{"id":86722,"date":"2026-05-25T23:12:43","date_gmt":"2026-05-25T20:12:43","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=86722"},"modified":"2026-05-25T23:12:43","modified_gmt":"2026-05-25T20:12:43","slug":"erste-enzyklika-von-papst-leo-xiv-ki-muss-der-menschheit-dienen-nicht-der-macht-weniger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/erste-enzyklika-von-papst-leo-xiv-ki-muss-der-menschheit-dienen-nicht-der-macht-weniger\/","title":{"rendered":"Erste Enzyklika von Papst Leo XIV.: KI muss der Menschheit dienen, nicht der Macht Weniger"},"content":{"rendered":"<p>In seiner Enzyklika \u201eMagnifica humanitas\u201c stellt Papst Leo XIV. die Soziallehre der Kirche im Zeitalter der K\u00fcnstlichen Intelligenz in den Mittelpunkt, genau 135 Jahre nach der ersten Sozialenzyklika \u201eRerum novarum\u201c. Er appelliert dazu, \u201eeine gro\u00dfartige Menschheit, in der Gott gegenw\u00e4rtig ist\u201c, zu bewahren, und Wahrheit, W\u00fcrde der Arbeit, soziale Gerechtigkeit sowie Frieden zu f\u00f6rdern. Im digitalen Zeitalter sei es notwendig, die K\u00fcnstliche Intelligenz zu \u201eentwaffnen\u201c.<\/p>\n<p><i><b>Eine Zusammenfassung von Isabella Piro \u2013 Vatikanstadt<\/b><\/i><\/p>\n<p>\u201eDie von Gott geschaffene gro\u00dfartige Menschheit steht heute vor einer entscheidenden Wahl: Entweder sie errichtet einen neuen Turm zu Babel oder sie erbaut die Stadt, in der Gott und die Menschheit gemeinsam wohnen.\u201c <a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/leo-xiv\/de\/encyclicals\/documents\/20260515-magnifica-humanitas.html\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener\">Der erste Satz der ersten Enzyklika von Leo XIV.,\u00a0<i>Magnifica humanitas<\/i>, \u201e\u00fcber die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der K\u00fcnstlichen Intelligenz\u201c<\/a>\u00a0fasst die tieferliegenden Gr\u00fcnde und die Absicht des Schreibens zusammen. Es wurde an diesem Montag, 25. Mai, ver\u00f6ffentlicht und am 15. Mai unterzeichnet, am 135. Jahrestag der Ver\u00f6ffentlichung von\u00a0<i>Rerum novarum<\/i>\u00a0von Leo XIII. (1878-1903). Der heutige Papst hat das Erbe seines Vorg\u00e4ngers angenommen, indem er selbst eine Sozialenzyklika vorlegt, die eine der zentralen Herausforderungen der heutigen Zeit aufgreift: die K\u00fcnstliche Intelligenz.\u00a0<i>Magnifica humanitas\u00a0<\/i>ist in f\u00fcnf Kapitel unterteilt und beginnt mit einem Grundgedanken: Die Technologie sei weder \u201eeine menschenfeindliche Kraft\u201c (4), noch \u201eein \u00dcbel\u201c (9). Dennoch \u201eist sie nicht neutral, weil sie die Z\u00fcge derer annimmt, die sie konzipieren, finanzieren, regulieren und nutzen\u201c. Darauf gr\u00fcndet der Aufruf des Papsts, \u201eim Guten aufzubauen\u201c und \u201emenschlich zu bleiben\u201c, indem man die Logik der mutigen gemeinsamen Verantwortung und der Gemeinschaft verfolge.<\/p>\n<p><b>Die Soziallehre der Kirche<\/b><br \/>\nDas erste Kapitel \u2013 <i>Ein dynamisches Denken im Geiste des Evangeliums<\/i>\u00a0\u2013 zeichnet die Soziallehre der Kirche\u00a0<i>(Anm. d. Red: im weiteren Verlauf abgek\u00fcrzt mit KSL f\u00fcr Katholische Soziallehre)<\/i>\u00a0im j\u00fcngeren Lehramt der P\u00e4pste und des Zweiten Vatikanischen Konzils nach und hebt besonders deren \u201edynamischen Charakter\u201c (17) hervor. Die KSL sei weit davon entfernt, \u201eein Handbuch von anzuwendenden Prinzipien und Normen\u201c zu sein; sie sei vielmehr eine \u201eTheologie der Gemeinschaft in der