{"id":80594,"date":"2025-11-14T18:14:44","date_gmt":"2025-11-14T16:14:44","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=80594"},"modified":"2026-05-05T19:22:03","modified_gmt":"2026-05-05T16:22:03","slug":"botschaft-von-papst-leo-xiv-zum-ix-welttag-der-armen-am-16-november-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/botschaft-von-papst-leo-xiv-zum-ix-welttag-der-armen-am-16-november-2025\/","title":{"rendered":"Botschaft von Papst Leo XIV. zum IX. Welttag der Armen am 16. November 2025"},"content":{"rendered":"<p><b><i>Du bist meine Hoffnung (Ps 71,5)<\/i><\/b><\/p>\n<p>1. \u00bbDu bist meine Hoffnung, Herr und Gott\u00ab (<i>Ps<\/i>\u00a071,5). Diese Worte kommen aus einem von ernsten Schwierigkeiten bedr\u00e4ngten Herzen: \u00bbDu lie\u00dfest mich viel Angst und Not erfahren\u00ab (V. 20), sagt der Psalmist. Dennoch ist seine Seele aufgeschlossen und zuversichtlich, weil er fest im Glauben verankert ist, der den Beistand Gottes erkennt und bekennt: \u00bbDu bist mein Fels und meine Festung\u00ab (V. 3). Daraus geht das unersch\u00fctterliche Vertrauen hervor, dass die Hoffnung auf ihn nicht entt\u00e4uscht: \u00bbBei dir, o Herr, habe ich mich geborgen, lass mich nicht zuschanden werden in Ewigkeit\u00ab (V. 1).<br \/>\nInmitten der Pr\u00fcfungen des Lebens wird die Hoffnung durch die feste und ermutigende Gewissheit der Liebe Gottes belebt, die durch den Heiligen Geist in unsere Herzen ausgegossen ist. Deswegen entt\u00e4uscht sie nicht (vgl. <i>R\u00f6m<\/i>\u00a05,5) und der heilige Paulus kann an Timotheus schreiben: \u00bbDaf\u00fcr arbeiten und k\u00e4mpfen wir, denn wir haben unsere Hoffnung auf den lebendigen Gott gesetzt\u00ab (<i>1 Tim<\/i>\u00a04,10). Der lebendige Gott ist in der Tat der \u00bbGott der Hoffnung\u00ab (<i>R\u00f6m<\/i>\u00a015,13), der in Christus durch seinen Tod und seine Auferstehung zu \u00bbunserer Hoffnung\u00ab geworden ist (<i>1 Tim<\/i> 1,1). Wir d\u00fcrfen nicht vergessen, dass wir in dieser Hoffnung gerettet worden sind. Und in ihr m\u00fcssen wir\u00a0 auch verwurzelt bleiben.<\/p>\n<p>2. Der Arme kann zum Zeugen einer starken und verl\u00e4sslichen Hoffnung werden, gerade weil er sie in einer prek\u00e4ren Lebenssituation bekundet, die von Entbehrungen, Gebrechlichkeit und Ausgrenzung gepr\u00e4gt ist. Er verl\u00e4sst sich nicht auf die Sicherheiten von Macht und Besitz, er leidet vielmehr unter ihnen und ist oft ihr Opfer. Seine Hoffnung kann nur anderswo ruhen. Indem wir erkennen, dass Gott unsere erste und einzige Hoffnung ist, vollziehen auch wir den \u00dcbergang von verg\u00e4nglichen\u00a0<i>Hoffnungen<\/i>\u00a0zur dauerhaften\u00a0<i>Hoffnung<\/i>. Und in Anbetracht des Wunsches, Gott als Wegbegleiter zu haben, werden Reicht\u00fcmer relativiert, weil wir den wahren Schatz entdecken, den wir wirklich brauchen. Die Worte, mit denen Jesus seine J\u00fcnger ermahnt hat, sind klar und deutlich: \u00bbSammelt euch nicht Sch\u00e4tze hier auf der Erde, wo Motte und Wurm sie zerst\u00f6ren und wo Diebe einbrechen und sie stehlen, sondern sammelt euch Sch\u00e4tze im Himmel, wo weder Motte noch Wurm sie zerst\u00f6ren und keine Diebe einbrechen und sie stehlen\u00ab (<i>Mt<\/i> 6,19-20).