{"id":89138,"date":"2026-09-01T11:20:28","date_gmt":"2026-09-01T08:20:28","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=89138"},"modified":"2026-09-01T11:20:28","modified_gmt":"2026-09-01T08:20:28","slug":"botschaft-von-papst-leo-xiv-zum-weltgebetstag-fuer-die-bewahrung-der-schoepfung-1-september-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/botschaft-von-papst-leo-xiv-zum-weltgebetstag-fuer-die-bewahrung-der-schoepfung-1-september-2026\/","title":{"rendered":"Botschaft von Papst Leo XIV. zum Weltgebetstag f\u00fcr die Bewahrung der Sch\u00f6pfung &#8211; 1. September 2026"},"content":{"rendered":"<p><b>S\u00e4mtliche Wortmeldungen des Papstes werden\u00a0<a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/vatican\/de.html\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener\">auf der Internetseite des Heiligen Stuhls<\/a>\u00a0in ihrer amtlichen deutschen Fassung ver\u00f6ffentlicht.<\/b><\/p>\n<p><b>\u00bb<i>Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Lanzen zu Winzermessern.<\/i>\u00ab<i>\u00a0(Jesaja 2,4)<\/i><\/b><\/p>\n<p>Liebe Br\u00fcder und Schwestern,<\/p>\n<p>unser Herr Jesus Christus ist gekommen, damit wir das Leben haben und es in F\u00fclle haben (vgl.\u00a0<i>Joh<\/i>\u00a010,10). Dieses Geschenk des Lebens ist der Kern unseres Auftrags als J\u00fcnger und unserer gemeinsamen Berufung, eine Zivilisation der Liebe aufzubauen. An diesem Weltgebetstag f\u00fcr die Bewahrung der Sch\u00f6pfung sind wir erneut eingeladen, \u00fcber das Geschenk des Lebens nachzudenken und die Erde zu lieben, die es erh\u00e4lt, denn dies sind konkrete Wege, um unseren Sch\u00f6pfer zu preisen.<br \/>\nHeute erleben wir viele Krisen und gro\u00dfes menschliches Leid. Zugleich scheint sich die Zerst\u00f6rung des harmonischen Gleichgewichts der Sch\u00f6pfung zu beschleunigen. Diese Ph\u00e4nomene sind nicht ohne Zusammenhang; sie sind ein einziger Ruf nach Heilung und Frieden, der von einer verwundeten Welt ausgeht.<br \/>\nDer Gott des Lebens, der sich in Jesus Christus offenbart hat, schenkt einen Frieden, den die Welt nicht geben kann: \u00bbFrieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch\u00ab (<i>Joh<\/i>\u00a014,27). Dieser Friede ist weder oberfl\u00e4chlich noch verg\u00e4nglich; er entspringt der best\u00e4ndigen Liebe Christi und seiner Sorge f\u00fcr jeden Menschen.<br \/>\nDoch dieses Friedensversprechen steht in scharfem Kontrast zu den realen Verh\u00e4ltnissen, die wir in vielen Teilen der Welt beobachten. Der Prophet Jesaja sprach von einer Zeit, in der die V\u00f6lker \u00bbihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden\u00ab (<i>Jes<\/i>\u00a02,4) sollten, um das, was Leben zerst\u00f6rt, in etwas Lebenserhaltendes zu verwandeln. Doch heute erleben wir allzu oft genau das Gegenteil, dass man n\u00e4mlich weiterhin auf Gewalt und Krieg aus ist.<br \/>\nKrieg hinterl\u00e4sst Wunden, die weit \u00fcber das Schlachtfeld hinausreichen. Er fordert Menschenleben, zerrei\u00dft Familien und zwingt Millionen Menschen zur Flucht aus ihrer Heimat, wodurch Angst, Ungerechtigkeit und Spaltung verst\u00e4rkt werden (vgl. <i>Gaudium et Spes<\/i>, 77\u201382). Krieg hinterl\u00e4sst zudem soziale und \u00f6kologische Zerst\u00f6rungen, die mehrere Generationen lang anhalten. \u00dcberdies f\u00fchrt das Zusammenspiel von bewaffneten Konflikten und Umweltzerst\u00f6rung oft zu einem Teufelskreis, der \u00d6kosysteme zerst\u00f6rt, lebenswichtige Ressourcen wie Luft und Wasser verschmutzt und die Lebensmittelversorgung gef\u00e4hrdet. Dies verschlimmert Armut, Ungleichheit und neue soziale Spannungen, die zur Entstehung weiterer Konflikte beitragen k\u00f6nnen.