{"id":89696,"date":"2026-09-21T16:39:49","date_gmt":"2026-09-21T13:39:49","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=89696"},"modified":"2026-09-21T16:39:49","modified_gmt":"2026-09-21T13:39:49","slug":"synodalitaet-die-grammatik-des-friedens-und-die-kunst-gemeinsam-unterwegs-zu-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/synodalitaet-die-grammatik-des-friedens-und-die-kunst-gemeinsam-unterwegs-zu-sein\/","title":{"rendered":"Synodalit\u00e4t \u2013 die Grammatik des Friedens und die Kunst, gemeinsam unterwegs zu sein"},"content":{"rendered":"<p><strong>Reflexionen vom europ\u00e4ischen Symposium \u201eShaping Synodality in Europe \u2013 From Vision to Roadmap\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Manche Begegnungen enden, wenn wir nach Hause zur\u00fcckkehren. Andere wirken in uns weiter durch die Fragen, die sie uns mitgeben. F\u00fcr mich war das europ\u00e4ische Symposium \u201eShaping Synodality in Europe \u2013 From Vision to Roadmap\u201c, das vom 14. bis 17. September 2026 im Bildungshaus Schloss Puchberg bei Wels in \u00d6sterreich stattfand, eine solche Begegnung. Unter der Schirmherrschaft des Rates der Europ\u00e4ischen Bischofskonferenzen (CCEE) und in Zusammenarbeit mit dem Department f\u00fcr Synodalit\u00e4t der Katholischen Privat-Universit\u00e4t Linz sowie der European Taskforce for Synodality brachte das Symposium 187 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 31 L\u00e4ndern und 29 Bischofskonferenzen zusammen. Die Begegnung stand im Zeichen der Umsetzungsphase des synodalen Weges und der Vorbereitung auf den Weg zur Europ\u00e4ischen Kirchlichen Versammlung im Jahr 2028.<br \/>\nJenseits von Zahlen und Programm war es die Erfahrung des gemeinsamen Unterwegsseins, die diesen Tagen ihren Sinn gab. F\u00fcr mich l\u00e4sst sich Synodalit\u00e4t als <strong>eine Grammatik des Friedens<\/strong> verstehen: Sie lehrt uns, unterschiedliche Stimmen zusammenzuf\u00fchren, ohne sie zum Verstummen zu bringen, Verschiedenheit in Dialog und Dialog in Gemeinschaft zu verwandeln.<\/p>\n<p><strong>Das Zuh\u00f6ren beginnt im Herzen<\/strong><br \/>\nEine der st\u00e4rksten Erfahrungen in Wels war die des Zuh\u00f6rens. Es reicht nicht aus, dem anderen die M\u00f6glichkeit zu geben, zu sprechen \u2013 wir k\u00f6nnen ihn h\u00f6ren, ohne ihm wirklich zuzuh\u00f6ren. Wir k\u00f6nnen so sehr mit unserer eigenen Antwort besch\u00e4ftigt sein, dass die Worte des anderen nie wirklich zu uns durchdringen. <strong>Wir m\u00fcssen mit dem Herzen zuh\u00f6ren, nicht nur mit dem Ohr.<\/strong><br \/>\nUniv.-Prof. Dr. <strong>Klara-Antonia Csisz\u00e1r<\/strong>, Professorin f\u00fcr Pastoraltheologie und Vizerektorin der Katholischen Privat-Universit\u00e4t Linz sowie Koordinatorin des Symposiums, brachte diese Forderung in eine einpr\u00e4gsame Formulierung: \u201eZuh\u00f6ren bedeutet, dem anderen zu erlauben, einen zu unterbrechen.