{"id":90054,"date":"2026-09-30T22:31:59","date_gmt":"2026-09-30T19:31:59","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=90054"},"modified":"2026-10-06T13:51:05","modified_gmt":"2026-10-06T10:51:05","slug":"auf-den-spuren-der-apostel-die-wege-zur-entstehung-der-kirche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/auf-den-spuren-der-apostel-die-wege-zur-entstehung-der-kirche\/","title":{"rendered":"Auf den Spuren der Apostel: Die Wege zur Entstehung der Kirche"},"content":{"rendered":"<p>Nach der Ausgie\u00dfung des Heiligen Geistes beginnen die Apostel Jesu, die \u201egro\u00dfen Taten Gottes\u201c zu verk\u00fcnden. Zun\u00e4chst nur in Jerusalem, den \u201egottesf\u00fcrchtigen Menschen aus allen V\u00f6lkern unter dem Himmel\u201c, sp\u00e4ter aber brechen sie zur Mission auf und ziehen von Stadt zu Stadt. Die Apostelgeschichte berichtet von ihren Reisen, ihren Taten, den Verfolgungen und Drohungen, denen sie ausgesetzt waren, von den Auseinandersetzungen, die sie f\u00fchrten, vor allem aber von ihrer Treue zu Jesus und ihrem tiefen Glauben.<br \/>\nIn dieser Reihe m\u00f6chten wir die \u201eMissionskarte\u201c der Apostel vorstellen: die zur\u00fcckgelegten Entfernungen, die wichtigsten Stationen und die Wege, die sie oftmals zu Fu\u00df zur\u00fccklegten.<br \/>\n\u00dcber das Leben der Apostel verf\u00fcgen wir nicht immer \u00fcber Quellen von gleicher Aussagekraft. Manches wissen wir aus dem Neuen Testament, anderes wurde von der Tradition der fr\u00fchen Kirche \u00fcberliefert, w\u00e4hrend bestimmte Einzelheiten von Historikern rekonstruiert werden. In dieser Reihe werden wir jeweils angeben, aus welcher Art von Quelle die pr\u00e4sentierte Information stammt.<\/p>\n<p><strong>Simon und Judas Thadd\u00e4us \u2013 auf den Spuren, die sich verlieren<\/strong><\/p>\n<p>Unter den zw\u00f6lf Aposteln befinden sich mehrere Personen, \u00fcber die die Heilige Schrift nur wenige Angaben \u00fcberliefert. Dazu geh\u00f6ren Simon \u2013 ein anderer als jener, der sp\u00e4ter Simon Petrus genannt wurde \u2013 und Judas \u2013 ein anderer als der Iskariot, der Jesus verriet. Ihre Namen erscheinen in der Liste der Apostel, \u00fcber einen von ihnen wird auch eine kurze Begebenheit berichtet, doch \u00fcber ihre sp\u00e4teren Wege sind nur Legenden aus verschiedenen kirchlichen Traditionen bekannt.<\/p>\n<p><strong>Simon, \u201eder Zelot\u201c genannt<\/strong><\/p>\n<p>Er ist einer der Apostel, die im Neuen Testament am wenigsten erw\u00e4hnt werden, doch sein Name wird von einem besonderen Beiname begleitet: \u201eder Zelot\u201c.<\/p>\n<p><strong>\u2013 Lukas 6,15:<\/strong> \u201e\u2026Matth\u00e4us und Thomas, Jakobus, den Sohn des Alph\u00e4us, und Simon, genannt der Zelot\u2026\u201c \u2013 Der Zelot: Diese Bezeichnung verweist auf eine politisch-religi\u00f6se Gruppierung. Die Zeloten waren radikale j\u00fcdische Patrioten, die Israel durch bewaffneten Widerstand von der r\u00f6mischen Besatzung befreien wollten.