{"id":80179,"date":"2025-10-30T18:50:16","date_gmt":"2025-10-30T16:50:16","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=80179"},"modified":"2025-10-30T18:51:32","modified_gmt":"2025-10-30T16:51:32","slug":"mit-grosser-hoffnung-setze-ich-den-synodalen-pfad-fort-gespraech-mit-s-e-josef-csaba-pal-dioezesanbischof-von-temeswar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/mit-grosser-hoffnung-setze-ich-den-synodalen-pfad-fort-gespraech-mit-s-e-josef-csaba-pal-dioezesanbischof-von-temeswar\/","title":{"rendered":"Mit gro\u00dfer Hoffnung setze ich den synodalen Pfad fort \u2013 Gespr\u00e4ch mit S.E. Josef Csaba P\u00e1l, Di\u00f6zesanbischof von Temeswar"},"content":{"rendered":"<p>Anl\u00e4sslich des Heiligen Jubil\u00e4umsjahres 2025, das vom inzwischen verstorbenen Papst Franziskus ausgerufen wurde, pilgerten mehrere Gruppen aus der Di\u00f6zese Temeswar nach Rom. Priester, Ordensleute und Laien machten sich auf den Weg in die Ewige Stadt, um die Heiligen Pforten zu durchschreiten und gemeinsam mit Hunderttausenden von Pilgern aus aller Welt ihren Glauben und ihre Gemeinschaft zu feiern. Mit dem r\u00f6mischen Treffen der synodalen Gruppen Ende Oktober fanden die vom Bistum Temeswar organisierten Jubil\u00e4umspilgerreisen auf di\u00f6zesaner Ebene ihren Abschluss. \u00dcber die in Rom gesammelten Erfahrungen sprachen wir mit S.E. Josef Csaba P\u00e1l, Di\u00f6zesanbischof.<\/p>\n<p><strong><em>\u2013\u00a0 An wie vielen Jubil\u00e4umspilgerreisen hat Eure Exzellenz teilgenommen? <\/em><\/strong><br \/>\n\u2013 Im M\u00e4rz nahm ich an einem \u00f6kumenischen Jubil\u00e4umstreffen teil, im Rahmen dessen wir zur Basilika St. Paul vor den Mauern pilgerten und durch die dortige Heilige Pforte schritten. In der Basilika durfte ich an einem sch\u00f6nen \u00f6kumenischen Gebet teilnehmen, das mein Inneres auf besondere Weise \u00f6ffnete. Es folgte die Jubil\u00e4umswallfahrt der Familien vom 30. Mai bis zum 4. Juni, bei der mehrere Hundert Teilnehmer aus dem Land dabei waren \u2013 aus unserer Di\u00f6zese etwa vierzig Personen. Es war bereichernd, Einblick in die Familienpastoral aus aller Welt zu gewinnen. Was mich besonders ber\u00fchrt hat, war die Tatsache, dass Familien verschiedene Vereinigungen, Gruppen und Gemeinschaften gr\u00fcnden, weil sie einander unterst\u00fctzen m\u00f6chten. Diese Vereinigungen sind meist nicht t\u00e4tigkeitsorientiert, sondern beziehungsorientiert. Das bedeutet, sie organisieren sich nicht, um gemeinsame Aktivit\u00e4ten durchzuf\u00fchren, sondern um ihre Sorgen miteinander zu teilen. Als interessante Randnotiz erw\u00e4hne ich, dass es beispielsweise eine Vereinigung von Schwiegerm\u00fcttern gibt oder eine Vereinigung von Eltern, deren Kinder homosexuell sind. Ebenso wird es als sehr wichtig erachtet, dass verschiedene Vereinigungen zum Thema Kindererziehung entstehen, denn Kinder achten besonders aufeinander und bemerken, wenn manchen ihrer Kameraden von den Eltern mehr erlaubt wird als ihnen selbst. Es ist gut, wenn sie sehen, dass viele \u00e4hnlich denken. Vom 23. bis 28. Juni fand die Wallfahrt der Bisch\u00f6fe und Priester statt. Aus unserer Di\u00f6zese nahmen 23 Personen teil: ein Bischof, ein Diakon und 21 Priester. Es war eine sehr, sehr sch\u00f6ne Pilgerreise, bei der wir sp\u00fcrten, wie