{"id":87299,"date":"2026-06-18T22:32:25","date_gmt":"2026-06-18T19:32:25","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=87299"},"modified":"2026-06-19T12:27:09","modified_gmt":"2026-06-19T09:27:09","slug":"die-deportationen-in-den-baragan-zwischen-geschichte-leid-und-zeugnissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/die-deportationen-in-den-baragan-zwischen-geschichte-leid-und-zeugnissen\/","title":{"rendered":"Die Deportationen in den B\u0103r\u0103gan \u2013 zwischen Geschichte, Leid und Zeugnissen"},"content":{"rendered":"<p>\u201eIm Juni des Jahres 1951 wurden meine Gro\u00dfeltern und Eltern auf die Liste der Gro\u00dfgrundbesitzer (\u201echiaburi\u201c) gesetzt und in der B\u0103r\u0103gan-Steppe deportiert. Wir waren nicht reich, nur lag unser Dorf an einem ung\u00fcnstigen Ort \u2013 nahe der Grenze zu Serbien (Jugoslawien, Anm. d. Red.) \u2013 und weil die Politik jener Zeit dies so vorschrieb, wurden wir zu \u201averd\u00e4chtigen Elementen\u2018. Damals wurden vierzigtausend Menschen aus den Ortschaften nahe der serbischen Grenze in den B\u0103r\u0103gan deportiert. Der G\u00fcterzug, mit dem wir bef\u00f6rdert wurden, hielt in Perie\u021bi, wo wir unter freiem Himmel auf einem Rapsfeld aussteigen mussten\u2026\u201c So erinnerte sich Msgr. L\u00e1szl\u00f3 T\u00fary, Domherr, Gro\u00dfprobst und emeritierter Pfarrer von Temeswar VI Fratelia, an die Deportation seiner Familie in die B\u0103r\u0103gan-Steppe, die von einem Tag auf den anderen stattfand, in der Nacht vom 17. auf den 18. Juni 1951, am Pfingstfest, das von der orthodoxen\/griechisch-katholischen Kirche gefeiert wird, und am Montag, dem 18. Juni. F\u00fcr ihn, wie auch f\u00fcr die Tausenden von Familien, die damals deportiert wurden, bedeutete dieser Moment einen abrupten Bruch im nat\u00fcrlichen Lauf des Lebens: den erzwungenen \u00dcbergang von der Geborgenheit des eigenen Zuhauses zur Ungewissheit eines aufgezwungenen Neuanfangs. F\u00fcr diejenigen, die dies erlebt haben, blieb diese Erfahrung ein schmerzhafter und pr\u00e4gender Meilenstein ihres eigenen Schicksals.<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Document_19_06_2026_0001.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"lazyload wp-image-87285 alignleft\" src=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Document_19_06_2026_0001-1024x728.jpg\" data-orig-src=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Document_19_06_2026_0001-1024x728.jpg\" alt=\"\" width=\"612\" height=\"435\" srcset=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27612%27%20height%3D%27435%27%20viewBox%3D%270%200%20612%20435%27%3E%3Crect%20width%3D%27612%27%20height%3D%27435%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-srcset=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Document_19_06_2026_0001-200x142.jpg 200w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Document_19_06_2026_0001-300x214.jpg 300w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Document_19_06_2026_0001-400x284.jpg 400w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Document_19_06_2026_0001-600x427.jpg 600w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Document_19_06_2026_0001-768x546.jpg 768w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Document_19_06_2026_0001-800x569.jpg 800w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Document_19_06_2026_0001-1024x728.jpg 1024w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Document_19_06_2026_0001-1200x853.jpg 1200w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Document_19_06_2026_0001-1536x1092.jpg 1536w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Document_19_06_2026_0001.jpg 1809w\" data-sizes=\"auto\" data-orig-sizes=\"(max-width: 612px) 100vw, 612px\" \/><\/a>Jenseits des Eisernen Vorhangs<\/strong><br \/>\nUm die Ereignisse des Sommers 1951 zu verstehen, muss man den politischen und ideologischen Kontext der fr\u00fchen 1950er Jahre betrachten. Einerseits befand sich Rum\u00e4nien in einem umfassenden Sowjetisierungsprozess