{"id":78762,"date":"2025-09-18T20:44:01","date_gmt":"2025-09-18T17:44:01","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=78762"},"modified":"2026-05-05T20:13:23","modified_gmt":"2026-05-05T17:13:23","slug":"wofuer-steht-papst-leo-sein-erstes-interview-gibt-aufschluss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wofuer-steht-papst-leo-sein-erstes-interview-gibt-aufschluss\/","title":{"rendered":"Wof\u00fcr steht Papst Leo? Sein erstes Interview gibt Aufschluss"},"content":{"rendered":"<p>Nach wenigen Monaten im Amt hat Papst Leo XIV. ein umfassendes Interview gegeben, das nun in einem neuen Buch auf Spanisch ver\u00f6ffentlicht wurde. In \u201eLeo XIV.: B\u00fcrger der Welt, Missionar des 21. Jahrhunderts\u201c \u00e4u\u00dfert sich das Kirchenoberhaupt zu dr\u00e4ngenden Fragen unserer Zeit: von den tragischen Ereignissen in Gaza \u00fcber die Beziehungen zu China bis hin zu innerkatholischen Debatten um die Rolle der Frauen und den Umgang mit LGBTQ+-Personen.<\/p>\n<p><b><i>Salvatore Cernuzio &#8211; Vatikanstadt<\/i><\/b><\/p>\n<p>Als Papst wolle er \u201eBr\u00fccken bauen\u201c und \u201edie Polarisierungen, die es in der Welt und in der Kirche gibt, nicht noch weiter anheizen\u201c. Mit diesen Worten umschreibt Leo XIV. seine Mission. Er beklagt die \u201eschreckliche\u201c Situation in Gaza, gegen\u00fcber der \u201ewir nicht abstumpfen d\u00fcrfen\u201c, und betont, der Heilige Stuhl sei derzeit nicht der Ansicht, \u201edass man eine Erkl\u00e4rung zur Definition von Genozid abgeben k\u00f6nne\u201c.<br \/>\nDer Papst versichert au\u00dferdem, sich nicht in die Politik seines Heimatlandes USA einzumischen \u2013 doch \u201ekeine Angst\u201c zu haben, auch Pr\u00e4sident Trump gegen\u00fcber dringende Fragen anzusprechen. Zur China-Politik k\u00fcndigt er Kontinuit\u00e4t an und erkl\u00e4rt, den Weg seiner Vorg\u00e4nger fortsetzen zu wollen. In der Spur von Papst Franziskus will er Frauen in Leitungspositionen berufen, h\u00e4lt aber fest, dass sich die Lehre \u00fcber die Priesterweihe von Frauen nicht \u00e4ndern werde. Auch zur LGBTQ+-Frage \u00e4u\u00dfert er sich: Es gebe eine \u201eAufnahme f\u00fcr alle, alle, alle\u201c, aber \u201edie Lehre der Kirche wird so bleiben, wie sie ist\u201c.<br \/>\nDie Missbrauchsf\u00e4lle bezeichnet Leo XIV. als \u201eechte Krise\u201c. Er fordert gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche N\u00e4he zu den Opfern, erinnert aber daran, dass es vereinzelt auch falsche Anschuldigungen gegeben habe. Bei der finanziellen Krise des Vatikans mahnt er zu Pragmatismus: Man solle nicht \u201ejammern\u201c, sondern weiter Pl\u00e4ne entwickeln. \u201eAber ich verliere deswegen nicht den Schlaf\u201c, sagt er.<br \/>\nDas Gespr\u00e4ch mit Elise Ann Allen, die erste gro\u00dfe Interview\u00e4u\u00dferung seit seiner Wahl, ist im heute (18. September) erscheinenden Band <i>\u201eLeo XIV: ciudadano del mundo, misionero del siglo XXI\u201c<\/i>\u00a0in spanischer Sprache (Penguin Per\u00fa) ver\u00f6ffentlicht. Am 14. September, seinem 70. Geburtstag, waren erste Ausz\u00fcge daraus vorgestellt worden.