<\/p>\n<p>3. Die schlimmste Armut ist, Gott nicht zu kennen. Daran erinnerte uns Papst Franziskus, als er in\u00a0<i>Evangelii gaudium<\/i>\u00a0schrieb: \u00bbDie schlimmste Diskriminierung, unter der die Armen leiden, ist der Mangel an geistlicher Zuwendung. Die riesige Mehrheit der Armen ist besonders offen f\u00fcr den Glauben; sie brauchen Gott und wir d\u00fcrfen es nicht unterlassen, ihnen seine Freundschaft, seinen Segen, sein Wort, die Feier der Sakramente anzubieten und ihnen einen Weg des Wachstums und der Reifung im Glauben aufzuzeigen\u00ab (Nr. 200). Hier findet sich ein grundlegendes und ganz urspr\u00fcngliches Bewusstsein daf\u00fcr, wie man in Gott seinen Schatz findet. Der Apostel Johannes betont n\u00e4mlich: \u00bbWenn jemand sagt: Ich liebe Gott!, aber seinen Bruder hasst, ist er ein L\u00fcgner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, kann Gott nicht lieben, den er nicht sieht\u00ab (<i>1 Joh<\/i>\u00a04,20).<br \/>\nEs ist eine Regel des Glaubens und ein Geheimnis der Hoffnung: Alle G\u00fcter dieser Erde, die materiellen Dinge, die Freuden der Welt, das wirtschaftliche Wohlergehen, so wichtig sie auch sein m\u00f6gen, gen\u00fcgen nicht, um das Herz gl\u00fccklich werden zu lassen. Reicht\u00fcmer t\u00e4uschen oft und f\u00fchren zu dramatischen Situationen der Armut: vor allen, wenn man meint, Gott nicht zu brauchen und das eigene Leben unabh\u00e4ngig von ihm zu f\u00fchren. Es kommen einem die Worte des heiligen Augustinus in den Sinn: \u00bbSetze deine ganze Hoffnung auf Gott: F\u00fchle dich bed\u00fcrftig nach ihm, um von ihm erf\u00fcllt zu werden. Ohne ihn wird dich alles, wor\u00fcber du verf\u00fcgst, nur noch leerer machen\u00ab (<i>Enarr. in Ps.<\/i> 85,3).<\/p>\n<p>4. Die christliche Hoffnung, auf die das Wort Gottes verweist, ist eine Gewissheit auf dem Lebensweg, weil sie nicht von menschlicher Kraft abh\u00e4ngt, sondern vom Versprechen Gottes, der immer treu ist. Deshalb haben die Christen von Anfang an die Hoffnung mit dem Symbol des Ankers verbunden, der Stabilit\u00e4t und Sicherheit bietet. Die christliche Hoffnung ist wie ein Anker, der unser Herz an dem Versprechen Jesu festmacht, der uns durch seinen Tod und seine Auferstehung gerettet hat und wieder zu uns zur\u00fcckkehren wird. Diese Hoffnung weist best\u00e4ndig auf den \u00bbneuen Himmel\u00ab und die \u00bbneue Erde\u00ab (<i>2 Petr<\/i>\u00a03,13) als wahren Horizont des Lebens hin, wo das Dasein aller Gesch\u00f6pfe seinen wirklichen Sinn finden wird, da unsere wahre Heimat im Himmel ist (vgl.\u00a0<i>Phil<\/i>\u00a03,20).<br \/>\nDaraus folgt, dass die Stadt Gottes uns f\u00fcr die St\u00e4dte der Menschen in die Pflicht nimmt. Sie m\u00fcssen bereits jetzt anfangen, ihr zu \u00e4hneln. Die Hoffnung, die von der Liebe Gottes getragen wird, die durch den Heiligen Geist in unsere Herzen ausgegossen worden ist (vgl. <i>R\u00f6m<\/i> 5,5), verwandelt das menschliche Herz in fruchtbaren Boden, auf dem die Liebe zum Leben der Welt gedeihen kann. Die Tradition der Kirche bekr\u00e4ftigt immer wieder diese Wechselbeziehung zwischen den drei theologischen Tugenden: Glaube, Hoffnung und Liebe. Die Hoffnung erw\u00e4chst aus dem Glauben, der sie n\u00e4hrt und tr\u00e4gt, und zwar auf dem Fundament der Liebe, die die Mutter aller Tugenden ist. Und die Liebe ist das, was wir heute, was wir jetzt brauchen. Sie ist kein Versprechen, sondern eine Wirklichkeit, auf die wir mit Freude und Verantwortung blicken: Sie bezieht uns mit ein und richtet unsere Entscheidungen auf das Gemeinwohl aus. Wem es hingegen an Liebe mangelt, dem fehlt nicht nur der Glaube und die Hoffnung, sondern der nimmt seinem N\u00e4chsten die Hoffnung.