und \u00fcbernahm Strukturen und Praktiken, die vom sowjetischen Modell vorgegeben waren. Andererseits beeinflussten die angespannten Beziehungen zwischen der Sowjetunion und Jugoslawien, die nach dem Bruch von 1948 entstanden waren, unmittelbar die Au\u00dfen- und Innenpolitik Rum\u00e4niens, das sich bereits im Einflussbereich Moskaus befand. Entsprechend der Logik jener Jahre folgten die rum\u00e4nischen Beh\u00f6rden der von der UdSSR vorgegebenen Linie und traten in eine offene Konfrontation mit dem, was die Propaganda als Imperialismus bezeichnete, sowie mit der \u201everr\u00e4terischen titoistischen Gruppe\u201c in Belgrad. Die immer deutlicher werdenden Differenzen zwischen der UdSSR und Jugoslawien sch\u00fcrten ein Klima des Misstrauens und des politischen Drucks. Die Rivalit\u00e4t zwischen Stalin und Tito sowie die Weigerung Jugoslawiens, sich den sowjetischen Anweisungen zu unterwerfen, wurden als Bedrohung f\u00fcr die Autorit\u00e4t Moskaus wahrgenommen. In diesem angespannten Umfeld ergriff Rum\u00e4nien Sicherheitsma\u00dfnahmen, die die Bev\u00f6lkerung im Grenzgebiet zu Jugoslawien in einem Streifen von bis zu 25 Kilometern ab der Grenze unmittelbar betrafen.<br \/>\nDie Deportationen betrafen ganze Gemeinschaften, ohne dass die Betroffenen eine individuelle oder kollektive Schuld getragen h\u00e4tten. Hinzu kam, dass zur gleichen Zeit in Rum\u00e4nien die Kollektivierung der Landwirtschaft vorangetrieben wurde, die in zahlreichen D\u00f6rfern des Banats auf Widerstand stie\u00df. Die Beh\u00f6rden gingen davon aus, dass die Zwangsumsiedlung einiger Familien die Umsetzung der neuen landwirtschaftlichen Strukturen und die Festigung der politischen Kontrolle \u00fcber den l\u00e4ndlichen Raum erleichtern k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Document_19_06_2026_0002.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"lazyload wp-image-87288 alignleft\" src=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Document_19_06_2026_0002-728x1024.jpg\" data-orig-src=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Document_19_06_2026_0002-728x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"462\" height=\"650\" srcset=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27462%27%20height%3D%27650%27%20viewBox%3D%270%200%20462%20650%27%3E%3Crect%20width%3D%27462%27%20height%3D%27650%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-srcset=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Document_19_06_2026_0002-200x281.jpg 200w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Document_19_06_2026_0002-213x300.jpg 213w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Document_19_06_2026_0002-400x562.jpg 400w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Document_19_06_2026_0002-600x844.jpg 600w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Document_19_06_2026_0002-728x1024.jpg 728w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Document_19_06_2026_0002-768x1080.jpg 768w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Document_19_06_2026_0002-800x1125.jpg 800w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Document_19_06_2026_0002-1092x1536.jpg 1092w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Document_19_06_2026_0002-1200x1687.jpg 1200w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Document_19_06_2026_0002.jpg 1310w\" data-sizes=\"auto\" data-orig-sizes=\"(max-width: 462px) 100vw, 462px\" \/><\/a>Beseitigung der \u201eunerw\u00fcnschten Elemente\u201c<\/strong><br \/>\nWie Silviu Sarafolean (Timi\u0219oara) in seiner Arbeit <strong><em>Deport\u0103rile \u00een B\u0103r\u0103gan. Cauze \u015fi consecin\u0163e<\/em><\/strong> <strong><em>(politice, economice \u0219i sociale)<\/em><\/strong> (<em>Die Deportationen in die B\u0103r\u0103gan-Steppe. <\/em><em>Ursachen und Folgen (politische, wirtschaftliche und soziale))<\/em> feststellt, \u201estellten die Deportationen auch eine sehr gute Gelegenheit dar, die unerw\u00fcnschten Elemente zu beseitigen, die als Kulaken bezeichnet wurden.