{"id":88030,"date":"2026-07-24T19:44:28","date_gmt":"2026-07-24T16:44:28","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=88030"},"modified":"2026-07-24T19:44:28","modified_gmt":"2026-07-24T16:44:28","slug":"botschaft-von-papst-leo-xiv-zum-6-welttag-der-grosseltern-und-aelteren-menschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/botschaft-von-papst-leo-xiv-zum-6-welttag-der-grosseltern-und-aelteren-menschen\/","title":{"rendered":"Botschaft von Papst Leo XIV. zum 6. Welttag der Grosseltern und \u00c4lteren Menschen"},"content":{"rendered":"<p><b><i>Ich aber werde dich niemals vergessen (Jes 49,15)<\/i><\/b><\/p>\n<p><i>Liebe Br\u00fcder und Schwestern,<\/i><\/p>\n<p>durch den Mund des Propheten Jesaja verspricht der Herr, dass er keinen von uns jemals vergessen wird. Er versichert uns, dass er uns alle eingezeichnet hat in seine H\u00e4nde (vgl.\u00a0<i>Jes<\/i>\u00a049,16) und dass seine Liebe gr\u00f6\u00dfer ist als die einer Mutter zu ihrem Kind (vgl.\u00a0<i>Jes<\/i>\u00a049,15). Der Prophet l\u00e4sst uns einen innigen und intensiven Dialog erahnen, in dem Gott jeden Einzelnen und das ganze Volk mit \u201edu\u201c anspricht. Auch heute k\u00f6nnen wir diese Worte auf jeden von uns beziehen, und alle d\u00fcrfen sich von diesem \u201eIch vergesse dich nicht\u201c angesprochen f\u00fchlen.<\/p>\n<p>Es sind Worte, die mit Trost und Zuversicht erf\u00fcllen. Sie sind die Antwort auf ein qu\u00e4lendes Gef\u00fchl, das das Herz bewegt: \u00bbDer Herr hat mich verlassen, Gott hat mich vergessen\u00ab (<i>Jes<\/i>\u00a049,14). Wie oft in der Heiligen Schrift, insbesondere in den Psalmen, kommt das Gebet aus der Verlorenheit derer, die meinen, ihr Leben sei f\u00fcr niemanden von Interesse und werde vernachl\u00e4ssigt! Das schmerzliche Gef\u00fchl, vergessen zu sein, verbindet leider viele Menschen, und unter ihnen sind nicht wenige \u00e4ltere Leute.<\/p>\n<p>Die Liebe Gottes hingegen, die niemanden vergisst, erscheint als Akt der Gerechtigkeit und als Antwort auf die Anonymit\u00e4t, in der das menschliche Leben allzu oft verloren geht. Insbesondere \u00fcber dem Leben vieler \u00e4lterer Menschen scheint ein Schleier zu liegen, der ihre Gesichtsz\u00fcge verschwimmen l\u00e4sst und in Vergessenheit h\u00fcllt. Das geschieht in den H\u00e4usern, in denen Einsamkeit herrscht, und auch in jenen Pflegeeinrichtungen, wo die Gefahr besteht, dass die Einzigartigkeit des Menschen sich auf die Nummer seines Bettes oder sein Krankheitsbild reduziert.<\/p>\n<p>Der Welttag der Gro\u00dfeltern und \u00e4lteren Menschen ist eine Gelegenheit, neu zu entdecken, dass die Kirche dazu berufen ist, Mutter aller zu sein, und dass es in jedem Alter m\u00f6glich ist, sich als ein Sohn oder eine Tochter Gottes zu erfahren. Dieser Tag sei daher ein Ansporn f\u00fcr alle, insbesondere f\u00fcr die J\u00fcngeren, die sch\u00f6ne Gewohnheit wiederaufzunehmen, ihre Gro\u00dfeltern, die \u00e4lteren Familienmitglieder und auch diejenigen zu besuchen, die keinen Besuch erhalten. Bringt ihnen mit dieser Botschaft und eurer Gegenwart die N\u00e4he und Zuneigung des Papstes zum Ausdruck. Tut es so, dass die Worte des Propheten \u201eIch aber vergesse dich niemals\u201c in einer herzlichen und liebevollen Begegnung konkrete Gestalt annehmen. \u00bbIn einer Zeit, die zu Beschleunigung und Fragmentierung neigt, verlangt der menschliche K\u00f6rper weiterhin nach F\u00fcrsorge und Anerkennung durch H\u00e4nde, die zu Z\u00e4rtlichkeit f\u00e4hig sind, durch aufmerksame Menschen und durch freundliche Worte. Die digitale Kultur vervielfacht Verbindungen und bietet neue M\u00f6glichkeiten der Begegnung; dennoch bewahrt das menschliche Herz ein unverzichtbares Bed\u00fcrfnis nach N\u00e4he\u00ab (Enzyklika\u00a0<i><a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/leo-xiv\/de\/encyclicals\/documents\/20260515-magnifica-humanitas.html\">Magnifica humanitas<\/a><\/i>, 239).