viel n\u00e4her wir einander gekommen sind \u2013 wir suchten gemeinsam ein Restaurant zum Essen, gingen gemeinsam zu Fu\u00df, warteten gemeinsam auf den Bus\u2026 Wir nahmen an der Priesterweihe in der Petersbasilika teil, die vom Heiligen Vater zelebriert wurde, und es war f\u00fcr uns ein sch\u00f6nes internationales Erlebnis zu sehen, wie Priester und Gl\u00e4ubige aus verschiedenen Nationen und Kontinenten diese Liturgie erleben. Bei dieser Gelegenheit besuchten wir auch das r\u00f6mische Zentrum der Sant\u2019Egidio-Gemeinschaft, und es war bewegend zu sehen, wie diese Gemeinschaft heute zum Beispiel gemeinsam mit Jugendlichen f\u00fcr Arme oder Drogenabh\u00e4ngige arbeitet, die Hilfe ben\u00f6tigen. Wir speisten in einem Restaurant, in dem Menschen mit Behinderungen oder Beeintr\u00e4chtigungen bedienten \u2013 sie wurden eingestellt, um durch ihre Arbeit die eigene W\u00fcrde und ihr Selbstvertrauen zur\u00fcckzugewinnen. Zuletzt nahm ich an der Wallfahrt der synodalen Gruppen Ende Oktober teil, bei dem von den 13 Mitgliedern unserer di\u00f6zesanen Synodalgruppe 12 Personen an diesem Treffen teilnehmen konnten. Es war ein gro\u00dfes Erlebnis f\u00fcr uns, dass der Heilige Vater zwei Stunden mit uns verbrachte. Vertreter verschiedener Kontinente berichteten dar\u00fcber, wie der synodale Prozess in ihren Regionen verl\u00e4uft. Nach den Berichten stellte jeder von ihnen dem Heiligen Vater eine Frage, auf die er direkt vor Ort antwortete. Wir nahmen auch an Kleingruppengespr\u00e4chen, Workshops und Vortr\u00e4gen teil. Mehrere Themen kamen zur Sprache, wie zum Beispiel: Wie beginnt man einen synodalen Prozess? Wie definiert man dessen Ziel? F\u00fcr wen ist er gedacht? Wie geht man mit Einw\u00e4nden um und was kann man daraus machen? Es war eine sch\u00f6ne Lektion in Unterscheidung \u2013 und zugleich eine gro\u00dfe Hilfe. Es war sch\u00f6n, all dies vor Ort gemeinsam mit anderen zu erleben, denn wir wurden sehr aktiv in die Programme und Workshops eingebunden. Es war beeindruckend zu sehen, wie auf der ganzen Welt versucht wird, in diese Richtung Schritte zu unternehmen. Mancherorts ist das Tempo etwas schneller, andernorts geht es langsamer voran. Wichtig ist, dass wir den guten Willen und das Bestreben gesehen haben, durch synodale Aktivit\u00e4ten zur Erneuerung der Kirche beizutragen. In unserem Fall wurde besonders hervorgehoben und gew\u00fcrdigt \u2013 unter anderem von Kardinal Hollerich \u2013, dass wir den teilnehmenden Gruppen die Themen und Fragen der synodalen Gespr\u00e4che im Voraus zusenden, damit die Mitglieder Zeit haben, dar\u00fcber nachzudenken und sich so leichter in den ihnen zur Verf\u00fcgung stehenden drei Minuten \u00e4u\u00dfern k\u00f6nnen. Zugleich konnten wir viel von anderen lernen \u2013 etwa, dass es Orte gibt, an denen spezielle B\u00fcros eingerichtet wurden, die diese Aktivit\u00e4ten koordinieren, sei es auf di\u00f6zesaner oder nationaler Ebene. Auch w\u00e4hrend der Heiligen Messe, die der Heilige Vater am Sonntag, dem 26. Oktober zelebrierte, erhielten wir viel Ermutigung. Papst Leo XIV. betonte, dass niemand die volle Wahrheit besitzt. Wir alle suchen nach einer immer gr\u00f6\u00dferen F\u00fclle der Wahrheit \u2013 dazu brauchen wir Gott, aber auch einander, denn wir m\u00fcssen gemeinsam danach suchen. Der Kern der Synodalit\u00e4t besteht genau darin, gemeinsam den Willen und den Plan Gottes zu erkennen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/2-2.