\u201c<br \/>\nDie Deportation in die B\u0103r\u0103gan-Steppe wurde von den Parteiorganen und den Repressionsorganen des kommunistischen Staates lange geplant und sorgf\u00e4ltig vorbereitet. Im Bericht von Gheorghe Gheorghiu-Dej auf der Plenartagung des Zentralkomitees der Rum\u00e4nischen Arbeiterpartei (PMR) vom 3.\u20135. M\u00e4rz 1949, die dem Prozess der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft gewidmet war, wurde die Notwendigkeit erw\u00e4hnt, \u201edie kapitalistischen Elemente in der Landwirtschaft einzuschr\u00e4nken und zu liquidieren\u201c sowie \u201edie Bauernfrage als Aufgabe der Diktatur des Proletariats zu l\u00f6sen\u201c.<br \/>\n\u201eUnsere Politik gegen\u00fcber der Bauernschaft\u201c, hei\u00dft es weiter in dem Bericht, \u201emuss klar sein: Wir st\u00fctzen uns auf die armen Bauern, festigen das B\u00fcndnis mit den Mittelbauern und f\u00fchren einen ununterbrochenen Kampf gegen die Kulaken.\u201c<br \/>\nDieser umfangreichen Aktion lagen die Ministerratsbeschl\u00fcsse H.C.M. 200\/1950, H.C.M. 326\/1951, H.C.M. 1154 vom 26. Oktober 1950 sowie H.C.M. 344 vom 15. M\u00e4rz 1951 zugrunde. Teohari Georgescu, Innenminister, schlug der Regierung in einem Schreiben eine \u00c4nderung und Erg\u00e4nzung von Artikel 6 des H.C.M. 1154 vom 26. Oktober 1950 vor. Dies geschah am 15. M\u00e4rz 1951, drei Monate vor den Deportationen.<br \/>\n\u201eArtikel 6: Der Innenminister kann durch Beschluss die Umsiedlung aus \u00fcberbev\u00f6lkerten Zentren jeder Person anordnen, die ihre Anwesenheit in diesen Zentren nicht rechtfertigen kann, ebenso wie die Umsiedlung aus jeder Ortschaft von Personen, die durch ihr Verhalten gegen\u00fcber dem werkt\u00e4tigen Volk dem Aufbau des Sozialismus in der Rum\u00e4nischen Volksrepublik schaden. Den umgesiedelten Personen wird in einer beliebigen Ortschaft ein Zwangswohnsitz zugewiesen.\u201c<br \/>\nDas Dokument ist von Teohari Georgescu, Iosif Chi\u015finevschi, Vasile Luca, Ana Pauker, Gheorghe Gheorghiu-Dej und Dumitru Coliu unterzeichnet.<br \/>\nAnschlie\u00dfend wurde der Ministerratsbeschluss Nr. 326 vom 27. August 1951 zur Sicherstellung von Arbeitskr\u00e4ften f\u00fcr die Staatsg\u00fcter in den Regionen Ialomi\u021ba und Gala\u021bi erlassen. Mehr als zwei Monate nach der Ankunft im B\u0103r\u0103gan erhielt die Ansammlung von Erdh\u00fctten eine rechtliche Grundlage, da die Einrichtung von Siedlungszentren genehmigt wurde, in denen landwirtschaftliche Arbeiter mit ihren Familien aus anderen Regionen angesiedelt werden sollten.<br \/>\nIn den Regierungsakten findet sich jedoch keinerlei Hinweis auf Deportationen.<\/p>\n<p><strong>Das Ausma\u00df der Trag\u00f6die<\/strong><br \/>\nObwohl keine vollst\u00e4ndige Datenbank aller deportierten Personen und Familien existiert, zeigen statistische Daten, dass insgesamt 40.320 Personen bzw. 12.791 Familien deportiert wurden. Die \u00fcberwiegende Mehrheit stammte aus den Kreisen Temesch, Karasch-Severin und Mehedin\u021bi, insbesondere aus Orten wie Gro\u00df-Sanktnikolaus, Temeswar, Detta, Orawitza, Reschitza, Neu-Moldowa, Almasch, Turnu Severin, Strehaia, Baia de Aram\u0103 und V\u00e2nju Mare.<br \/>\nLaut dem Bildband <strong><em>B\u0103r\u0103gan, 1951 \u2013 Fotomemoria unei deport\u0103ri<\/em><\/strong> (<em>B\u0103r\u0103gan 1951 \u2013 Das fotografische Ged\u00e4chtnis einer Deportation<\/em> &#8211; 2., \u00fcberarbeitete und erweiterte Auflage), herausgegeben von der Vereinigung der ehemaligen B\u0103r\u0103gan-Deportierten im Jahr 2015, \u201ewurden 18 Siedlungen festgelegt, die in der B\u0103r\u0103gan-Steppe errichtet werden sollten, auf dem Gebiet der damaligen Regionen Constan\u021ba, Ialomi\u021ba und Gala\u021bi. Zur Umsetzung der in dem Regierungsbeschluss enthaltenen Ma\u00dfnahmen wurden Einheiten der Staatssicherheit, der Miliz und der Grenztruppen eingesetzt, die in gro\u00dfer Zahl beteiligt waren: 9.877 Soldaten sperrten die betreffenden Gebiete ab, 10.229 wurden f\u00fcr die Verhaftung und den Transport mobilisiert, w\u00e4hrend neun Kompanien mit einer St\u00e4rke von 1.638 Soldaten sowie zwei weitere Kompanien aus Turnu Severin mit 326 Mann als Reserve f\u00fcr m\u00f6gliche Eins\u00e4tze bereitstanden. Rum\u00e4nen, Deutsche, Bulgaren, Serben, Ungarn, Aromunen, Bessaraber und Bukowiner wurden mit ihren Familien in 59 G\u00fcterz\u00fcgen unter milit\u00e4rischer Bewachung in den B\u0103r\u0103gan gebracht. An den insgesamt 14 Zielbahnh\u00f6fen angekommen, wurden die Menschen mitten auf freiem Feld abgesetzt; der einzige Orientierungspunkt, den man ihnen gab, war ein eingeschlagener Pfahl.