{"id":88676,"date":"2026-08-14T13:25:59","date_gmt":"2026-08-14T10:25:59","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=88676"},"modified":"2026-08-17T22:16:16","modified_gmt":"2026-08-17T19:16:16","slug":"auf-den-spuren-der-apostel-die-wege-der-entstehung-der-kirche-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/auf-den-spuren-der-apostel-die-wege-der-entstehung-der-kirche-2\/","title":{"rendered":"Auf den Spuren der Apostel: Die Wege der Entstehung der Kirche"},"content":{"rendered":"<p>Nach der Ausgie\u00dfung des Heiligen Geistes begannen die Apostel Jesu, \u201edie gro\u00dfen Taten Gottes\u201c zu verk\u00fcnden. Zun\u00e4chst nur in Jerusalem vor den \u201efrommen M\u00e4nnern aus allen V\u00f6lkern unter dem Himmel\u201c, doch sp\u00e4ter machten sie sich auf den Weg und zogen von Stadt zu Stadt. Die Apostelgeschichte berichtet von ihren Reisen, ihren Taten, den Verfolgungen und Bedrohungen, denen sie ausgesetzt waren, die Auseinandersetzungen, die sie f\u00fchrten, vor allem aber ihre Treue zu Jesus und ihren tiefen Glauben.<br \/>\nIn dieser Reihe m\u00f6chten wir die \u201eMissionskarte\u201c der Apostel vorstellen: die zur\u00fcckgelegten Entfernungen, die wichtigsten Orte und die Wege, die sie \u2013 oft zu Fu\u00df \u2013 zur\u00fcckgelegt haben. \u00dcber das Leben der Apostel verf\u00fcgen wir nicht immer \u00fcber Quellen gleicher Relevanz. Manche Dinge erfahren wir aus dem Neuen Testament, andere wurden durch die \u00dcberlieferung der Urkirche bewahrt, und bestimmte Details werden von Historikern rekonstruiert. In dieser Reihe werden wir jeweils angeben, aus welcher Art von Quelle die dargestellten Informationen stammen.<\/p>\n<p><strong>Philippus und Jakobus \u201eder J\u00fcngere\u201c (der Sohn des Alph\u00e4us) \u2013 zwei Apostel, die Jesus nahe standen<\/strong><\/p>\n<p><strong>Philippus \u2013 der Apostel der Berufung<\/strong><\/p>\n<p>Philippus geh\u00f6rt zu den wenigen Aposteln, von denen die Evangelien nicht nur den Namen \u00fcberliefert haben, sondern auch einige Charakterz\u00fcge hervorheben. Das Johannesevangelium erw\u00e4hnt ihn besonders h\u00e4ufig: Er stellt Fragen, vermittelt, f\u00fchrt Menschen zu Jesus und scheut sich nicht, auch das auszudr\u00fccken, was er nicht versteht.<br \/>\nDie Evangelien nach Matth\u00e4us, Markus und Lukas sowie die Apostelgeschichte f\u00fchren Philippus in der Liste der zw\u00f6lf Apostel auf. Interessanterweise erscheint er in allen vier Evangelien an f\u00fcnfter Stelle (Mt 10,3; Mk 3,18; Lk 6,14; Apg 1,13), was darauf hindeuten k\u00f6nnte, dass er im Ged\u00e4chtnis der Urkirche einen festen Platz in der apostolischen Gemeinschaft einnahm.<br \/>\nDas Johannesevangelium erm\u00f6glicht es uns, die Pers\u00f6nlichkeit und die Taten des Philippus n\u00e4her kennenzulernen:<\/p>\n<p><strong>Johannes 1, 44<\/strong>: \u201ePhilippus stammte aus Bethsaida, der Stadt des Andreas und des Petrus.\u201c<\/p>\n<p><strong>Johannes 1, 43\u201348<\/strong>: Jesus rief ihn pers\u00f6nlich: \u201eFolge mir nach!\u201c (Johannes 1, 43). Nachdem er Jesus begegnet war, suchte Philippus sofort Nathanael auf und sagte zu ihm: \u201eWir haben den gefunden, \u00fcber den Mose im Gesetz und die Propheten geschrieben haben: Jesus, den Sohn Josefs aus Nazareth.