<\/p>\n<p>Im Fall Simons wissen wir jedoch nicht mit Sicherheit, ob er der Zelotenbewegung im sp\u00e4teren Sinn des Wortes angeh\u00f6rte. Daher ist es wichtig zu betonen, dass Simon kein Mitglied einer politischen Partei im modernen Sinn des Wortes war, da die Zelotenpartei als milit\u00e4risch-politische Bewegung zu Lebzeiten Jesu und Simons noch nicht existierte. Obwohl nach Ansicht einiger Historiker die Grundlagen der zelotischen Ideologie bereits im Jahr 6 n. Chr. gelegt wurden, festigte sich die Bewegung erst sp\u00e4ter und spielte anschlie\u00dfend eine bedeutende Rolle im Ersten J\u00fcdischen Krieg, der im Jahr 66 n. Chr. ausbrach.<br \/>\nZu Simons Lebzeiten handelte es sich noch nicht um eine einheitliche Partei, sondern eher um eine radikale Form des Widerstands, die religi\u00f6s motiviert war. In seiner Zeit konnte diese Bezeichnung daher den radikalen Wunsch nach Freiheit oder einen religi\u00f6sen Eifer gegen die Fremdherrschaft zum Ausdruck bringen. Die grundlegende Bedeutung des griechischen Wortes <em>zelotes<\/em> ist schlicht \u201eeifrig\u201c, \u201ebegeistert\u201c. Simon k\u00f6nnte diesen Beinamen auch deshalb erhalten haben, weil er die mosaischen Gesetze und die j\u00fcdischen Traditionen mit besonderem Eifer, gro\u00dfer Strenge und Konsequenz befolgte.<\/p>\n<p><strong>\u2013 Apostelgeschichte 1,13: <\/strong>Simon erscheint in der Liste jener J\u00fcnger, die sich nach der Himmelfahrt Jesu gemeinsam im Obergemach versammelten und auf das Herabkommen des Heiligen Geistes warteten: \u201eAls sie in die Stadt kamen, gingen sie in das Obergemach hinauf, wo sie nun st\u00e4ndig blieben. Es waren Petrus und Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholom\u00e4us und Matth\u00e4us, Jakobus, der Sohn des Alph\u00e4us, und Simon, der Zelot, sowie Judas, der Sohn des Jakobus.\u201c<\/p>\n<p><strong>\u2013 Matth\u00e4us 10,4<\/strong>: \u201e\u2026Simon, der Kanan\u00e4er, und Judas Iskariot, der ihn verraten hat.\u201c (Die Berufung der Apostel)<\/p>\n<p><strong>\u2013 Markus 3,18: <\/strong>\u201e\u2026Andreas, Philippus, Bartholom\u00e4us, Matth\u00e4us, Thomas, Jakobus, der Sohn des Alph\u00e4us, Thadd\u00e4us, Simon, der Kanan\u00e4er\u2026\u201c (Die Berufung der Zw\u00f6lf)<\/p>\n<p>Hier bezieht sich der Begriff \u201eKanan\u00e4er\u201c nicht auf das Land Kanaan oder dessen Bewohner. Die traditionell anerkannte Interpretation bringt die griechische Bezeichnung <em>Kananaios<\/em> mit dem aram\u00e4ischen Wort in Verbindung, das \u201eeifrig\u201c oder \u201eZelot\u201c bedeutet. Somit bezeichnen Matth\u00e4us und Markus Simon mit derselben Bezeichnung, die Lukas auf Griechisch als <em>zelotes<\/em> wiedergibt, also als \u201eden Zeloten\u201c beziehungsweise \u201eden Eifrigen\u201c.<\/p>\n<p><strong>Judas Thadd\u00e4us \u2013 \u201eDiener Jesu Christi und Bruder des Jakobus\u201c<\/strong><\/p>\n<p>In den Texten der Heiligen Schrift wurde besonders darauf geachtet, Judas Thadd\u00e4us keinesfalls mit Judas Iskariot, dem Verr\u00e4ter Jesu, zu verwechseln. Deshalb wird er von den Evangelisten unter verschiedenen Namen genannt. In den Evangelien nach Matth\u00e4us und Markus erscheint er in der Liste der zw\u00f6lf Apostel unter dem Namen Thadd\u00e4us (kommt von <em>Taddai<\/em>).<\/p>\n<p><strong>\u2013 Evangelium nach Matth\u00e4us 10,3: <\/strong>\u201ePhilippus und Bartholom\u00e4us; Thomas und Matth\u00e4us, der Z\u00f6llner; Jakobus, der Sohn des Alph\u00e4us, und Thadd\u00e4us\u201c (Die Berufung der Apostel)<\/p>\n<p><strong>\u2013 Evangelium nach Markus 3,18: <\/strong>\u201e\u2026Andreas, Philippus, Bartholom\u00e4us, Matth\u00e4us, Thomas, Jakobus, der Sohn des Alph\u00e4us, Thadd\u00e4us, Simon, der Kanan\u00e4er\u2026\u201c<\/p>\n<p><strong>\u2013 Evangelium nach Lukas 6,16: <\/strong>\u201e\u2026Judas, der Sohn des Jakobus, und Judas Iskariot, der zum Verr\u00e4ter wurde.