{"id":85457,"date":"2026-04-26T05:00:36","date_gmt":"2026-04-26T02:00:36","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=85457"},"modified":"2026-04-20T19:01:32","modified_gmt":"2026-04-20T16:01:32","slug":"botschaft-von-papst-leo-xiv-zum-weltgebetstag-um-geistliche-berufungen-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/botschaft-von-papst-leo-xiv-zum-weltgebetstag-um-geistliche-berufungen-2026\/","title":{"rendered":"Botschaft von Papst Leo XIV. zum Weltgebetstag um geistliche Berufungen &#8211; 2026"},"content":{"rendered":"<p><b>BOTSCHAFT DES HEILIGEN VATERS LEO XIV. ZUM 63. WELTGEBETSTAG UM GEISTLICHE BERUFUNGEN<\/b><\/p>\n<p><b>Vierter Sonntag der Osterzeit \u2013 26. April 2026<\/b><\/p>\n<p>Die Entdeckung der Gabe Gottes in unserem Inneren<\/p>\n<p><strong>Liebe Br\u00fcder und Schwestern, liebe junge Menschen!<\/strong><br \/>\nUnter der F\u00fchrung und dem Schutz des auferstandenen Jesus feiern wir am vierten Sonntag der Osterzeit, dem sogenannten \u201eSonntag des Guten Hirten\u201c, den 63. Weltgebetstag um geistliche Berufungen. Zu diesem gnadenreichen Anlass m\u00f6chte ich einige Gedanken \u00fcber die innere Dimension der Berufung teilen, die hier als Entdeckung der ungeschuldeten Gabe Gottes verstanden wird, die tief im Herzen eines jeden von uns erbl\u00fcht. Begeben wir uns also gemeinsam auf den Weg eines wahrhaft sch\u00f6nen Lebens, den der Gute Hirte uns weist!<\/p>\n<p><strong>Der Weg der Sch\u00f6nheit<\/strong><br \/>\nIm Johannesevangelium bezeichnet sich Jesus w\u00f6rtlich als den \u00bbsch\u00f6nen Hirten\u00ab (\u1f41 \u03c0\u03bf\u03b9\u03bc\u1f74\u03bd \u1f41 \u03ba\u03b1\u03bb\u03cc\u03c2) (Joh 10,11). Der Ausdruck bezeichnet einen vollkommenen, wahren und vorbildlichen Hirten, der bereit ist, sein Leben f\u00fcr seine Schafe zu geben und so die Liebe Gottes sichtbar werden zu lassen. Dieser Hirte fasziniert: Wer ihn betrachtet, entdeckt, dass das Leben wirklich sch\u00f6n ist, wenn man ihm nachfolgt. Um diese Sch\u00f6nheit erkennen zu k\u00f6nnen, reichen die Augen des K\u00f6rpers oder \u00e4sthetische Kriterien nicht aus: Es bedarf der Betrachtung und der Innerlichkeit. Nur wer inneh\u00e4lt, zuh\u00f6rt, betet und sich von ihm anblicken l\u00e4sst, kann mit Zuversicht sagen: \u201eIch vertraue ihm, mit ihm kann das Leben wirklich sch\u00f6n sein, ich m\u00f6chte den Weg dieser Sch\u00f6nheit gehen.\u201d Und das Au\u00dfergew\u00f6hnlichste daran ist, dass man selbst \u201esch\u00f6n\u201c wird, wenn man sein J\u00fcnger wird: Seine Sch\u00f6nheit verwandelt uns. Wie der Theologe Pavel Florenskij schreibt, bringt die Askese nicht den \u201eguten\u201c Menschen, sondern den \u201esch\u00f6nen\u201c Menschen hervor. Das, was die Heiligen \u00fcber ihr Gutsein hinaus von anderen unterscheidet, ist eben diese leuchtende geistliche Sch\u00f6nheit, die von denen ausgeht, die in Christus leben. So offenbart sich die christliche Berufung in ihrer ganzen Tiefe: an seinem Leben, an seiner Sendung teilhaben und in derselben Sch\u00f6nheit erstrahlen wie er.