Geschichte\u201c (27), die die Lesart der Ereignisse am Evangelium ausrichte. Im zweiten Kapitel z\u00e4hlt Leo XIV. die\u00a0<i>Grundlagen und Prinzipien der Soziallehre der Kirche\u00a0<\/i>auf: Zu ersteren geh\u00f6rten die W\u00fcrde des Menschen, nach Gottes Bild und Ebenbild geschaffen, die Unverletzlichkeit der Menschenrechte, darunter die des Lebens \u201evon der Empf\u00e4ngnis bis zu seinem nat\u00fcrlichen Ende\u201c, sowie die Anerkennung der Rechte von Minderheiten. Besondere Aufmerksamkeit gilt den Frauen, damit sie wirklich wahrgenommen und wertgesch\u00e4tzt w\u00fcrden (57).<\/p>\n<div>\n<div class=\"article__embed article__embed--unwrap article__embed--photo\">\n<p><b>Eine Nation zu unterwerfen ist inakzeptabel<\/b><br \/>\nAnschlie\u00dfend benennt Leo XIV. f\u00fcnf Prinzipien der KSL: Zun\u00e4chst das Gemeinwohl, die \u201egesellschaftliche Form der jedem Menschen zugestandenen W\u00fcrde\u201c (59). In einem Punkt ist der Papst besonders entschieden: \u201eDie F\u00f6rderung des Gemeinwohls kann niemals losgel\u00f6st werden von der Achtung des Rechts der V\u00f6lker, zu existieren, ihre Identit\u00e4t zu bewahren und ihren je eigenen Beitrag f\u00fcr die Familie der Nationen zu leisten.\u201c In der Konsequenz \u201eist jeder Versuch oder jedes Vorhaben, eine Nation auszul\u00f6schen oder zu unterwerfen [\u2026] zutiefst unmoralisch und daher inakzeptabel\u201c (64).<\/p>\n<p><b>Die Technologie geh\u00f6rt nicht nur in die H\u00e4nde weniger<\/b><br \/>\nDas zweite Prinzip beschreibt die universale Bestimmung der G\u00fcter: Hier sowie an anderen Stellen der Enzyklika betont Leo XIV. nachdr\u00fccklich, dass die Technologien sich nicht in der Hand weniger konzentrieren d\u00fcrften, da so die Kluft zwischen Teilhabenden und von der digitalen Revolution Ausgeschlossenen vergr\u00f6\u00dfert werde (67). Daraus folgen das dritte und vierte Prinzip: die Subsidiarit\u00e4t (68), also die \u00dcberwindung einer paternalistischen oder wohlfahrtsstaatlichen Verwaltung des gesellschaftlichen Lebens zugunsten der Mitverantwortung, und die Solidarit\u00e4t (73), \u201ezugleich Prinzip und Tugend\u201c als Gegensatz zur Gleichg\u00fcltigkeit.<\/p>\n<p><b>Soziale Gerechtigkeit<\/b><br \/>\nDas f\u00fcnfte Prinzip der KSL sei das der sozialen Gerechtigkeit, betont Papst Leo: Im digitalen Zeitalter m\u00fcsse diese allen Menschen gleiche Zugangsm\u00f6glichkeiten bieten, die Schw\u00e4chsten sch\u00fctzen, Hass und Desinformation bek\u00e4mpfen sowie den Gebrauch der Technologien der \u00f6ffentlichen Kontrolle unterstellen. Einen \u201eentscheidenden Pr\u00fcfstein\u201c in diesem Bereich sieht Leo XIV. im Umgang mit Migranten: Die Art und Weise, wie eine Gesellschaft mit ihnen umgehe, \u201ezeigt, ob ihr Gerechtigkeitsbegriff von Angst oder von Geschwisterlichkeit geleitet ist\u201c. Von hier geht der Appell aus, \u201edas Recht auf Hoffnung\u201c derer zu wahren, die zur Flucht gezwungen seien, indem ihnen sichere und legale Wege sowie w\u00fcrdige Aufnahmebedingungen und echte Integrationsm\u00f6glichkeiten garantiert w\u00fcrden. Ebenso sei das Recht eines jeden Einzelnen zu bewahren, in Frieden und Sicherheit in seiner Heimat bleiben zu k\u00f6nnen, indem die \u201etiefgreifenden Ursachen\u201c der Migration angegangen w\u00fcrden (81). Die genannten f\u00fcnf Prinzipien sieht der Papst auch f\u00fcr die Kirche verpflichtend. Sie sei zu einer \u201eGewissenserforschung\u201c gerufen und dazu, \u201edass den Opfern von geistlichem, wirtschaftlichem, institutionellem, sexuellem Missbrauch, von Machtmissbrauch und Missbrauch des Gewissens Geh\u00f6r geschenkt wird\u201c, da dies \u201ewesentlich zu einem Weg der Gerechtigkeit\u201c geh\u00f6re; \u201edies umfasst auch eine Anerkennung des Schadens, gerechte Wiedergutmachung und Pr\u00e4vention\u201c (89).