\u201c (Die Berufung der zw\u00f6lf Apostel)<\/p>\n<p><strong>\u2013 Apostelgeschichte 1,13: <\/strong>(die J\u00fcnger, die nach der Himmelfahrt Jesu in das Obergemach hinaufgingen) \u201e\u2026und Simon, der Zelot, und Judas, der Sohn des Jakobus.\u201c<\/p>\n<p><strong>\u2013 Evangelium nach Johannes 14,22<\/strong>: \u201eJudas \u2013 nicht der Iskariot \u2013 sagte zu ihm: \u201aHerr, wie kommt es, dass du dich uns und nicht der Welt offenbaren willst?\u2018\u201c<\/p>\n<p>Diese Frage des Judas spiegelt die messianischen Erwartungen der Juden jener Zeit wider. Tats\u00e4chlich erwarteten einige, dass der Messias sich auf glorreiche Weise \u00f6ffentlich vor der ganzen Welt offenbaren und eine politisch-milit\u00e4rische Befreiung herbeif\u00fchren w\u00fcrde. In seiner Antwort betonte Jesus jedoch, dass seine Offenbarung einen anderen Charakter hat: Ihr Wesen ist die Beziehung zu Gott, die im Leben jener Menschen Wirklichkeit wird, die ihn lieben und seine Gebote halten.<br \/>\nAuf Grundlage der Listen und Hinweise in der Heiligen Schrift war der Apostel Judas Thadd\u00e4us der Bruder des Apostels Jakobus; die kirchliche Tradition betrachtet ihn zudem als Verwandten Jesu. Nach der Einleitung des Judasbriefes im Neuen Testament wird dieser ihm zugeschrieben: \u201eJudas, Knecht Jesu Christi und Bruder des Jakobus, an die Berufenen, die in Gott, dem Vater, geliebt und f\u00fcr Jesus Christus bewahrt sind.\u201c<br \/>\nDieser kurze Brief warnt vor Irrlehren, die die fr\u00fche Kirche bedrohten, sowie vor dem Abfall vom Glauben.<\/p>\n<p><strong>Was die Tradition \u00fcberliefert hat<\/strong><br \/>\nIn der Heiligen Schrift finden sich keine Angaben \u00fcber die sp\u00e4tere T\u00e4tigkeit des Apostels Simon und ebenso wenig \u00fcber jene des Judas Thadd\u00e4us. Dar\u00fcber hinaus hat auch die Tradition ihre Legenden nicht in einheitlicher Form \u00fcberliefert.<br \/>\nDas Leben und die Mission des heiligen Apostels Simon gemeinsam mit dem heiligen Apostel Judas Thadd\u00e4us werden auch in der bekannten mittelalterlichen Legendensammlung aus dem 13. Jahrhundert, der Legenda Aurea (Goldenen Legende), ausf\u00fchrlich dargestellt, die von Jacobus de Voragine zusammengestellt wurde.<br \/>\nIn diesem Werk wird berichtet, dass Simon die Freude \u00fcber die Auferstehung Jesu in \u00c4gypten verk\u00fcndete, w\u00e4hrend Judas Thadd\u00e4us in Mesopotamien wirkte. Danach trafen sie sich und setzten ihre Evangelisierung gemeinsam in Persien fort.<br \/>\nDort, in der Gegend von Babylon, in der Stadt Suanir, hetzten \u00f6rtliche Zauberer und G\u00f6tzendiener die Menge in einem heidnischen Tempel gegen sie auf. Die w\u00fctenden Menschen schleppten die beiden Apostel in den Sonnentempel, um sie zu zwingen, die G\u00f6tzen anzubeten. Weil sie sich weigerten, die heidnischen G\u00f6tter zu verehren, griff die Menge sie an.<br \/>\nNach der am weitesten verbreiteten \u00dcberlieferung wurde Judas Thadd\u00e4us mit einer Keule oder einem Beil get\u00f6tet, w\u00e4hrend Simon mit einer S\u00e4ge entzwei geschnitten wurde. Es gibt allerdings auch eine \u00dcberlieferung, nach der beide mit einer S\u00e4ge get\u00f6tet wurden.