{"id":77456,"date":"2025-08-13T17:01:05","date_gmt":"2025-08-13T14:01:05","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=77456"},"modified":"2026-05-05T20:46:28","modified_gmt":"2026-05-05T17:46:28","slug":"generalaudienz-mal-zwei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/generalaudienz-mal-zwei\/","title":{"rendered":"Generalaudienz mal zwei"},"content":{"rendered":"<p>Die Generalaudienz gab es an diesem Mittwoch gleich zweimal: Wegen des Andrangs von Pilgern und Touristen hielt Papst Leo sowohl in der vatikanischen Audienzhalle als auch im Petersdom Hof. F\u00fcr Mittwochnachmittag war die R\u00fcckkehr des Papstes in seinen Sommersitz in Castel Gandolfo angesetzt, wo er bis zum 19. August bleibt.<\/p>\n<p><b><i>Stefan von Kempis \u2013 Vatikanstadt<\/i><\/b><\/p>\n<p>Das Ganze zog sich \u00fcber 2,5 Stunden hin, aber der Papst und seine Besucher hielten gut durch. Dabei war es auch in der Halle und im Dom nicht gerade k\u00fchl. Und sogar auf dem Platz zwischen der Audienzhalle und der Basilika hatten die Organisatoren einige Gruppen untergebracht, die von Papst ebenfalls begr\u00fc\u00dft wurden.<br \/>\nIn seiner Katechese besch\u00e4ftigte sich Leo XIV. diesmal mit dem Verrat Jesu durch Judas. Er wiederholte die Worte Jesu w\u00e4hrend des Letzten Abendmahls, dass einer der Zw\u00f6lf ihn verraten werde (Mk 14,18).<br \/>\n\u201eStarke Worte. Jesus spricht sie nicht, um zu verurteilen, sondern um zu zeigen, dass die Liebe, wenn sie echt ist, nicht ohne die Wahrheit auskommen kann. Der Raum im Obergeschoss, wo kurz zuvor alles sorgf\u00e4ltig vorbereitet worden war, f\u00fcllt sich pl\u00f6tzlich mit einem stillen Schmerz, bestehend aus Fragen, Verd\u00e4chtigungen, Verletzlichkeit. Es ist ein Schmerz, den auch wir gut kennen, wenn in unseren innigsten Beziehungen der Schatten des Verrats auftaucht.\u201c<\/p>\n<div>\n<div class=\"article__embed article__embed--unwrap article__embed--photo\">\n<p>Allerdings machte der Papst auf ein paar Details der Szene aufmerksam. Jesus werde nicht laut, er nenne Judas auch nicht beim Namen. \u201eEr spricht so, dass jeder sich selbst hinterfragen kann. Und genau das geschieht: \u201aDa wurden sie traurig und fragten ihn einer nach dem anderen: Bin ich es?\u2018 (Mk 14,19). Liebe Freunde, diese Frage \u2013 \u201eBin ich es?\u201c \u2013 geh\u00f6rt vielleicht zu den aufrichtigsten Fragen, die wir uns selbst stellen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p><strong>\u201eBin ich es?\u201c<\/strong><br \/>\nEs sei nicht die Frage eines Unschuldigen, sondern die Frage von J\u00fcngern, die sich auf einmal ihrer Schw\u00e4che bewusst w\u00fcrden. \u201eEs ist nicht der Schrei des Schuldigen, sondern das Fl\u00fcstern dessen, der lieben will, aber wei\u00df, dass er verletzen kann. In diesem Bewusstsein beginnt der Weg zur Erl\u00f6sung.\u201c<br \/>\nJesus verurteile nicht, um zu dem\u00fctigen. Er sage die Wahrheit, weil er retten wolle. Und um gerettet zu werden, m\u00fcsse man f\u00fchlen: \u201eF\u00fchlen, dass man betroffen ist, f\u00fchlen, dass man trotz allem geliebt wird, f\u00fchlen, dass das B\u00f6se real ist, aber nicht das letzte Wort hat. Nur wer die Wahrheit einer tiefen Liebe erfahren hat, kann auch die Wunde eines Verrats akzeptieren.\u201c<\/p>\n<p><strong>Traurigkeit als Ort der Bekehrung<\/strong><br \/>\nDie Reaktion der J\u00fcnger sei nicht Wut, sondern Traurigkeit \u2013 auch darauf machte Papst Leo aufmerksam. \u201eSie sind nicht emp\u00f6rt, sondern traurig. Es ist ein Schmerz, der aus der realen M\u00f6glichkeit entsteht, betroffen zu sein. Und genau diese Traurigkeit wird, wenn sie aufrichtig angenommen wird, zu einem Ort der Bekehrung. Das Evangelium lehrt uns nicht, das B\u00f6se zu leugnen, sondern es als schmerzhafte Gelegenheit zur Wiedergeburt anzuerkennen.