{"id":80990,"date":"2025-12-01T18:34:41","date_gmt":"2025-12-01T16:34:41","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=80990"},"modified":"2026-05-05T19:08:30","modified_gmt":"2026-05-05T16:08:30","slug":"papst-leo-xiv-auf-dem-maertyrerplatz-libanon-als-ort-der-hoffnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/papst-leo-xiv-auf-dem-maertyrerplatz-libanon-als-ort-der-hoffnung\/","title":{"rendered":"Papst Leo XIV. auf dem M\u00e4rtyrerplatz: Libanon als \u201eOrt der Hoffnung\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Papst Leo XIV. hat bei einem \u00f6kumenischen und interreligi\u00f6sen Treffen auf dem M\u00e4rtyrerplatz in Beirut die herausragende Rolle des Libanon als Modell f\u00fcr das friedliche Zusammenleben verschiedener Religionen gew\u00fcrdigt. Vor der beeindruckenden Kulisse, wo Minarette und Glockent\u00fcrme nebeneinander in den Himmel ragen, \u00e4u\u00dferte sich der Papst tief bewegt und dankbar, in diesem \u201egesegneten Land\u201c zu sein.<\/p>\n<p>Hier die Ansprache, die Papst Leo XIV. an diesem Montag (1.12.2025) beim \u00f6kumenischen und interreligi\u00f6sen Treffen auf dem M\u00e4rtyrerplatz, Beirut, gehalten hat, in ihrer offiziellen deutschen \u00dcbersetzung.<\/p>\n<p><i>S\u00e4mtliche Wortmeldungen des Papstes in ihrer amtlichen Fassung werden <a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/vatican\/de.html\" rel=\"external\">auf der Internetseite des Heiligen Stuhls publiziert.<\/a><\/i><\/p>\n<div class=\"article__text\">\n<p>Liebe Br\u00fcder und Schwestern,<\/p>\n<p>ich bin tief bewegt und sehr dankbar, mich heute unter euch zu befinden, in diesem gesegneten Land \u2013 einem Land, das von den Propheten des Alten Testaments gepriesen wurde, die in seinen hoch aufragenden Zedern Symbole der gerechten Seele sahen, die unter dem wachsamen Blick des Himmels gedeiht; einem Land, in dem das Echo des\u00a0<i>Logos<\/i>\u00a0nie verstummt ist, sondern von Jahrhundert zu Jahrhundert weiterhin in den Herzen all derer widerhallt, die Gott ehrlich suchen.<br \/>\nIn seinem Nachsynodalen Apostolischen Schreiben <i><a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/benedict-xvi\/de\/apost_exhortations\/documents\/hf_ben-xvi_exh_20120914_ecclesia-in-medio-oriente.html\" rel=\"external\">Ecclesia in Medio Oriente<\/a><\/i>, das 2012 hier in Beirut unterzeichnet wurde, betonte Papst Benedikt XVI., dass \u201edie Universalit\u00e4t und Berufung der Kirche es erfordern, dass sie mit den Angeh\u00f6rigen anderer Religionen in Dialog tritt. Im Nahen Osten basiert dieser Dialog auf den spirituellen und historischen Bindungen, die Christen mit Juden und Muslimen verbinden. Es ist ein Dialog, der nicht in erster Linie von pragmatischen, politischen oder sozialen Erw\u00e4gungen bestimmt wird, sondern von grundlegenden theologischen Fragen, die mit dem Glauben zu tun haben\u201c (Nr. 19). Liebe Freunde, eure heutige Anwesenheit hier an diesem bemerkenswerten Ort, an dem Minarette und Glockent\u00fcrme nebeneinanderstehen und beide gen Himmel ragen, zeugt vom best\u00e4ndigen Glauben dieses Landes und von der unersch\u00fctterlichen Hingabe seiner Menschen an den einen Gott. M\u00f6ge sich in diesem geliebten Land jeder Glockenschlag, jeder\u00a0<i>Adh\u0101n<\/i>, jeder Ruf zum Gebet zu einer einzigen, emporsteigenden Hymne vereinen \u2013 nicht nur, um den barmherzigen Sch\u00f6pfer des Himmels und der Erde zu r\u00fchmen, sondern auch, um ein inniges Gebet um das g\u00f6ttliche Geschenk des Friedens aufsteigen zu lassen.