{"id":76613,"date":"2025-07-20T18:48:24","date_gmt":"2025-07-20T15:48:24","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=76613"},"modified":"2025-07-20T18:53:27","modified_gmt":"2025-07-20T15:53:27","slug":"hl-messe-mit-papst-leo-in-castel-gandolfo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/hl-messe-mit-papst-leo-in-castel-gandolfo\/","title":{"rendered":"Hl. Messe mit Papst Leo in Castel Gandolfo: Gastfreundschaft, Dienen und Zuh\u00f6ren"},"content":{"rendered":"<p>Papst Leo XIV. hat am Sonntagmorgen in der Kathedrale von Albano in Castel Gandolfo unweit von Rom, wo er seinen Sommerurlaub verbringt, die Heilige Messe mit zahlreichen Gl\u00e4ubigen gefeiert. Wir dokumentieren hier die Predigt von Papst Leo XIV. bei der Heiligen Messe in der Kathedrale von Albano diesen Sonntag gem\u00e4\u00df der offiziellen \u00dcbersetzung auf Deutsch. Frei gesprochene Erg\u00e4nzungen sind in einer Arbeits\u00fcbersetzung von Radio Vatikan hinzugef\u00fcgt.<\/p>\n<p><b><i>Predigt von Papst Leo XIV.<\/i><\/b><br \/>\n<i>Heilige Messe am XVI. Sonntag im Jahreskreis<\/i><br \/>\n<i>Kathedrale von Albano<\/i><br \/>\n<i>20. Juli 2025<\/i><\/p>\n<p>Liebe Br\u00fcder und Schwestern,<\/p>\n<p>ich freue mich sehr, heute hier zu sein, um die sonnt\u00e4gliche Eucharistiefeier in dieser sch\u00f6nen Kathedrale zu feiern. Ihr wisst, dass ich eigentlich am 12. Mai hier sein sollte, aber der Heilige Geist hat es anders gef\u00fcgt. Aber ich bin wirklich froh und mit dieser Geschwisterlichkeit, dieser christlichen Freude,\u00a0 gr\u00fc\u00dfe ich alle, die hier sind, den Bischof der Di\u00f6zese, die anwesenden Vertreter des \u00f6ffentlichen Lebens und euch alle.<\/p>\n<p><strong>Gastfreundschaft, Dienen und Zuh\u00f6ren\u00a0<\/strong><br \/>\nIn der heutigen Liturgie sprechen die erste Lesung und das Evangelium von der Gastfreundschaft, vom Dienen und vom Zuh\u00f6ren (vgl. <i>Gen<\/i>\u00a018,1-10;\u00a0<i>Lk<\/i>\u00a010,38-42).<br \/>\nIm ersten Fall besucht Gott Abraham in Gestalt von \u201edrei M\u00e4nnern\u201c, die \u201ein der Hitze des Tages\u201c zu seinem Zelt kommen (vgl. <i>Gen\u00a0<\/i>18,1-2). Wir k\u00f6nnen uns die Szene vorstellen: die sengende Sonne, die unbewegte Stille der W\u00fcste, die gl\u00fchende Hitze und die drei Fremden, die Schutz suchen. Abraham sitzt \u201eam Eingang des Zeltes\u201c und nimmt damit den Platz des Hausherrn ein. Es ist sehr sch\u00f6n zu sehen, wie er seine Rolle aus\u00fcbt: Als er in den Besuchern die Gegenwart Gottes erkennt, steht er auf, l\u00e4uft ihnen entgegen, wirft sich zu Boden und bittet sie, zu bleiben. So wird die ganze Szene lebendig. Die Tr\u00e4gheit des Nachmittags wird von Gesten der Liebe erf\u00fcllt, an denen nicht nur der Patriarch, sondern auch seine Frau Sara und die Diener beteiligt sind. Abraham sitzt nicht mehr, sondern \u00bbwartet ihnen unter dem Baum auf\u00ab (<i>Gen\u00a0<\/i>18,8), und dort teilt Gott ihm die sch\u00f6nste Nachricht mit, die er erwarten konnte: \u00bbSiehe, dann wird deine Frau Sarah einen Sohn haben\u00ab (<i>Gen<\/i>\u00a018,10).<br \/>\nDie Dynamik dieser Begegnung kann uns zum Nachdenken anregen: Gott w\u00e4hlt den Weg der Gastfreundschaft, um Sara und Abraham zu begegnen und ihnen die Nachricht ihrer Fruchtbarkeit zu \u00fcberbringen, die sie sich so sehr w\u00fcnschten und auf die sie nicht mehr zu hoffen wagten. Nach vielen Momenten der Gnade, in denen er sie bereits besucht hatte, klopft er erneut an ihre T\u00fcr und bittet um Aufnahme und Vertrauen. Und das \u00e4ltere Ehepaar antwortet positiv, ohne zu wissen, was noch geschehen wird. Sie erkennen in den geheimnisvollen Besuchern seinen Segen, seine eigene Gegenwart. Sie bieten ihnen an, was sie haben: die Speisen, die Gesellschaft, das Dienen, den Schatten eines Baumes. Und sie erhalten das Versprechen eines neuen Lebens und einer Nachkommenschaft.