{"id":90104,"date":"2026-10-06T17:49:36","date_gmt":"2026-10-06T14:49:36","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=90104"},"modified":"2026-10-06T17:49:36","modified_gmt":"2026-10-06T14:49:36","slug":"die-banater-bulgaren-menschen-orte-und-kultur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/die-banater-bulgaren-menschen-orte-und-kultur\/","title":{"rendered":"Die Banater Bulgaren: Menschen, Orte und Kultur"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Ein Abend mit und \u00fcber die Banater Bulgaren im Dom zu Temeswar<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Am Samstag, dem 3. Oktober 2026, fand im Hohen Dom zum Hl. Georg, der R\u00f6misch-Katholischen Kathedrale von Temeswar, ein besonderer spirituell-kultureller Abend statt. Unter dem Titel \u201eDie Banater Bulgaren: Menschen, Orte und Kultur \u2013 Ein Abend mit und \u00fcber die Banater Bulgaren im Dom zu Temeswar\u201c begegneten sich Geschichte, Glaube, Musik und gelebte kulturelle Identit\u00e4t.<br \/>\nDie Veranstaltung begann um 19.00 Uhr und wurde vom Verband der Banater Bulgaren in Rum\u00e4nien, Filiale Temeswar, gemeinsam mit dem R\u00f6misch-Katholischen Bistum Temeswar im Rahmen des Festivals <em>MulticulTim<\/em> \u2013 Festival der Minderheiten \u2013 veranstaltet. Das Festival wird seit 2012 allj\u00e4hrlich vom Kulturhaus der Stadt Temeswar organisiert und stellt die kulturelle Vielfalt der Stadt und ihrer Gemeinschaften in den Mittelpunkt.<br \/>\nBereits am Ende der Heiligen Messe, die um 18.00 Uhr begonnen hatte, k\u00fcndigte Domherr Nikola Lau\u0161, Direktor der Di\u00f6zesankanzlei, das Programm des Abends an. Zugleich lud er die Gottesdienstbesucher ein, noch eineinhalb Stunden im Dom zu verweilen und den Abend gemeinsam ausklingen zu lassen \u2013 mit den lebendigen und von Herzen kommenden Liedern des Kinderchores \u201eZvan\u010de\u201c, der unter der Leitung von Prof. Elena Doycheva-Dragomir steht.<br \/>\nNachdem die letzten Glockenschl\u00e4ge des Doms zum \u201eEngel des Herrn\u201c verklungen waren, er\u00f6ffnete Domherr Lau\u0161 den Abend mit einem Gebet. Anschlie\u00dfend hie\u00df er die Anwesenden herzlich im Dom willkommen, der als Mutter- und Hauptkirche der katholischen Kirchen des Bistums Temeswar eine besondere Bedeutung besitzt.<br \/>\nIn seinen einleitenden Worten erinnerte Nikola Lau\u0161 auch an den seligen Konstantin-Ignaz Bogd\u00e1nffy, den M\u00e4rtyrerbischof des Bistums Gro\u00dfwardein. Bogd\u00e1nffy hatte eine Zeit lang in der Stadt an der Bega gelebt und im Temeswarer Dom das Sakrament der Firmung empfangen. Dar\u00fcber hinaus lenkte der Redner den Blick auf einen weiteren gemeinsamen Bezugspunkt der Geschichte Temeswars: den tiefen christlichen Geist und die Sorge um den Mitmenschen, die das Wirken zweier bedeutender Pers\u00f6nlichkeiten pr\u00e4gten \u2013 Bischof Nikola Stanislavich und B\u00fcrgermeister Carol Telbis. Beide wirkten in unterschiedlichen Jahrhunderten und in unterschiedlichen \u00c4mtern, waren jedoch auf ihre Weise vom christlichen Dienst am Menschen und an der Gemeinschaft gepr\u00e4gt.<br \/>\nIm Anschluss begr\u00fc\u00dfte die Moderatorin des Abends, Nadia Shehabi, den Abgeordneten Gheorghe Nakov, der die bulgarische Minderheit im rum\u00e4nischen Parlament vertritt und zugleich Honorarkonsul Bulgariens in Temeswar ist. In seinen auf Rum\u00e4nisch und Bulgarisch gehaltenen Worten brachte er seine Freude und Dankbarkeit dar\u00fcber zum Ausdruck, dass dieser besondere Abend im Temeswarer Dom stattfinden konnte.