<\/p>\n<p><strong>Blick auf den Nahen Osten<\/strong><br \/>\nSeit vielen Jahren, und insbesondere in j\u00fcngster Zeit, sind die Augen der Welt fest auf den Nahen Osten, die Wiege der abrahamitischen Religionen, gerichtet und beobachten den beschwerlichen Weg hin zum kostbaren Geschenk des Friedens und das unerm\u00fcdliche Streben danach. Angesichts solch komplexer und langj\u00e4hriger Konflikte blickt die Menschheit manchmal mit einem Gef\u00fchl der Beklommenheit und Verzagtheit auf den Nahen Osten. Doch inmitten dieser Schwierigkeiten l\u00e4sst sich ein Gef\u00fchl der Hoffnung und Ermutigung finden, wenn wir uns auf das konzentrieren, was uns verbindet: unser gemeinsames Menschsein und unser Glaube an einen Gott der Liebe und des Erbarmens. In einer Zeit, in der das Zusammenleben wie ein ferner Traum erscheinen mag, erinnern die Menschen im Libanon, die verschiedenen Religionen angeh\u00f6ren, eindringlich daran, dass Angst, Misstrauen und Vorurteile nicht das letzte Wort haben und dass Einheit, Vers\u00f6hnung und Frieden m\u00f6glich sind. Es ist eine Aufgabe, die dieses geliebte Land durch die Geschichte hindurch stets begleitet: Zeugnis abzulegen f\u00fcr die bleibende Wahrheit, dass Christen, Muslime, Drusen und unz\u00e4hlige andere zusammenleben und durch Respekt und Dialog geeintes Land aufbauen k\u00f6nnen.<br \/>\nVor sechzig Jahren er\u00f6ffnete das Zweite Vatikanische Konzil mit der Promulgation der Erkl\u00e4rung <i>Nostra aetate<\/i>\u00a0einen neuen Horizont f\u00fcr die Begegnung und den gegenseitigen Respekt zwischen Katholiken und Menschen anderer Religionen und betonte, dass wahrer Dialog und Zusammenarbeit in der Liebe wurzeln \u2013 der einzigen Grundlage f\u00fcr Frieden, Gerechtigkeit und Vers\u00f6hnung. Dieser von der g\u00f6ttlichen Liebe inspirierte Dialog sollte alle Menschen guten Willens einbeziehen, Vorurteile, Diskriminierung und Verfolgung ablehnen und die gleiche W\u00fcrde aller Menschen betonen.<br \/>\nObwohl sich das \u00f6ffentliche Wirken Jesu haupts\u00e4chlich in Galil\u00e4a und Jud\u00e4a entfaltete, berichten die Evangelien auch von Begebenheiten in der Region der Dekapolis \u2013 haupts\u00e4chlich in der Umgebung von Tyrus und Sidon \u2013 wo er der syro-ph\u00f6nizischen Frau begegnete, deren unersch\u00fctterlicher Glaube ihn dazu bewegte, ihre Tochter zu heilen (vgl. <i>Mk<\/i>\u00a07,24-30). Hier wird das Land selbst zu mehr als einem blo\u00dfen Ort der Begegnung zwischen Jesus und einer flehenden Mutter; es wird zu einem Ort, an dem Demut, Vertrauen und Beharrlichkeit alle Hindernisse \u00fcberwinden und auf Gottes grenzenlose Liebe treffen, die jedes menschliche Herz umschlie\u00dft. In der Tat ist dies \u00bbde[r] eigentliche[\u2026] Kern des interreligi\u00f6sen Dialogs: die Entdeckung der Gegenwart Gottes \u00fcber alle Grenzen hinweg und die Einladung, ihn mit Ehrfurcht und Demut gemeinsam zu suchen\u00ab.