<br \/>\nAuch wenn die Umst\u00e4nde andere sind, spricht das Evangelium von derselben Vorgehensweise Gottes. Auch hier zeigt sich Jesus als Gast im Haus von Marta und Maria. Er ist kein Unbekannter: Er ist bei Freunden zu Hause, und es herrscht eine festliche Stimmung. Eine der Schwestern empf\u00e4ngt ihn mit vielen Aufmerksamkeiten, w\u00e4hrend die andere ihm zu F\u00fc\u00dfen sitzt und ihm zuh\u00f6rt, mit der typischen Haltung eines Sch\u00fclers dem Meister gegen\u00fcber. Wie wir wissen, antwortet Jesus auf die Klagen der ersten, die sich etwas Hilfe bei der praktischen Arbeit w\u00fcnscht, indem er sie einl\u00e4dt, den Wert des Zuh\u00f6rens zu sch\u00e4tzen (vgl. <i>Lk\u00a0<\/i>10,41-42).<br \/>\nEs w\u00e4re jedoch falsch, diese beiden Haltungen als einander entgegengesetzt anzusehen sowie Vergleiche zwischen den beiden Frauen anzustellen. Das Dienen und das Zuh\u00f6ren sind n\u00e4mlich zwei zusammengeh\u00f6rige Auspr\u00e4gungen der Gastfreundschaft.<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr Gott Momente der Stille reservieren<\/strong><br \/>\nZuallererst in unserer Beziehung zu Gott. Denn auch wenn es wichtig ist, dass wir unseren Glauben in konkreten Taten und in der Treue zu unseren Pflichten leben \u2013 je nach dem Stand und der Berufung eines jeden \u2013, so ist es doch ebenso grundlegend, dass wir dies tun, indem wir von der Betrachtung des Wortes Gottes sowie von der Aufmerksamkeit f\u00fcr das ausgehen, was der Heilige Geist unserem Herzen eingibt, und indem wir hierf\u00fcr Momente der Stille, des Gebets reservieren; Zeiten, in denen wir alle Ger\u00e4usche und Ablenkungen ausblenden, uns vor Ihm sammeln und zur inneren Einheit finden. Dies ist eine Dimension des christlichen Lebens, die wir heute in besonderer Weise wiederentdecken m\u00fcssen, sowohl als pers\u00f6nlichen und gemeinschaftlichen Wert als auch als prophetisches Zeichen f\u00fcr unsere Zeit: der Stille, dem H\u00f6ren auf den Vater Raum geben, der spricht und \u00bbder auch das Verborgene sieht\u00ab (<i>Mt<\/i>\u00a06,6). Zu diesem Zweck k\u00f6nnen die Sommertage ein g\u00fcnstiger Moment sein, um zu erfahren, wie sch\u00f6n und wichtig die Vertrautheit mit Gott ist und wie sehr sie uns helfen kann, offener und gastfreundlicher untereinander zu sein.<br \/>\nEs sind Tage, an denen wir mehr Freizeit haben, sowohl um uns zu sammeln und um Betrachtung zu halten als auch um uns zu treffen, indem wir unterwegs sind und uns gegenseitig besuchen. Nutzen wir diese Zeit, um \u2013 im Anschluss an einen Wirbel von Verpflichtungen und Sorgen \u2013 sowohl ein paar Momente der Ruhe und Besinnung zu genie\u00dfen als auch, um die Freude des Zusammenseins zu teilen, indem wir uns an irgendeinen Ort hinausbegeben \u2013 wie ich es heute hier tue. Nutzen wir diese Gelegenheit, um f\u00fcreinander da zu sein, Erfahrungen und Ideen auszutauschen, einander Verst\u00e4ndnis und Ratschl\u00e4ge zu schenken: Das gibt uns das Gef\u00fchl, geliebt zu sein, und das brauchen wir alle. Tun wir dies mit Mut. Auf diese Weise werden wir in der Solidarit\u00e4t und im Teilen des Glaubens und des Lebens eine Kultur des Friedens f\u00f6rdern. Und wir werden auch unserem Umfeld helfen, Spaltungen und Feindseligkeiten zu \u00fcberwinden und Gemeinschaft aufzubauen: zwischen Menschen, zwischen V\u00f6lkern, zwischen Religionen.