\u201c Echtes Zuh\u00f6ren setzt die Bereitschaft voraus, sich durch die Begegnung mit dem anderen ver\u00e4ndern zu lassen. Diese Perspektive wurde konkret erfahrbar durch das <strong>\u201eGespr\u00e4ch im Geist\u201c<\/strong>, eine Methode, die pers\u00f6nliche Erfahrung, Zuh\u00f6ren, Schweigen, Gebet und Unterscheidung miteinander verband. Vielleicht beginnt hier die wahre Synodalit\u00e4t: nicht dann, wenn wir lernen, \u00fcberzeugender zu sprechen, sondern dann, wenn wir lernen, tiefer zuzuh\u00f6ren.<\/p>\n<p><strong>Unterschiede k\u00f6nnen zu einer Gabe werden<\/strong><br \/>\nEine synodale europ\u00e4ische Kirche kann die Vielfalt des Kontinents nicht ignorieren. Die Ortskirchen haben unterschiedliche Geschichten, Kulturen und Erfahrungen, und die Herausforderungen einer Gemeinschaft in Westeuropa sind nicht dieselben wie die einer Kirche in Mittel- oder Osteuropa.<br \/>\nKardinal <strong>Ladislav N\u00e9met SVD<\/strong>, Erzbischof von Belgrad und Vizepr\u00e4sident des CCEE, lenkte den Blick genau auf diese Wirklichkeit: Die Unterschiede zwischen den Kirchen Europas d\u00fcrfen nicht verborgen werden, sondern m\u00fcssen angenommen und verstanden werden. Gemeinsam unterwegs zu sein bedeutet nicht, dass die einen die anderen kopieren, sondern dass jede Kirche bereit ist, von den anderen zu lernen. Das ist eine der Sch\u00f6nheiten der Synodalit\u00e4t: <strong>Einheit bedeutet nicht Uniformit\u00e4t.<\/strong> Die Kirche kann zu einer Polyphonie von Stimmen werden. Jede Stimme hat ihre eigene Klangfarbe, und doch k\u00f6nnen alle zur selben Gemeinschaft beitragen.<\/p>\n<p><strong>Die Taufe &#8211; das Fundament einer gemeinsamen Verantwortung<\/strong><br \/>\nIm Mittelpunkt der Reflexionen in Wels stand auch eine wesentliche Frage: Was ver\u00e4ndert sich in der Kirche, wenn wir die W\u00fcrde und die Verantwortung aller Getauften wirklich anerkennen? <strong>Univ.-Prof. Dr. Christoph Theobald SJ<\/strong>, Theologe und emeritierter Professor f\u00fcr Fundamentaltheologie und Dogmatik, vertiefte das Thema der Tauf-Ekklesiologie und des getauften Daseins. Das Programm des Symposiums verband dieses Thema ausdr\u00fccklich mit der Gleichheit aller Getauften in W\u00fcrde und Wirksamkeit.<br \/>\nDurch die Taufe werden wir in Christus eingegliedert und zu Gliedern seines Leibes. Unsere Gaben und Dienste sind verschieden, doch die grundlegende W\u00fcrde ist allen gemeinsam. Diese Perspektive ver\u00e4ndert die Frage nach der Teilhabe am Leben der Kirche. Nicht nur: \u201eWer hat eine Funktion?\u201c, sondern auch: <strong>\u201eWelche Gabe hat jeder Einzelne empfangen und wie kann sie in den Dienst aller gestellt werden?\u201c<\/strong> Synodalit\u00e4t verwandelt die Kirche nicht in eine Struktur, in der alle dasselbe tun. Sie hilft uns zu entdecken, dass jeder einen Platz, eine Gabe und eine Verantwortung hat.<\/p>\n<p><strong>Von der Konsultation zur Unterscheidung<\/strong><br \/>\nZuh\u00f6ren ist jedoch kein Selbstzweck. Auf das Zuh\u00f6ren folgt die Unterscheidung. Und die christliche Unterscheidung ist mehr als ein Austausch von Meinungen. Wir fragen nicht nur, was wir selbst denken, sondern versuchen zu erkennen, <strong>was Gott von uns erwartet<\/strong>.<br \/>\nDeshalb ist die Unterscheidung eine Gabe des Heiligen Geistes. Sie setzt Gebet, Stille, innere Freiheit und die Bereitschaft voraus, uns von dem \u00fcberraschen zu lassen, was Gott durch den anderen sagen kann. Die Frage lautet nicht nur: \u201eWer hat recht?