\u201c<br \/>\nAus den statistischen Daten geht hervor, dass Familien und Einzelpersonen verschiedener ethnischer und religi\u00f6ser Zugeh\u00f6rigkeiten deportiert wurden: Rum\u00e4nen, Deutsche, Ungarn, Bulgaren, Serben, Bessaraber und Bukowiner, die sich in diesen Regionen niedergelassen hatten, sowie sogar T\u00fcrken von der Insel Ada Kaleh.<br \/>\nDie Fotografien in diesem Album zeigen sowohl die armseligen H\u00fctten und Erdl\u00f6cher, die die Deportierten innerhalb weniger Tage unter der sengenden Hitze des B\u0103r\u0103gan mit den ihnen zur Verf\u00fcgung stehenden Materialien errichteten, als auch die Solidarit\u00e4t dieser Menschen. Obwohl sie aus unterschiedlichen D\u00f6rfern stammten, halfen sie sich gegenseitig beim Bau stabilerer Lehmh\u00e4user, die den strengen Wintern standhalten konnten. Ebenso dokumentieren die Bilder ihre Arbeit auf den Reisfeldern sowie beim Umgraben und Ernten von Baumwolle.<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Tury5-580x467-1.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"lazyload wp-image-87280 alignleft\" src=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Tury5-580x467-1.jpg\" data-orig-src=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Tury5-580x467-1.jpg\" alt=\"\" width=\"469\" height=\"378\" srcset=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27469%27%20height%3D%27378%27%20viewBox%3D%270%200%20469%20378%27%3E%3Crect%20width%3D%27469%27%20height%3D%27378%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-srcset=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Tury5-580x467-1-177x142.jpg 177w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Tury5-580x467-1-200x161.jpg 200w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Tury5-580x467-1-300x242.jpg 300w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Tury5-580x467-1-400x322.jpg 400w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Tury5-580x467-1.jpg 580w\" data-sizes=\"auto\" data-orig-sizes=\"(max-width: 469px) 100vw, 469px\" \/><\/a>Das Zeugnis von Pfr. L\u00e1szl\u00f3 T\u00fary (\u2020 21. M\u00e4rz 2019)<\/strong><br \/>\nMsgr. L\u00e1szl\u00f3 T\u00fary, Domherr, Gro\u00dfpropst und emeritierter Pfarrer von Temeswar VI Fratelia, wurde am 7. Mai 1928 in Dejan\/Deschandorf im Kreis Temesch geboren. Er war Sch\u00fcler und Absolvent des renommierten Piaristengymnasiums in Temeswar und schloss dieses im Jahr 1948 ab. Nach dem Erwerb des Abiturzeugnisses schrieb er sich zun\u00e4chst am Theologischen Seminar in Temeswar ein. Nach dessen rechtswidriger Aufl\u00f6sung wechselte er an das Priesterseminar in Karlsburg (Alba Iulia). Noch bevor er sich dort einschreiben konnte, wurde er jedoch gemeinsam mit seinen Eltern und Gro\u00dfeltern in die B\u0103r\u0103gan-Steppe deportiert. In einem \u00e4lteren Interview mit dem Presseb\u00fcro des Bistums Temeswar berichtete er \u00fcber diese Ereignisse wie folgt:<br \/>\n\u201eIm Juni des Jahres 1951 wurden meine Gro\u00dfeltern und Eltern auf die Liste der Gro\u00dfgrundbesitzer (\u201echiaburi\u201c) gesetzt und in der B\u0103r\u0103gan-Steppe deportiert. Wir waren nicht reich, nur lag unser Dorf an einem ung\u00fcnstigen Ort \u2013 nahe der Grenze zu Serbien (Jugoslawien, Anm. d. Red.) \u2013 und weil die Politik jener Zeit dies so vorschrieb, wurden wir zu \u201averd\u00e4chtigen Elementen\u2018. Damals wurden vierzigtausend Menschen aus den Ortschaften nahe