<br \/>\nBesonders hob Nakov die Rolle des Bistums bei der Bewahrung von Glauben, Sprache und Identit\u00e4t der r\u00f6misch-katholischen nationalen Minderheiten im Gebiet der Di\u00f6zese hervor. In diesem Zusammenhang w\u00fcrdigte er auch das Wirken von Msgr. Gheorghe Augustinov sowie der Bulgarischen Personalpfarrei in Temeswar.<br \/>\nIm weiteren Verlauf stellte Gheorghe Nakov eine kleine Kunstausstellung vor, die den Abend auf besondere Weise erg\u00e4nzte. Zu sehen waren religi\u00f6s inspirierte Gem\u00e4lde, die im Rahmen eines K\u00fcnstlercamps entstanden waren, das in Zusammenarbeit mit der serbischen Organisation \u201eKrila An\u0111ela\u201c (Engelsfl\u00fcgel) veranstaltet wurde. Das K\u00fcnstlercamp selbst stand unter dem bezeichnenden Titel \u201eDer Glaube\u201c. So wurde der Abend im Temeswarer Dom zu einer Begegnung, in der sich Glaube, Geschichte, Kunst, Musik und die kulturelle Identit\u00e4t der Banater Bulgaren miteinander verbanden \u2013 und zugleich zu einem Ausdruck jener lebendigen kulturellen Vielfalt, die Temeswar seit jeher pr\u00e4gt.<br \/>\nAls n\u00e4chster Redner ergriff Msgr. Gheorghe Augustinov, Pfarrer der Bulgarischen Personalpfarrei in Temeswar, das Wort. In seinen Ausf\u00fchrungen auf Bulgarisch und Rum\u00e4nisch erinnerte auch er an den Opfergeist des Seligen Bischofs Bogd\u00e1nffy, der als junger Priester seine Primiz im heutigen Gotteshaus der Bulgarischen Personalpfarrei feierte, die unter dem Namen \u201eNotre Dame\u201c-Klosterkirche bekannt ist.<br \/>\nEbenso erinnerte er an Pfarrer Michael Kurth, den Pfarrer von Alt-Beschenowa \/ Dude\u0219tii Vechi, der im September 1944 am Ortsrand von Soldaten der Roten Armee ermordet wurde \u2013 einzig aus dem Grund, dass er seiner Pflicht als Seelsorger nachgekommen war. Anschlie\u00dfend f\u00fchrte Pfarrer Augustinov in die beiden Vortr\u00e4ge ein, die den weiteren inhaltlichen Schwerpunkt des Abends bildeten.<br \/>\nDie musikalischen Intermezzi des Kinderchores \u201eZvan\u010de\u201c, der mehrere geistliche Werke vortrug, bildeten den \u00dcbergang zu den beiden zentralen historischen W\u00fcrdigungen des Abends.<br \/>\nDie erste stand unter dem Titel \u201eBischof Nikola Stanislavich \u2013 Hirte der Banater Katholiken und Wegbereiter der Ansiedlung der Bulgaren im Banat\u201c. Dr. Claudiu C\u0103lin, Di\u00f6zesanarchivar, zeichnete darin das Leben und Wirken dieses bedeutenden Seelsorgers nach, der in die Geschichte einging als Priester, Franziskaner, Pfarrer und geistlicher Vater seines auf der Flucht befindlichen Volkes.<br \/>\nSein Lebensweg f\u00fchrte ihn schlie\u00dflich als Bischof der Di\u00f6zese Nikopolis mit Sitz in Craiova, als Apostolischen Vikar der Walachei und sp\u00e4ter als Bischof von Tschanad mit Sitz in Temeswar in verschiedene verantwortungsvolle kirchliche \u00c4mter. Als Bischof war er auch ma\u00dfgeblich am Bau des Temeswarer Doms beteiligt. Zugleich verstand er sich als Vater aller Katholiken seiner Di\u00f6zese, die er besuchte, segnete und in Pfarreien und Dekanate gliederte.