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"lazyload size-large wp-image-80174 aligncenter\" src=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/2-2-1024x576.jpg\" data-orig-src=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/2-2-1024x576.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"576\" srcset=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%271024%27%20height%3D%27576%27%20viewBox%3D%270%200%201024%20576%27%3E%3Crect%20width%3D%271024%27%20height%3D%27576%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-srcset=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/2-2-200x112.jpg 200w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/2-2-300x169.jpg 300w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/2-2-400x225.jpg 400w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/2-2-600x337.jpg 600w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/2-2-768x432.jpg 768w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/2-2-800x450.jpg 800w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/2-2-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/2-2-1200x675.jpg 1200w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/2-2-1536x864.jpg 1536w\" data-sizes=\"auto\" data-orig-sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong><em>\u2013 \u00a0Jede Pilgerreise brachte gewiss neue Erfahrungen mit sich. Was aber war ihnen allen gemeinsam, und welches besondere Erlebnis tr\u00e4gt Eure Exzellenz im Herzen im Zusammenhang mit diesen Wallfahrten? <\/em><\/strong><br \/>\n\u2013 Gemeinsam war die Erfahrung, dass die Pilger nicht nach Rom kamen, weil sie dazu gezwungen wurden oder weil es eine Pflicht war. Dort waren Tausende, Zehntausende von Menschen, die nicht als Mitglieder vorab geplanter Jubil\u00e4umsgruppen teilnahmen, sondern aus freiem Willen Zeit f\u00fcr diese Gelegenheiten aufbrachten \u2013 Zeit f\u00fcr geistliche Erbauung, f\u00fcr Erneuerung, f\u00fcr den lieben Gott. Es war ein sch\u00f6nes Gef\u00fchl, Teil dieser weltweiten Bewegung zu sein, im Herzen der Kirche zu stehen, die Begeisterung, Freude und den Glauben der Menschen aus aller Welt zu sehen. Ich bin \u00fcberzeugt, dass die meisten von uns, die dort waren, in der Hoffnung gest\u00e4rkt wurden. Genau das war das Ziel des Heiligen Vaters mit diesem Jubil\u00e4um: dass wir in der Hoffnung gest\u00e4rkt werden. Wir waren dort als Pilger der Hoffnung, und der Glaube der anderen, der Vielen, hat uns gest\u00e4rkt \u2013 denn wir sahen, dass auch andere mit Schwierigkeiten zu k\u00e4mpfen haben, und dennoch mit Begeisterung und Freude dem Herrn folgen und f\u00fcr die Kirche wirken wollen. Ich denke, das hat vielen von uns, die aus der Di\u00f6zese an diesen Pilgerreisen teilgenommen haben, einen starken Impuls gegeben. Erneuerung geschieht nicht so, dass man sie heute plant und \u00fcbermorgen verwirklicht. Sie vollzieht sich dadurch, dass wir jeden Tag einen kleinen Schritt in diese Richtung machen. Zum Beispiel bei den synodalen Gespr\u00e4chen: dadurch, dass wir dem anderen zuh\u00f6ren und selbst den Mut haben auszusprechen, wie wir Gottes