{"id":89046,"date":"2026-08-29T15:24:34","date_gmt":"2026-08-29T12:24:34","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=89046"},"modified":"2026-08-29T15:25:19","modified_gmt":"2026-08-29T12:25:19","slug":"mohacs-500-in-memoriam-franz-von-chahol-bischof-von-tschanad","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/mohacs-500-in-memoriam-franz-von-chahol-bischof-von-tschanad\/","title":{"rendered":"Moh\u00e1cs 500 \u2013 In memoriam Franz von Chahol, Bischof von Tschanad"},"content":{"rendered":"<p>Vor 500 Jahren, zu Beginn des 16. Jahrhunderts, fand weniger als 300 Kilometer westlich von Temeswar eine Schlacht statt, die sp\u00e4ter sowohl das Schicksal der Di\u00f6zese Tschanad \u2013 der Vorg\u00e4ngerin der heutigen Di\u00f6zese Temeswar \u2013 als auch deren bisch\u00f6flichen Sitz entscheidend beeinflusste. Gemeint ist die Schlacht bei Moh\u00e1cs (Ungarn) vom 29. August 1526, in der das osmanische Heer unter der F\u00fchrung von Sultan S\u00fcleyman I., genannt \u201eder Pr\u00e4chtige\u201c und &#8222;der Gesetzgeber&#8220;, auf die Streitkr\u00e4fte des K\u00f6nigreichs Ungarn traf, die durch deutsche, b\u00f6hmische und polnische Truppen verst\u00e4rkt und von K\u00f6nig Ludwig II. gef\u00fchrt wurden.<br \/>\nIn dieser Auseinandersetzung besiegten die zahlenm\u00e4\u00dfig \u00fcberlegenen Truppen des Osmanischen Reiches das k\u00f6nigliche Heer \u2013 ein Sieg, der zugleich das Ende des unabh\u00e4ngigen K\u00f6nigreichs Ungarn bedeutete. Nach dieser Niederlage wurde das Territorium des K\u00f6nigreichs in drei Teile geteilt: der Zentralraum geriet unter osmanische Herrschaft, die westlichen und n\u00f6rdlichen Gebiete kamen unter die habsburgische Herrschaft von K\u00f6nig\/Kaiser Ferdinand I., der \u00f6stliche Teil bildete den Kern des Ostungarischen K\u00f6nigreichs unter Johann Z\u00e1polya, aus dem sp\u00e4ter das F\u00fcrstentum Siebenb\u00fcrgen hervorging.<br \/>\nNach der Schlacht bei Moh\u00e1cs setzte die osmanische Offensive ihren Vormarsch in Europa fort, und im Jahr 1552 eroberten die T\u00fcrken die Festung Temeswar \u2013 und damit den gr\u00f6\u00dften Teil des Gebiets der Di\u00f6zese Tschanad.<\/p>\n<p><strong>Franz von von Chahol, Bischof von Tschanad (1514\u20131526)<\/strong><br \/>\nDas bekannteste \u201ePortr\u00e4t\u201c dieses jungen Bischofs, dessen Lebensweg jedoch ein tragisches Ende nahm, verdanken wir dem Historiker Koloman (K\u00e1lm\u00e1n) Juh\u00e1sz, Theologieprofessor und r\u00f6misch katholischer Priester der Di\u00f6zese Tschanad, Autor zahlreicher B\u00fccher, Studien und Artikel. In seinem siebenb\u00e4ndigen Werk \u00fcber die Geschichte dieser Di\u00f6zese, mit dem Titel A Csan\u00e1di P\u00fcsp\u00f6ks\u00e9g t\u00f6rt\u00e9nete \/ Geschichte der Di\u00f6zese Tschanad, zeichnet Juh\u00e1sz das Bild von Franz von Chahol mit besonderer Sorgfalt.<br \/>\n\u201eK\u00f6nig Ladislaus Dobzse versprach einst, in einem Moment heiterer Stimmung, seinem bevorzugten Oberkellermeister Mih\u00e1ly P\u00e1l\u00f3czi Folgendes: \u00abIch verleihe dir das Recht, den Bischof des ersten Bischofssitzes zu ernennen, der vakant wird. Sobald einer der Bischofssitze von Wesprim, Raab, Tschanad, Waitzen oder Neutra oder das Pr\u00e4posituramt von Stuhlwei\u00dfenburg \u2013 das dem Rang eines Bistums entspricht \u2013 frei wird, werde ich ihn demjenigen \u00fcbertragen, den du bestimmst.