<br \/>\nAu\u00dferdem verursacht Krieg Wunden, die das gesamte Gef\u00fcge des Lebens sch\u00e4digen und nicht nur einzelne Menschen und Gemeinschaften beeintr\u00e4chtigen, sondern auch deren umfassenderen Beziehungszusammenhang mit der gesamten Menschheitsfamilie und ihr Im-Einklang-Sein mit der Sch\u00f6pfung. Krieg offenbart ein tiefergehendes Unverm\u00f6gen, nach Gottes Bild und Gleichnis zu leben, das Leben zu achten und f\u00fcr die uns anvertraute Erde zu sorgen. Dies ist nicht nur ein politisches Versagen, sondern auch ein moralisches und geistliches. Der Krieg, der in fehlgeleiteten Begierden und im Missbrauch menschlicher Freiheit und Macht wurzelt, ist ein Gegenzeugnis zum Evangelium des Friedens.<br \/>\nDie oben genannten Krisen rufen nicht blo\u00df nach Verantwortung, sondern auch nach einer Bekehrung des Herzens, die Fr\u00fcchte in Form einer tieferen Treue zu Gott, gegenseitiger Liebe und der Achtung vor dem Geschenk der Sch\u00f6pfung tragen wird. Tats\u00e4chlich ist die Zwietracht, die wir in der Welt sehen \u2013 wie Gewalt, Ungerechtigkeit und Umweltzerst\u00f6rung \u2013, nicht einfach das Ergebnis mangelhafter Systeme oder Strukturen; sie h\u00e4ngt mit der \u00bbtiefer liegenden St\u00f6rung des Gleichgewichts zusammen, die im Herzen des Menschen ihren Ursprung hat\u00ab (<i>Gaudium et Spes<\/i>, 10). Das menschliche Herz ist in der Tat der Ort, an dem sich die innersten K\u00e4mpfe entfalten und sich unser gefallener Zustand offenbart. Es ist nicht blo\u00df der Sitz der Gef\u00fchle, sondern die Mitte der Person \u2013 der Ort, an dem Vernunft, Begehren, Wille und Bewusstsein zusammenlaufen. Hier ringen wir mit unseren widerspr\u00fcchlichen Sehns\u00fcchten zwischen Liebe und Gleichg\u00fcltigkeit, Wahrheit und Illusion, Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit (vgl.\u00a0<i>Jak<\/i>\u00a01,14\u201315). Die Wunden des Krieges und die Sch\u00e4digung der Erde sind also zutiefst mit dem Zustand des menschlichen Herzens verbunden. Die Konflikte, die die Menschheit qu\u00e4len, sind in vielerlei Hinsicht der \u00e4u\u00dfere Ausdruck von innerer Widerspr\u00fcchlichkeit und Spaltung. Wenn das Herz deformiert ist, leiden die Beziehungen darunter, und die Strukturen, die wir bilden, beginnen diese Unordnung zu spiegeln.<br \/>\nPapst Benedikt XVI. erinnerte uns daran: \u00bbDie \u00e4u\u00dferen W\u00fcsten wachsen in der Welt, weil die inneren W\u00fcsten so gro\u00df geworden sind\u00ab (<i>Homilie in der Messe zur Amtseinf\u00fchrung<\/i>, 24. April 2005). So ist es erforderlich, dass wir anerkennen, dass das, was um uns herum zerbrochen ist, in gewisser Weise auch in uns zerbrochen ist. Um eine friedliche Gesellschaft zu schaffen, m\u00fcssen wir daher nicht nur Strukturen reformieren, sondern auch unsere Herzen erneuern. Die tiefen Ursachen von Konflikten und der Ausbeutung der Sch\u00f6pfung liegen in einer ethischen und kulturellen Krise, insbesondere im Verlust jedes Sinns f\u00fcr Grenzen, im Herrschaftsstreben, im Verfolgen von kurzfristigem Profit und in der Unf\u00e4higkeit, die von Gott gegebene W\u00fcrde jedes Menschen anzuerkennen.<br \/>\nDer prophetische Aufruf, \u00bbSchwerter zu Pflugscharen umzuschmieden\u00ab (<i>Jes<\/i>\u00a02,4), ist daher nicht blo\u00df eine Vision f\u00fcr V\u00f6lker, sondern ein Aufruf an jeden Einzelnen. Er l\u00e4dt uns ein, Leid in Leben zu verwandeln. Doch diese Verwandlung kann nicht allein durch \u00e4u\u00dfere Ver\u00e4nderungen erreicht werden. Sie erfordert im Zusammenspiel mit Gottes Gnade eine tiefere pers\u00f6nliche und gemeinschaftliche Bekehrung \u2013 eine R\u00fcckkehr zu Gott, der unsere Sehns\u00fcchte wieder richtig ordnet, unsere Wunden heilt und uns hilft, in Tugendhaftigkeit zu wachsen.