{"id":81436,"date":"2025-12-10T19:19:18","date_gmt":"2025-12-10T17:19:18","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=81436"},"modified":"2025-12-10T19:26:28","modified_gmt":"2025-12-10T17:26:28","slug":"gedenken-an-den-schriftsteller-ludwig-schwarz-in-dolatz-und-neu-petsch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/gedenken-an-den-schriftsteller-ludwig-schwarz-in-dolatz-und-neu-petsch\/","title":{"rendered":"Gedenken an den Schriftsteller Ludwig Schwarz in Dolatz und Neu-Petsch"},"content":{"rendered":"<p>Die Tage des 8. und 9. Dezember 2025 waren dem Gedenken an einen deutschsprachigen Banater Schriftsteller gewidmet, dessen 100. Geburtstag sich heuer j\u00e4hrte. Es handelt sich um Ludwig Schwatz, Dramatiker, Dichter, Romancier, Journalist, \u00dcbersetzer und Autor von Theaterst\u00fccken, insbesondere von literarischen Texten in deutscher Sprache, insbesonder aber in Banat-Schw\u00e4bischer Mundart. Der Schriftsteller wurde 1925 in Dolatz, Gemeinde Tolwadin\/Livezile, in der N\u00e4he von Detta geboren. Sein Leben f\u00fchrte ihn in die schwierigsten und unterschiedlichsten Situationen und Orte: Er studierte Architektur und Bauwesen in Berlin, war Soldat an der Front, wurde verwundet und gefangen genommen, woraufhin er und seine Familie nach (1951) B\u0103r\u0103gan deportiert wurde. 1956 zog er nach Neupetsch, war aber vor allem in Temeswar t\u00e4tig. In Neupetsch musste er als einfacher Arbeiter in der C.A.P. (landwirtschaftliche Genossenschaft) arbeiten, da das kommunistische Regime seine Ausbildung nicht anerkannte.<br \/>\nEr deb\u00fctierte 1958 mit dem Prosawerk \u201eDas Schl\u00fcsselbrett\u201c, blieb aber in der deutschen Literaturgeschichte des Banats mit seinem einzigen Roman in vier B\u00e4nden in Erinnerung, der im Dialekt der Banater Schwaben verfasst war und von dem drei B\u00e4nde zu seinen Lebzeiten ver\u00f6ffentlicht wurden: \u201eDe Kaule Baschtl\u201c. Er schrieb auf Deutsch, \u00fcbersetzte aber auch literarische Werke rum\u00e4nisch- und ungarischsprachiger Autoren ins Deutsche. Ludwig Schwarz erhielt 1978, als Mitglied des rum\u00e4nischen Schriftstellerverbandes, den Preis der Temeswarer-Filiale des Verbandes. Er verstarb pl\u00f6tzlich im Juli 1981 in Bukarest, wo er eine Rede vor dem Kongress des Rum\u00e4nischen Schriftstellerverbandes halten sollte.<\/p>\n<p>Am Montag, dem 8. Dezember, dem Festtag der Unbefleckten Empf\u00e4ngnis, war die r\u00f6misch-katholische Kirche in Dolatz, die ebenfalls der Seligsten Jungfrau geweiht ist, genauer gesagt dem \u201eHeiligen Namen Mariens\u201c, Treffpunkt f\u00fcr mehrere Generationen und Menschen aus verschiedenen Ecken: einige ehemalige Dorfbewohner, andere aber erst seit einigen Jahrzehnten hier ans\u00e4ssig. Das Treffen hatte ein klar definiertes Ziel: Die Feier zum hundertsten Geburtstag von Ludwig Schwarz wurde gleichzeitig zu einem Moment des Wiedersehens, des Gebets, des Gesangs, aber vor allem der (Wieder-)Entdeckung eines Schriftstellers, eines ber\u00fchmten Sohnes des Dorfes, der heute vielleicht zu wenig bekannt ist im Banat, aufgrund der ungl\u00fccklichen Prozesse und Ver\u00e4nderungen, die die Region und ihre Bev\u00f6lkerung in der zweiten H\u00e4lfte des letzten Jahrhunderts durchgemacht haben. Aber wie der Initiator der Veranstaltung, Dorin Imbrescu, sagte, ist es bemerkenswert und besonders wichtig, dass heute Menschen, die kein Deutsch sprechen und keine Schwaben sind, die Kultur und den Glauben der fr\u00fcheren Bewohner entdecken wollen, sich engagieren und solche Veranstaltungen organisieren und sich in der alten Dorfkirche versammeln.