{"id":84270,"date":"2026-03-18T17:57:37","date_gmt":"2026-03-18T15:57:37","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=84270"},"modified":"2026-03-18T17:57:37","modified_gmt":"2026-03-18T15:57:37","slug":"die-stadt-hat-was-zum-juengst-erschienenen-band-grosssanktnikolaus-stadt-und-kirchengeschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/die-stadt-hat-was-zum-juengst-erschienenen-band-grosssanktnikolaus-stadt-und-kirchengeschichte\/","title":{"rendered":"\u201eDie Stadt hat was\u201c \u2013  Zum j\u00fcngst erschienenen Band \u201eGro\u00dfsanktnikolaus, Stadt- und Kirchengeschichte\u201c"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/img319.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"lazyload wp-image-84264 alignleft\" src=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/img319-728x1024.jpg\" data-orig-src=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/img319-728x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"420\" height=\"591\" srcset=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27420%27%20height%3D%27591%27%20viewBox%3D%270%200%20420%20591%27%3E%3Crect%20width%3D%27420%27%20height%3D%27591%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-srcset=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/img319-200x281.jpg 200w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/img319-213x300.jpg 213w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/img319-400x563.jpg 400w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/img319-600x844.jpg 600w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/img319-728x1024.jpg 728w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/img319-768x1080.jpg 768w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/img319-800x1125.jpg 800w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/img319-1092x1536.jpg 1092w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/img319-1200x1688.jpg 1200w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/img319.jpg 1323w\" data-sizes=\"auto\" data-orig-sizes=\"(max-width: 420px) 100vw, 420px\" \/><\/a>Der Band \u201eGro\u00dfsanktnikolaus, Stadt- und Kirchengeschichte. Vom Geist des Ortes. Menschen, Familien, Stadtgeschichte, Flucht und Deportation\u201c, Ende 2025 im Cosmopolitan-Art-Verlag in Temeswar\/Timi\u0219oara mit finanzieller Unterst\u00fctzung des Departements f\u00fcr Interethnische Beziehungen (DRI) erschienen, ist weit mehr als eine historische Dokumentation. Schon das Vorwort macht deutlich, dass die Herausgeber \u2013 die Deutschlehrerin und Forumsvorsitzende in Gro\u00dfsanktnikolaus, Dietlinde Huhn, der Publizist Werner Kremm und der Soziologe Anton Sterbling \u2013 ein Erinnerungs- und Erkenntnismosaik schaffen wollten \u2013 ein Buch, das Stimmen b\u00fcndelt, Erfahrungen bewahrt und die gewachsene Verbundenheit vieler Menschen mit ihrer Heimatstadt sichtbar macht.<br \/>\nAusgangspunkt des Projekts war die Beobachtung, dass seit der Jahrtausendwende zahlreiche Publikationen mit Beitr\u00e4gen \u00fcber Gro\u00dfsanktnikolaus\/S\u00e2nnicolau Mare im Kreis Temesch\/Timi\u0219 erschienen sind. Die Idee, diese Texte zu b\u00fcndeln, zu erg\u00e4nzen und in einem eigenen Band zusammenzuf\u00fchren, wurde von Freunden und Landsleuten positiv aufgenommen. So entstand Schritt f\u00fcr Schritt ein Werk, das bewusst unterschiedliche Perspektiven zusammenf\u00fchrt. Der Untertitel \u201eVom Geist des Ortes\u201c ist programmatisch: Es geht nicht allein um Chronologie, Daten oder Fakten, sondern um das, was einen Ort im Innersten pr\u00e4gt \u2013 Erinnerungen, Lebensgeschichten, famili\u00e4re Wurzeln, kulturelle Traditionen. Gro\u00dfsanktnikolaus, \u201eSemiklosch\u201c, ist seit Jahrhunderten ein Ort kultureller Vielfalt. Hier lebten und leben Rum\u00e4nen, Deutsche, Ungarn, Serben, Bulgaren und andere Volksgruppen zusammen. Besonders die Banater Schwaben pr\u00e4gten \u00fcber Generationen hinweg das wirtschaftliche, kirchliche und kulturelle Leben. Landwirtschaft, Handwerk, b\u00fcrgerliche Bildungsanspr\u00fcche und eine ausgepr\u00e4gte kirchliche Tradition hinterlie\u00dfen deutliche Spuren.