<\/p>\n<p>5. Die biblische Aufforderung zur Hoffnung geht also mit der Pflicht einher, in der Geschichte die dementsprechende Verantwortung zu \u00fcbernehmen, und zwar ohne zu z\u00f6gern. Denn \u00bbdie Liebe ist das gr\u00f6\u00dfte soziale Gebot\u00ab (<i>Katechismus der Katholischen Kirche<\/i>, 1889). Armut hat strukturelle Ursachen, die angegangen und beseitigt werden m\u00fcssen. W\u00e4hrend dies geschieht, sind wir alle aufgerufen, neue Zeichen der Hoffnung zu schaffen, die von der christlichen Liebe zeugen, so wie es viele Heilige zu allen Zeiten getan haben. Krankenh\u00e4user und Schulen zum Beispiel sind Einrichtungen, die geschaffen wurden, um die Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Schw\u00e4chsten und Ausgegrenzten zum Ausdruck zu bringen. Sie sollten mittlerweile Teil der staatlichen Politik eines jeden Landes sein, doch Kriege und Ungleichheiten verhindern dies oft noch. Zu Zeichen der Hoffnung werden heute immer mehr Familien-H\u00e4user, Wohngruppen f\u00fcr Minderj\u00e4hrige, Zentren des Zuh\u00f6rens und der Aufnahme, Tafeln f\u00fcr Arme, Schlafs\u00e4le, Bildungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr alle: Dies sind viele Beispiele, oft versteckt, auf die wir vielleicht nicht achten, die aber so wichtig sind, um die Gleichg\u00fcltigkeit abzusch\u00fctteln und zum Engagement in den verschiedenen Freiwilligendiensten anzuregen!<br \/>\nDie Armen sind keine Zusatzbesch\u00e4ftigung f\u00fcr die Kirche, sondern vielmehr die am meisten geliebten Br\u00fcder und Schwestern, weil jeder von ihnen durch sein Leben und auch durch die Worte und die Weisheit, deren Tr\u00e4ger er ist, dazu anregt, mit der Wahrheit des Evangeliums konkret in Ber\u00fchrung zu kommen. Deshalb will der <i>Welttag der Armen<\/i> unsere Gemeinschaften daran erinnern, dass die Armen im Mittelpunkt der gesamten Pastoral stehen. Nicht nur was ihren karitativen Aspekt betrifft, sondern auch hinsichtlich dessen, was die Kirche feiert und verk\u00fcndet. Gott hat ihre Armut angenommen, um uns durch ihre Stimmen, ihre Geschichten und ihre Gesichter reich zu machen. Ausnahmslos alle Formen der Armut sind ein Aufruf, das Evangelium konkret zu leben und wirksame Zeichen der Hoffnung zu geben.<\/p>\n<p>6. Dies ist die Einladung, die von der Feier des Heiligen Jahres ausgeht. Es ist kein Zufall, dass der <i>Welttag der Armen<\/i> gegen Ende dieses Gnadenjahres begangen wird. Wenn die Heilige Pforte geschlossen sein wird, dann werden wir die g\u00f6ttlichen Gaben, die im Laufe eines ganzen Jahres des Gebets, der Bekehrung und des Zeugnisses in unsere H\u00e4nde gelegt wurden, h\u00fcten und weitergeben m\u00fcssen. Die Armen sind keine Objekte unserer pastoralen F\u00fcrsorge, sondern kreative Subjekte, die uns herausfordern, immer neue Wege zu finden, das Evangelium heute zu leben. Angesichts immer neuer Wellen der Verarmung besteht die Gefahr, dass wir uns daran gew\u00f6hnen und resignieren. Wir begegnen jeden Tag armen oder verarmten Menschen und manchmal kann es passieren, dass wir selbst weniger haben, dass wir das verlieren, was uns einst sicher zu sein schien: eine Wohnung, ausreichend Nahrung f\u00fcr den Tag, Zugang zur Gesundheitsversorgung, ein gutes Bildungs- und Informationsniveau, Religions- und Meinungsfreiheit.