{"id":68894,"date":"2024-10-18T16:28:20","date_gmt":"2024-10-18T13:28:20","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=68894"},"modified":"2024-10-18T16:28:20","modified_gmt":"2024-10-18T13:28:20","slug":"heimat-der-traeume-wie-ich-im-geburtsland-meiner-eltern-meinen-traum-verwirklichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/heimat-der-traeume-wie-ich-im-geburtsland-meiner-eltern-meinen-traum-verwirklichte\/","title":{"rendered":"Heimat der Tr\u00e4ume: Wie ich im Geburtsland meiner Eltern meinen Traum verwirklichte"},"content":{"rendered":"<p>Als junge Erwachsene hatten meine Eltern Christine und Josef einen Traum. Einen Traum von einem besseren Leben in Deutschland. In einem Land, in dem sich Tr\u00e4ume erf\u00fcllen, man frei ist, man unabh\u00e4ngig und einfach gl\u00fccklich sein kann.<br \/>\nUnd meine Eltern hatten sich, wie so viele andere der Banater Schwaben, diesen Traum erf\u00fcllt. Sie sind in Deutschland angekommen, haben sich eine Existenz aufgebaut, haben sich ihre W\u00fcnsche erf\u00fcllt und ihren Glauben niemals aufgegeben. Auch wenn das Herz die Heimat niemals vergessen hat. Allen voran der Menschen, die die Heimat zur Heimat gemacht haben.<br \/>\nMeine Mutter zum Beispiel hat nicht immer Positives mit Rum\u00e4nien verbunden. F\u00fcr sie war die Zeit gepr\u00e4gt vom Kommunismus und dessen Auswirkungen auf ihr Leben und ihre Zukunft. Angekommen in Deutschland, wollte sie dieses Kapitel einfach abschlie\u00dfen.<br \/>\nAber dann kam doch alles anders. Denn dann kam ich mit einem Traum.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Claudia-Festivitatea-de-Abslovire-1.-2024.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"lazyload wp-image-68895 alignright\" src=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Claudia-Festivitatea-de-Abslovire-1.-2024-768x1024.jpg\" data-orig-src=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Claudia-Festivitatea-de-Abslovire-1.-2024-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"481\" height=\"641\" srcset=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27481%27%20height%3D%27641%27%20viewBox%3D%270%200%20481%20641%27%3E%3Crect%20width%3D%27481%27%20height%3D%27641%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-srcset=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Claudia-Festivitatea-de-Abslovire-1.-2024-200x267.jpg 200w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Claudia-Festivitatea-de-Abslovire-1.-2024-225x300.jpg 225w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Claudia-Festivitatea-de-Abslovire-1.-2024-400x533.jpg 400w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Claudia-Festivitatea-de-Abslovire-1.-2024-600x800.jpg 600w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Claudia-Festivitatea-de-Abslovire-1.-2024-768x1024.jpg 768w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Claudia-Festivitatea-de-Abslovire-1.-2024-800x1067.jpg 800w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Claudia-Festivitatea-de-Abslovire-1.-2024-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Claudia-Festivitatea-de-Abslovire-1.-2024-1200x1600.jpg 1200w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Claudia-Festivitatea-de-Abslovire-1.-2024.jpg 1374w\" data-sizes=\"auto\" data-orig-sizes=\"(max-width: 481px) 100vw, 481px\" \/><\/a>Schon als kleines M\u00e4dchen tr\u00e4umte ich davon \u00c4rztin zu werden. Ich wollte Menschen helfen, Krankheiten heilen, etwas Gutes tun und einen Sinn finden, wie ich meine begrenzte Zeit auf dieser Welt am besten nutzen kann.<br \/>\nDer Weg dahin in Deutschland war jedoch mehr als beschwerlich. <em>Numerus-Clausus<\/em>-Regelungen versperrten mir den Weg dahin. Mein kleines, vertr\u00e4umtes, damaliges <em>Ich<\/em> verstand nicht so ganz die Ausma\u00dfe, dass wirklich jede Kommastelle des Abiturdurchschnittes essenziell war. Der Traum \u00c4rztin zu werden wurde nie vergessen. Nach dem Abitur entschied ich mich deshalb daf\u00fcr, das Studium \u00abPflege Dual\u00bb bei der \u201eBerufsfachschule f\u00fcr Pflege Maria Regina der Barmherzigen Schwestern\u201c in M\u00fcnchen zu starten. Der Wunsch, Menschen zu helfen, war nach wie vor mehr als pr\u00e4sent. Drei Jahre verbrachte ich in der Pflege und schloss diese Jahre auch mit der Berufsbezeichnung \u201eGesundheits- und Krankenpflegerin\u201c ab. Ich begleitete kranke Menschen in unterschiedlichen Abschnitten ihres Lebensweges und lernte so viel \u00fcber Menschen, Medizin, aber auch wichtige Werte des Lebens. Ich liebte die Arbeit mit den Patienten. Aber es fehlte immer etwas. Ich wollte mich nicht nur k\u00fcmmern, ich wollte Menschen heilen, ihnen neue Hoffnung geben. Wollte mehr Verantwortung \u00fcbernehmen und viel mehr \u00fcber den K\u00f6rper, Krankheiten und Behandlungen lernen. Ich wollte mehr, fand nicht die gew\u00fcnschte Erf\u00fcllung.