<\/p>\n<p>Die Kirche kennt das Leid ihrer \u00e4lteren S\u00f6hne und T\u00f6chter; sie wei\u00df sehr wohl, dass man allzu oft mit Voreingenommenheit auf sie blickt und man sie als Last empfindet; sie ist sich bewusst, dass eine gewinnorientierte Wirtschaft die famili\u00e4ren Bindungen schw\u00e4cht; sie wei\u00df, dass viele \u00e4ltere Menschen von ihren Kindern verlassen werden, die zur Migration gezwungen sind oder, in einigen F\u00e4llen, in den Krieg ziehen m\u00fcssen. Im Blick auf all diese Gr\u00fcnde verk\u00fcndet sie freudig das Versprechen des Herrn: \u201eIch aber vergesse dich niemals!\u201c<\/p>\n<p>Es ist in jedem Alter sch\u00f6n, aber besonders, wenn man nicht mehr jung ist, zu entdecken, dass wir, wie der selige\u00a0<a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/vatican\/de\/holy-father\/giovanni-paolo-i.html\">Johannes Paul I.<\/a>\u00a0sagte, \u00bbvon Gott mit einer unverg\u00e4nglichen Liebe beschenkt sind. Wir wissen: Er hat immer seine Augen auf uns gerichtet, auch wenn es Nacht zu sein scheint. Er ist Vater; noch mehr ist er Mutter\u00ab (<i><a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/john-paul-i\/it\/angelus\/documents\/hf_jp-i_ang_10091978.html\">Angelus<\/a><\/i>, 10. September 1978). Auch wenn uns dieser Gedanke ungewohnt erscheinen mag, so ist es doch wahr, dass wir auch im Alter nicht aufh\u00f6ren, S\u00f6hne und T\u00f6chter zu sein, und so bleibt die Einladung, in die Arme Gottes zur\u00fcckzukehren, dessen Liebe zugleich v\u00e4terlich und m\u00fctterlich ist, jeden Tag g\u00fcltig.<\/p>\n<p>Viele entdecken erst im Laufe ihres Lebens die Z\u00e4rtlichkeit Gottes, manchmal gerade auf dem letzten Lebensabschnitt. Denn anders als fr\u00fcher geschieht es immer h\u00e4ufiger, dass Menschen \u00e4lter werden, ohne je eine echte Glaubenserfahrung gemacht zu haben. In diesem Fall kann das fortgeschrittene Alter, ausgehend von den Fragen, die man sich in dieser Lebensphase mit gr\u00f6\u00dferer Dringlichkeit stellt, zur g\u00fcnstigen Gelegenheit werden, um ein geistliches Leben zu beginnen oder wiederaufzunehmen. Auf diesem neuen Weg kann man erkennen, dass Gott, wie der heilige Augustinus sagt, \u201eMutter ist, weil er w\u00e4rmt, weil er n\u00e4hrt, weil er stillt, weil er beh\u00fctet\u201c (<i>Kommentar zum Psalm 26<\/i>, II, 18). Dieses Bewusstsein hilft, sich der aufkommenden Gebrechlichkeit nicht zu sch\u00e4men und zu verstehen, dass wir stets einander brauchen und dass wir alle um Aufmerksamkeit und F\u00fcrsorge \u201ebetteln\u201c. Zu Gott, der uns seine N\u00e4he schenkt und den wir in seiner Z\u00e4rtlichkeit immer besser kennenlernen, k\u00f6nnen wir nun mit kindlichem Vertrauen beten. Es ist nie zu sp\u00e4t, sich an ihn zu wenden. Das kann ein gro\u00dfes Geschenk f\u00fcr alle sein.