<\/p>\n<p><b>Ein Ethikkodex f\u00fcr KI<\/b><br \/>\nDas dritte Kapitel \u2013 <i>Technik und Herrschaft. Die Gr\u00f6\u00dfe der menschlichen Person angesichts der Versprechen der KI\u00a0<\/i>\u2013 unterstreicht, dass man sich mit K\u00fcnstlicher Intelligenz auf wachsame Art und Weise auseinandersetzen m\u00fcsse, indem die Verantwortlichkeiten jederzeit klar seien (<i>accountability<\/i>); es brauche au\u00dferdem eine angemessene Politik und rechtliche Rahmenbedingungen, ebenso wie eine unabh\u00e4ngige Aufsicht und die Aufkl\u00e4rung der Nutzer. Vor allem brauche es einen Ethikkodex, der den Kriterien sozialer Gerechtigkeit folgen sollte, denn: \u201eEine moralischere KI n\u00fctzt nichts, wenn diese Moral von wenigen bestimmt wird\u201c (107). Auch der Einfluss der neuen Technologien auf die Umwelt d\u00fcrfe nicht au\u00dfer Acht gelassen werden \u2013 denn diese erforderten den Einsatz gro\u00dfer Mengen an Energie und Wasser und belasteten so die Sch\u00f6pfung (101).<\/p>\n<p><b>KI entwaffnen<\/b><br \/>\nMan m\u00fcsse \u201edie KI entwaffnen\u201c, f\u00e4hrt Leo XIV. fort, um sie der Logik des milit\u00e4rischen, wirtschaftlichen und kognitiven Wettbewerbs zu entziehen; um die Auffassung aufzubrechen, dass technische Macht mit dem Recht zu herrschen gleichzusetzen sei; um sie den Monopolen abzuringen und zu verhindern, dass sie den Menschen beherrsche. Breiten Raum widmet die Enzyklika der Kritik des <i>Transhumanismus\u00a0<\/i>und des\u00a0<i>Posthumanismus<\/i>, f\u00fcr die der Fortschritt darin bestehe, \u00fcber die menschliche Natur hinauszugehen. Begrenztheit sei dagegen kein Defizit, das es zu beseitigen gelte, sondern eine grundlegende Dimension des Menschen: denn gerade in der Verletzlichkeit und Endlichkeit reiften die Beziehung und die \u00d6ffnung hin zu Gott und den Mitmenschen. Technischer Fortschritt, der die menschliche Begrenztheit beseitige, bedeute daher eine Verk\u00fcmmerung des Herzens. Deshalb d\u00fcrfe die gro\u00dfartige und verwundete Menschheit \u201eweder ersetzt noch \u00fcberwunden werden\u201c. Die Technologie k\u00f6nne Leid lindern und neue M\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnen, aber d\u00fcrfe die Menschheit in dem, was sie ausmache, nicht verraten: \u201edie F\u00e4higkeit zu Beziehung und Liebe\u201c (126). Angesichts von KI l\u00e4gen die Alternativen nicht zwischen Begeisterung und Angst, sondern zwischen den zwei Arten, Fortschritt zu schaffen: im Dienst des Menschen und der V\u00f6lker oder der Logik der Macht (129).<\/p>\n<p><b>Eine \u00d6kologie der Kommunikation<\/b><br \/>\nIm vierten Kapitel \u2013 <i>Das Menschliche in Zeiten des Wandels bewahren. Wahrheit, Arbeit, Freiheit\u00a0<\/i>\u2013 formuliert die Enzyklika den Wunsch nach einer auf der Wahrheit basierenden \u201e\u00d6kologie der Kommunikation\u201c. Der Papst fordert darin unter anderem Transparenz in der Logik hinter der Auswahl und Verbreitung von Inhalten, den Schutz personenbezogener Daten, einen seri\u00f6sen Journalismus, der auf Argumentation und Faktenpr\u00fcfung beruht, ein neues Bewusstsein f\u00fcr eine \u201ekorrekte und kritische\u201c Nutzung von KI sowie die Integration von