{"id":86720,"date":"2026-05-25T23:03:07","date_gmt":"2026-05-25T20:03:07","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=86720"},"modified":"2026-05-25T23:03:07","modified_gmt":"2026-05-25T20:03:07","slug":"papst-leo-xiv-kuenstliche-intelligenz-muss-entwaffnet-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/papst-leo-xiv-kuenstliche-intelligenz-muss-entwaffnet-werden\/","title":{"rendered":"Papst Leo XIV.: \u201eK\u00fcnstliche Intelligenz muss entwaffnet werden\u201c"},"content":{"rendered":"<p>\u201eK\u00fcnstliche Intelligenz muss entwaffnet werden\u201c: Unter diese Maxime hat Papst Leo seine erste Enzyklika \u201eMagnifica humanitas. \u00dcber den Schutz des Menschen im Zeitalter der K\u00fcnstlichen Intelligenz\u201c gestellt, die an diesem Pfingstmontag im Vatikan vorgestellt wurde. Dass der Papst dabei selbst anwesend war und sprach, ist eine Premiere und verlieh der Pr\u00e4sentation besondere Aufmerksamkeit.<\/p>\n<p><i><b>Anne Preckel &#8211; Vatikanstadt<\/b><\/i><\/p>\n<p>Seite an Seite mit internationalen Fachleuten und den Kardin\u00e4len Parolin, Fernandez und Czerny stellte der US-amerikanische Papst in der neuen Synodenaula im Vatikan an diesem Montag, 25. Mai 2026, sein\u00a0<a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/leo-xiv\/de\/encyclicals\/documents\/20260515-magnifica-humanitas.html\" rel=\"external\">erstes universales Lehrschreiben \u201eMagnifica humanitas\u201c<\/a>\u00a0vor.\u00a0 Als Zuh\u00f6rer waren viele Kurienmitarbeiter gekommen, ebenso ausl\u00e4ndische Diplomaten; au\u00dferdem waren auch Medienvertreter vor Ort.<\/p>\n<p><strong>Menschheit am Scheideweg<\/strong><br \/>\nK\u00fcnstliche Intelligenz markiere einen Scheideweg der Menschheit, machte der Pontifex in seiner Ansprache deutlich, und diesen Moment wolle die Kirche aktiv begleiten. \u201e<a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/leo-xiv\/de\/encyclicals\/documents\/20260515-magnifica-humanitas.html#Einleitung\" rel=\"external\">Magnifica humanitas<\/a>\u201c stehe in der Tradition seines Vorg\u00e4ngers Leo XIII. und dessen wegweisender Sozialenzyklika \u201e<a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/leo-xiii\/en\/encyclicals\/documents\/hf_l-xiii_enc_15051891_rerum-novarum.html\" rel=\"external\">Rerum novarum<\/a>\u201c, in der der Begr\u00fcnder der modernen katholischen Soziallehre die damalige Industrialisierung und deren soziale Verwerfungen beschrieb. Wie damals Leo XIII. wolle auch er heute, so Leo XIV., die KI-Auswirkungen \u201emit gl\u00e4ubigen Augen, klarem Verstand, Offenheit f\u00fcr das Geheimnisvolle und dem Mitgef\u00fchl f\u00fcr die Armen betrachten\u201c.<\/p>\n<p><strong>Chancen und Missbrauch von KI &#8211; und ungeh\u00f6rte Stimmen<\/strong><br \/>\nDie Auswirkungen der K\u00fcnstlichen Intelligenz sieht der Papst als \u201evielleicht noch weitreichender\u201c als die der Industrialisierung. KI durchdringe heute viele Lebensbereiche, beeinflusse Entscheidungen und ver\u00e4ndere die Kriegsf\u00fchrung \u201edramatisch\u201c, zeigte sich Leo XIV. beunruhigt. F\u00fcr seine Enzyklika habe er Wissenschaftler, Ingenieure, Politiker, Eltern und Lehrer geh\u00f6rt, so der Papst bei der Enzyklika-Vorstellung in der Synodenaula. Dabei habe er verstanden, dass KI-Technologien \u201eimmenses Leid lindern\u201c, aber auch \u201ezutiefst beunruhigende\u201c Folgen haben k\u00f6nnten.