{"id":79546,"date":"2025-10-09T19:24:48","date_gmt":"2025-10-09T16:24:48","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=79546"},"modified":"2026-05-05T19:47:59","modified_gmt":"2026-05-05T16:47:59","slug":"dilexi-te-von-leo-xiv-das-steht-drin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/dilexi-te-von-leo-xiv-das-steht-drin\/","title":{"rendered":"\u201eDilexi te\u201c von Leo XIV.: Das steht drin"},"content":{"rendered":"<p class=\"article__subTitle\">Papst Leo XIV. hat zum ersten Mal in seinem Pontifikat ein gr\u00f6\u00dferes Apostolisches Schreiben (\u201eExhortation\u201c) ver\u00f6ffentlicht: eine von seinem verstorbenen Vorg\u00e4nger Franziskus begonnene Arbeit zum Thema Dienst an den Armen. Hier erfahren Sie, was drinsteht.<\/p>\n<div>\n<p><b>Salvatore Cernuzio \u2013 Vatikanstadt *<\/b><\/p>\n<p>Dilexi te, \u201eIch habe dir meine Liebe zugewandt\u201c (Offb 3,9). Die Liebe Christi, die in der Liebe zu den Armen Fleisch wird, verstanden als F\u00fcrsorge f\u00fcr die Kranken, Kampf gegen die Sklaverei, Verteidigung von Frauen, die Opfer von Gewalt geworden sind, Recht auf Bildung, Begleitung von Migranten, Almosen, Gerechtigkeit. Das sind die Kernthemen des 121 Punkte umfassenden Textes, der das Lehramt der Kirche \u00fcber die Armen neu durchbuchstabiert.<br \/>\nMit diesem Dokument, das am 4. Oktober, dem Festtag des heiligen Franz von Assisi, unterzeichnet wurde, tritt der Augustiner-Papst in die Fu\u00dfstapfen seiner Vorg\u00e4nger: Johannes XXIII. mit <a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/john-xxiii\/de\/encyclicals\/documents\/hf_j-xxiii_enc_15051961_mater.html\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener\">\u201eMater et Magistra\u201c<\/a>; Paul VI. mit \u201e<a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/paul-vi\/de\/encyclicals\/documents\/hf_p-vi_enc_26031967_populorum.html\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener\">Populorum progressio<\/a>\u201c; Johannes Paul II., der \u201edie vorrangige Option der Kirche f\u00fcr die Armen\u201d herausstrich; Benedikt XVI. mit \u201e<a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/benedict-xvi\/de\/encyclicals\/documents\/hf_ben-xvi_enc_20090629_caritas-in-veritate.html\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener\">Caritas in Veritate<\/a>\u201c; und schlie\u00dflich Franziskus, der die Sorge f\u00fcr und mit den Armen zu einem der Grundpfeiler seines Pontifikats gemacht hat.<\/p>\n<p><strong>Von Franziskus begonnen<\/strong><br \/>\nPapst Franziskus hatte vor seinem Tod im April dieses Jashres mit der Arbeit an der \u201eApostolischen Exhortation\u201c (lat., Ermahnung) begonnen. Wie im Fall von \u201eLumen Fidei\u201c von Benedikt XVI. im Jahr 2013 ist es auch diesmal der Nachfolger, der das Werk vollendet. Dabei verl\u00e4uft eine Linie von \u201eDilexi te\u201c zu \u201e<a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/encyclicals\/documents\/20241024-enciclica-dilexit-nos.html\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener\">Dilexit Nos<\/a>\u201c, der letzten Enzyklika des argentinischen Papstes \u00fcber die Herz-Jesu-Verehrung, und das liegt am Zusammenhang zwischen der Gottes- und der N\u00e4chstenliebe.