der serbischen Grenze in den B\u0103r\u0103gan deportiert. Der G\u00fcterzug, mit dem wir bef\u00f6rdert wurden, hielt in Perie\u021bi, wo wir unter freiem Himmel auf einem Rapsfeld aussteigen mussten\u2026 Allzu lange konnten wir nicht an das zur\u00fcckgelassene Haus und unser Hab und Gut denken, denn in der Ein\u00f6de des B\u0103r\u0103gan mussten wir uns um das \u00dcberleben und um die Unterbringung der Haustiere k\u00fcmmern, die wir mitgenommen hatten. In den ersten Tagen und N\u00e4chten, bis wir uns eine H\u00fctte gebaut hatten, hatten wir kein Dach \u00fcber dem Kopf. Was uns besch\u00e4ftigte, war unsere unmittelbare Lage und die ungewisse Zukunft.<br \/>\nTrotzdem lie\u00dfen wir uns nicht von der Verzweiflung \u00fcberw\u00e4ltigen, vor allem deshalb nicht, weil wir unser Leid mit vielen anderen Familien teilten und eine bemerkenswerte Solidarit\u00e4t zeigten, unabh\u00e4ngig von Nationalit\u00e4t oder Religion. Dort spielte es keine Rolle, ob jemand Ungar, Rum\u00e4ne, Deutscher, Serbe oder Bulgare war, auch nicht, welcher Religion er angeh\u00f6rte. Wir alle waren Deportierte und halfen einander bei der Arbeit und beim Bau der H\u00e4user.<br \/>\nIch feierte als Seminarist mit Erlaubnis die Wortgottesdienste unter freiem Himmel, bei denen wir gemeinsam beteten: Katholiken, Reformierte und Br\u00fcder anderer Konfessionen. Sp\u00e4ter organisierte ich auch die erste heilige Kommunion f\u00fcr Jugendliche. Das gemeinsame Schicksal und das gemeinsame Leiden verbanden uns. Wir lebten wie Br\u00fcder in der grenzenlosen Ein\u00f6de des B\u0103r\u0103gan, zusammen mit Tausenden unschuldiger Menschen, die dasselbe Schicksal teilten.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/winter.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"lazyload wp-image-87294 alignleft\" src=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/winter-1024x667.jpg\" data-orig-src=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/winter-1024x667.jpg\" alt=\"\" width=\"586\" height=\"382\" srcset=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27586%27%20height%3D%27382%27%20viewBox%3D%270%200%20586%20382%27%3E%3Crect%20width%3D%27586%27%20height%3D%27382%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-srcset=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/winter-200x130.jpg 200w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/winter-300x196.jpg 300w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/winter-400x261.jpg 400w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/winter-600x391.jpg 600w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/winter-768x501.jpg 768w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/winter-800x521.jpg 800w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/winter-1024x667.jpg 1024w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/winter-1200x782.jpg 1200w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/winter.jpg 1479w\" data-sizes=\"auto\" data-orig-sizes=\"(max-width: 586px) 100vw, 586px\" \/><\/a>Eine Zeit lang wohnten wir in einer in die Erde gegrabenen H\u00fctte; gl\u00fccklicherweise war der Winter im ersten Jahr mild. Doch im dritten Jahr brachte der <em>Criv\u0103\u021b<\/em> so viel Schnee und Schneesturm, dass die Nachbarn diejenigen aus ihren H\u00e4usern befreien mussten, die wegen der Schneeverwehungen eingeschlossen waren.<br \/>\nMit den Jahren wuchs immer mehr die Hoffnung, dass man uns \u2013 nach den Serben \u2013 auch erlauben w\u00fcrde, nach Hause zur\u00fcckzukehren. Wir lebten dort ungef\u00e4hr f\u00fcnf Jahre lang, bis nach Stalins Tod. Im Sommer arbeitete ich, wo immer es m\u00f6glich war, als Tagel\u00f6hner, und im Winter lernte ich und bereitete mich darauf vor, mein Theologiestudium fortzusetzen.<br \/>\nIm dritten Jahr unseres Aufenthalts im B\u0103r\u0103gan floh ich nach Karlsburg \/ Alba Iulia, um meine begonnene theologische Ausbildung wieder aufnehmen zu k\u00f6nnen. Da ich keinerlei Dokumente bei mir hatte, weil die Beh\u00f6rden uns die Ausweise abgenommen hatten, versteckten mich die Professoren des Priesterseminars einen Monat lang, bis es mir gelang, die notwendigen Unterlagen f\u00fcr das Studienjahr zusammenzubekommen, denn praktisch war ich ein Fl\u00fcchtling.