<br \/>\nDiese innere Mitteilung von Leben, Glauben und Sinn hat auch der heilige Augustinus erfahren, der im dritten Buch seiner Bekenntnisse, w\u00e4hrend er seine S\u00fcnden und Fehler aus seiner Jugend darlegt und bekennt, Gott als \u00bbnoch innerer als [s]ein Innerstes\u00ab erkennt. \u00dcber die Selbsterkenntnis hinaus entdeckt er die Sch\u00f6nheit des g\u00f6ttlichen Lichts, das ihn in der Dunkelheit leitet. Augustinus nimmt die Gegenwart Gottes im Innersten seiner Seele wahr, und das schlie\u00dft ein, dass er verstanden und erlebt hat, dass es notwendig ist, sich um sein Inneres als Ort der Beziehung zu Jesus zu k\u00fcmmern, als Weg, auf dem die Sch\u00f6nheit und G\u00fcte Gottes im eigenen Leben erfahren werden kann.<br \/>\nEine solche Beziehung wird im Gebet und in der Stille aufgebaut und sie er\u00f6ffnet uns, wenn wir sie pflegen, die M\u00f6glichkeit, das Geschenk der Berufung anzunehmen und zu leben, das niemals etwas Auferlegtes oder ein vorgegebenes Raster ist, in das man sich einfach f\u00fcgen muss, sondern ein Plan der Liebe und des Gl\u00fccks. Die Pflege der Innerlichkeit: von diesem Punkt m\u00fcssen wir in der Berufungspastoral und im immer neuen Bem\u00fchen um die Evangelisierung dringend ausgehen.<br \/>\nIn diesem Geiste lade ich alle ein \u2013 Familien, Pfarreien, Ordensgemeinschaften, Bisch\u00f6fe, Priester, Diakone, Katecheten, Erzieher und gl\u00e4ubige Laien \u2013, sich immer mehr f\u00fcr g\u00fcnstige Rahmenbedingungen einzusetzen, damit diese Gabe angenommen, gen\u00e4hrt, bewahrt und begleitet werden kann, sodass sie reiche Frucht tragen kann. Nur wenn unsere Lebensr\u00e4ume von lebendigem Glauben, best\u00e4ndigem Gebet und geschwisterlicher Weggemeinschaft erhellt sind, wird der Ruf Gottes aufgehen und reifen und f\u00fcr den Einzelnen wie f\u00fcr die Welt zum Weg des Gl\u00fccks und des Heils werden k\u00f6nnen. Wenn wir uns auf den Weg begeben, den Jesus, der sch\u00f6ne Hirte, uns weist, lernen wir sowohl uns selbst als auch Gott n\u00e4her kennen, der uns gerufen hat.<\/p>\n<p><strong>Gegenseitiges Erkennen<\/strong><br \/>\n\u00bbDer Herr des Lebens kennt uns und erleuchtet unser Herz mit seinem liebevollen Blick\u00ab . Jede Berufung kann n\u00e4mlich nur aus dem Bewusstsein und der Erfahrung eines Gottes hervorgehen, der Liebe ist (vgl. 1 Joh 4,16): Er kennt unser Innerstes, hat die Haare auf unserem Kopf gez\u00e4hlt (vgl. Mt 10,30) und f\u00fcr jeden einen einzigartigen Weg der Heiligkeit und des Dienens vorgesehen. Dieses Erkennen muss jedoch stets ein gegenseitiges sein: Wir sind eingeladen, Gott durch das Gebet, das H\u00f6ren auf das Wort, die Sakramente, das Leben der Kirche und die Hingabe an unsere Br\u00fcder und Schwestern kennenzulernen. Wie der junge Samuel, der in der Nacht, vielleicht auf unerwartete Weise, die Stimme des Herrn h\u00f6rte und mit Hilfe Elis lernte, sie zu erkennen (vgl. 1 Sam 3,1-10), so m\u00fcssen auch wir R\u00e4ume innerer Stille schaffen, um erahnen zu k\u00f6nnen, was der Herr zu unserem Gl\u00fcck vorgesehen hat. Es handelt sich dabei nicht um ein abstraktes intellektuelles Wissen oder gelehrte Erkenntnis, sondern um eine pers\u00f6nliche Begegnung, die das Leben verwandelt . Gott wohnt in unserem Herzen: Die Berufung ist ein vertrauter Dialog mit ihm, der uns \u2013 trotz des manchmal ohrenbet\u00e4ubenden L\u00e4rms der Welt \u2013 ruft und uns einl\u00e4dt, mit wahrer Freude und Gro\u00dfherzigkeit zu antworten.