<br \/>\nDer Moment wurde von Pfarrer Attila Lokodi mit einer Begr\u00fc\u00dfungsrede er\u00f6ffnet, gefolgt vom \u201eVater unser\u201c-Gebet das auf Deutsch und Rum\u00e4nisch gesprochen wurde. Der Pfarrer brachte seine Freude \u00fcber die zahlreichen Teilnehmer zum Ausdruck, zumal er vielleicht noch nie so viele Menschen hier in der Kirche versammelt gesehen hat. Die n\u00e4chste Begr\u00fc\u00dfungsrede hielt der B\u00fcrgermeister der Gemeinde Tolwadin\/Livezile, zu der auch das Dorf Dolatz\/Dola\u021b geh\u00f6rt, Herr Ing. Daniel Lungu, der begeisterte Unterst\u00fctzer der Veranstaltung. Die Moderation \u00fcbernahmen Dr. Claudiu-Sergiu C\u0103lin, Di\u00f6zesanarchivar, und Frau Amalia Tak\u00e1cs, Lehrerin an der Grundschule in Dolatz.<br \/>\n\u201eKrieg ist, wenn der Mensch kein Mensch mehr ist. Wenn alles, was zum Leben geh\u00f6rte, keinen Wert mehr hat\u201c, lautete ein Zitat aus dem Roman \u201eDe Kaule Baschtl\u201c von Ludwig Stephan Johannes Schwarz, das Frau Henrike Br\u0103diceanu-Persem, Mitglied des Literaturkreises \u201eStafette\u201c in Temeswar (der im Rahmen des Demokratischen Forums der Deutschen in Banat seine T\u00e4tigkeit entfaltet), am Montag, dem 8. Dezember 2025, sowohl auf Deutsch (im Dolatzer, schw\u00e4bischer Dialekt) als auch auf Rum\u00e4nisch vorstellte. Die Rednerin, die Ausz\u00fcge aus diesem Roman \u00fcbersetzt hat, von denen einige in der Anthologie \u201eDeutsche Erz\u00e4hler aus Rum\u00e4nien nach 1945\/Scriitori germani din Rom\u00e2nia de dupa 1945\u201c (Hrsg. Olivia Spiridon) erschienen sind, stellte den Literaturkreis als Fortf\u00fchrer der literarischen T\u00e4tigkeit in deutscher Sprache im Banat vor.<br \/>\nDie Vertreter der Heimatortsgemeinschaft (HOG) Dolatz, die heute in Deutschland leben, Heidi und Josef (Sepp) Dolvig, \u00fcberbrachten eine Gru\u00dfbotschaft \u2013 auf Deutsch und Rum\u00e4nisch \u2013 im Namen des Vereins, aber auch im Namen all derer, die den Ort im Laufe der Jahrzehnte verlassen haben. Der Moment war umso bewegender, als heute die Beh\u00f6rden und die neuen Einwohner die Pers\u00f6nlichkeiten der deutschen Minderheit von gestern w\u00fcrdigen m\u00f6chten. Ihre Tochter Stefanie Dolvig ist Vorsitzende des Vereins und f\u00fchrt durch ihr Engagement die \u00f6rtliche Gemeinschaft von Dolatz weiter. Die Sch\u00fclerin Alexandra Bu\u0219c\u0103 aus der 6. Klasse, vorbereitet von einer engagierten Lehrerin, las den Text \u201eDolatz gestern und heute\u201c auf Rum\u00e4nisch vor, der teilweise von der Monografie der Gemeinde inspiriert ist, die von Prof. Cornel Vi\u021ban verfasst wurde. Die Moderatoren luden dann Herrn Jakob Friedmann, einen angesehenen Achtzigj\u00e4hrigen, der den Autor Ludwig Schwarz noch pers\u00f6nlich gekannt hatte, ein, einige seiner Erinnerungen an ihn zu erz\u00e4hlen.