Wissen. Eine transparente und aufrichtige Kommunikation wird auch von der Kirche gefordert, vor allem in F\u00e4llen von Ungerechtigkeit und Missbrauch. Zentral ist der Appell zu einem erneuerten Bildungsb\u00fcndnis, damit in den jungen Menschen der \u201eWunsch nach dem Stellen von Fragen\u201c nicht aufgrund von perfekten Maschinen, die das menschliche Denken nutzlos erscheinen lassen, erstickt werde (140). Leo XIV. ruft auch dazu auf, die Schule als Ort zu f\u00f6rdern, an dem man lerne \u201edie Wahrheit zu suchen und zu lieben\u201c (143).<\/p>\n<p><b>Die W\u00fcrde der Arbeit<\/b><br \/>\nMitten in der \u201evierten industriellen Revolution\u201c durch den digitalen Wandel hebt der Papst hervor, wie wichtig es sei, die W\u00fcrde der Arbeit zu sch\u00fctzen, indem Systeme entwickelt w\u00fcrden, die den Menschen in den Mittelpunkt stellten und nicht in erster Linie die Leistung. Die Technologie k\u00f6nne dem Menschen m\u00fchsame oder repetitive T\u00e4tigkeiten abnehmen, d\u00fcrfe aber nicht zu Arbeitslosigkeit aufgrund von Kostenreduzierung und Gewinnsteigerung f\u00fchren. In diesem Sinn h\u00e4lt der Papst eine Erneuerung der gewerkschaftlichen Organisationen f\u00fcr w\u00fcnschenswert.<\/p>\n<p><b>Frieden und Entwicklung<\/b><br \/>\nIm weiteren Verlauf des Schreibens zeigt Leo XIV. die Notwendigkeit auf, das Bruttoinlandsprodukt nicht mehr als Parameter f\u00fcr den Entwicklungsgrad eines Landes zu sehen, sondern stattdessen auf die W\u00fcrde der Arbeit abzuzielen, den gemeinsamen Wohlstand, den Abbau von Ungleichheiten und den Umweltschutz. Die Finanzwirtschaft um der Finanzwirtschaft willen unterscheide sich vom Finanzwesen im Dienste der Entwicklung (159-160). Auf den Spuren des heiligen Pauls VI. wird die wechselseitige Abh\u00e4ngigkeit von Frieden und Entwicklung hervorgehoben und eine internationale Zusammenarbeit erhofft, die in der Lage sei, gemeinsame Strategien zu entwickeln, welche vor allem den am st\u00e4rksten benachteiligten L\u00e4ndern und Bev\u00f6lkerungsgruppen zu Gute k\u00e4men. Denn Wohlstand trage nur dann zum Frieden bei \u201ewenn er weit verbreitet, inklusiv und nachhaltig ist\u201c (163). Mit Nachdruck verweist Leo XIV. auf die Familie, gegr\u00fcndet auf der best\u00e4ndigen Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau: Sie sei \u201evorrangiges soziales Gut\u201c, \u201egrundlegende und unersetzliche Zelle jeder gesellschaftlichen Organisation\u201c (165), und m\u00fcsse auch durch eine Arbeitsmarktpolitik unterst\u00fctzt werden, die Stabilit\u00e4t f\u00f6rdere und Lebensrhythmen achte, um so die gesellschaftliche F\u00e4higkeit zu sch\u00fctzen, \u201eZukunft zu gestalten\u201c.<\/p>\n<p><b>Die \u201eArchitektur des Sichtbaren\u201c<\/b><br \/>\nSchlie\u00dflich widmet sich Leo XIV. der Frage nach der Freiheit des Menschen. In einem Zeitalter, in dem digitale Plattformen darauf ausgerichtet seien, die Zeit der Nutzer zu binden und ihre Schwachstellen auszunutzen, m\u00fcsse die innere Freiheit des Einzelnen gest\u00e4rkt werden \u2013 auch indem man das Risiko der sozialen Kontrolle angehe, das aus der massiven Datenerhebung und dem Einsatz algorithmischer Systeme erwachse. Ein Profil einer Person zu erstellen, deren Verhalten vorherzusehen und zu beeinflussen sei \u201eeine neue Macht\u201c (171), die die Schw\u00e4chsten zu diskriminieren drohe. Der Papst beklagt vor allem \u201edie Architektur des Sichtbaren\u201c, denn \u201ewas verst\u00e4rkt oder unsichtbar\u201c gemacht werde, pr\u00e4ge letztlich \u201eMeinungen und Entscheidungen und f\u00fchrt zu Konformit\u00e4t und Selbstzensur\u201c.