<br \/>\nIch lernte jedoch nur, nachdem ich wieder an unseren verpflichtenden Wohnort im B\u0103r\u0103gan zur\u00fcckgekehrt war. Schlie\u00dflich konnte ich nach Hause zur\u00fcckkehren und erhielt meine Dokumente, sodass ich 1957 das Theologische Institut in Alba Iulia abschloss. Ich wurde von Bischof M\u00e1rton \u00c1ron gemeinsam mit zweiundzwanzig weiteren Kollegen zum Priester geweiht.<br \/>\nWir hatten das Gl\u00fcck, in unser Haus in Deschandorf zur\u00fcckkehren zu k\u00f6nnen. Viele Familien jedoch konnten nicht mehr in ihre Heimatd\u00f6rfer zur\u00fcckkehren \u2013 entweder weil ihre H\u00e4user inzwischen besetzt worden waren oder weil die Beh\u00f6rden ihnen die R\u00fcckkehr nicht erlaubten. Sie mussten ihr Leben an anderen Orten weiterf\u00fchren.\u201c<\/p>\n<p>Heute, Jahrzehnte sp\u00e4ter, bleiben die Zeugnisse der Deportierten eine Lektion \u00fcber W\u00fcrde und Glauben. Inmitten des Unrechts bewahrten sie ihre Hoffnung und entschieden sich anstelle der Angst f\u00fcr die Solidarit\u00e4t. Ihre Erinnerung verpflichtet uns, die Freiheit zu sch\u00e4tzen, die menschliche W\u00fcrde zu verteidigen und niemals den Preis zu vergessen, den diejenigen bezahlt haben, die diese Zeiten erlebt haben.<\/p>\n<p>Pressestelle der Di\u00f6zese Temeswar<\/p>\n<p>Fotos: Heinrich Freihoffer: Sklaven im Baragan, Das Banat und die Banater Schwaben (Herausgegeben von der Landsmannschaft der Banater Schwaben aus Rum\u00e4nien in Deutschland e.V., Band II.), die Privatsammlung von Msgr. L\u00e1szl\u00f3 T\u00fary<\/p>\n\n\t\t<style type=\"text\/css\">\n\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\twidth: 100%;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t}\n\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-87299 gallery-columns-1 gallery-size-large'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a data-rel=\"iLightbox[postimages]\" data-title=\"mise\" data-caption=\"\" href='https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/mise.jpg'><img width=\"1024\" height=\"419\" src=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/mise-1024x419.jpg\" class=\"attachment-large size-large lazyload\" alt=\"\" decoding=\"async\" srcset=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%271866%27%20height%3D%27764%27%20viewBox%3D%270%200%201866%20764%27%3E%3Crect%20width%3D%271866%27%20height%3D%27764%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-orig-src=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/mise-1024x419.jpg\" data-srcset=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/mise-200x82.jpg 200w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/mise-300x123.jpg 300w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/mise-400x164.jpg 400w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/mise-600x246.jpg 600w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/mise-768x314.jpg 768w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/mise-800x328.jpg 800w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/mise-1024x419.jpg 1024w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/mise-1200x491.jpg 1200w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/mise-1536x629.jpg 1536w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/mise.jpg 1866w\" data-sizes=\"auto\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><br style=\"clear: both\" \/>\n\t\t<\/div>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eIm Juni des Jahres 1951 wurden meine Gro\u00dfeltern und Eltern auf die Liste der Gro\u00dfgrundbesitzer (\u201echiaburi\u201c) gesetzt und in der B\u0103r\u0103gan-Steppe deportiert. Wir waren nicht reich, nur lag unser Dorf an einem ung\u00fcnstigen Ort \u2013 nahe der Grenze zu Serbien (Jugoslawien, Anm. d. 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