<br \/>\nDie \u00dcberraschung des Gedenkmoments kam durch die F\u00fcrsorge von Pfr. Petru Achim, einem pensionierten rum\u00e4nisch-orthodoxen Priester, der den Chor \u201eDor bun\u201c (Gute Sehnsucht) aus Tolwadin wiederbelebt hat. Dieser Chor, der aus Jugendlichen und Erwachsenen besteht, pr\u00e4sentierte ein Programm mit Weihnachtsliedern in rum\u00e4nischer und deutscher Sprache. Auch Pfarrer Petru Achim richtete vor dem Fest der Geburt Christi einige Worte an die Anwesenden.<br \/>\nDas Schlusswort sprach Herr Dorin Imbrescu, der sich bei allen bedankte, die zur guten Organisation der Veranstaltung beigetragen hatten, insbesondere beim Deutschen Staatstheater Temeswar, vertreten durch seinen Intendanten, Herrn Lucian Manuel V\u0103r\u0219\u0103ndan, der bei der Veranstaltung anwesend war. Dank der Unterst\u00fctzung des Theaters konnten Daten aus dem Leben und Werk des Schriftstellers rekonstruiert und Plakate seiner St\u00fccke pr\u00e4sentiert werden, die vor Jahrzehnten in Temeswar aufgef\u00fchrt wurden.<br \/>\nDer Moderator der Veranstaltung, Dr. Claudiu-Sergiu C\u0103lin, dankte Herrn Luzian Geier, einem heute in Deutschland lebenden Journalisten, sowie der Landsmannschaft der Banater Schwaben, die aus der Sammlung des Informationszentrums in Ulm einige Exemplare der Werke von Ludwig Schwarz zur Verf\u00fcgung gestellt hatte. Herr Geier stellte auch einige Artikel und Kopien aus der Presse Herrn Imbrescu und den Veranstaltern gro\u00dfz\u00fcgig zur Verf\u00fcgung.<br \/>\nAm Ende wurde an den Kulturheim von Dolatz von den B\u00fcrgermeistern Ing. Daniel Lungu (Tolwadin) und Ing. Gabriel R\u0103zvan Dr\u0103gan (Neupetsch) eine Gedenktafel mit dem Namen des geehrten Schriftstellers enth\u00fcllt und von Pfr. Attila Lokodi (Detta) gesegnet. Ein Blumenstrau\u00df wurde neben der Gedenktafel von der Heimatortsgemeinschaft (HOG) Dolatz niedergelegt, woraufhin die Teilnehmer einige Momente des Gespr\u00e4chs im Saal des Kulturhauses verbringen konnten.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag, dem 9. Dezember 2025, war es an der Gemeinde Neupetsch \u2013 dem Dorf, in dem Ludwig Schwarz mehrere Jahrzehnte lang gelebt und geschrieben hatte \u2013, dem Schriftsteller zu gedenken. Treffpunkt der Teilnehmer war das Kulturheim in Neupetsch, wo sich alle Beteiligten versammelten, um gemeinsam zum r\u00f6misch-katholischen Friedhof des Ortes zu gehen. Seitens der r\u00f6misch-katholischen Di\u00f6zese Temeswar nahm Msgr. Johann Dirschl, Generalvikar, in Begleitung von Pfr. Simon Ciubotaru, Seelsorger von Temeswar VII. Freidorf, und Pfr. Vasile Chindri\u0219, griechisch-katholischer Seelsorger in Neupetsch, teil. Es wurden Gebete gesprochen und Lieder gesungen, die f\u00fcr die Seelen der Verstorbenen geopfert werden. Anschlie\u00dfend legten die B\u00fcrgermeister Ing. Daniel Lungu (Tolwadin) und Ing. Gabriel R\u0103zvan Dr\u0103gan (Neupetsch) sowie Herr Florin Stoica, der derzeit in dem Haus wohnt, das fr\u00fcher der Familie Schwarz geh\u00f6rte, Kr\u00e4nze nieder. Die Heimatortsgemeinschaft (HOG) Dolatz, vertreten durch die Familie Heidi und Josef Dolvig, legte einen sch\u00f6nen Blumenstrau\u00df nieder.<br \/>\nAuf Initiative von B\u00fcrgermeister Lungu wurde auf das Grab von Ludwig Schwarz auch eine Handvoll Erde von dem Ort in Dolatz gestreut, an dem einst das Geburtshaus des Schriftstellers stand, das heute leider nicht mehr existiert. Der Moment im Neupetscher Friedhof, aber auch in der Ortschaft insgesamt, war umso bewegender, als auch der Sohn des Schriftstellers, Herr Helmut Schwarz, mit seiner Frau aus Deutschland angereist war.