Willen in dem jeweiligen Bereich sehen, bereichern wir uns gegenseitig. Wir erleben, dass wir gemeinsam am Aufbau des Reiches Gottes mitwirken. Nicht so, dass einige befehlen und andere ausf\u00fchren, sondern gemeinsam. Diese \u201eGemeinsamkeitserfahrung\u201c, die wir nach und nach gewinnen, wird mit der Zeit nicht nur ein Erlebnis bleiben, sondern zur Gewohnheit werden \u2013 dass wir gemeinsam arbeiten wollen und dass jeder wichtig ist. Manchmal ist es schwierig, denn manche \u00e4u\u00dfern Meinungen, an die wir selbst gar nicht gedacht haben, und wir k\u00f6nnen kaum nachvollziehen, wie solche Ideen entstehen. Doch die synodale Haltung hilft uns, dennoch dar\u00fcber nachzudenken. Und am Ende ist es nicht sicher, ob meine oder die Meinung des anderen ausschlaggebend ist \u2013 sondern aus dem gemeinsamen Nachdenken entsteht etwas, das uns auf den Weg des Handelns f\u00fchrt. Denn es reicht nicht aus, nur zu entscheiden, dass wir losgehen \u2013 wir m\u00fcssen es auch verwirklichen.<\/p>\n<p><strong><em>\u2013 Wurde beim Pilgerweg der synodalen Gruppen eine Botschaft, eine Ermutigung oder ein Vorschlag ge\u00e4u\u00dfert, der sich besonders auf unsere Di\u00f6zese bezieht oder den Eure Exzellenz als besonders wichtig empfindet?<\/em><\/strong><br \/>\n\u2013 F\u00fcr unsere Di\u00f6zese \u2013 wie auch f\u00fcr andere \u2013 ist es wichtig, dass wir eine lebendige pers\u00f6nliche Beziehung zu Jesus Christus haben, denn von Ihm kommt die Hilfe, von Ihm erhalten wir den Ansto\u00df, die Ermutigung und die F\u00fchrung \u2013 und wenn wir fallen, ist Er es, der uns aufrichtet. Ich sehe unsere besondere St\u00e4rke darin, dass unsere Di\u00f6zese multikulturell gepr\u00e4gt ist. Auf den ersten Blick mag das eine Herausforderung sein \u2013 und manchmal ist es das auch \u2013 doch zugleich ist es ein gro\u00dfer Reichtum, ein Geschenk, das uns noch offener f\u00fcr Verschiedenheit macht. Und was wir schon so oft betont haben: Hier im Banat, in dieser Di\u00f6zese, haben die Menschen gelernt, dass der andere anders ist \u2013 und dass er auch anders sein darf. Ja sogar: Es ist gut, dass er anders ist, denn so kann er die anderen bereichern. Und das ist nicht nur ein sch\u00f6ner Leitsatz, sondern gelebte Realit\u00e4t, denn die sprachliche, kulturelle oder religi\u00f6se Verschiedenheit flie\u00dft auch in das Leben der Familien ein, wo Mann und Frau erkennen, dass sie den anderen nicht vereinheitlichen wollen, sondern ihn in seiner Andersartigkeit akzeptieren, respektieren und einander helfen, diese zu leben. Ich denke, dass der Geist der Synodalit\u00e4t sehr gut zu unserer Di\u00f6zese passt und f\u00fcr uns besonders viel bedeutet. Vielleicht sp\u00fcrt man dort, wo die Pastoral nur in einer Sprache stattfindet, diese Notwendigkeit nicht so stark. Aber ich bin voller Hoffnung aus Rom nach Hause zur\u00fcckgekehrt \u2013 und setze den synodalen Weg mit gro\u00dfer Hoffnung fort.<\/p>\n<p><strong><em>\u2013 Wir danken Ihnen f\u00fcr das Gespr\u00e4ch!<\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anl\u00e4sslich des Heiligen Jubil\u00e4umsjahres 2025, das vom inzwischen verstorbenen Papst Franziskus ausgerufen wurde, pilgerten mehrere Gruppen aus der Di\u00f6zese Temeswar nach Rom. 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