<br \/>\nMein Traum \u00c4rztin zu werden, wurde immer st\u00e4rker. Und nach so vielen R\u00fcckschl\u00e4gen und Ablehnungsbescheiden, gab es f\u00fcr mich nur noch einen Weg. Zur\u00fcck in das Land, in dem meine Eltern geboren wurden, um sich dort f\u00fcr den internationalen, englischsprachigen Studiengang zu bewerben. Die Reaktion meiner Eltern auf diese Idee h\u00e4tte nicht zwiegespaltener sein k\u00f6nnen. Mein Vater war sofort Feuer und Flamme und begeistert von der Idee. Meine Mutter fand das Ganze hingegen furchtbar. Wie sollte sie ihr Kind in ein Land gehen lassen, aus dem sie selbst gefl\u00fcchtet ist? Sie hatte doch jedes Risiko auf sich genommen, um ihren Kindern in Deutschland eine bessere Zukunft zu erm\u00f6glichen. Und auch wenn sich alles in ihr gegen mein Vorhaben str\u00e4ubte, unterst\u00fctzte sie mich in allem.<br \/>\nUnd so ging es f\u00fcr mich im September 2018 nach Cluj (<em>Klausenburg<\/em>). Wie unglaublich naiv ich doch war. Ich kannte keinen Menschen dort und sprach nicht mal die Sprache. Aber ich wollte unbedingt \u00c4rztin werden.<br \/>\nDie ersten Jahre waren hart. Die Pr\u00fcfungen und das Lernpensum forderten mich, man lernte seine Kommilitonen kennen, wusste nicht auf wen man sich verlassen konnte. Pl\u00f6tzlich war ich auf mich allein gestellt, war nicht mehr das beh\u00fctete M\u00e4dchen, das im Haus ihrer Eltern lebte. Was macht man wenn der Boiler ausf\u00e4llt, man kein warmes Wasser oder eine funktionierende Heizung hat? Oder wenn f\u00fcr einige Stunden der Strom ausf\u00e4llt, man deshalb mitten in der Nacht nicht ins Haus hineinkommt, weil das elektrische Schlie\u00dfsystem dann nat\u00fcrlich auch nicht funktioniert? Irgendwie fand sich immer eine L\u00f6sung, auch wenn ich daf\u00fcr meinen Vater 1200km entfernt anrufen musste.<br \/>\nAm meisten belastete mich jedoch das Heimweh. Meine Freunde, meine Familie waren alle in der N\u00e4he von M\u00fcnchen. Jede verpasste Familienfeier oder Geburtstag hinterlie\u00df eine kleine Narbe in meinem Herzen.<br \/>\nUnd ein kleiner Teil in mir fragte sich damals stetig: Ist es das Ganze wirklich wert?<br \/>\nHeute kann ich wirklich voller Stolz sagen: Das war es in jedem Fall. Heute bin ich \u00c4rztin und komme nach Deutschland zur\u00fcck.<br \/>\nSechs Jahre sp\u00e4ter gewann ich eine zweite Heimat. Ich lernte die Menschen in Rum\u00e4nien zu lieben, deren Herzlichkeit, deren Freundlichkeit, Offenheit und Hilfsbereitschaft. Und aus anf\u00e4nglichen Kommilitonen, die aus aller Welt nach Cluj kamen, wurde eine Ersatzfamilie. Denn wir sa\u00dfen alle im selben Boot, fernab von unseren Familien. Das verbindet. Ich entdeckte die Sch\u00f6nheit des Landes. Verbesserte nicht nur mein Englisch deutlich, sondern spreche mittlerweile auch flie\u00dfend Rum\u00e4nisch. Ich lernte nicht nur wahnsinnig viel \u00fcber Medizin, sondern auch was das Leben wirklich lebenswert macht.<br \/>\nF\u00fcr mich ist Cluj ein Ort, an dem Tr\u00e4ume in Erf\u00fcllung gehen. Und die Stadt und die Menschen dort werden immer einen besonderen Platz in meinem Herzen behalten.<br \/>\nWenn ich eines gelernt habe, dann dass man niemals seine Tr\u00e4ume aufgeben sollte. Denn jeder Traum kann seine Heimat finden.<br \/>\nNur wer mutig ist und sich vielleicht auf den beschwerlicheren Weg wagt, findet Erf\u00fcllung.<br \/>\nAber wie k\u00f6nnte ich auch anders denken? Meine Eltern haben es mir genauso vorgelebt und sind bis heute meine gr\u00f6\u00dften Vorbilder.<br \/>\nIch danke euch von Herzen, Mama und Papa. Ohne euch h\u00e4tte ich das alles niemals geschafft.<\/p>\n<p>Mein Name ist Claudia Kappes, geboren in F\u00fcrstenfeldbruck, mit Wurzeln im Banat, da meine Eltern beide aus Sanktanna stammen. Im Juli diesen Jahres habe ich erfolgreich mein Studium der Humanmedizin in Cluj-Napoca abgeschlossen. Derzeit warte ich auf mein finales Diplom, um in wenigen Monaten meine Facharztausbildung in der Gyn\u00e4kologie und Geburtshilfe beginnen zu k\u00f6nnen. Und so ist der n\u00e4chste Traum ein neues Ziel, das ich anstrebe.<br \/>\nClaudia Kappes, 15. Oktober 2024<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als junge Erwachsene hatten meine Eltern Christine und Josef einen Traum. Einen Traum von einem besseren Leben in Deutschland. In einem Land, in dem sich Tr\u00e4ume erf\u00fcllen, man frei ist, man unabh\u00e4ngig und einfach gl\u00fccklich sein kann. Und meine Eltern hatten sich, wie so viele andere der Banater Schwaben, diesen Traum erf\u00fcllt. 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