<\/p>\n<p><strong>Die Gesichter der Armut<\/strong><br \/>\nDas Schreiben des neuen Papstes analysiert, welche \u201eGesichter\u201c die Armut heutzutage annimmt. Er spricht von der materiellen Armut, der sozialen Ausgrenzung, von moralischer, spiritueller und kultureller Armut (9). Aber auch von neuen Formen der Armut, die \u201esubtiler und gef\u00e4hrlicher\u201c sind (10): Gemeint ist eine Armut, die mit einem f\u00fcr viele ungerechten Weltwirtschaftssystem einhergeht.<br \/>\nLeo XIV. begr\u00fc\u00dft ausdr\u00fccklich, \u201edass die Vereinten Nationen die Beseitigung der Armut zu einem der Millenniums-Ziele erkl\u00e4rt haben\u201c. Der Weg, um dieses Ziel zu erreichen, sei allerdings lang, bemerkt er unter \u00dcbernahme zweier ber\u00fchmter Franziskus-Zitate: von der \u201eDiktatur einer Wirtschaft, die t\u00f6tet\u201c (92), und von der \u201eWegwerfkultur\u201c. Diese nehme es \u201egleichg\u00fcltig hin, dass Millionen von Menschen verhungern oder unter menschenunw\u00fcrdigen Bedingungen \u00fcberleben\u201c (11). Der Papst fordert einen \u201eMentalit\u00e4tswandel\u201c, damit die W\u00fcrde jedes Menschen \u201ejetzt und nicht erst morgen\u201c respektiert wird.<\/p>\n<p><strong>Aufnahme von Migranten<\/strong><br \/>\nViel Raum widmet Leo XIV. dem Thema Migration, ausgehend von dem traurigen Bild des kleinen Alan Kurdi: Das Bild des syrischen Jungen, der tot an einem Strand liegt, ging vor einigen Jahren um die Welt. Leider, so schreibt der Papst, \u201ewerden derartige Vorkommnisse immer mehr zu irrelevanten Randnotizen\u201c (11).<br \/>\nAusf\u00fchrlich erinnert der Papst dann an das Engagement der Kirche f\u00fcr Migranten: \u201eWie eine Mutter begleitet die Kirche alle, die unterwegs sind. Wo die Welt Bedrohungen sieht, sieht sie Kinder; wo Mauern errichtet werden, baut sie Br\u00fccken. Sie wei\u00df, dass ihre Verk\u00fcndigung nur dann glaubw\u00fcrdig ist, wenn sie sich in Gesten der N\u00e4he und der Aufnahme ausdr\u00fcckt; und dass in jedem zur\u00fcckgewiesenen Migranten Christus selbst an die T\u00fcren der Gemeinschaft klopft\u201c (75).<br \/>\nIm \u00fcbrigen macht sich der US-Papst, der lange in Peru gelebt hat, in Sachen Migration die ber\u00fchmten \u201evier Verben\u201c seines Vorg\u00e4ngers Franziskus zu eigen: \u201eAufnehmen, sch\u00fctzen, f\u00f6rdern, integrieren\u201c. Und von dem argentinischen Papst \u00fcbernimmt er auch die Definition der Armen als \u201eLehrer des Evangeliums\u201c.<\/p>\n<p><strong>Ideologien, irref\u00fchrende Politik, Gleichg\u00fcltigkeit<\/strong><br \/>\nAls \u201edoppelt arm\u201c bezeichnet Papst Leo Frauen, die unter Ausgrenzung, Misshandlung und Gewalt leiden (12). Und er holt zu einer tiefgreifenden Reflexion \u00fcber die Ursachen von Armut aus: \u201eDie Armen gibt es nicht zuf\u00e4llig oder aufgrund eines blinden und bitteren Schicksals. Noch weniger ist Armut f\u00fcr die meisten von ihnen eine freie Entscheidung. Und doch gibt es immer noch Personen, die dies behaupten und damit ihre Blindheit und Grausamkeit offenbaren\u201c (14). Nicht selten, so bemerkt er, lassen sich sogar Christen \u201evon weltlichen Ideologien oder politischen und wirtschaftlichen Orientierungen anstecken, die zu ungerechten Verallgemeinerungen und abwegigen Schlussfolgerungen f\u00fchren\u201c. Und nicht wenige Menschen sind der Ansicht, \u201edass allein die Regierung sich um sie k\u00fcmmern sollte oder dass es besser w\u00e4re, sie in ihrem Elend zu lassen und ihnen erst einmal das Arbeiten beizubringen\u201c (114). Ein Symptom daf\u00fcr ist aus Leos Sicht die Tatsache, dass das Almosengeben einigerma\u00dfen au\u00dfer Mode gekommen ist. Der Papst wirbt daf\u00fcr, diese Praxis wiederzuentdecken: \u201eWir m\u00fcssen uns in der Almosengabe \u00fcben, um das leidende Fleisch der Armen zu ber\u00fchren\u201c (119).