<br \/>\nDer n\u00e4chste Teil der Gedenkfeier fand vor dem Haus in Neupetsch statt, wo Schwarz gelebt und geschaffen hatte. Hier sprach Msgr. Johann Dirschl in rum\u00e4nischer und deutscher Sprache ein Segensgebet f\u00fcr die zu diesem Anlass angebrachte Gedenktafel, und der heutige Eigent\u00fcmer des Hauses, Herr Florin Stoica, richtete ebenfalls einige Worte an die Anwesenden. Msgr. Johann Dirschl hielt eine dem hundertj\u00e4hrigen Jubil\u00e4um angemessene Andacht, und anschlie\u00dfend enth\u00fcllten B\u00fcrgermeister Ing. Gabriel R\u0103zvan Dr\u0103gan (Neupetsch) und Herr Helmut Schwarz die Gedenktafel, die den Namen des Autors tr\u00e4gt (sowohl die Tafel in Dolatz als auch die in Neupetsch wurden von Marmosim Craiova unter der Koordination von Herrn Dorin Imbrescu angefertigt).<br \/>\nDer literarische Teil der Veranstaltung fand im Kulturhaus von Neupetsch statt und wurde mit einer Begr\u00fc\u00dfungsrede von B\u00fcrgermeister Ing. Gabriel R\u0103zvan Dr\u0103gan (Neupetsch) und B\u00fcrgermeister Ing. Daniel Lungu (Tolwadin) er\u00f6ffnet. Auch hier war das Engagement der \u00f6rtlichen Schule ein Zeichen f\u00fcr einen optimistischen Blick in die Zukunft: Die Gymnasiastin Alexandra T\u0103nase sprach mit viel rhetorischem Talent \u00fcber den Multikulturalismus im Banat.<br \/>\nF\u00fcr den Literaturkreis \u201eStafette\u201c aus Temeswar, der zum Demokratischen Forum der Deutschen in Banat geh\u00f6rt, sprach Benjamin Neurohr, der mehrfach auf den geehrten Autor, aber auch allgemein auf die Deutschen in Banat Bezug nahm, eine Gemeinschaft, in der der Schriftsteller Ludwig Schwarz aufgewachsen war und die ihn in seinem Schreiben und seiner Kultur tief gepr\u00e4gt hatte. Unter den Rednern ragten Frau Delia Gl\u00fcck, Deutschlehrerin in Giera, und Herr Ioan Ha\u021began, Historiker und Vertreter des Instituts \u201eTitu Maiorescu\u201c, einer Filiale der Rum\u00e4nischen Akademie in Temeswar, heraus. Sichtlich bewegt beendeten die Familie Helmut Schwarz und seine Frau, die Nachkommen des geehrten Schriftstellers, die Veranstaltung mit ihren Dankesworten.<\/p>\n<p>Pressestelle der Di\u00f6zese Temeswar<\/p>\n\n\t\t<style type=\"text\/css\">\n\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\twidth: 50%;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t}\n\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-81436 gallery-columns-2 gallery-size-large'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a data-rel=\"iLightbox[postimages]\" data-title=\"1\" data-caption=\"\" href='https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/1-1.jpg'><img width=\"1024\" 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Dezember 2025 waren dem Gedenken an einen deutschsprachigen Banater Schriftsteller gewidmet, dessen 100. Geburtstag sich heuer j\u00e4hrte. Es handelt sich um Ludwig Schwatz, Dramatiker, Dichter, Romancier, Journalist, \u00dcbersetzer und Autor von Theaterst\u00fccken, insbesondere von literarischen Texten in deutscher Sprache, insbesonder aber in Banat-Schw\u00e4bischer Mundart. 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