<br \/>\nDoch das 20. Jahrhundert brachte Br\u00fcche: Krieg, Flucht im Herbst 1944, Deportationen in die Sowjetunion und in den B\u0103r\u0103gan und sp\u00e4ter die Auswanderung vieler Deutscher nach Deutschland ver\u00e4nderten das Gesicht der Stadt tiefgreifend. Diese Erfahrungen sind ein zentraler Bestandteil des Buches. Der Band zeichnet sich insgesamt durch eine gro\u00dfe thematische Breite aus. In den Beitr\u00e4gen wird praktisch das gesamte Spektrum der Geschichte und Erinnerung an Gro\u00dfsanktnikolaus sichtbar \u2013 von der Stadt- und Kirchengeschichte \u00fcber pers\u00f6nliche Kindheitserinnerungen bis hin zu pr\u00e4genden historischen Einschnitten.<br \/>\nIm Vorwort wird deutlich, dass die Herausgeber bewusst Menschen verschiedener Generationen zu Wort kommen lassen wollten. Die Frage \u201eWas hat dir Semiklosch gebracht?\u201c \u2013 Semiklosch ist der verdeutschte ungarische Name der Stadt \u2013 f\u00fchrte zu sehr pers\u00f6nlichen Antworten. Daraus ergibt sich ein facettenreiches Bild von Heimat: F\u00fcr die einen ist Gro\u00dfsanktnikolaus der Ort einer gl\u00fccklichen Kindheit, f\u00fcr andere der Ausgangspunkt eines schmerzhaften Abschieds. Gemeinsamer Nenner ist die bleibende Verbundenheit \u2013 selbst bei jenen, die l\u00e4ngst anderswo leben. Dieses Gef\u00fchl speist sich aus gemeinsam erlebter Zeit, aus Schule und Kirche, aus Nachbarschaft, Festen, Sprache und famili\u00e4ren Bindungen.<br \/>\nDas neue Buch \u201eGro\u00dfsanktnikolaus, Stadt- und Kirchengeschichte\u201c hat insgesamt 387 Seiten und ist thematisch in mehrere gr\u00f6\u00dfere Abschnitte gegliedert. Nach einem Vorwort folgen zun\u00e4chst stadtgeschichtliche Beitr\u00e4ge, die sich mit der historischen Entwicklung der Stadt, ihren Institutionen sowie einzelnen Familien- und Erinnerungsgeschichten besch\u00e4ftigen. Darauf folgen umfangreiche Erz\u00e4hlberichte zur Flucht und Deportation sowie ein weiterer Abschnitt mit Berichten zur Russlandverschleppung der Banater Deutschen nach 1945. Den Abschluss bildet ein gro\u00dfer Teil mit pers\u00f6nlichen Reflexionen unter dem Titel \u201eDer Ort pr\u00e4gt seine Leute\u201c, in dem Autorinnen und Autoren aus unterschiedlichen Generationen schildern, was Gro\u00dfsanktnikolaus f\u00fcr ihr Leben bedeutet. Die Vielfalt der Beitr\u00e4ge \u2013 historische Studien, Erinnerungen, Zeitzeugenberichte und pers\u00f6nliche Essays \u2013 verleiht dem Band eine breite Perspektive auf die Geschichte und Erinnerungskultur der Stadt. Besonders herausragend ist der Beitrag von Peter-Dietmar Leber \u00fcber die Stadt- und Kirchengeschichte von Gro\u00dfsanktnikolaus, der ganz am Anfang steht. Sein Text nimmt einen gro\u00dfen Umfang ein und ist deutlich wissenschaftlich fundiert aufgebaut. Leber arbeitet mit historischem Material, ordnet Entwicklungen ein und zeichnet die Entstehung und Entwicklung der Stadt \u00fcber l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume hinweg nach. Dadurch erh\u00e4lt der Leser einen fundierten \u00dcberblick \u00fcber die historischen Strukturen, die kirchliche Entwicklung und die gesellschaftlichen Ver\u00e4nderungen des Ortes. Der Beitrag hebt sich durch seine Tiefe, seine klare Struktur und seine wissenschaftliche Arbeitsweise deutlich hervor und bildet gewisserma\u00dfen das historische Fundament des gesamten Bandes. Bemerkenswert sind auch die Beitr\u00e4ge des Lokalhistorikers Hans Haas, die sich mit dem j\u00fcdischen Leben in Gro\u00dfsanktnikolaus und mit den Gr\u00fcnden der Auswanderung der Juden und Deutschen befassen. Der besondere Reiz des Bandes liegt darin, dass die meisten der 67 Beitr\u00e4ge von Autorinnen und Autoren stammen, die in Gro\u00dfsanktnikolaus geboren wurden oder dort ihre Kindheit und Jugend verbracht haben. Ihre Texte verbinden pers\u00f6nliche Erinnerungen mit historischen Erfahrungen und vermitteln dadurch ein lebendiges Bild des Ortes. Die Leser begegnen verschiedenen Generationen, deren Lebenswege zwar unterschiedlich verlaufen sind, die jedoch alle eine gemeinsame Wurzel in der Stadt haben. Gerade diese pers\u00f6nlichen Perspektiven erg\u00e4nzen die