\u201c, sondern: <strong>\u201eWohin f\u00fchrt uns der Heilige Geist?\u201c<\/strong> Dieser Perspektivwechsel ist grundlegend. Er f\u00fchrt uns weg von der Konfrontation der Meinungen hin zur gemeinsamen Suche nach dem Willen Gottes.<\/p>\n<p><strong>Eine Kirche, die auf das heutige Europa h\u00f6rt<\/strong><br \/>\nDer zweite Tag des Symposiums war der Frage gewidmet: \u201eWie leben wir das Evangelium im heutigen Europa?\u201c Die Keynote hielt <strong>Univ.-Prof. Dr. Tom\u00e1\u0161 Hal\u00edk<\/strong>, Professor an der Karls-Universit\u00e4t in Prag, unter dem vielsagenden Titel \u201eListening to Europe\u201c \u2013 \u201eAuf Europa h\u00f6ren\u201c.<br \/>\nSeine Reflexion \u00fcber die europ\u00e4ische S\u00e4kularisierung lenkte den Blick auf eine komplexe Realit\u00e4t: Der schwindende gesellschaftliche Einfluss des Christentums ist auch ein Verlust, kann aber zugleich zu einer Herausforderung werden, das Zeugnis der Kirche in einer pluralistischen Gesellschaft zu l\u00e4utern und zu vertiefen. Europa hat Wunden: Krieg, Migration und Vertreibung, Polarisierung, Einsamkeit, Missbrauch und die Entfernung vom Glauben. Aber Europa hat auch eine tiefe Sehnsucht nach Frieden, Gemeinschaft, W\u00fcrde, Gerechtigkeit und Hoffnung. Deshalb ist die Kirche dazu berufen, zu lernen, <strong>die Zeichen der Zeit zu erkennen und zu deuten<\/strong>.<br \/>\nIn diesem Zusammenhang brachte Klara Csisz\u00e1r die Idee eines m\u00f6glichen \u201eEuropean Church Forum for Interpreting the Signs of the Times\u201c ins Gespr\u00e4ch \u2013 eines Raumes, in dem die europ\u00e4ischen Kirchen Erfahrungen miteinander teilen und gemeinsam die Wirklichkeit deuten k\u00f6nnen. Der Vorschlag bringt eine einfache \u00dcberzeugung zum Ausdruck: Wir k\u00f6nnen nicht allein alle Herausforderungen unserer Zeit erkennen und deuten. <strong>Wir brauchen einander.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Teilhabe wird zu Mitverantwortung<\/strong><br \/>\nEine weitere wichtige Dimension des Symposiums war die Verbindung zwischen der Taufw\u00fcrde und der konkreten Art und Weise, wie Verantwortung und Leitung in der Kirche wahrgenommen werden. <strong>Univ.-Prof. Dr. Myriam Wijlens<\/strong>, Professorin f\u00fcr Kirchenrecht an der Universit\u00e4t Erfurt und Spezialistin f\u00fcr das Kirchenrecht der Synodalit\u00e4t, widmete sich dem Thema \u201eBaptismal Ecclesiology and Structures that Sustain\u201c \u2013 der Tauf-Ekklesiologie und den Strukturen, die sie tragen.<br \/>\nDamit wird die Frage sehr konkret: Wenn wir durch die Taufe alle dieselbe grundlegende W\u00fcrde besitzen, wie kann diese W\u00fcrde in der Kirche zu echter Teilhabe und realer Verantwortung werden? Synodalit\u00e4t bedeutet nicht nur, dass wir konsultiert werden. Sie bedeutet, dass wir <strong>Mitverantwortung \u00fcbernehmen<\/strong>.<\/p>\n<p><strong>Von der Gemeinschaft zur Sendung<\/strong><br \/>\nLetztlich kann Synodalit\u00e4t nicht ausschlie\u00dflich auf das innere Leben der Kirche ausgerichtet bleiben. Die Kirche existiert f\u00fcr die Mission. <strong>Die Mission, die Frohe Botschaft zu verk\u00fcnden, ist die Aufgabe jedes Christen.