<br \/>\nPapst Leo nannte einige von ihnen: \u201eimmer autonomere Waffensysteme, die praktisch au\u00dferhalb jeglicher menschlichen Kontrolle liegen\u201c und \u201eAlgorithmen, die den Zugang zu Gesundheitsversorgung, Besch\u00e4ftigung und Sicherheit aufgrund von Daten blockieren k\u00f6nnen, die von Vorurteilen und Ungerechtigkeit gepr\u00e4gt sind\u201c. Auch verwies er auf all jene Menschen, die im Zusammenhang mit KI \u201ekeine Stimme haben, wenn Entscheidungen getroffen werden \u2013 Entscheidungen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit neue Formen der Ausgrenzung und des Leidens hervorrufen werden\u201c.<\/p>\n<p><strong>Parallele zwischen KI und Kernenergie<\/strong><br \/>\nVor diesem Hintergrund habe er ein \u201estarkes Wort\u201c gew\u00e4hlt, um die geb\u00fchrende Aufmerksamkeit auf KI zu lenken und an die Gewissen zu appellieren, so Leo XIV.: \u201eK\u00fcnstliche Intelligenz muss entwaffnet werden (&#8230;) befreit von Logiken, die sie zu einem Instrument der Herrschaft, des Ausschlusses oder des Todes machen.\u201c Der Papst zog an dieser Stelle eine Parallele zur Kernenergie, die bei ihrem Missbrauch als Waffe das Potential hat, de facto die Menschheit auszul\u00f6schen.<br \/>\nWie die Kernenergie d\u00fcrfe auch KI nie ohne Gewissen genutzt werden: \u201eWie die Kernenergie muss sie im Dienst aller und des Gemeinwohls stehen. Entscheidungen \u00fcber Technologie d\u00fcrfen niemals von Gewissen und Verantwortung getrennt werden.\u201c Wachsamkeit sei hier geboten, sch\u00e4rfte der Papst ein, denn KI bringe den Frieden auch in Gefahr, weil sie Auswirkungen auf das menschliche Urteilsverm\u00f6gen habe. \u201eFrieden, nicht blo\u00df die Abwesenheit von Krieg, ist gelebte Gerechtigkeit. Doch wenn Technologie unser kritisches Urteilsverm\u00f6gen schw\u00e4cht, ist der Frieden selbst in Gefahr.\u201c Jede gro\u00dfe technische Macht brauche angemessene moralische Urteilsf\u00e4higkeit und \u00f6ffentliche Kontrolle, erinnerte Leo XIV. Deshalb brauche es auch bei der KI, \u00e4hnlich wie bei Atomwaffen, Abr\u00fcstung.<\/p>\n<p><strong>\u201eBaustelle der Geschichte\u201c &#8211; was wollen wir aufbauen?<\/strong><br \/>\nNeben \u201eAbr\u00fcstung\u201c gehe es zugleich um Aufbau, fuhr der Papst fort. Und er entwarf die Vision einer K\u00fcnstlichen Intelligenz, die dem menschlichen Leben in einer ganzheitlichen Perspektive dient und die f\u00fcr Gemeinwohl, Inklusion und Gerechtigkeit eingesetzt wird. In seiner Enzyklika erinnere er an den biblischen Propheten Nehemia, der entmutigte Menschen vor den Tr\u00fcmmern Jerusalems versammelte, damit jeder von ihnen seinen Teil zum Wiederaufbau betragen konnte.