\u201c (vgl. Johannes 1,45). Deshalb wird Philippus auch als \u201eApostel der Berufung\u201c bezeichnet: Er selbst hatte eine Berufung erhalten und gab sie sofort an andere weiter.<\/p>\n<p><strong>Johannes 6,5\u20137<\/strong>: Vor der Brotvermehrung stellte Jesus Philippus die Frage: Wo k\u00f6nnte man Brot f\u00fcr die Menge kaufen? Philippus begann zu rechnen und stellte fest, dass selbst Brot im Wert von zweihundert Dinaren f\u00fcr die Anwesenden nicht ausreichen w\u00fcrde. Seine Antwort vermittelt uns das Bild eines praktischen Menschen, der die Situation realistisch einsch\u00e4tzen kann.<\/p>\n<p><strong>Johannes 12,20\u201322<\/strong>: Einige griechische Pilger, die nach Jerusalem gekommen waren, wandten sich an Philippus, weil sie Jesus begegnen wollten. \u201eDiese kamen zu Philippus, der aus Bethsaida in Galil\u00e4a stammte, und baten ihn: \u201aHerr, wir m\u00f6chten Jesus sehen.\u2018 Philippus ging hin und sagte es Andreas, und Andreas und Philippus kamen und sagten es Jesus.\u201c Diese kurze Begebenheit deutet zudem darauf hin, dass Philippus eine wichtige Vermittlerrolle zwischen den Menschen und dem Meister spielte.<\/p>\n<p><strong>Johannes 14,8\u20139<\/strong>: Beim letzten Abendmahl wendet sich Philippus mit einer Bitte an den Meister: \u201e\u201aHerr, zeige uns den Vater, dann gen\u00fcgt uns das!\u2018 Jesus antwortete ihm: \u201aSo lange bin ich schon bei euch, und du hast mich noch nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen.\u2018\u201c Die Frage des Philippus entspringt nicht dem Unglauben, sondern dem Wunsch, seinen Meister noch tiefer zu verstehen. Gerade deshalb ist seine Gestalt den Menschen besonders nahe: Er erscheint als ein J\u00fcnger, der fragt, sucht und nach und nach zur F\u00fclle des Glaubens gelangt.<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/jo.png\"><img decoding=\"async\" class=\"lazyload wp-image-88613 alignright\" src=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/jo-1024x683.png\" data-orig-src=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/jo-1024x683.png\" alt=\"\" width=\"589\" height=\"392\" srcset=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27589%27%20height%3D%27392%27%20viewBox%3D%270%200%20589%20392%27%3E%3Crect%20width%3D%27589%27%20height%3D%27392%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-srcset=\"https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/jo-200x133.png 200w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/jo-300x200.png 300w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/jo-400x267.png 400w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/jo-600x400.png 600w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/jo-768x512.png 768w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/jo-800x533.png 800w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/jo-1024x683.png 1024w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/jo-1200x800.png 1200w, https:\/\/gerhardus.ro\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/jo.png 1536w\" data-sizes=\"auto\" data-orig-sizes=\"(max-width: 589px) 100vw, 589px\" \/><\/a>Die Missionsreisen des Apostels Philippus<\/strong><\/p>\n<p>Als J\u00fcnger Jesu reiste Philippus wahrscheinlich nach Kapernaum und in verschiedene Orte Galil\u00e4as sowie anl\u00e4sslich der gro\u00dfen Pilgerfeste nach Jerusalem.