<\/strong> Nicht nur die des Priesters, des Bischofs oder der Ordensleute. Durch die Taufe ist jeder Christ berufen, J\u00fcnger und Missionar zu sein.<br \/>\nDeshalb k\u00f6nnen wir sagen: <strong>Wir gehen gemeinsam, um gemeinsam gesandt zu sein.<\/strong> Eine Kirche, die zuh\u00f6rt, kann den Menschen n\u00e4her sein. Eine Kirche, die unterscheidet, kann aufmerksamer auf die Zeichen der Zeit antworten. Eine Kirche, in der jeder Getaufte seine Gabe und Verantwortung annimmt, kann in ihrer Sendung lebendiger werden.<\/p>\n<p><strong>Von Wels aus \u2013 ein Weg, der weitergeht<\/strong><br \/>\nDas Symposium in Wels war kein Endpunkt. Sein Titel \u2013 <strong>\u201eFrom Vision to Roadmap\u201c<\/strong> \u2013 bringt gerade den \u00dcbergang von einer Vision der Synodalit\u00e4t hin zur Suche nach konkreten Wegen f\u00fcr die Zukunft der Kirche in Europa zum Ausdruck. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen sollen in den europ\u00e4ischen Weg zur Europ\u00e4ischen Kirchlichen Versammlung 2028 einflie\u00dfen.<br \/>\nF\u00fcr mich bedeutet die R\u00fcckkehr aus Wels einige klarere \u00dcberzeugungen: dass wir lernen m\u00fcssen, <strong>mit dem Herzen zuzuh\u00f6ren<\/strong>, dass uns Unterschiede keine Angst machen m\u00fcssen, dass die Unterscheidung eine Gabe des Heiligen Geistes ist, dass die Taufe uns in einer gemeinsamen W\u00fcrde und Verantwortung vereint und dass die Mission, das Evangelium zu verk\u00fcnden, nicht an einige wenige delegiert werden kann.<br \/>\nVielleicht ist dies die wahre Kunst des gemeinsamen Unterwegsseins: <strong>nicht unbedingt dieselbe Stimme zu haben, aber dieselbe Richtung \u2013 Christus.<\/strong> Zuh\u00f6ren, um zu verstehen; unterscheiden, um den Willen Gottes zu erkennen; inmitten der Unterschiede in Gemeinschaft bleiben und gemeinsam in die Mission aufbrechen.<\/p>\n<p><strong>Synodalit\u00e4t ist nicht nur ein Weg, den die Kirche geht. Sie ist eine Weise, neu zu lernen, Kirche zu sein.<\/strong><br \/>\nUnd vielleicht ist dies die wichtigste Lektion von Wels: <strong>mit dem Herzen zuzuh\u00f6ren, im Heiligen Geist zu unterscheiden und gemeinsam unterwegs zu sein, um der Welt die Frohe Botschaft zu verk\u00fcnden.<\/strong><\/p>\n<p>Melania Kiss<\/p>\n\n\t\t<style type=\"text\/css\">\n\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\twidth: 50%;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t}\n\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-89696 gallery-columns-2 gallery-size-large'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a data-rel=\"iLightbox[postimages]\" data-title=\"WhatsApp 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Synodality in Europe \u2013 From Vision to Roadmap\u201c Manche Begegnungen enden, wenn wir nach Hause zur\u00fcckkehren. Andere wirken in uns weiter durch die Fragen, die sie uns mitgeben. F\u00fcr mich war das europ\u00e4ische Symposium \u201eShaping Synodality in Europe \u2013 From Vision to Roadmap\u201c, das vom 14. bis 17. 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