<br \/>\nAusdr\u00fccklich r\u00fcgt Papst Leo, dass einige christliche Bewegungen oder Gruppen es an Engagement f\u00fcr die Benachteiligten fehlen lie\u00dfen (112). Das sei deswegen schwerwiegend, weil \u201eein untrennbares Band zwischen unserem Glauben und den Armen besteht\u201c (36).<\/p>\n<p><strong>Das Zeugnis der Heiligen und der Orden<\/strong><br \/>\nAls Gegenmittel zur Gleichg\u00fcltigkeit bietet Leo XIV. in seiner Exhortation eine ganze Phalanx von Heiligen, Seligen und Missionaren auf: Franz von Assisi, Mutter Teresa, St. Augustinus und viele andere. Und er w\u00fcrdigt ausgiebig das Wirken von Orden f\u00fcr die Kranken, f\u00fcr die Aufnahme von Waisen, Witwen und Bettlern, f\u00fcr die Befreiung der Opfer der Sklaverei.<br \/>\nDie Tradition dieser Orden sei nicht zu Ende. Im Gegenteil, sie inspiriere neue Formen des Handelns angesichts der modernen Formen der Sklaverei: Menschenhandel, Zwangsarbeit, sexuelle Ausbeutung, verschiedene Formen der Abh\u00e4ngigkeit. \u201eWenn die christliche N\u00e4chstenliebe konkret gelebt wird, dann wirkt sie befreiend\u201c (61).<\/p>\n<p><strong>Eine Stimme, die aufr\u00fcttelt und anprangert<\/strong><br \/>\nIn seinem Schreiben bekr\u00e4ftigt der Papst auch, wie wichtig es ist, sich f\u00fcr die Bildung von armen und benachteiligten Menschen zu engagieren. Er erw\u00e4hnt \u2013 ganz auf der Linie des Vorg\u00e4ngers Franziskus \u2013 den Kampf von Volksbewegungen, deren F\u00fchrer \u201eoft verd\u00e4chtigt, ja verfolgt werden\u201c (80), und wendet sich schlie\u00dflich an das gesamte Volk Gottes mit der Aufforderung, \u201e, die Stimme \u2026 zu erheben, damit sie aufr\u00fcttelt, anprangert und sich auch dann exponiert, wenn dies bedeutet, als \u201adumm\u2018 angesehen zu werden\u201c (97). \u201eDie Strukturen der Ungerechtigkeit m\u00fcssen mit der Kraft des Guten erkannt und zerst\u00f6rt werden\u2026\u201c (ibd.).<br \/>\nAm Schluss des neuen Dokuments steht eine Mahnung an alle Christen: Es sei notwendig, \u201edass wir alle uns von den Armen evangelisieren lassen\u201c (102). Sie seien \u201ef\u00fcr die Christen keine soziologische Kategorie, sondern das Fleisch Christi selbst\u201c (110).<\/p>\n<p><i>* Der Text wurde von Stefan v. Kempis ins Deutsche \u00fcbersetzt und bearbeitet.<\/i><\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/de\/papst\/news\/2025-10\/zusammenfassung-dilexi-te-papst-leo-xiv-exhortation-armut-kirche.html\">www.vaticannews.va\/de<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Papst Leo XIV. hat zum ersten Mal in seinem Pontifikat ein gr\u00f6\u00dferes Apostolisches Schreiben (\u201eExhortation\u201c) ver\u00f6ffentlicht: eine von seinem verstorbenen Vorg\u00e4nger Franziskus begonnene Arbeit zum Thema Dienst an den Armen. Hier erfahren Sie, was drinsteht. Salvatore Cernuzio \u2013 Vatikanstadt * Dilexi te, \u201eIch habe dir meine Liebe zugewandt\u201c (Offb 3,9). 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