<\/p>\n<p><strong>Entfernung<\/strong>: Zwischen Galil\u00e4a und Jerusalem betrug eine Hin- und R\u00fcckreise etwa 250\u2013300 Kilometer.<br \/>\n<strong>Fortbewegungsmittel<\/strong>: zu Fu\u00df und manchmal mit dem Boot auf dem See Genezareth.<br \/>\n<strong>Quelle<\/strong>: Das Johannesevangelium, Apostelgeschichte<\/p>\n<p>Das Neue Testament liefert keine detaillierten Angaben \u00fcber den Apostel Philippus f\u00fcr die Jahre nach Pfingsten. Die \u00e4lteste kirchliche \u00dcberlieferung verbindet sein Wirken jedoch mit Kleinasien, insbesondere mit der Stadt Hierapolis in Phrygien.<\/p>\n<p>\u2013 Der Bischof Polykrates von Ephesus schrieb um das Jahr 190 n. Chr. einen Brief an Papst Viktor I., in dem er erw\u00e4hnt, dass Philippus, einer der Zw\u00f6lf, in Hierapolis in Phrygien begraben liegt. Der griechische Originaltext des Briefes ist nicht erhalten geblieben. Wir kennen seinen Inhalt nur dank der Tatsache, dass der Kirchenhistoriker Eusebius aus dem 4. Jahrhundert in seinem Werk \u201eKirchengeschichte\u201c (Historia Ecclesiastica 5,24) Ausz\u00fcge daraus zitierte.<\/p>\n<p>\u2013 Die \u201eActa Philippi\u201c (\u201eTaten des Philippus\u201c) sind ein fr\u00fchchristlicher apokrypher Text, der Mitte oder gegen Ende des 4. Jahrhunderts in griechischer Sprache verfasst wurde und von den legend\u00e4ren Missionsreisen des Apostels Philippus, seinen Wundern und seinem Martyrium berichtet. In der wissenschaftlichen Literatur wird dieses Dokument nicht als authentischer Bericht \u00fcber seine Reisen angesehen.<\/p>\n<p>\u2013 Gleichzeitig wird in der \u201eActa Philippi\u201c im letzten Kapitel (Kap. 15) erw\u00e4hnt, dass Philippus in Hierapolis in Phrygien (heute Pamukkale, T\u00fcrkei) den M\u00e4rtyrertod starb und anschlie\u00dfend dort beigesetzt wurde. Unter der Leitung des italienischen Arch\u00e4ologen Francesco D\u2019Andria wurde 2011 in Hierapolis eine Grabst\u00e4tte entdeckt, die in der fr\u00fchchristlichen Tradition als Ruhest\u00e4tte des Apostels Philippus verehrt wurde. Die arch\u00e4ologischen Funde zeigen, dass dieser Ort in den ersten christlichen Jahrhunderten zu einem wichtigen Wallfahrtsort wurde, der eng mit dem Philippus-Kult verbunden war.<\/p>\n<p>\u2013 Im Rahmen der arch\u00e4ologischen Ausgrabungen wurde auch ein byzantinisches Brotsiegel aus dem 6. Jahrhundert gefunden (das zur Kennzeichnung des den Pilgern angebotenen Brotes diente). Darauf ist die Figur des Apostels Philippus vor den Geb\u00e4uden des Grabkomplexes in Hierapolis abgebildet.<\/p>\n<p><strong>Entfernung (gesch\u00e4tzt):<\/strong> ca. 4000\u20135000 km<br \/>\n<strong>Fortbewegungsmittel<\/strong>: haupts\u00e4chlich zu Fu\u00df oder auf Transportschiffen<br \/>\n<strong>Quelle<\/strong>: apokryphe und kirchliche \u00dcberlieferung<\/p>\n<p><strong>Jakobus \u201eder J\u00fcngere\u201c \u2013 der Apostel der stillen Pr\u00e4senz<\/strong><br \/>\nDie Heilige Schrift spricht nur sehr zur\u00fcckhaltend von ihm.