<\/p>\n<p>Liebe \u00e4ltere M\u00e4nner und Frauen,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/vatican\/de\/holy-father\/francesco.html\">Papst Franziskus<\/a>\u00a0sprach von euch als einem \u201eneuen Volk\u201c (<i>K<a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/audiences\/2022\/documents\/20220223-udienza-generale.html\">atechese<\/a><\/i>, 23. Februar 2022), da die Zahl der Menschen im fortgeschrittenen Alter in der Geschichte der Menschheit noch nie so hoch war wie heute. Es ist daher wichtiger denn je, mit euch, dem \u201eneuen Volk\u201c, dar\u00fcber nachzudenken, worin unsere Berufung bestehen k\u00f6nnte, wenn die Gebrechlichkeit, die den Menschen von Geburt an begleitet, die Oberhand zu gewinnen scheint. Ich m\u00f6chte euch sagen: F\u00fcrchtet euch nicht vor der Gebrechlichkeit! Gerade diese Schw\u00e4che birgt ein neues Potenzial, das auch die anderen Lebensabschnitte erhellt. Denn wenn sie angenommen und anerkannt wird, macht die Gebrechlichkeit \u00bbdas Herz offen f\u00fcr gegenseitige Unterst\u00fctzung und f\u00fcr die Anrufung Gottes, der das schenken kann, was keine menschliche Macht garantieren kann: die tiefe Vers\u00f6hnung der Herzen und damit den wahren Frieden\u00ab (<i><a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/leo-xiv\/de\/speeches\/2026\/april\/documents\/20260413-algeria-comunita-algerina.html\">Begegnung mit der algerischen Gemeinschaft,<\/a>\u00a0<\/i>Basilika Unserer Lieben Frau von Afrika<i>,\u00a0<\/i>Algier<i>,\u00a0<\/i>13. April 2026).<\/p>\n<p>So k\u00f6nnen wir als Christen das Alter leben: \u201egebrechlich\u201c, aber zugleich \u201eberufen\u201c. Ein Mann und eine Frau k\u00f6nnen n\u00e4mlich noch im Alter wiedergeboren werden (vgl.\u00a0<i>Joh<\/i>\u00a03,4\u20136) und mit dem Propheten ausrufen: \u00bbDurch Umkehr und Ruhe werdet ihr gerettet, im Stillhalten und Vertrauen liegt eure Kraft\u00ab (<i>Jes<\/i>\u00a030,15). Eine Kraft, die zur Einladung werden kann, nicht auf Arroganz und Macht zur\u00fcckzugreifen, um das menschliche Zusammenleben zu sichern, sondern auf Vers\u00f6hnung und wahren Frieden. In dieser Zeit, die so schwer von kriegerischer und sozialer Gewalt gepr\u00e4gt ist, fragen sich viele, wie die Welt aussehen wird, in der ihre Enkelkinder aufwachsen werden. Ich fordere euch, liebe Br\u00fcder und Schwestern, dazu auf, mit mir best\u00e4ndig um einen baldigen Frieden in der ganzen Welt zu beten.<\/p>\n<p>Liebe \u00e4ltere Schwestern und Br\u00fcder, ich danke euch, dass ihr mich jeden Tag mit euren Gebeten unterst\u00fctzt, besonders wenn ihr den Rosenkranz betet. Auch ich versichere euch von Herzen meines Gebets und w\u00fcnsche euch, dass der Herr, der uns niemals vergisst, uns stets im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe erneuern m\u00f6ge!<\/p>\n<p><i>Aus dem Vatikan, am 15. Juni 2026<\/i><\/p>\n<p>LEO PP. XIV<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/leo-xiv\/de\/messages\/grandparents\/documents\/20260615-messaggio-nonni-anziani.html\">www.vatican.va<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich aber werde dich niemals vergessen (Jes 49,15) Liebe Br\u00fcder und Schwestern, durch den Mund des Propheten Jesaja verspricht der Herr, dass er keinen von uns jemals vergessen wird. Er versichert uns, dass er uns alle eingezeichnet hat in seine H\u00e4nde (vgl.\u00a0Jes\u00a049,16) und dass seine Liebe gr\u00f6\u00dfer ist als die einer Mutter zu ihrem Kind (vgl.\u00a0Jes\u00a049,15). 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