<\/p>\n<p><b>Das Drama von Gaza<\/b><br \/>\nGleich zu Beginn \u00e4u\u00dfert sich der Papst zur Lage im Nahen Osten. \u201eObwohl die USA Druck auf Israel ausge\u00fcbt haben und Pr\u00e4sident Trump Erkl\u00e4rungen abgegeben hat, gab es keine klare Antwort, um das Leiden der Bev\u00f6lkerung zu lindern\u201c, sagt Leo XIV. Besonders Kinder litten Hunger und br\u00e4uchten k\u00fcnftig medizinische Hilfe und humanit\u00e4re Unterst\u00fctzung. \u201eEs ist schrecklich, diese Bilder im Fernsehen zu sehen\u2026 so viel Leid kann man kaum ertragen\u201c, f\u00fcgt er hinzu.<br \/>\nZum h\u00e4ufigen Gebrauch des Begriffs \u201eGenozid\u201c in Bezug auf Gaza erkl\u00e4rt der Papst: \u201eDie Definition ist sehr technisch, und offiziell sieht der Heilige Stuhl derzeit keinen Grund f\u00fcr eine Stellungnahme.\u201c Dass die Debatte w\u00e4chst, r\u00e4umt er ein, auch weil israelische Menschenrechtsgruppen die Frage aufwerfen.<\/p>\n<p><b>Beziehungen zu China<\/b><br \/>\nMit Blick auf China betont der Papst, die langj\u00e4hrige Politik der vatikanischen Diplomatie fortzuf\u00fchren. Er stehe im \u201est\u00e4ndigen Dialog mit verschiedenen chinesischen Gespr\u00e4chspartnern\u201c, um besser zu verstehen, wie die Kirche dort ihre Mission fortsetzen k\u00f6nne, \u201eim Respekt vor Kultur und politischer Situation\u201c. Besonders denke er an Katholiken, die \u201elange Jahre unter Schwierigkeiten litten, ihren Glauben frei zu leben\u201c.<\/p>\n<p><b>Die USA und Pr\u00e4sident Trump<\/b><br \/>\nAls erster Papst aus den Vereinigten Staaten glaubt Leo XIV. nicht, dass seine Herkunft die globale Politik ma\u00dfgeblich beeinflusst. Aber sie k\u00f6nne die Beziehung zum US-Episkopat verbessern: \u201eMan kann mir nicht vorwerfen, wie Franziskus, dass ich die USA nicht verstehe.\u201c Parteipolitik sei jedoch nicht seine Aufgabe: \u201eEs ist Aufgabe der Kirchenleitung in den USA, mit dem Pr\u00e4sidenten im Gespr\u00e4ch zu sein. Aber wenn es spezifische Themen gibt, h\u00e4tte ich kein Problem, sie selbst anzusprechen.\u201c<br \/>\nZu Donald Trump merkt der Papst an, dieser habe k\u00fcrzlich erkl\u00e4rt, er wolle ihn nicht treffen. Der US-Pr\u00e4sident habe aber den mittleren der drei leiblichen Prevost-Br\u00fcder, Louis, als \u201eguten Kerl\u201c bezeichnet, den er im Oval Office empfing. \u201eWir Br\u00fcder sind uns trotz politischer Unterschiede sehr nah\u201c, sagt Leo XIV.<\/p>\n<p><b>Missbrauchskrise in der Kirche<\/b><br \/>\nZur Missbrauchsproblematik erkl\u00e4rt Leo XIV., \u00fcber 90 Prozent der Vorw\u00fcrfe stammten erwiesenerma\u00dfen von echten Opfern. \u201eAber es gab auch nachweislich falsche Anschuldigungen, die Leben zerst\u00f6rt haben\u201c, so der Papst. Wichtig sei, die Rechte der Opfer wie auch der Beschuldigten zu achten. \u201eDoch das zu sagen, verursacht manchmal noch mehr Leid.