{"id":80681,"date":"2025-11-20T11:51:02","date_gmt":"2025-11-20T09:51:02","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=80681"},"modified":"2026-03-04T11:39:20","modified_gmt":"2026-03-04T09:39:20","slug":"papst-leo-xiv-wille-zur-gemeinschaft-ist-gegengift-zu-extremismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/papst-leo-xiv-wille-zur-gemeinschaft-ist-gegengift-zu-extremismus\/","title":{"rendered":"Papst Leo XIV.: Wille zur Gemeinschaft ist Gegengift zu Extremismus"},"content":{"rendered":"<p>Am 20. November 2025 erscheint ein neues Buch von Papst Leo XIV. im Vatikanverlag LEV: \u201eLa forza del Vangelo. La fede cristiana in 10 parole\u201c (Die Kraft des Evangeliums. Der christliche Glaube in 10 Worten). Lorenzo Fazzini hat f\u00fcr das Buch Papst-Texte zusammengestellt; au\u00dferdem bietet das Buch einen bisher unver\u00f6ffentlichten Text von Leo XIV., n\u00e4mlich die Einleitung. Vatican News dokumentiert diese in einer Arbeits\u00fcbersetzung.<\/p>\n<p>EINLEITUNG<\/p>\n<p>Leo XIV.<\/p>\n<p>Zehn Worte. Das ist nicht viel, aber doch genug, um \u00fcber den Reichtum des christlichen Lebens zu sprechen. Um damit anzufangen, m\u00f6chte ich von den zehn Worten drei ausw\u00e4hlen, als Auftakt f\u00fcr einen imagin\u00e4ren Dialog mit all jenen, die diese Seiten lesen werden: Christus, Gemeinschaft, Frieden. Auf den ersten Blick k\u00f6nnten diese drei Begriffe ohne Verbindung scheinen, ohne Folgen f\u00fcreinander. Doch so ist es nicht: Sie k\u00f6nnen in Bezug zueinander treten. Das m\u00f6chte ich gerne mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, vertiefen, damit wir gemeinsam das Neue, das sie bieten, und ihre Bedeutung verstehen.<br \/>\nZuerst die Zentralit\u00e4t Christi. Jeder Getaufte hat das Geschenk der Begegnung mit Ihm erhalten. Er ist von seinem Licht und seiner Gnade erreicht worden. Der Glaube ist genau dies: Nicht eine titanische Anstrengung, um einen \u00fcbernat\u00fcrlichen Gott zu erreichen, sondern die Aufnahme Jesu in unser Leben, die Entdeckung, dass das Antlitz Gottes nicht entfernt ist von unserem Herzen. Der Herr ist weder etwas Magisches noch ein unerkenntliches Geheimnis, er ist uns in Jesus nahe gekommen, in diesem Menschen, der in Betlehem geboren wurde, in Jerusalem starb, auferstand und heute lebendig ist. Heute! Das Geheimnis des Christseins besteht darin, dass Gott sich mit uns vereinen will, uns nahe sein will, unser Freund werden will. So, dass wir zu Ihm werden.<br \/>\nDer heilige Augustinus schreibt: \u201e<a id=\"top\" target=\"_blank\" rel=\"external nofollow noopener\" name=\"top\"><\/a>Versteht ihr, Br\u00fcder, erfasst ihr die Gnade, die Gott uns schenkte, als er uns Christus zum Haupt gab? Staunt, freut euch, Christus sind wir geworden. Denn wenn jener das Haupt ist, wir die Glieder, dann ist der ganze Mensch er und wir&#8220;. (1) Der christliche Glaube ist Teilhabe am g\u00f6ttlichen Leben durch die Erfahrung der Menschlichkeit Jesu. In Ihm ist Gott nicht mehr nur ein Konzept oder ein R\u00e4tsel, sondern eine uns nahe Person. Augustinus hat all dies in seiner Bekehrung erlebt, als er die Kraft der Freundschaft Christi mit H\u00e4nden griff, was sein Leben radikal ver\u00e4nderte: \u201eUnd wo war ich, als ich dich suchte? Du warst vor mir, ich aber hatte mich selbst verlassen und fand mich nicht, geschweige denn dich!