\u00bb\u201c Obwohl dies wie eine Seite aus einer Erz\u00e4hlung klingt, f\u00fchrt der Autor Koloman Juh\u00e1sz in den Fu\u00dfnoten klare Belege daf\u00fcr an, dass die \u00dcbertragung eines solchen Patronatsrechts kein Einzelfall war w\u00e4hrend der Regierungszeit von K\u00f6nig Vladislav II. von Ungarn, der polnischer Herkunft war und sp\u00e4ter den Beinamen Ladislaus Dobzse erhielt. (Das polnische Wort dobrze bedeutet \u201egut\u201c, \u201ein Ordnung\u201c, und \u00fcber den K\u00f6nig hie\u00df es, dass er seinen G\u00fcnstlingen auf deren vielf\u00e4ltige Bitten meist mit dobrze antwortete.)<br \/>\nGewiss ist, dass P\u00e1l\u00f3czi aus Vorsicht auch eine k\u00f6nigliche Urkunde erwirkte, die dieses Versprechen best\u00e4tigte: K\u00f6nig Vladislav II. hatte sich schriftlich verpflichtet, eine dieser kirchlichen W\u00fcrden der Person zu verleihen, die der Obermundschenk benennen w\u00fcrde.<br \/>\nDer erste Bischofssitz, der vakant wurde, war jener von Tschanad, denn Bischof Mikl\u00f3s Cs\u00e1ky wurde w\u00e4hrend des Bauernaufstands unter Gy\u00f6rgy D\u00f3zsa in Nadlak get\u00f6tet. So konnte Mih\u00e1ly P\u00e1l\u00f3czi seinen Neffen, den Sohn seiner Schwester, Franz von Chahol, zum Bischof von Tschanad ernennen.<br \/>\nDieser junge Mann, damals etwa zwanzig Jahre alt, war h\u00f6chstwahrscheinlich Student in Bologna. Mit der bisch\u00f6flichen W\u00fcrde und der Di\u00f6zese Tschanad erhielt Franz von Chahol gem\u00e4\u00df der k\u00f6niglichen Ernennungsurkunde die Burg Tschanad, die St\u00e4dte, D\u00f6rfer, G\u00fcter und deren Eink\u00fcnfte, sowie die Abtei Egresch, die zuvor rechtm\u00e4\u00dfig mit der Di\u00f6zese Tschanad vereinigt worden war. (Koloman Juh\u00e1sz: A Csan\u00e1di P\u00fcsp\u00f6ks\u00e9g t\u00f6rt\u00e9nete, 1500\u20131552, S. 41.)<br \/>\nDer Heilige Stuhl jedoch verz\u00f6gerte die Best\u00e4tigung seiner Ernennung mehrere Jahre lang. Franz musste sechs Jahre auf die p\u00e4pstliche Bulle warten. Schlie\u00dflich gestattete der Papst Franzs de Chahol, den \u00fcblichen Eid vor dem Nuntius abzulegen. Elf Jahre nach seiner Ernennung zum Bischof beschrieb ihn der venezianische Gesandte Vinzenzo Guidoto als \u201eeinen gelehrten Mann aus guter Familie\u201c, der damals erst 29\u201330 Jahre alt war.<br \/>\nEr war ein Bischof von renaissancezeitlicher Bildung und Geisteshaltung. Er lie\u00df die Festung von Tschanad sowie die Kathedrale der Di\u00f6zese wiederaufbauen, die w\u00e4hrend des Aufstands unter Gy\u00f6rgy D\u00f3zsa zerst\u00f6rt worden waren. Leider sind die Verzierungen der Kathedrale verloren gegangen, doch das Innere der Kirche wurde restauriert.<br \/>\nObwohl Franz von Chahol \u2013 den Gepflogenheiten jener Zeit entsprechend \u2013 bei der Vergabe von Besitzungen \u201enicht von den Interessen der Kirche, sondern von \u00abVerwandtschaftserw\u00e4gungen\u00bb geleitet wurde, finden wir dennoch bereits in dieser Periode kirchliche Amtstr\u00e4ger mit herausragenden Verdiensten, die aufgrund ihrer h\u00f6heren Ausbildung hochrangige Funktionen in der Di\u00f6zese Tschanad innehatten.