\u201c<br \/>\nEr warnt davor, dass Missbrauch \u201ezum einzigen Brennpunkt der Kirche\u201c werde: \u201eDie gro\u00dfe Mehrheit der Priester und Ordensleute hat nie jemanden missbraucht. Die Kirche darf nicht auf dieses eine Thema reduziert werden.\u201c<\/p>\n<p><b>LGBTQ+ und Frauen<\/b><br \/>\nMit Blick auf LGBTQ+-Personen bekr\u00e4ftigt der Papst: \u201eAlle sind eingeladen, nicht wegen einer spezifischen Identit\u00e4t, sondern weil alle Kinder Gottes sind.\u201c Das \u00e4ndere jedoch nichts an der Lehre \u00fcber Ehe und Sexualit\u00e4t: \u201eEine Familie besteht aus Mann und Frau, die im Sakrament der Ehe gesegnet sind.\u201c<br \/>\nAuch zur Frage der Frauenordination \u00e4u\u00dferte sich der Papst klar: \u201eIch beabsichtige nicht, die Lehre zu \u00e4ndern.\u201c Frauen sollen aber abseits der Priesterweihe weiterhin F\u00fchrungsrollen in der Kirche \u00fcbernehmen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><b>Finanzen und Reformen<\/b><br \/>\nZur wirtschaftlichen Situation der Kirche verweist der Papst auf Fortschritte, etwa ein positives Ergebnis von 60 Millionen Euro im Haushaltsbericht 2024. Probleme blieben, wie der Pensionsfonds oder die R\u00fcckschl\u00e4ge durch die Covid-Krise bei den Vatikanischen Museen. \u201eWir m\u00fcssen falsche Entscheidungen wie im Fall des Londoner Immobiliengesch\u00e4fts vermeiden\u201c, mahnt er. Doch trotz aller Herausforderungen: \u201eIch verliere dar\u00fcber nicht den Schlaf.\u201c<br \/>\nReformen in der Kurie seien n\u00f6tig, erkl\u00e4rt er, um \u201eAbschottungen zwischen den Dikasterien\u201c aufzubrechen, die den Dialog behinderten.<\/p>\n<p><b>Liturgie, Fake News und KI<\/b><br \/>\nDie Debatte um die tridentinische Messe bezeichnet Leo XIV. als \u201eProblem\u201c, weil die Liturgie politisch instrumentalisiert werde. Er k\u00fcndigt Gespr\u00e4che mit Anh\u00e4ngern des alten Ritus an \u2013 \u201emit synodaler Methode\u201c.<br \/>\nAuch zur Flut falscher Nachrichten im Netz und zu K\u00fcnstlicher Intelligenz bezieht er Position. \u201eFake News sind zerst\u00f6rerisch\u201c, sagt er und warnt vor den Gefahren einer digitalen Welt, die sich verselbstst\u00e4ndige. Ein besonders drastisches Beispiel: Jemand habe ihn gefragt, ob er einen \u201ek\u00fcnstlichen Papst\u201c als Avatar erlaube. Seine Antwort: \u201eDas werde ich niemals genehmigen. Wenn es jemanden gibt, der nicht als Avatar dargestellt werden sollte, dann steht der Papst ganz oben auf der Liste.\u201c<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/de\/papst\/news\/2025-09\/papst-leo-xiv-interview-crux-polarisierung-brueckenbauen-kirche.html\">www.vaticannews.va\/de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach wenigen Monaten im Amt hat Papst Leo XIV. ein umfassendes Interview gegeben, das nun in einem neuen Buch auf Spanisch ver\u00f6ffentlicht wurde. In \u201eLeo XIV.: B\u00fcrger der Welt, Missionar des 21. 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