\u201c(2)<br \/>\nChristus ist, dar\u00fcber hinaus, der Anfang der Gemeinschaft. Seine ganze Existenz ist durch seinen Willen, Br\u00fccke zu sein, gekennzeichnet: Br\u00fccke zur Menschheit und dem Vater, Br\u00fccke zu den Menschen, auf die er traf, Br\u00fccke zwischen Ihm und all jenen, die an den R\u00e4ndern waren. Die Kirche ist diese Gemeinschaft Christi, die in der Geschichte weitergeht. Und es ist eine Gemeinschaft, die in der Einheit die Vielfalt lebt.<br \/>\nAugustinus nutzt hier ein Bild, das des Gartens, um die Sch\u00f6nheit der Gemeinschaft der Gl\u00e4ubigen zu veranschaulichen, die aus den eigenen Unterschieden eine Vielfalt macht, welche zur Einheit hinstrebt und die nicht der Unordnung oder Verwirrung verf\u00e4llt: \u201eBr\u00fcder, dieser Garten des Herrn besitzt nicht nur die Rosen der M\u00e4rtyrer, sondern auch die Lilien der Jungfrauen, das Efeu der Eheleute und die Veilchen der Witwen. Mit einem Wort, meine Lieben, in keinem Lebensstand sollen die Menschen an ihrer Berufung zweifeln: Christus ist f\u00fcr alle gestorben. In aller Wahrheit steht \u00fcber ihn geschrieben: \u201aEr will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen\u2018 (1 Tim 2,4).\u201c (3) Diese Vielfalt wird Gemeinschaft im einen Christus. Jesus vereint uns unabh\u00e4ngig von unserer Pers\u00f6nlichkeit, unserer kulturellen und geografischen Herkunft, unserer Sprache und unserer Geschichte. Die Einheit, die Er unter seinen Freunden herstellt, ist geheimnisvoll fruchtbar und spricht zu allen: \u201eDie Kirche besteht aus allen, die mit ihren Br\u00fcdern in Eintracht leben und ihre N\u00e4chsten lieben\u201c. (4)<br \/>\nDie Christen k\u00f6nnen und m\u00fcssen in der heutigen Zeit, die von zahlreichen Kriegen gezeichnet ist, Zeugnis geben von diesem Einklang, dieser Geschwisterlichkeit, dieser N\u00e4he. Dies h\u00e4ngt nicht allein von unseren Kr\u00e4ften ab, sondern ist ein Geschenk von oben, ein Geschenk dieses Gottes, der uns versprochen hat, mit seinem Geist stets an unserer Seite, lebendig bei uns zu sein: \u201eWir haben den Heiligen Geist, wenn wir die Kirche lieben\u201c. (5) Die Kirche, ein Haus verschiedener V\u00f6lker, kann zum Zeichen daf\u00fcr werden, dass wir nicht verurteilt sind, in st\u00e4ndigem Konflikt zu leben, und sie kann den Traum einer vers\u00f6hnten, im Einklang lebenden, befriedeten Menschheit verk\u00f6rpern. Dieser Traum hat eine Basis: Jesus, sein Gebet zum Vater f\u00fcr die Einheit der Seinen. Und wenn Jesus zum Vater gebetet hat, m\u00fcssen wir umso mehr zu ihm beten, damit er uns das Geschenk einer befriedeten Welt gew\u00e4hren m\u00f6ge. Und, schlie\u00dflich, aus Christus und der Gemeinschaft herstammend: Frieden. Ein Frieden, der weder eine Frucht der Unterdr\u00fcckung noch der Gewalt ist, und auch kein Kind des Hasses oder der Rache.