wissenschaftlichen und historischen Beitr\u00e4ge auf eindrucksvolle Weise und machen deutlich, wie stark die Herkunft aus Gro\u00dfsanktnikolaus das Leben vieler Menschen gepr\u00e4gt hat. Besonders lesenswert ist der Text der in Perjamosch\/Periam lebenden Deutschlehrerin Sigrid Kuhn, die teils sehr humorvoll vor allem ihre Schulzeit in Gro\u00dfsanktnikolaus beschreibt und am Ende schlussfolgert: \u201eDie Stadt hat was\u201c. Marianne Marki, Lehrerin a.D. am Germanistiklehrstuhl in Temeswar, beschreibt, wie sie ihre Berufung in Gro\u00dfsanktnikolaus gefunden hat. Entscheidend war dabei die Inspiration durch ihre eigene Deutschlehrerin Dorothea G\u00f6tz, die sie nachhaltig gepr\u00e4gt und zur Wahl ihres sp\u00e4teren Berufs motiviert hat. Solche pers\u00f6nlichen Erinnerungen zeigen, wie stark Schule, Familie und Heimat miteinander verwoben sind und wie sehr einzelne Menschen das Leben und die Entwicklung anderer beeinflussen k\u00f6nnen. Ein wiederkehrendes Leitmotiv in vielen Beitr\u00e4gen des Bandes ist die Aranka, der Fluss, der f\u00fcr viele Autorinnen und Autoren eng mit ihren Kindheitserinnerungen verbunden ist. Immer wieder wird geschildert, wie Kinder an ihren Ufern spielten, Zeit miteinander verbrachten und die Natur der Umgebung erlebten. Ebenso h\u00e4ufig taucht die deutsche Gemeinde als pr\u00e4gender sozialer und kultureller Raum auf, in dem sich das gemeinschaftliche Leben abspielte \u2013 in der Schule, in der Kirche und bei zahlreichen gemeinsamen Aktivit\u00e4ten. Auch der Friedhof wird in mehreren Texten erw\u00e4hnt und erh\u00e4lt eine besondere Bedeutung als Ort des Gedenkens und der Erinnerung an fr\u00fchere Generationen. Diese Orte \u2013 die Aranka, die Gemeinde und der Friedhof \u2013 bilden gewisserma\u00dfen symbolische Fixpunkte der Erinnerungen und zeigen, wie stark Landschaft, Gemeinschaft und Geschichte im Bewusstsein der Menschen miteinander verbunden sind. Warum ist all diesen Leuten die Aranka-Stadt so wichtig? In erster Linie, weil es der Ort ist, an dem ihre Biografien begannen. Hier liegen famili\u00e4re Wurzeln, hier formten sich erste Freundschaften, hier wurden Werte vermittelt. Das Buch ist daher nicht nur ein historisches Kompendium, sondern ein Akt der Verantwortung gegen\u00fcber der eigenen Herkunft und gegen\u00fcber kommenden Generationen. So versteht sich der Band als Einladung zum Nachdenken, Fragen und Weiterforschen. Er bewahrt nicht nur Vergangenes, sondern macht deutlich, dass der \u201eGeist des Ortes\u201c weiterlebt: in Erinnerungen, Erz\u00e4hlungen und im gemeinsamen Bem\u00fchen, Geschichte lebendig zu halten.<\/p>\n<p>Raluca Nelepcu<\/p>\n<p>Erschienen in <strong>Allgemeine Deutsche Zeitung f\u00fcr Rum\u00e4nien<\/strong>, 34. Jahrgang\/Nr. 8257 Bukarest, Donnerstag, 12. M\u00e4rz 2026, Seite 7.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Band \u201eGro\u00dfsanktnikolaus, Stadt- und Kirchengeschichte. Vom Geist des Ortes. Menschen, Familien, Stadtgeschichte, Flucht und Deportation\u201c, Ende 2025 im Cosmopolitan-Art-Verlag in Temeswar\/Timi\u0219oara mit finanzieller Unterst\u00fctzung des Departements f\u00fcr Interethnische Beziehungen (DRI) erschienen, ist weit mehr als eine historische Dokumentation. Schon das Vorwort macht deutlich, dass die Herausgeber \u2013 die Deutschlehrerin und Forumsvorsitzende in Gro\u00dfsanktnikolaus, Dietlinde Huhn, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":84267,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[66],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/84270"}],"collection":[{"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=84270"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/84270\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":84271,"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/84270\/revisions\/84271"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/84267"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=84270"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=84270"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=84270"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}