<br \/>\nOhne diese innere Wandlung wird Friede nur br\u00fcchig und von kurzer Dauer sein. Doch wo Herzen erneuert werden, er\u00f6ffnen sich neue M\u00f6glichkeiten. Was zur Zerst\u00f6rung genutzt wurde, kann nun f\u00fcr das Leben eingesetzt werden, zur Sorge f\u00fcr die Armen, zur Ern\u00e4hrung der Hungernden und zur Bewahrung der Sch\u00f6pfung. Dies ist der Weg einer echten \u00f6kologischen Umkehr, wo die Auswirkungen unserer Begegnung mit Jesus Christus in unserer Beziehung zur uns umgebenden Welt deutlich sichtbar werden (vgl. Franziskus, <i>Laudato Si\u2019<\/i>, 217). Friede beginnt also im Herzen und str\u00f6mt von dort hinaus in unsere Beziehungen, Gemeinschaften und weiter in die Welt.<br \/>\nAuch wenn die Herausforderungen, vor denen wir stehen, gewaltig sind, l\u00e4sst Gott uns nicht ohne Mittel zur Heilung und Verwandlung zur\u00fcck. Anstelle von Kriegswaffen schenkt uns der Gott des Friedens die Kraft, zu heilen, zu vers\u00f6hnen und eine Zivilisation der Liebe aufzubauen. Auf diese Weise sind wir gerufen, die vielen \u201e\u00d6kosysteme\u201c zu bewahren, die uns anvertraut sind: die \u00d6kosysteme der Sch\u00f6pfung, der zwischenmenschlichen Beziehungen und des menschlichen Herzens selbst.<br \/>\nStellen wir uns eine Welt vor, in der die Energien, die derzeit in Kriege flie\u00dfen, f\u00fcr die ganzheitliche Entwicklung des Menschen, f\u00fcr die \u00dcberwindung der Armut, f\u00fcr den Schutz der Menschenw\u00fcrde und f\u00fcr die Vers\u00f6hnung zerstrittener V\u00f6lker aufgewendet werden. Eine solche Vision zeugt vom Glauben an das Kommen des Reiches Gottes.<br \/>\nDie wahren Werkzeuge zur Schaffung von Frieden sind nicht Waffen der Zerst\u00f6rung, sondern Wahrheit, Dialog, Geduld, G\u00fcte, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Verst\u00e4ndnis, F\u00fcrsorge und Liebe. Diese kommen aus Herzen, die vom Evangelium geformt und von Gottes Gnade getragen werden. Nur diese Qualit\u00e4ten verf\u00fcgen \u00fcber die Kraft, einzelne Menschen zu verwandeln, Gemeinschaften zu erneuern und die Wunden unserer Welt zu heilen.<br \/>\nLiebe Br\u00fcder und Schwestern, der vor uns liegende Weg ist klar, auch wenn er nicht leicht ist. Wir sind dazu aufgerufen, unsere Herzen erneuern zu lassen, damit wir den Frieden suchen und f\u00fcr die Sch\u00f6pfung sorgen k\u00f6nnen. Die Heilige Schrift mahnt uns, unsere Herzen zu h\u00fcten, weil alles, was wir tun, von ihnen ausgeht (vgl. <i>Spr<\/i>\u00a04,23).<br \/>\nWenn wir diese Aufgabe in Demut und Glauben annehmen, dann werden wir zu Mitarbeitern an Gottes Werk der Erneuerung. Dann werden wir langsam, aber sicher von der W\u00fcste zum Garten, von der Spaltung zur Gemeinschaft und von der Gewalt zum Frieden gelangen.<br \/>\nM\u00f6ge der Herr uns den Mut schenken, diesen Weg zu beschreiten, damit in unserer Zeit Schwerter tats\u00e4chlich zu Pflugscharen umgeschmiedet werden, sich die Verhei\u00dfung des Evangeliums tiefer in unserer Welt verwurzle und der Friede Christi \u00fcber die ganze Sch\u00f6pfung herrsche.<\/p>\n<p>Aus dem Vatikan, am 15. August 2026, dem Hochfest Mari\u00e4 Aufnahme in den Himmel<\/p>\n<p><i>Leo XIV.<\/i><\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/de\/papst\/news\/2026-08\/wortlaut-schoepfung-papst-leo-xiv-gebet-bewahrung-frieden-umwelt.html\">www.vaticannews.va\/de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>S\u00e4mtliche Wortmeldungen des Papstes werden\u00a0auf der Internetseite des Heiligen Stuhls\u00a0in ihrer amtlichen deutschen Fassung ver\u00f6ffentlicht. \u00bbDann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Lanzen zu Winzermessern.\u00ab\u00a0(Jesaja 2,4) Liebe Br\u00fcder und Schwestern, unser Herr Jesus Christus ist gekommen, damit wir das Leben haben und es in F\u00fclle haben (vgl.\u00a0Joh\u00a010,10). 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