{"id":89780,"date":"2026-09-27T13:58:13","date_gmt":"2026-09-27T10:58:13","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=89780"},"modified":"2026-09-27T13:58:13","modified_gmt":"2026-09-27T10:58:13","slug":"botschaft-seiner-heiligkeit-leo-xiv-zum-112-welttag-der-migranten-und-fluechtlinge-27-september-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/botschaft-seiner-heiligkeit-leo-xiv-zum-112-welttag-der-migranten-und-fluechtlinge-27-september-2026\/","title":{"rendered":"Botschaft Seiner Heiligkeit Leo XIV. zum 112. Welttag Der Migranten Und Fl\u00fcchtlinge &#8211; 27. September 2026"},"content":{"rendered":"<p><b><i>Auch nur eines von diesen Kindern (vgl. Mt 18,10)<\/i><\/b><\/p>\n<p>Liebe Br\u00fcder und Schwestern!<\/p>\n<p>Jahr f\u00fcr Jahr l\u00e4dt uns der Welttag der Migranten und Fl\u00fcchtlinge dazu ein, unseren Blick auf verschiedene Aspekte des komplexen Ph\u00e4nomens der Migration zu richten. Das Thema dieses 112. Tages, \u00bb<i>Auch nur eines von diesen Kindern<\/i>\u00ab, lenkt unsere Aufmerksamkeit auf die Minderj\u00e4hrigen, die unmittelbar von der Erfahrung von Migration und Flucht betroffen sind, auf die Sorge f\u00fcr sie und auf das Versprechen des Herrn: \u00bbWer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf\u00ab (<i>Mk<\/i> 9,37).<\/p>\n<p><strong><i>Vertriebene Minderj\u00e4hrige: eine komplexe Situation der Schutzbed\u00fcrftigkeit<\/i><\/strong><br \/>\nDie Minderj\u00e4hrigen sind im Rahmen der weltweiten Migrationsstr\u00f6me die verletzlichsten Personen. Es handelt sich um konkrete Gesichter, um einzigartige Geschichten, die an unser Gewissen appellieren. Jedes Jahr sind Millionen von Kindern und Jugendlichen aufgrund von Kriegen, Armut, Gewalt, Umweltkatastrophen und anderen Trag\u00f6dien gezwungen, ihre Heimat zu verlassen; und leider steigt ihre Zahl best\u00e4ndig an. Die wirtschaftlichen, politischen und milit\u00e4rischen Verantwortlichkeiten f\u00fcr diese Katastrophen wiegen schwer. Das Leid beschr\u00e4nkt sich nicht blo\u00df auf die Flucht: Es gibt sehr junge Menschen, die Eltern, Br\u00fcder, Schwestern und Freunde verloren haben und Zeugen uns\u00e4glicher Gewalttaten geworden sind. Andere, die \u00fcber lange Zeitr\u00e4ume von ihren Familien getrennt waren, versuchen, sich wieder mit ihnen zu vereinen und leiden in der Zwischenzeit unter der Trennung. Des Weiteren gibt es Minderj\u00e4hrige, die die Reise zusammen mit ihren Eltern auf sich nehmen und dabei dennoch extremen und traumatisierenden Bedingungen ausgesetzt sind. Schlie\u00dflich d\u00fcrfen wir auch die tragische Lage derjenigen nicht vergessen, die aufgrund einer R\u00fcckf\u00fchrung von ihren Eltern getrennt werden.<br \/>\nZu diesem bereits dramatischen Szenario kommen weitere Trag\u00f6dien hinzu: Todesf\u00e4lle entlang der Migrationsrouten, Menschenhandel und Ausbeutung, die Rekrutierung von Minderj\u00e4hrigen als Kindersoldaten in bewaffneten Konflikten, sexuelle Gewalt, Zwangsheiraten und Gr\u00e4ueltaten, die sie auf ihrem Weg erleiden oder mitansehen m\u00fcssen. Ihre W\u00fcrde wird auf zu viele verschiedene Arten mit F\u00fc\u00dfen getreten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de.html\">Papst Franziskus<\/a> erinnerte in seiner <a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/migration\/documents\/papa-francesco_20160908_world-migrants-day-2017.html\">Botschaft zum Welttag der Migranten und Fl\u00fcchtlinge 2017<\/a>, die dem Thema \u00bbMinderj\u00e4hrige Migranten \u2013 verletzlich und ohne Stimme\u00ab gewidmet war, daran, dass diese \u00bbdreifach schutzlos sind: weil sie minderj\u00e4hrig, weil sie fremd und weil sie wehrlos sind, wenn sie aus verschiedenen Gr\u00fcnden gezwungen sind, fern von ihrer Heimat und getrennt von der Liebe in der Familie zu leben\u00ab.