<br \/>\nWenn wir das Gemeinwohl f\u00f6rdern, gr\u00fcndet unsere soziale Verantwortung auf der sch\u00f6pferischen Geste Gottes, der die G\u00fcter der Erde allen schenkt: Wie diese m\u00fcssen auch die Fr\u00fcchte der menschlichen Arbeit allen gleicherma\u00dfen zug\u00e4nglich sein. Den Armen zu helfen ist in der Tat eine Frage der Gerechtigkeit, noch bevor es eine Frage der N\u00e4chstenliebe ist. Wie der heilige Augustinus sagt: \u00bbDu gibst dem Hungrigen Brot, aber es w\u00e4re besser, niemand h\u00e4tte Hunger, auch wenn dann niemand mehr da w\u00e4re, dem du geben k\u00f6nntest. Du gibst dem Nackten Kleidung, aber wie viel besser w\u00e4re es, wenn alle Kleidung h\u00e4tten und es keine Not g\u00e4be\u00ab (<i>Kommentar zu 1 Joh<\/i>, VIII, 5)<br \/>\nIch hoffe daher, dass dieses Heilige Jahr zur Entwicklung von Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung alter und neuer Formen der Armut sowie zu neuen Initiativen zur Unterst\u00fctzung und Hilfe f\u00fcr die \u00c4rmsten der Armen beitragen kann. Arbeit, Bildung, Wohnung und Gesundheit sind Voraussetzungen f\u00fcr eine Sicherheit, die wir niemals mit Waffen erreichen k\u00f6nnen. Ich begr\u00fc\u00dfe die Initiativen, die es bereits gibt, und die Anstrengungen, die tagt\u00e4glich auf internationaler Ebene von einer gro\u00dfen Zahl von M\u00e4nnern und Frauen guten Willens unternommen werden.<br \/>\nVertrauen wir uns der allerseligsten Jungfrau Maria an, der Tr\u00f6sterin der Betr\u00fcbten, und stimmen wir zusammen mit ihr ein Lied der Hoffnung an, indem wir uns die Worte des <i>Te Deum<\/i>\u00a0zu eigen machen: \u00bb<i>In Te, Domine, speravi, non confundar in aeternum<\/i>\u00a0\u2013 Auf dich, o Herr, habe ich meine Hoffnung gesetzt. In Ewigkeit werde ich nicht zuschanden\u00ab.<\/p>\n<p><i>Aus dem Vatikan, am 13. Juni 2025, dem Gedenktag des heiligen Antonius von Padua, des Patrons der Armen<\/i><\/p>\n<p>LEO PP. XIV.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/de\/papst\/news\/2025-06\/papst-leo-xiv-botschaft-welttag-arme-wortlaut-deutsch-16-nov-25.html\">www.vaticannews.va\/de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Du bist meine Hoffnung (Ps 71,5) 1. \u00bbDu bist meine Hoffnung, Herr und Gott\u00ab (Ps\u00a071,5). Diese Worte kommen aus einem von ernsten Schwierigkeiten bedr\u00e4ngten Herzen: \u00bbDu lie\u00dfest mich viel Angst und Not erfahren\u00ab (V. 20), sagt der Psalmist. Dennoch ist seine Seele aufgeschlossen und zuversichtlich, weil er fest im Glauben verankert ist, der den Beistand Gottes [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":86081,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[66],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/80594"}],"collection":[{"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=80594"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/80594\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":86088,"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/80594\/revisions\/86088"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/86081"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=80594"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=80594"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=80594"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}