<br \/>\n\u201eNehemias Wirken ist auch f\u00fcr unsere Zeit relevant. K\u00fcnstliche Intelligenz kann eine Baustelle der Geschichte sein, die sich am Horizont der Gemeinschaft orientiert und auf der der technische Fortschritt lernt, dem menschlichen Leben zu dienen\u201c, betonte der Papst, der zu Sorgfalt aufrief und vor Leichtfertigkeit warnte. \u201eJeder Baumeister soll sorgf\u00e4ltig \u00fcberlegen, wie er baut\u201c, zitierte er den heiligen Paulus (1 Kor 3,10). \u201eEr f\u00fcrchtet nicht die Baustelle selbst, sondern warnt davor, ohne festes Fundament zu bauen. Lasst uns K\u00fcnstliche Intelligenz nicht f\u00fcrchten, sondern die Frage des Menschen stets im Blick behalten. Wir d\u00fcrfen mit unseren m\u00e4chtigsten technischen Werkzeugen nicht leichtfertig umgehen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Menschenw\u00fcrde, Ganzheitlichkeit und Inklusion<\/strong><br \/>\nPapst Leo betonte menschliche W\u00fcrde und Ganzheitlichkeit: Wahre Entwicklung betreffe jeden Menschen und den ganzen Menschen, zitierte er Papst Paul VI.. Niemand d\u00fcrfe \u201eam Rande der digitalen Transformation\u201c zur\u00fcckgelassen werden, und es brauche bei KI einen ganzheitlichen Blick auf den Menschen. \u201e,Ganzheitlich\u2018 bedeutet, dass niemand auf Produktivit\u00e4t, kognitive Leistung oder blo\u00dfe Daten reduziert werden darf. Der Mensch tr\u00e4gt eine Freiheit, eine Innerlichkeit und eine Berufung zur Liebe und Anbetung in sich, die keine Maschine ersetzen oder unterdr\u00fccken kann. Nur mit einer solchen ganzheitlichen Vision kann K\u00fcnstliche Intelligenz zum Wohle aller eingesetzt werden.\u201c<br \/>\nBei KI m\u00fcsse es darum gehen, die Zukunft der Menschheit gemeinsam zu gestalten und dabei alle einzubeziehen, betonte der Papst, \u201eSystementwickler und -nutzer, reichere und \u00e4rmere L\u00e4nder, Institutionen und Einzelpersonen, Machtzentren und Peripherien\u201c. Von der neuen Technologie sollten nicht nur \u201eeinige wenige Privilegierte\u201c profitieren, sondern die gesamte Menschheit, es gehe um nicht weniger als den Aufbau einer \u201eZivilisation der Liebe\u201c, nutzte er einen Begriff, den auch seine Vorg\u00e4nger Paul VI. und Johannes Paul II. nutzten. Die katholische Kirche k\u00f6nne hier einen essentiellen Beitrag leisten und wolle \u201ein Demut und Offenheit an den Gespr\u00e4chen \u00fcber K\u00fcnstliche Intelligenz\u201c teilnehmen, so Papst Leo.<\/p>\n<p><strong>Kirche kann wesentlichen Beitrag leisten<\/strong><br \/>\n\u201eWir besitzen keine technischen Antworten und wollen auch nicht diejenigen ersetzen, die \u00fcber Fachwissen verf\u00fcgen. Doch wir bringen eine Weisheit \u00fcber den Menschen mit, die unsere Zeit dringend braucht: Jeder Mensch ist einzigartig und unersetzlich, ein freies und intelligentes Wesen mit Gewissen, f\u00e4hig, Gott zu suchen, einander zu dienen und f\u00fcr unser gemeinsames Haus Sorge zu tragen. Deshalb lade ich alle Mitglieder der Kirche und der Menschheitsfamilie ein: Lasst uns lernen, einander zuzuh\u00f6ren, den gegenw\u00e4rtigen Herausforderungen mutig zu begegnen und gemeinsam eine menschlichere und geschwisterlichere Gesellschaft aufzubauen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Weitere Redner<\/strong><br \/>\nEs sei ein \u201ehoffnungsvolles Zeichen\u201c und verdeutliche zugleich den \u201eErnst der Lage\u201c, dass die Kirche die Papst-Enzyklika gemeinsam