<\/p>\n<p><b>Neue Sklaverei und neue Kolonialismen<\/b><br \/>\nKI schaffe auch neue Formen von Sklaverei, gibt der Pontifex zu bedenken: K\u00f6rper w\u00fcrden \u201everletzt, verst\u00fcmmelt und verbraucht\u201c, Kinder arbeiteten unter gef\u00e4hrlichen Bedingungen um \u201eSeltenerdmetalle\u201c zu gewinnen, die f\u00fcr die Herstellung der Ger\u00e4te und Mikroprozessoren ben\u00f6tigt werden, auf denen KI basiert (173). Der Kampf gegen Sklaverei sei eine weitere \u201eentscheidende Bew\u00e4hrungsprobe f\u00fcr das ethische Urteilsverm\u00f6gen\u201c im Hinblick auf die digitale Transformation. Leo XIV. unterstreicht, dass die Kirche erneut \u201eihre entschiedene Verurteilung aller Formen von Sklaverei, Menschenhandel und der Kommerzialisierung von Menschen\u201c bekr\u00e4ftige. Zugleich bittet der Papst \u201eaufrichtig um Vergebung\u201c daf\u00fcr, dass die Kirche in der Vergangenheit mit Verz\u00f6gerung \u201edie Gei\u00dfel der Sklaverei\u201c verurteilt habe (174-176). Die Enzyklika verweist auch auf die \u201eneuen ,seltenen Erden&#8216; der Macht\u201c: lebenswichtige Informationen wie Gesundheitsdaten oder demographische Daten, die f\u00fcr Investitionsstrategien genutzt w\u00fcrden. Hier handle es sich um eine Form von Kolonialismus, der das pers\u00f6nliche Leben in verwertbare Informationen verwandle und so den digitalen Raum zu einem \u201eRaum der Ausbeutung\u201c mache (178-179).<\/p>\n<p><b>Die Theorie des \u201egerechten Kriegs\u201c \u00fcberwinden<\/b><br \/>\nIm f\u00fcnften Kapitel \u2013 <i>Die Kultur der Macht und die Zivilisation der Liebe<\/i>\u00a0\u2013 richtet Leo XIV. den Blick auf den Krieg: \u201eDie digitale Revolution ver\u00e4ndert die Grammatik von Konflikten\u201c. Ohne eine ethische Grundlage w\u00fcrden die Entscheidungen \u00fcber Leben und Tod der Menschen immer unpers\u00f6nlicher, der Einsatz von Gewalt \u201ezu einer unmittelbaren und gangbaren Option\u201c (182-183). Grundlage sei eine \u201eKultur der Macht\u201c, welche den Krieg normalisiere und als \u201eInstrument der internationalen Politik\u201c rehabilitiere, indem sie die Aufr\u00fcstung unterst\u00fctze. Die \u00f6ffentliche Meinung werde heute auch von einem polarisierenden Narrativ in den Medien gepr\u00e4gt, ebenso wie durch \u201eeinen besorgniserregenden Verlust an historischem Ged\u00e4chtnis\u201c, was den Weitblick f\u00fcr langfristige Folgen nehme (191). In der Konsequenz erscheine Frieden heute nicht als eine Aufgabe, der man sich stellen muss, sondern als Zeitspanne zwischen Konflikten. Deshalb m\u00fcsse man \u2013 unbeschadet des Rechts auf legitime Verteidigung im engsten Sinn \u2013 die Theorie des \u201egerechten Krieges\u201c \u00fcberwinden, betont Leo XIV., der stattdessen den Einsatz f\u00fcr Dialog, Diplomatie und Vergebung fordert (192).<\/p>\n<p><b>Kein Algorithmus macht einen Krieg moralisch vertretbar<\/b><br \/>\nDer Papst beklagt auch das Wachstum der R\u00fcstungsindustrie, die Entwicklung der Atomwaffenarsenale, das Auftreten neuer bewaffneter Akteure \u2013 darunter dschihadistische Gruppen \u2013 die das Ziel verfolgten, Konflikte als Quelle f\u00fcr Macht und Profit aufrechtzuerhalten. Deutlich warnt der Papst vor dem Gebrauch von Waffen, die an KI gebunden sind, denn \u201ees existiert kein Algorithmus, der Krieg moralisch vertretbar machen k\u00f6nnte\u201c. Es brauche strenge gemeinsame internationale ethische Normen, die auf der pers\u00f6nlichen Verantwortung und auf dem Schutz der Zivilbev\u00f6lkerung basierten, denn \u201ejede Technologie, die es einfacher macht, anzugreifen, ohne das Gesicht des anderen zu sehen, senkt die moralische Schwelle des Konflikts\u201c (199).