<a href=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/de\/papst\/news\/2025-12\/papst-leo-xiv-libanon-wortlaut-oekumene-interreligioeses-treffen.html#_ftn1\" target=\"_blank\" rel=\"external nofollow noopener\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p><strong>Die Bedeutung des Olivenbaums<\/strong><br \/>\nDer Libanon ist bekannt f\u00fcr seine majest\u00e4tischen Zedern, doch auch der Olivenbaum ist ein wichtiger Bestandteil seines kulturellen Erbes. Der Olivenbaum schm\u00fcckt nicht nur den Platz, auf dem wir uns heute versammelt haben, sondern hat auch in den heiligen Schriften des Christentums, des Judentums und des Islam einen besonderen Stellenwert und gilt als zeitloses Symbol f\u00fcr Vers\u00f6hnung und Frieden. Seine Langlebigkeit und seine besondere F\u00e4higkeit, selbst in den rauesten Umgebungen zu gedeihen, symbolisieren Ausdauer und Hoffnung und spiegeln das unersch\u00fctterliche Engagement wider, das zum Gedeihen eines friedlichen Zusammenlebens erforderlich ist. Von diesem Baum stammt ein \u00d6l, das heilt \u2013 ein Balsam f\u00fcr k\u00f6rperliche und seelische Wunden \u2013 und das ein Zeichen f\u00fcr die grenzenlose Barmherzigkeit Gottes gegen\u00fcber allen Leidenden ist. Sein \u00d6l sorgt auch f\u00fcr Licht und erinnert uns, dass wir gerufen sind, unsere Herzen durch Glauben, N\u00e4chstenliebe und Demut hell werden zu lassen.<br \/>\nSo wie die Wurzeln der Zedern und Olivenb\u00e4ume tief in die Erde reichen und sich weit ausbreiten, so sind auch die Libanesen \u00fcber die ganze Welt verstreut und doch miteinander verbunden durch die best\u00e4ndige Kraft und das zeitlose Erbe eurer Heimat. Eure Anwesenheit hier und \u00fcberall bereichert die ganze Welt mit eurem jahrtausendealten Erbe, stellt aber auch eine Berufung dar. In einer immer st\u00e4rker vernetzten Welt seid ihr dazu gerufen, Friedensstifter zu sein: Intoleranz zu bek\u00e4mpfen, Gewalt zu \u00fcberwinden und Ausgrenzung zu verbannen, indem ihr durch das Zeugnis eures Glaubens f\u00fcr alle den Weg zu Gerechtigkeit und Eintracht erleuchtet.<br \/>\nLiebe Br\u00fcder und Schwestern, jedes Jahr kommt ihr am 25. M\u00e4rz, der in eurem Land als Nationalfeiertag begangen wird, zusammen, um Maria, Unsere Liebe Frau vom Libanon, in ihrem Heiligtum in Harissa zu verehren. Es ist mit einer beeindruckenden Statue der Jungfrau geschm\u00fcckt, die mit ausgestreckten Armen das gesamte libanesische Volk umarmt.<br \/>\nM\u00f6ge diese liebevolle und m\u00fctterliche Umarmung der Jungfrau Maria, der Mutter Jesu und K\u00f6nigin des Friedens, einen jeden von euch leiten, damit das Geschenk der Vers\u00f6hnung und des friedlichen Zusammenlebens in eurer Heimat, im ganzen Nahen Osten und weltweit str\u00f6mt wie \u201eeine Quelle lebendigen Wassers, das vom Libanon flie\u00dft\u201d (vgl. <i>Hld<\/i>\u00a04,15), und allen Hoffnung und Einheit bringt.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/de\/papst\/news\/2025-12\/papst-leo-xiv-libanon-wortlaut-oekumene-interreligioeses-treffen.html\">www.vaticannews.va\/de<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/de\/papst\/news\/2025-12\/papst-leo-xiv-maertyrerplatz-libanon-hoffnung-oekumene-dialog.html\">www.vaticannews.va\/de<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Papst Leo XIV. hat bei einem \u00f6kumenischen und interreligi\u00f6sen Treffen auf dem M\u00e4rtyrerplatz in Beirut die herausragende Rolle des Libanon als Modell f\u00fcr das friedliche Zusammenleben verschiedener Religionen gew\u00fcrdigt. 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