<br \/>\nUnd doch fehlt es inmitten all dieser Finsternis nicht am Licht der Solidarit\u00e4t: Menschen, Familien, zivile Institutionen und kirchliche Gemeinschaften entscheiden sich, nicht wegzusehen (vgl. <i>Lk<\/i> 10,29-37). Denken wir an die Familien, die die T\u00fcren ihrer H\u00e4user \u00f6ffnen, um diesen Minderj\u00e4hrigen wieder die W\u00e4rme eines Zuhauses zu schenken, an die Erzieher in den Aufnahmeeinrichtungen, an die Freiwilligen und Fachkr\u00e4fte, die sich jeden Tag auf den Fluchtrouten und in unseren St\u00e4dten der Sorge f\u00fcr die unsichtbaren Wunden dieser Kleinen widmen. Mit ihrem Engagement bezeugen sie, dass die Liebe die Gleichg\u00fcltigkeit \u00fcberwinden kann.<\/p>\n<p><strong><i>Auch nur eines von diesen Kindern<\/i><\/strong><br \/>\nAngesichts dieser ersch\u00fctternden Wirklichkeit denke ich an ein Wort Jesu, das das Gewissen eines jeden herausfordert: \u00bbUnd wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf\u00ab (<i>Mt<\/i> 18,5). Es geht hier nicht um Zahlen oder Statistiken. Das Evangelium l\u00e4dt uns ein, keine Berechnungen anzustellen: <i>auch nur eines von ihnen<\/i>. Jedes Kind, jeder Mensch besitzt eine unendliche W\u00fcrde. Er ist ein Bild Gottes, ihm \u00e4hnlich (vgl. <i>Gen<\/i> 1,26), er ist Gegenwart des Herrn. Wir sind aufgerufen, einem jeden minderj\u00e4hrigen Migranten gegen\u00fcber einen Akt der Menschlichkeit und des Glaubens zu vollziehen: Denn in einem Kind k\u00f6nnen wir den Herrn aufnehmen und ihm begegnen. Dieser Aufruf wird im Lichte einer weiteren Aussage des Herrn im Matth\u00e4usevangelium noch dringlicher: \u00bbIch war fremd und ihr habt mich aufgenommen\u00ab (<i>Mt<\/i> 25,35).<br \/>\nLeider werden minderj\u00e4hrige Migranten leichter aus dem Blickfeld verdr\u00e4ngt, weil sie keine Erwachsenen haben, die sie besch\u00fctzen und unterst\u00fctzen. Es ist n\u00f6tig, in den Herkunftsl\u00e4ndern zu handeln, um die m\u00f6glichen Fluchtursachen zu beseitigen, und dar\u00fcber hinaus in den Transit- und Ziell\u00e4ndern Schutz und Aufnahme zu gew\u00e4hren. Der Schrei der vertriebenen Minderj\u00e4hrigen steigt heute zu Gott empor, so wie der Schrei, der im Buch Exodus zu h\u00f6ren ist: \u201eIch habe das Elend meines Volkes in \u00c4gypten gesehen und ihre laute Klage \u00fcber ihre Antreiber habe ich geh\u00f6rt. Ich kenne sein Leid. Ich bin herabgestiegen, um es zu befreien\u201c (vgl. <i>Ex<\/i> 3,7\u20138). Gott h\u00f6rt zu und fordert nachdr\u00fccklich das Gewissen und das Handeln eines jeden von uns heraus, um zu befreien, so wie er es bei Mose getan hatte. Wir d\u00fcrfen nicht gleichg\u00fcltig bleiben und uns auch nicht an so viel Leid gew\u00f6hnen.<\/p>\n<p><strong><i>Ein Appell an die Verantwortung aller<\/i><\/strong><br \/>\nAuch nur eines von diesen Kindern ruft uns <i>in unserem pers\u00f6nlichen Leben<\/i> dazu auf, unsere Augen und unser Herz zu \u00f6ffnen, um die Geschichte, die \u00c4ngste und die Tr\u00e4ume eines jeden von ihnen aufmerksam anzuh\u00f6ren und jene Distanz zu \u00fcberwinden, die den Menschen auf eine statistische Zahl reduziert, die uns nicht direkt betrifft. Es ist eine Aufforderung, jedes Kind in seiner W\u00fcrde anzuerkennen \u2013 noch vor seinem Schicksal als \u201eMigrant\u201c \u2013 und seine grundlegenden Rechte zu sch\u00fctzen: das Recht auf Leben, auf Bildung und auf Lebensbedingungen, die es ihm erm\u00f6glichen, sich k\u00f6rperlich, geistig, seelisch, moralisch und sozial voll und ganz zu entfalten.