<\/p>\n<p><b>Die Krise des Multilateralismus<\/b><br \/>\nDie Kultur der Macht entspringe auch der Krise des Multilateralismus und dem Auftreten eines \u201eungeordneten und konfliktreichen Multipolarismus\u201c (201). Die St\u00e4rke des V\u00f6lkerrechts werde durch das Recht des St\u00e4rkeren ersetzt; die Logiken der Macht wirkten st\u00e4rker als der Wunsch, Frieden zu schaffen, und die Institutionen, die errichtet worden seien, um das gemeinsame Schicksal der V\u00f6lker zu bewahren, seien inzwischen geschw\u00e4cht. Der Papst erhofft diesbez\u00fcglich eine \u201etiefgreifende Reform\u201c der Vereinten Nationen, damit sie den derzeitigen Wertekonflikt zugunsten des Gemeinwohls \u00fcberwinden k\u00f6nnten (226).<\/p>\n<p><b>Die Zivilisation der Liebe<\/b><br \/>\nChristen seien dazu gerufen, auf die Kultur der Macht mit dem Aufbau der \u201eZivilisation der Liebe\u201c zu antworten. Sie m\u00fcssten entscheiden, ob sie die Logik der Gewalt vorantreiben oder den Frieden bewahren wollten. Der Papst nennt f\u00fcnf \u201eAns\u00e4tze f\u00fcr die Verantwortung im Alltag und \u00f6ffentlichen Leben\u201c: die Worte entwaffnen und die Wahrheit sagen; Frieden in Gerechtigkeit aufbauen; die Perspektive der Opfer einnehmen und Stellung beziehen, denn es gebe Konflikte, in denen es \u201enicht richtig ist, neutral zu bleiben\u201c; viertens \u201eeinen gesunden Realismus\u201c pflegen, welcher gangbare Wege des Friedens in Taten sucht, nicht nur mit Worten. Schlie\u00dflich m\u00fcssten Dialog und Multilateralismus neu belebt werden, indem man von einer Kultur der Macht zu einer \u201eKultur der Verhandlung\u201c \u00fcbergehe. Entscheidend sei auch der Dialog zwischen den Religionen, die Botschafter des Friedens seien: \u201eDiejenigen, die den Namen Gottes benutzen, um Terrorismus, Gewalt oder Krieg zu legitimieren, verraten sein Antlitz\u201c, so die Mahnung durch Leo XIV. (223).<\/p>\n<p><b>Die gro\u00dfartige Menschheit<\/b><br \/>\nZum Schluss des Lehrschreibens l\u00e4dt der Papst alle Gl\u00e4ubigen dazu ein, die neuen Technologien im Licht des Evangeliums anzuwenden. Sie sollten \u201eeinen n\u00fcchternen und anspruchsvollen Weg christlichen Lebens\u201c verfolgen. Auch im Zeitalter der K\u00fcnstlichen Intelligenz sollten alle Zeugnis geben k\u00f6nnen \u201evon der Sch\u00f6nheit einer gro\u00dfartigen Menschheit, in der Gott gegenw\u00e4rtig ist\u201c.<br \/>\n<i>Der Text wurde \u00fcbersetzt und \u00fcberarbeitet von Christine Seuss und Birgit Pottler.<\/i><\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/de\/papst\/news\/2026-05\/papst-leo-xiv-enzyklika-magnifica-humanitas-zusammenfassung.html\">www.vaticannews.va\/de<\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In seiner Enzyklika \u201eMagnifica humanitas\u201c stellt Papst Leo XIV. die Soziallehre der Kirche im Zeitalter der K\u00fcnstlichen Intelligenz in den Mittelpunkt, genau 135 Jahre nach der ersten Sozialenzyklika \u201eRerum novarum\u201c. Er appelliert dazu, \u201eeine gro\u00dfartige Menschheit, in der Gott gegenw\u00e4rtig ist\u201c, zu bewahren, und Wahrheit, W\u00fcrde der Arbeit, soziale Gerechtigkeit sowie Frieden zu f\u00f6rdern. 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