<br \/>\n\u00abNoli foras ire, in te ipsum redi, in interiore homine habitat veritas \u2013 Geh nicht nach drau\u00dfen, kehr wieder ein bei dir selbst! Im inneren Menschen wohnt die Wahrheit.\u00ab Wieder erinnert uns der heilige Augustinus daran, wie wichtig es ist, zu lernen, innezuhalten und R\u00e4ume der inneren Stille zu schaffen, um die Stimme Jesu Christi h\u00f6ren zu k\u00f6nnen.<br \/>\nLiebe junge Menschen, h\u00f6rt auf diese Stimme! H\u00f6rt auf die Stimme des Herrn, der euch einl\u00e4dt, ein erf\u00fclltes Leben zu f\u00fchren, indem ihr eure Gaben fruchtbringend einsetzt (vgl. Mt 25,14-30) und eure Grenzen und Schw\u00e4chen an das glorreiche Kreuz Christi nagelt. Haltet also inne in eucharistischer Anbetung, meditiert ausdauernd das Wort Gottes, um es jeden Tag zu leben, nehmt aktiv und in vollem Umfang am sakramentalen und kirchlichen Leben teil. Auf diese Weise werdet ihr den Herrn kennenlernen und in der der Freundschaft eigenen Vertrautheit entdecken, wie ihr euer Leben zu einer Gabe machen k\u00f6nnt, auf dem Weg der Ehe, des Priestertums, des St\u00e4ndigen Diakonats oder im gottgeweihten Leben, in einer Ordensgemeinschaft oder einem S\u00e4kularinstitut: Jede Berufung ist ein immenses Geschenk f\u00fcr die Kirche und f\u00fcr diejenigen, die sie mit Freude annehmen. Den Herrn kennenlernen bedeutet vor allem, zu lernen, ihm und seiner Vorsehung zu vertrauen, die mit jeder Berufung \u00fcberreich einhergeht.<\/p>\n<p><strong>Vertrauen<\/strong><br \/>\nAus dem Kennen entsteht das Vertrauen, eine Haltung, die aus dem Glauben hervorgeht und die sowohl f\u00fcr die Annahme der Berufung als auch f\u00fcr das Durchhalten in ihr unerl\u00e4sslich ist. Das Leben offenbart sich n\u00e4mlich als ein st\u00e4ndiges Vertrauen auf den Herrn und ein Sich-ihm-Anvertrauen, auch dann, wenn seine Pl\u00e4ne die unseren durcheinanderbringen.<br \/>\nDenken wir an den heiligen Josef, der trotz des unerwarteten Geheimnisses der Mutterschaft der Jungfrau Maria dem g\u00f6ttlichen Traum vertraut und Maria und das Kind mit gehorsamem Herzen annimmt (vgl. Mt 1,18-25; 2,13-15). Josef von Nazaret ist ein Vorbild an vollkommenem Vertrauen in den Plan Gottes: Er vertraut auch dann, als alles um ihn herum dunkel und hoffnungslos erscheint, als die Dinge sich in eine ganz andere Richtung zu entwickeln scheinen. Er vertraut und vertraut sich an, weil er sich der G\u00fcte und Treue des Herrn sicher ist. \u00bbIn jeder Lebenslage vermochte Josef, sein \u201efiat\u201c zu sprechen, wie Maria bei der Verk\u00fcndigung und Jesus in Getsemani\u00ab.<br \/>\nWie uns das Heilige Jahr der Hoffnung gelehrt hat, ist es n\u00f6tig, ein festes und best\u00e4ndiges Vertrauen in die Verhei\u00dfungen Gottes zu pflegen, ohne jemals der Verzweiflung nachzugeben; \u00c4ngste und Unsicherheiten zu \u00fcberwinden, in der Gewissheit, dass der Auferstandene der Herr sowohl der Weltgeschichte als auch unserer pers\u00f6nlichen Geschichte ist. Er l\u00e4sst uns in den dunkelsten Stunden nicht allein, sondern kommt, um mit seinem Licht all unsere Finsternis zu vertreiben. Und gerade dank des Lichtes und der Kraft seines Geistes k\u00f6nnen wir \u2013 auch durch Pr\u00fcfungen und Krisen \u2013 erkennen, wie unsere Berufung reift und immer mehr die Sch\u00f6nheit dessen widerspiegelt, der uns gerufen hat, eine Sch\u00f6nheit, die aus Treue und Vertrauen besteht, trotz der Wunden und St\u00fcrze.