\u201c<br \/>\nDer Papst setzte aber nicht den Weichzeichner ein, als er das Evangelium dann weiter analysierte. Er zitierte auch den Satz Jesu: \u201eWeh dem Menschen, durch den der Menschensohn ausgeliefert wird! F\u00fcr ihn w\u00e4re es besser, wenn er nie geboren w\u00e4re!\u201c (Mk 14,21).<br \/>\n\u201eDas sind sicherlich harte Worte, aber sie m\u00fcssen richtig verstanden werden: Es handelt sich nicht um einen Fluch, sondern eher um einen Schmerzensschrei. Im Griechischen klingt dieses \u201aWehe\u2018 wie eine Klage, ein \u201aAch\u2018, ein Ausdruck aufrichtigen und tiefen Mitgef\u00fchls. Wir sind es gewohnt, zu urteilen. Gott hingegen nimmt das Leiden an. Wenn er das B\u00f6se sieht, r\u00e4cht er sich nicht, sondern leidet. Und dieses \u201abesser w\u00e4re es, wenn er nie geboren w\u00e4re\u2018 ist keine a priori verh\u00e4ngte Verurteilung, sondern eine Wahrheit, die jeder von uns erkennen kann: Wenn wir die Liebe verleugnen, die uns hervorgebracht hat, wenn wir durch Verrat uns selbst untreu werden, dann verlieren wir wirklich den Sinn unseres Daseins und schlie\u00dfen uns selbst von der Erl\u00f6sung aus.\u201c<br \/>\nUnd doch: Genau dort, am dunkelsten Punkt, leuchte das Licht immer noch. \u201eDenn wenn wir unsere Grenzen erkennen, wenn wir uns vom Schmerz Christi ber\u00fchren lassen, dann k\u00f6nnen wir endlich neu geboren werden. Der Glaube bewahrt uns nicht vor der M\u00f6glichkeit zu s\u00fcndigen, aber er bietet uns immer einen Weg aus der S\u00fcnde (herauszukommen): den Weg der Barmherzigkeit.\u201c<\/p>\n<p><strong>Er bricht das Brot auch f\u00fcr den Verr\u00e4ter<\/strong><br \/>\nJesus sei nicht emp\u00f6rt \u00fcber unsere Schw\u00e4che. Er wisse, dass keine Freundschaft vor dem Risiko des Verrats gefeit sei. \u201eAber er vertraut weiterhin. Er setzt sich weiterhin mit den Seinen an den Tisch. Er verzichtet nicht darauf, das Brot auch f\u00fcr diejenigen zu brechen, die ihn verraten werden. Das ist die stille Kraft Gottes: Er verl\u00e4sst niemals den Tisch der Liebe, auch wenn er wei\u00df, dass er allein zur\u00fcckbleiben wird.\u201c<br \/>\nZum Abschluss seiner Gedanken lud Papst Leo zu einer Gewissenserforschung ein. Jeder solle sich doch einmal selbst diese Frage der J\u00fcnger stellen: \u201eBin ich es vielleicht?\u201c \u201eNicht, um uns schuldig zu f\u00fchlen, sondern um in unserem Herzen Raum f\u00fcr die Wahrheit zu schaffen. Die Erl\u00f6sung beginnt hier: mit dem Bewusstsein, dass wir es sein k\u00f6nnten, die das Vertrauen in Gott zerst\u00f6ren, aber dass wir es auch sein k\u00f6nnen, die es wieder aufnehmen, bewahren und erneuern.\u201c<\/p>\n<p><strong>Papst in Castel Gandolfo, dann ab 19. August in Rom<\/strong><br \/>\nF\u00fcr diesen Mittwochnachmittag hat der Vatikan angek\u00fcndigt, dass Papst Leo wieder zur\u00fcck nach Castel Gandolfo in die Albaner Berge reist, wo es k\u00fchler ist als in Rom. Er fahre von Rom aus mit dem Auto dorthin.<br \/>\nDie R\u00fcckkehr des Papstes in den Vatikan ist f\u00fcr Dienstag, 19. August, angesetzt, teilte der Pressesaal weiter mit.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/de\/papst\/news\/2025-08\/generalaudienz-papst-leo-xiv-vatikan-pilger-jesus-judas-glaube.html\">www.vaticannews.va\/de<\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Generalaudienz gab es an diesem Mittwoch gleich zweimal: Wegen des Andrangs von Pilgern und Touristen hielt Papst Leo sowohl in der vatikanischen Audienzhalle als auch im Petersdom Hof. F\u00fcr Mittwochnachmittag war die R\u00fcckkehr des Papstes in seinen Sommersitz in Castel Gandolfo angesetzt, wo er bis zum 19. August bleibt. 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