mit Vertretern der KI-Branche und -Forschung vorstelle, sagte der Papst, der zu Wachsamkeit und Hoffnung aufrief. Mit ihm stellten in der Synodenaula<b>\u00a0der Kanadier Christopher Olah, Mitbegr\u00fcnder des US-amerikanischen KI-Unternehmens Anthropic<\/b>, sowie Theologinnen von zwei Kontinenten die Enzyklika vor:\u00a0<b>Anna Rowlands aus Gro\u00dfbritannien und Leocadie Lushombo aus dem Kongo, die Expertinnen f\u00fcr katholische Soziallehre und christliche Ethik<\/b>\u00a0sind. Von Vatikanseite aus sprachen bei der Vorstellung am Montag\u00a0<b>Kardinalstaatssekret\u00e4r Pietro Parolin, Glaubenspr\u00e4fekt Kardinal V\u00edctor Manuel Fern\u00e1ndez und der Leiter der p\u00e4pstlichen Entwicklungsbeh\u00f6rde, Kardinal Michael Czerny<\/b>.<\/p>\n<p><strong>Regeln und Kontrolle<\/strong><br \/>\nDas Schreiben mit dem Titel \u201e<a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/leo-xiv\/de\/encyclicals\/documents\/20260515-magnifica-humanitas.html\" rel=\"external\">Magnifica humanitas. \u00dcber den Schutz des Menschen im Zeitalter der K\u00fcnstlichen Intelligenz<\/a>\u201c, war lange erwartet worden. Leo XIV. unterzeichnete es bereits zehn Tage vor der offiziellen Vorstellung, am 15. Mai. An jenem Tag hatte im Jahr 1891. Papst Leo XIII. seine Enzyklika\u00a0\u201e<a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/leo-xiii\/en\/encyclicals\/documents\/hf_l-xiii_enc_15051891_rerum-novarum.html\" rel=\"external\">Rerum novarum<\/a>&#8220; unterzeichnet.<br \/>\nIn \u201e<a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/leo-xiv\/de\/encyclicals\/documents\/20260515-magnifica-humanitas.html#Einleitung\" rel=\"external\">Magnifica Humanitas<\/a>\u201c fordert Papst Leo XIV. wertebasierte Regeln und gesellschaftliche Kontrolle beim Einsatz von K\u00fcnstlicher Intelligenz. Zwar sei Technik an sich nicht menschenfeindlich; sie habe zu einer erheblichen Verbesserung der Lebensbedingungen beigetragen. Zugleich habe \u201ejede Phase des Fortschritts auch die Ambivalenz von Werkzeugen offenbart, die in der Lage sind, Schaden anzurichten, wenn sie nicht auf das Gute ausgerichtet sind\u201c, erinnert Papst Leo mit \u201e<a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/leo-xiv\/de\/encyclicals\/documents\/20260515-magnifica-humanitas.html#Einleitung\" rel=\"external\">Magnifica Humanitas<\/a>\u201c (2026).<br \/>\nZu Beginn der Pr\u00e4sentation in der Synodanaula wurde an diesem Montag ein Film eingespielt, der die technische Entwicklung der Menschheit bis ins Zeitalter von KI und die Sicht der P\u00e4pste dazu Revue passieren lie\u00df.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/de\/papst\/news\/2026-05\/papst-synodenaula-kuenstliche-intelligenz-magnifica-humanitas.html\">www.vaticannews.va\/de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eK\u00fcnstliche Intelligenz muss entwaffnet werden\u201c: Unter diese Maxime hat Papst Leo seine erste Enzyklika \u201eMagnifica humanitas. \u00dcber den Schutz des Menschen im Zeitalter der K\u00fcnstlichen Intelligenz\u201c gestellt, die an diesem Pfingstmontag im Vatikan vorgestellt wurde. 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