\u201c Koloman Juh\u00e1sz zitiert hierzu den bedeutenden Historiker Samu Borovszky und dessen Werk \u201eCsan\u00e1d V\u00e1rmegye t\u00f6rt\u00e9nete 1715\u2011ig\u201d \/ \u201eDie Geschichte des Komitats Tschanad bis zum Jahr 1715\u201c (S. 175), und f\u00e4hrt fort mit der Aufz\u00e4hlung jener Pr\u00e4laten, die an den ber\u00fchmten Universit\u00e4ten ihrer Zeit studiert hatten:\u00a0 Szerafin Szegedi, Propst des Kollegiatkapitels, und Benedek Nagysarl\u00f3i, Kanoniker \u2013 an der Universit\u00e4t Wien; Bal\u00e1zs Z\u00e1k\u00e1ny Szegedi, Archidiakon von Sebus \u2013 an der Universit\u00e4t Bologna; J\u00e1nos Szegedi, Archidiakon von Temeswar, J\u00e1nos Temesv\u00e1ri, sowie die Kanoniker Tiborcz Ilyei, Gergely Szegedi und T\u00f3bi\u00e1s Orosh\u00e1zi \u2013 sie alle erwarben ihre h\u00f6here Ausbildung an der Universit\u00e4t Krakau. (Koloman Juh\u00e1sz: A Csan\u00e1di P\u00fcsp\u00f6ks\u00e9g t\u00f6rt\u00e9nete, 1500\u20131552, S. 47.)<\/p>\n<p><strong>Heroisches Ende auf dem Schlachtfeld<\/strong><br \/>\n\u00dcber den Verlauf der tragischen Ereignisse des Jahres 1526 bei Moh\u00e1cs zitieren wir aus dem ersten Band des Werkes Erbe und Auftrag von E.S. Martin Roos, emeritiertem Bischof von Temeswar: \u201eAkut und immer sp\u00fcrbarer wurde auch die Gefahr, die von den T\u00fcrken ausging. Unter Chaholy fielen die ersten Festungen entlang der Donau in t\u00fcrkische H\u00e4nde, (Turn-)Sewerin und Orschowa. An den Vorbereitungen zur entscheidenden Konfrontation mit dem jungen Sultan Sulejman, die allm\u00e4hlich auch auf h\u00f6chster Ebene im Lande begannen, nahm Chaholy aktiven Anteil. Im August 1526 stellte er seine Truppe zusammen, die er selber zu befehligen hatte, und begab sich in die Gegend von Mohatsch. Hier traf er auf das Heer mit dem K\u00f6nig und seinen Bischofskollegen. Als man dem kaum zwanzigj\u00e4hrigen K\u00f6nig den Helm aufsetzte \u2013 so wird berichtet \u2013 sei er mit einem Male kreidebleich geworden. Unter den zwei Erzbisch\u00f6fen und f\u00fcnf Bisch\u00f6fen, die am 29. August 1526, dem Feste der Enthauptung Johannes des T\u00e4ufers, auf der Wallstatt ihr Leben lie\u00dfen, war auch der Bischof von Csan\u00e1d. Er war inzwischen h\u00f6chstens 34 geworden.\u201c<br \/>\nSp\u00e4ter wurde der Hut\u2011Helm von Bischof Chahol auf dem Schlachtfeld gefunden.<br \/>\nDer Historiker Koloman Juh\u00e1sz schlie\u00dft die dem Bischof Chahol gewidmeten Seiten mit folgenden Worten: \u201eDer halb Helm, halb Bischofshut des Franz von Chahol, der auf dem Schlachtfeld von Moh\u00e1cs gefunden wurde, zeigt, dass sich ihre Wege selbst angesichts des unheilvollen Schicksals nicht trennten, und dass die gr\u00f6\u00dfte nationale Trag\u00f6die zugleich den Untergang der glanzvollen Epoche der alten Di\u00f6zese markierte. Chahol, dieser typisch renaissancezeitliche Hierarch, mochte vielleicht nicht mit jener Fr\u00f6mmigkeit gelebt haben, die die schweren Zeiten verlangten, doch er wusste umso heroischer zu sterben. Und dieses \u2013 das Sterben \u2013 ist eine schwierigere, erhabenere Kunst als das Leben; es ist der Beweis einer gr\u00f6\u00dferen Liebe. Reichtum, Macht, Lebensfreude galten nichts; es erschien ihm selbstverst\u00e4ndlich, sein Schwert zu nehmen und f\u00fcr die gemeinsame Sache der Christenheit zu sterben.\u201c (Koloman Juh\u00e1sz: A Csan\u00e1di P\u00fcsp\u00f6ks\u00e9g t\u00f6rt\u00e9nete, 1500\u20131552, S. 56.)<\/p>\n<p>Pressestelle der Di\u00f6zese Temeswar<br \/>\nFoto: Hut-Helm des Bischofs Chahol vom Schlachtfeld bei Moh\u00e1cs; heute im Heeresgeschichtlichen Museum, Wien.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor 500 Jahren, zu Beginn des 16. 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