<\/p>\n<p><strong>Erinnerung an Papst Franziskus und Corona<\/strong><br \/>\nPapst Franziskus sagte: \u00bbWenn wir in der Freude leben wollen, m\u00fcssen wir diese beiden Einstellungen miteinander verbinden: einerseits \u201esich zu F\u00fc\u00dfen Jesu setzen\u201c, um ihm zuzuh\u00f6ren, w\u00e4hrend er uns das Geheimnis von allem offenbart; andererseits aufmerksam und bereit in der Gastfreundschaft sein, wenn er vorbeikommt und an unsere T\u00fcr klopft, mit dem Gesicht des Freundes, der einen Moment der Erholung und Geschwisterlichkeit braucht\u00ab (<i>Angelus<\/i>, 21. Juli 2019). Er sprach diese Worte \u00fcbrigens wenige Monate vor dem Ausbruch der Pandemie: Und wie viel hat uns diese lange und harte Erfahrung, an die wir uns noch immer erinnern, in dieser Hinsicht gelehrt.<br \/>\nNat\u00fcrlich ist all dies m\u00fchsam. Sowohl das Dienen als auch das Zuh\u00f6ren sind nicht immer leicht: Sie erfordern Engagement und die F\u00e4higkeit zum Verzicht. Die Treue und die Liebe zum Beispiel, mit denen ein Vater und eine Mutter ihre Familie f\u00fchren, kosten beim Zuh\u00f6ren und Dienen M\u00fche. Und das Engagement, mit dem die Kinder zu Hause und in der Schule ihren Bem\u00fchungen entsprechen, ist ebenso m\u00fchsam. Es kostet M\u00fche, sich zu verstehen, wenn man unterschiedliche Meinungen hat, sich gegenseitig zu vergeben, wenn man Fehler macht, einander zu helfen, wenn man krank ist, sich gegenseitig zu st\u00fctzen, wenn man traurig ist. Aber nur so, mit diesen Anstrengungen, kann man im Leben etwas Gutes aufbauen; nur so entstehen und wachsen echte und starke Beziehungen zwischen den Menschen, und nur so, aus dem Alltag heraus, w\u00e4chst das Reich Gottes, breitet sich aus und wird als gegenw\u00e4rtig erfahren (vgl. <i>Lk<\/i>\u00a07,18-22).<\/p>\n<p>Der Heilige Augustinus<br \/>\nDer heilige Augustinus reflektierte in einer seiner Predigten \u00fcber die Begebenheit von Marta und Maria und kommentierte: \u00bbIn diesen beiden Frauen werden zwei Leben versinnbildlicht: das gegenw\u00e4rtige und das k\u00fcnftige; das in der M\u00fche und das in der Ruhe; das leidvolle und das selige; das verg\u00e4ngliche und das ewige\u00ab (<i>Sermo\u00a0<\/i>104, 4). Und mit Blick auf die M\u00fche von Marta sagte Augustinus: \u00bbWer ist jemals frei von diesem Dienst, sich um andere zu k\u00fcmmern? Wer kann jemals von diesen Aufgaben ausruhen? Versuchen wir, sie rechtschaffen und liebevoll zu erbringen [\u2026]. Die M\u00fche geht vor\u00fcber und es kommt die Ruhe; aber die Ruhe wird nur durch die M\u00fche erreicht. Das Schiff f\u00e4hrt vor\u00fcber und gelangt in die Heimat; aber in die Heimat gelangt man nur mit dem Schiff\u00ab (<i>Ebd.<\/i>, 6-7).<br \/>\nAbraham, Marta und Maria erinnern uns heute genau daran: dass Zuh\u00f6ren und Dienen zwei sich erg\u00e4nzende Haltungen sind, mit denen wir uns im Leben f\u00fcr die segnende Gegenwart des Herrn \u00f6ffnen. Ihr Beispiel l\u00e4dt uns ein, in unserem Alltag Kontemplation und Aktion, Ruhe und Anstrengung, Stille und Flei\u00df in Weisheit und Ausgewogenheit in Einklang zu bringen; und dabei stets die Liebe Jesu als Urteilsma\u00dfstab, sein Wort als Leuchte und seine Gnade als Kraftquelle zu wahren, die uns weit \u00fcber unsere eigenen M\u00f6glichkeiten hinaus st\u00e4rkt (vgl. <i>Phil\u00a0<\/i>4,13).<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/de\/papst\/news\/2025-07\/wortlaut-deutsch-predigt-papst-leo-castel-gandolfo-20-7-2025.html\">www.vaticannews.va\/de<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/en\/pope\/news\/2025-07\/pope-at-mass-take-summer-to-savor-moments-of-reflection.html\">www.vaticannews.va\/en<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Papst Leo XIV. hat am Sonntagmorgen in der Kathedrale von Albano in Castel Gandolfo unweit von Rom, wo er seinen Sommerurlaub verbringt, die Heilige Messe mit zahlreichen Gl\u00e4ubigen gefeiert. 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