<br \/>\nIn den Listen der zw\u00f6lf Apostel<br \/>\nWenn die Evangelisten und die Apostelgeschichte die zw\u00f6lf Apostel aufz\u00e4hlen, erscheint er stets unter dem Namen \u201eJakobus, der Sohn des Alph\u00e4us\u201c:<\/p>\n<ul>\n<li>Evangelium nach Matth\u00e4us: Mt 10,3<\/li>\n<li>Evangelium nach Markus: Mk 3,18<\/li>\n<li>Evangelium nach Lukas: Lk 6,15<\/li>\n<li>Apostelgeschichte: Apg 1,13 (hier wird er unter den Aposteln erw\u00e4hnt, die sich vor Pfingsten versammelt hatten)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bei der Kreuzigung \u2013 wo er den Beinamen \u201eder J\u00fcngere\u201c erh\u00e4lt<br \/>\nIm Markusevangelium taucht Jakobus durch seine Mutter unter den Frauen auf, die Zeugen der Kreuzigung und der Auferstehung waren. Hier erh\u00e4lt er seinen Beinamen:<\/p>\n<ul>\n<li>Markus 15,40: \u201eEs waren auch einige Frauen da, die aus der Ferne zuschauten; unter ihnen: Maria Magdalena, Maria, die Mutter des Jakobus des Kleinen und des Joses, und Salome.\u201c<\/li>\n<li>Markus 16,1: Am Morgen der Auferstehung wird seine Mutter erneut erw\u00e4hnt: \u201eMaria, die Mutter des Jakobus\u201c.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Als Mitglied der zw\u00f6lf Apostel war Jakob h\u00f6chstwahrscheinlich an den Orten anwesend, an denen Jesus predigte und heilte, doch dar\u00fcber liegen uns keine gesicherten Angaben vor. Mit seinem Namen sind mehrere \u00dcberlieferungen verbunden, doch deren historische Kl\u00e4rung ist nicht Gegenstand dieses Artikels.<\/p>\n<p><strong>Zusammenfassung<\/strong><br \/>\nDie Apostel <strong><em>Philippus und Jakobus der J\u00fcngere<\/em><\/strong> zeigen uns zwei verschiedene Arten, zu leben und den Auftrag zu erf\u00fcllen.<br \/>\nEs gibt Menschen, deren Glaube durch Worte, Fragen, Initiativen und dadurch sichtbar wird, dass sie andere ansprechen. Andere bleiben ihrer Berufung in Stille und Diskretion treu, ohne die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.<br \/>\n<strong><em>Philippus<\/em><\/strong> erinnert uns daran, dass die Fragen und Einsichten, die aus dem Glauben entspringen, mit anderen geteilt werden k\u00f6nnen. <strong><em>Jakobus<\/em><\/strong> zeigt uns, dass wir nicht immer sichtbar sein m\u00fcssen, damit das, was wir tun, wichtig ist. Der apostolische Weg bedeutet nicht unbedingt gro\u00dfe Reisen oder au\u00dfergew\u00f6hnliche Taten. Das kann ein Gespr\u00e4ch sein, in dem wir jemanden Christus n\u00e4herbringen, eine Frage, auf die wir gemeinsam eine Antwort suchen, oder einfach die treue Anwesenheit in einer Gemeinschaft.<br \/>\nDie Geschichte von <strong><em>Philippus und Jakobus<\/em><\/strong> l\u00e4dt uns ein, unseren eigenen Platz in der Kirche zu erkennen. Nicht alle gehen denselben Weg und nicht alle dienen auf dieselbe Weise. Aber wenn wir von dem ausgehen, was wir von Christus empfangen haben, kann auch unser Leben Teil jenes Weges werden, auf dem die Kirche immer wieder neu entsteht und sich aufbaut.<\/p>\n<p>Pressestelle der Di\u00f6zese Temeswar<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach der Ausgie\u00dfung des Heiligen Geistes begannen die Apostel Jesu, \u201edie gro\u00dfen Taten Gottes\u201c zu verk\u00fcnden. 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