zu Zelt, von Wohnung zu Wohnung\u00ab zu wandern (<i>1 Chr<\/i>\u00a017,5).<br \/>\nViele Migranten erfahren Gott als Weggef\u00e4hrten, als F\u00fchrer und Anker des Heils. Ihm vertrauen sie sich an, bevor sie aufbrechen, und an ihn wenden sie sich in Zeiten der Not. Bei ihm suchen sie Trost in Zeiten der Verzweiflung. Dank ihm gibt es entlang des Weges gute Samariter. Ihm vertrauen sie im Gebet ihre Hoffnungen an. Wie viele Bibeln, Evangelien, Gebetsb\u00fccher und Rosenkr\u00e4nze begleiten die Migranten auf ihren Wegen durch W\u00fcsten, Fl\u00fcsse, Meere und \u00fcber die Grenzen aller Kontinente!<br \/>\nGott ist nicht nur <i>mit<\/i>\u00a0seinem Volk unterwegs, sondern auch\u00a0<i>inmitten<\/i>\u00a0seines Volkes, in dem Sinne, dass er sich mit den M\u00e4nnern und Frauen auf ihrem Weg durch die Geschichte identifiziert \u2013 insbesondere mit den Letzten, den Armen, den Ausgegrenzten \u2013, als wolle er das Geheimnis der Menschwerdung ausdehnen.<br \/>\nDeshalb ist die Begegnung mit Migranten wie mit jedem Bruder und jeder Schwester in Not \u00bbzudem Begegnung mit Christus. Das hat er selbst uns gesagt. Er ist es, der hungrig, durstig, als Fremder, nackt, krank und als Gefangener an unsere T\u00fcr klopft und um Begegnung und Hilfe bittet\u00ab (<i><a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/homilies\/2019\/documents\/papa-francesco_20190215_omelia-sacrofano.html\">Predigt bei der Er\u00f6ffnungsmesse des Treffens von Fl\u00fcchtlingshelfern unter dem Motto \u201eFrei von Angst\u201c<\/a><\/i>, Sacrofano, 15. Februar 2019). Das Letzte Gericht, von dem Matth\u00e4us im 25. Kapitel seines Evangeliums berichtet, l\u00e4sst keinen Zweifel: \u00bbIch war fremd und ihr habt mich aufgenommen\u00ab (V. 35); und weiter: \u00bbAmen, ich sage euch: Was ihr f\u00fcr einen meiner geringsten Br\u00fcder getan habt, das habt ihr mir getan\u00ab (V. 40). Jede Begegnung auf dem Weg ist also eine Gelegenheit, dem Herrn zu begegnen; und sie ist eine Gelegenheit voller Heil, denn in der Schwester oder dem Bruder, die unsere Hilfe ben\u00f6tigen, ist Jesus gegenw\u00e4rtig. In diesem Sinne retten uns die Armen, weil sie uns erm\u00f6glichen, dem Antlitz des Herrn zu begegnen (vgl.\u00a0<i><a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/poveri\/documents\/papa-francesco_20190613_messaggio-iii-giornatamondiale-poveri-2019.html\">Botschaft zum 3. Welttag der Armen<\/a><\/i>, 17. November 2019).<br \/>\nLiebe Br\u00fcder und Schwestern, an diesem Tag, der den Migranten und Fl\u00fcchtlingen gewidmet ist, beten wir gemeinsam f\u00fcr all jene, die ihre Heimat auf der Suche nach einem Leben in W\u00fcrde verlassen mussten. F\u00fchlen wir uns zusammen mit ihnen auf dem Weg, begeben wir uns gemeinsam auf \u201eSynode\u201c, und vertrauen wir sie alle \u2013 wie auch die n\u00e4chste Synodalversammlung \u2013 \u00bbder F\u00fcrsprache der seligen Jungfrau Maria an, die ein Zeichen der sicheren Hoffnung und des Trostes auf dem Weg des gl\u00e4ubigen Gottesvolkes ist\u00ab (<a href=\"https:\/\/www.synod.va\/content\/dam\/synod\/assembly\/synthesis\/german\/2023.10.28-DEU-Synthesis-Report.pdf\"><i>Synthese-Bericht<\/i>, Die Reise fortsetzen<\/a>).<\/p>\n<p><i>Rom, Sankt Johannes im Lateran, 24. Mai 2024, Gedenktag der seligen Jungfrau Maria, Hilfe der Christen<\/i><\/p>\n<p>FRANZISKUS<\/p>\n<p><b>Gebet<\/b><br \/>\nGott, allm\u00e4chtiger Vater,<br \/>\nwir sind deine pilgernde Kirche<br \/>\nunterwegs zum Himmelreich.<br \/>\nJeder von uns lebt in seinem Vaterland,<br \/>\naber so, als w\u00e4ren wir Fremde.<br \/>\nJede fremde Gegend ist unsere Heimat,<br \/>\nund doch ist jedes Heimatland f\u00fcr uns fremder Boden.<br \/>\nWir leben auf der Erde,<br \/>\naber wir sind B\u00fcrger im Himmel.<br \/>\nLass nicht zu, dass wir zu Besitzern werden<br \/>\ndieses Teils der Welt,<br \/>\nden du uns als vor\u00fcbergehende Bleibe gegeben hast.<br \/>\nHilf, dass wir niemals aufh\u00f6ren,<br \/>\ngemeinsam mit unseren Br\u00fcdern und Schwestern Migranten<br \/>\nzur ewigen Wohnung unterwegs zu sein, die du uns bereitet hast.<br \/>\n\u00d6ffne unsere Augen und unsere Herzen,<br \/>\ndamit jede Begegnung mit einem Menschen in Not<br \/>\nzu einer Begegnung mit Jesus wird, deinem Sohn und unserem Herrn. Amen.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/migration\/documents\/20240524-world-migrants-day-2024.html\">www.vatican.va<\/a><\/p>\n<p>Foto: <a href=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/de\/papst\/news\/2024-06\/papst-franziskus-botschaft-welttag-migranten-gebet-christus.html\">www.vaticannews.va\/de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Br\u00fcder und Schwestern! Am 29. Oktober 2023 ging die erste Sitzung der 16. 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