<br \/>\nEs ist Christus, der mit den Wunden seines Leidens den Seinen begegnet und sagt: \u201eFriede sei mit euch\u201c. Die Heiligen haben bezeugt, dass die Liebe den Krieg besiegt, dass nur die G\u00fcte die B\u00f6sartigkeit entwaffnet und dass Gewaltlosigkeit Unterdr\u00fcckung ein Ende machen kann. Wir m\u00fcssen unserer Welt ins Gesicht sehen: Wir k\u00f6nnen strukturelle Ungerechtigkeiten &#8211; Reiche werden immer reicher und im Gegenzug Arme immer \u00e4rmer \u2013 nicht l\u00e4nger hinnehmen. Hass und Gewalt riskieren, \u00fcber die Ufer zu treten und abfallendes Gel\u00e4nde zu \u00fcberfluten, bis sich die Not unter den V\u00f6lkern ausbreitet: Der Wille zur Gemeinschaft, das gegenseitige Anerkennen als Geschwister, ist das Gegengift zu jeglichem Extremismus.<br \/>\nPater Christian de Cherg\u00e9, der Prior des Klosters von Tibhirine, der mit weiteren 18 Ordensm\u00e4nnern und -frauen als M\u00e4rtyrer in Algerien seliggesprochen wurde und Terrorismus von Angesicht zu Angesicht erlebte, hat von Christus &#8211; in Gemeinschaft mit Ihm und allen Kindern Gottes \u2013 die Gabe erhalten, Worte zu schreiben, die auch heute noch gelten, weil sie von Gott kommen. Nachdem das Kloster gewaltsam eingenommen worden war, fragte er sich, welche Worte er denn nach einer solch schwierigen Pr\u00fcfung im Gebet an Gott richten k\u00f6nne, und schrieb: \u201eHabe ich das Recht zu bitten \u201aEntwaffne ihn \u2018, wenn ich nicht zuvor sage \u201aEntwaffne mich \u2018 und \u201aEntwaffne uns \u2018, als Gemeinschaft? Das ist mein t\u00e4gliches Gebet.\u201c Genau auf jenem nordafrikanischen Gebiet hatte der heilige Augustinus, etwa 1.600 Jahre fr\u00fcher, bemerkt: \u201eLasst uns gut leben, dann werden die Zeiten gut sein. Wir sind die Zeiten.\u201c (6)<br \/>\nWir k\u00f6nnen auf unsere Zeit Einfluss nehmen durch unser Zeugnis, durch das Gebet zum Heiligen Geist, auf dass er uns zu mutigen M\u00e4nnern und Frauen eines ansteckenden Friedens mache, die die Gnade Christi aufnehmen und auf der Welt den Duft seiner N\u00e4chstenliebe und Barmherzigkeit verbreiten. \u201eWir sind die Zeiten\u201c: Lassen Sie uns angesichts der Gewalt, deren Zeugen wir werden, nicht in Trostlosigkeit verfallen, lassen Sie uns von Gottvater t\u00e4glich die Kraft des Heiligen Geistes erbitten, auf dass in den dunklen Zeiten der Geschichte die lebendige Flamme des Friedens leuchten m\u00f6ge.<\/p>\n<p>Vatikanstadt, 16. Oktober 2025<\/p>\n<p>1 Heiliger Augustinus, Kommentar zum Johannesevangelium, 21,8.<br \/>\n2 Ebd., Bekenntnisse, V, 2, 2.<br \/>\n3 Ebd., Sermo, 304, 3.<br \/>\n4 Ebd., Sermo, 359, 9.<br \/>\n5 Ebd., Kommentar zum Johannesevangelium, 32, 8,8.<br \/>\n6 Ebd., Sermo 80,8.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/de\/papst\/news\/2025-11\/papst-leo-xiv-vorwort-kraft-des-evangeliums.html\">www.vaticannews.va\/de<\/a><\/p>\n<p>Foto: <a href=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/de\/papst\/news\/2025-11\/papst-leo-xiv-vorwort-kraft-des-evangeliums.html\">www.vaticannews.va\/de<\/a>, Das neue LEV-Buch, zu dem Papst Leo ein Vorwort beigesteuert hat<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 20. November 2025 erscheint ein neues Buch von Papst Leo XIV. im Vatikanverlag LEV: \u201eLa forza del Vangelo. La fede cristiana in 10 parole\u201c (Die Kraft des Evangeliums. Der christliche Glaube in 10 Worten). 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