<br \/>\nAuch nur eines von diesen Kindern ruft uns <i>im kirchlichen Leben<\/i> dazu auf, die Aufnahme von einem abstrakten Konzept zu einer best\u00e4ndigen pastoralen Praxis werden zu lassen. Wir d\u00fcrfen uns nicht darauf beschr\u00e4nken, diese Aufgabe an Einrichtungen oder Vereinigungen mit einem spezifischen Charisma zu delegieren: Wenn wir den konkreten Gesichtern gegen\u00fcberstehen, die uns im t\u00e4glichen Leben herausfordern, dann ist die ganze christliche Gemeinschaft dazu aufgerufen, sie als ihre Kinder zu betrachten und ihnen in ihrer konkreten Lebensgeschichte nahe zu sein. Es ist n\u00f6tig, die christlichen Gemeinschaften dazu zu ermutigen, Fl\u00fcchtlinge und Migranten als vollwertige Mitglieder der kirchlichen Familie zu integrieren und zu f\u00f6rdern, indem neue, auch individuell gestaltete Bildungswege und geistliche Wege gef\u00f6rdert werden, die \u00fcber die Logik einer reinen Hilfsleistung hinausgehen. Insbesondere ist es von grundlegender Bedeutung, Einsamkeit, Isolation und Ablehnung, die nicht selten auch die Kinder von Migranten betreffen, vorzubeugen, indem Begegnungs- und Integrationsprozesse erm\u00f6glicht werden, durch die sich einheimische Jugendliche und junge Migranten auf einem Weg des gegenseitigen Respekts, der Solidarit\u00e4t und der Freundschaft wechselseitig st\u00e4rken k\u00f6nnen.<br \/>\nAuch nur eines von diesen Kindern erinnert uns <i>vor dem Hintergrund der verschiedenen Religionen<\/i> daran, dass die Verletzlichkeit der Kleinen keine Bekenntnisgrenzen kennt und uns in einer gemeinsamen humanit\u00e4ren und spirituellen Verantwortung vereint. Diese wird zu einem fruchtbaren Boden f\u00fcr einen konkreten interreligi\u00f6sen Dialog, bei dem Glaubende aus ihrem jeweiligen Sinn f\u00fcr das Transzendente sch\u00f6pfen und zusammen daran arbeiten, sch\u00fctzende Strukturen aufzubauen. Die Glaubensgemeinschaften sind dazu aufgerufen, R\u00e4ume zu schaffen, in denen jedes M\u00e4dchen und jeder Junge in der jeweiligen kulturellen Identit\u00e4t respektiert und wertgesch\u00e4tzt wird, um so der Gefahr einer Radikalisierung durch extremistische Gruppen vorzubeugen. Einen Minderj\u00e4hrigen zu besch\u00fctzen bedeutet letztendlich, das in ihm eingepr\u00e4gte Bild Gottes zu beh\u00fcten.<br \/>\nAuch nur eines von diesen Kindern fordert uns <i>im Kontext der zivilen Institutionen<\/i> dazu auf, den Grundsatz des Kindeswohl-Vorrangs zu bekr\u00e4ftigen. \u00d6ffentliche wie private Einrichtungen sind verpflichtet, den Schutz und die W\u00fcrde jedes einzelnen Kindes und Jugendlichen in den Mittelpunkt zu stellen. Dies umfasst die Einf\u00fchrung wirksamer rechtlicher Schutzma\u00dfnahmen, indem Familienzusammenf\u00fchrungen gef\u00f6rdert und die Traumata der Trennung abgewendet werden. Ein Perspektivwechsel ist dringend geboten: Der Schwerpunkt der Debatte muss von der blo\u00dfen Bew\u00e4ltigung der Migrationsstr\u00f6me zu einem umfassenden und wirksamen Schutz der Menschenrechte verlagert werden, indem \u00bbeine koordinierte, solidarische und wirksame Reaktion\u00ab erfolgt, \u00bbdie den Migranten Schutz, Aufnahme und echte Integrationschancen gew\u00e4hrleisten kann\u00ab (<i><a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/leo-xiv\/de\/speeches\/2026\/giugno\/documents\/20260608-spagna-parlamento.html\">Ansprache vor dem spanischen Parlament<\/a><\/i>, Madrid, 8. Juni 2026).<br \/>\nVertrauen wir die minderj\u00e4hrigen Migranten und Fl\u00fcchtlinge dem m\u00fctterlichen Schutz der allerseligsten Jungfrau Maria an, die zusammen mit dem heiligen Josef und dem Jesuskind die grausame Gewalt des Herodes und das Drama des Exils in \u00c4gypten erlebt hat (vgl. <i>Mt<\/i> 2,13\u201315). M\u00f6ge sie ihre Schritte begleiten und unseren Gemeinschaften helfen, zu lebendigen und glaubw\u00fcrdigen Zeichen des Evangeliums zu werden.<br \/>\n<i><br \/>\nAus dem Vatikan, am 11. August 2026, dem Gedenktag der heiligen Klara von Assisi.<\/i><\/p>\n<p>LEO PP. XIV<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/leo-xiv\/de\/messages\/migration\/documents\/20260811-world-migrants-day-2026.html\">www.vatican.va<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch nur eines von diesen Kindern (vgl. Mt 18,10) Liebe Br\u00fcder und Schwestern! Jahr f\u00fcr Jahr l\u00e4dt uns der Welttag der Migranten und Fl\u00fcchtlinge dazu ein, unseren Blick auf verschiedene Aspekte des komplexen Ph\u00e4nomens der Migration zu richten. Das Thema dieses 112. 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