<\/p>\n<p><strong>Reifung<\/strong><br \/>\nDie Berufung ist in der Tat kein statisches Ziel, sondern ein dynamischer Reifungsprozess, der durch die Vertrautheit mit dem Herrn beg\u00fcnstigt wird: Mit Jesus zusammen zu sein, den Heiligen Geist in den Herzen und in den Lebenssituationen wirken zu lassen und alles im Licht der empfangenen Gabe neu zu betrachten, das bedeutet, in der Berufung zu wachsen.<br \/>\nWie der Weinstock und die Reben (vgl. Joh 15,1-8) so muss sich unser ganzes Leben in einer starken und wesentlichen Verbindung mit dem Herrn verwirklichen, sodass es durch Pr\u00fcfungen und notwendigen Beschnitt zu einer immer volleren Antwort auf seinen Ruf wird. Die \u201eOrte\u201c, an denen sich der Wille Gottes am deutlichsten offenbart und wir seine unendliche Liebe erfahren, sind oftmals die echten geschwisterlichen Verbindungen, die wir im Laufe unseres Lebens aufzubauen verm\u00f6gen. Wie wertvoll ist es, einen guten Seelenf\u00fchrer zu haben, der uns bei der Entdeckung und Entfaltung unserer Berufung begleitet! Wie wichtig sind die Unterscheidung und Pr\u00fcfung im Lichte des Heiligen Geistes, damit sich eine Berufung in ihrer ganzen Sch\u00f6nheit verwirklichen kann.<br \/>\nBerufung ist also kein unmittelbarer Besitz, nichts, was ein f\u00fcr alle Mal \u201egegeben\u201c ist: Sie ist vielmehr ein Weg, der sich \u00e4hnlich entwickelt wie das menschliche Leben, bei dem die empfangene Gabe nicht nur bewahrt, sondern auch durch eine t\u00e4gliche Beziehung zu Gott gen\u00e4hrt werden muss, um wachsen und Fr\u00fcchte tragen zu k\u00f6nnen. \u00bbDas ist wertvoll, weil es unser ganzes Leben vor den uns liebenden Gott stellt. Es l\u00e4sst uns erkennen, dass nichts das Ergebnis eines sinnlosen Chaos ist, sondern alles Teil eines Weges werden kann, der eine Antwort auf den Herrn ist, der einen konkreten Plan f\u00fcr uns alle hat\u00ab.<br \/>\nLiebe Br\u00fcder und Schwestern, liebe junge Menschen, ich ermutige euch, eure pers\u00f6nliche Beziehung zu Gott durch das t\u00e4gliche Gebet und die Betrachtung des Wortes Gottes zu pflegen. Haltet inne, h\u00f6rt zu, vertraut euch ihm an: Auf diese Weise wird die Gabe eurer Berufung reifen, euch gl\u00fccklich machen und reichlich Fr\u00fcchte f\u00fcr die Kirche und die Welt tragen.<br \/>\nM\u00f6ge euch die Jungfrau Maria, Vorbild im inneren Annehmen der g\u00f6ttlichen Gabe und Lehrmeisterin betenden H\u00f6rens, stets auf diesem Weg begleiten!<\/p>\n<p>Aus dem Vatikan, am 16. M\u00e4rz 2026<br \/>\n<i>LEO PP. XIV<\/i><\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/de\/papst\/news\/2026-03\/wortlaut-botschaft-berufungen-papst-leo-xiv-kirche-priester.html\">www.vaticannews.va\/de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BOTSCHAFT DES HEILIGEN VATERS LEO XIV. ZUM 63. WELTGEBETSTAG UM GEISTLICHE BERUFUNGEN Vierter Sonntag der Osterzeit \u2013 26. April 2026 Die Entdeckung der Gabe Gottes in unserem Inneren Liebe Br\u00fcder und Schwestern, liebe junge Menschen! 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