<br \/>\nAuch hinsichtlich ihrer irdischen \u00dcberreste verbindet die Tradition die beiden Apostel eng miteinander: Ihre Reliquien befinden sich heute in der Basilika St. Peter in Rom, unter dem Josefsaltar, in einem antiken Sarkophag.<br \/>\nDa die christliche Tradition das Schicksal der beiden Apostel eng miteinander verbindet, feiert die katholische Kirche ihr Fest am selben Tag, dem 28. Oktober.<br \/>\nDie genauen Wege der Apostel Simon und Judas Thadd\u00e4us sowie die von ihnen zur\u00fcckgelegten Entfernungen lassen sich nicht mit Sicherheit bestimmen. Als J\u00fcnger Jesu werden sie zu Beginn wahrscheinlich dieselben Wege zur\u00fcckgelegt haben wie die anderen Apostel.<\/p>\n<p><strong>Jerusalem \u2192 Galil\u00e4a \u2013 die Anf\u00e4nge<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Entfernung:<\/strong> 120\u2013150 km<\/li>\n<li><strong>Fortbewegung:<\/strong> zu Fu\u00df<\/li>\n<li><strong>Quelle:<\/strong> Evangelium nach Matth\u00e4us 10,3; Evangelium nach Markus 3,18; Evangelium nach Johannes 14,22; Apostelgeschichte 1,13<\/li>\n<\/ul>\n<p>Als Mitglieder des Apostelkreises geh\u00f6rten Simon und Judas Thadd\u00e4us zur Gemeinschaft der ersten J\u00fcnger Jesu. Dennoch \u00fcberliefert die Heilige Schrift keine Informationen, die es erm\u00f6glichen w\u00fcrden, konkrete Wege zu rekonstruieren, die sie zwischen Jerusalem und Galil\u00e4a zur\u00fcckgelegt haben. Die Entfernung von 120\u2013150 km wird daher hier lediglich als geografischer Richtwert angegeben und nicht als dokumentierter Weg der beiden Apostel.<br \/>\nDa die Tradition die sp\u00e4teren Wege der beiden Apostel nicht einheitlich \u00fcberliefert hat, k\u00f6nnen diese nicht mit Sicherheit rekonstruiert werden.<\/p>\n<p><strong>Schlussfolgerung<\/strong><br \/>\nAuch heute leben unter uns Menschen, deren Dienst wir nicht von Tag zu Tag genau verfolgen und auch nicht in Kilometern messen k\u00f6nnten. Vielleicht tun sie nichts Au\u00dfergew\u00f6hnliches, wodurch sie besondere Aufmerksamkeit erregen w\u00fcrden. Dennoch ist ihr stiller Dienst gerade dort wertvoll, wo er geleistet wird.<br \/>\nEs sind Menschen, die sich um die \u00e4lteren Menschen in ihrer Umgebung k\u00fcmmern, die Kirche reinigen, den Friedhof pflegen und zu Allerheiligen auch an jenen Gr\u00e4bern Kerzen anz\u00fcnden und beten, die niemand mehr besucht. Es sind Menschen, die sich den Bed\u00fcrftigen mit sch\u00fctzender Sanftmut und den Leidenden mit verst\u00e4ndnisvoller Geduld zuwenden.<br \/>\nNicht jede Sendung hinterl\u00e4sst eine historische Spur, doch das bedeutet nicht, dass sie keinen bleibenden Eindruck im Leben anderer Menschen hinterl\u00e4sst.<\/p>\n<p><strong>Presseb\u00fcro der Di\u00f6zese Temeswar<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach der Ausgie\u00dfung des Heiligen Geistes beginnen die Apostel Jesu, die \u201egro\u00dfen Taten Gottes\u201c zu verk\u00fcnden. Zun\u00e4chst nur in Jerusalem, den \u201egottesf\u00fcrchtigen Menschen aus allen V\u00f6lkern unter dem Himmel\u201c, sp\u00e4ter aber brechen sie zur Mission auf und ziehen von Stadt zu Stadt. 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