<br \/>\nSein Grabstein in der Krypta des Doms \u2013 der \u00e4lteste der dort befindlichen Bischofsgrabsteine \u2013 tr\u00e4gt am Ende eine Bitte, einen Aufruf zum Gebet und zugleich eine schlichte Selbstdefinition des Menschen Nikola Stanislavich:<\/p>\n<p><strong>\u201ePeccator. Orate Deum pro eo!\u201c<\/strong><br \/>\n<em>(\u201eEin S\u00fcnder. Betet zu Gott f\u00fcr ihn!\u201c)<\/em><\/p>\n<p>Eine weitere bedeutende Pers\u00f6nlichkeit der Geschichte Temeswars stellte Dr. Nicolae Markov, Bibliothekar an der Kreisbibliothek Temesch, vor. Sein Vortrag war dem \u201eB\u00fcrgermeister Carol Telbis, dem Sch\u00f6pfer des modernen Temeswar\u201c gewidmet.<br \/>\nDr. Carol Telbis (manchmal Telbisz), Sohn eines aus Alt-Beschenowa stammenden Bulgaren, der in Tschanad eine junge Frau deutscher, genauer gesagt schw\u00e4bischer Herkunft heiratete, entstammte einer angesehenen, wohlhabenden Familie. Er studierte Rechtswissenschaften in Pest und promovierte in Wien im Bereich der \u00f6ffentlichen Verwaltung. Mit seinem Engagement, vor allem aber mit seinem politischen Geschick und seiner diplomatischen F\u00e4higkeit, pr\u00e4gte er \u00fcber Jahrzehnte hinweg die Modernisierung der Stadt an der Bega. Viele der Bauwerke, die bis heute das Stadtbild pr\u00e4gen und zu Wahrzeichen Temeswars geworden sind, entstanden w\u00e4hrend seiner Amtszeit. Seine T\u00e4tigkeit als B\u00fcrgermeister begann im M\u00e4rz 1885.<br \/>\nBetrachtet man allein die kirchlichen Bauwerke, die w\u00e4hrend seiner Amtszeit entstanden, so sind unter anderem die Millenniumskirche im Stadtteil Fabrik, die rum\u00e4nisch-orthodoxe Kirche \u201eSf\u00e2ntul Ilie\u201c (Hl. Proph\u00e4t Elias), ebenfalls in Fabrik, sowie vor allem der Schulkomplex des Piaristenlyzeums \u2013 heute Gerhardinum \u2013 mit seiner dem Heiligen Kreuz geweihten Kirche zu nennen.<br \/>\nB\u00fcrgermeister Dr. Carol Telbis (\u2020 14. Juli 1914 in P\u00f6rtschach am W\u00f6rthersee), der mit drei Jahrzehnten Amtszeit der am l\u00e4ngsten amtierende B\u00fcrgermeister der Stadt an der Bega war, bekannte sich im Kontext des damaligen nationalen Selbstverst\u00e4ndnisses wiederholt und \u00f6ffentlich zu seiner bulgarischen Herkunft. Zugleich verstand er es, sowohl die damalige Amtssprache, das Ungarische, als auch die deutsche Sprache zu achten, die in der Stadt und ihrer Umgebung weit verbreitet war. In seiner Person verbanden sich damit unterschiedliche kulturelle und sprachliche Traditionen \u2013 ein Umstand, der auch f\u00fcr das multikulturelle Temeswar seiner Zeit charakteristisch war.<br \/>\nZum Abschluss brachte der Kinderchor \u201eZvan\u010de\u201c, diesmal mit Prof. Elena Doycheva-Dragomir als Solistin, den bekannten Hymnus \u201eDolce Sentire\u201c des heiligen Franziskus von Assisi zu Geh\u00f6r. In diesen Tagen j\u00e4hrt sich zum 800. Mal der Todestag des Heiligen, der im Jahr 1226 in die Ewigkeit einging. Die Wahl dieses Liedes war keineswegs zuf\u00e4llig: Bekanntlich ist die Geschichte der Banater Bulgaren \u00fcber Jahrhunderte hinweg eng mit dem Wirken der Franziskaner verbunden.<br \/>\nEin gemeinsames Gebet und der anschlie\u00dfende Besuch der Domkrypta bildeten den Abschluss eines Abends, der einen kleinen, zugleich aber eindrucksvollen und lichtvollen Einblick in die Geschichte der Banater Bulgaren und in das Leben jener Pers\u00f6nlichkeiten gab, die die Geschichte Temeswars und der gesamten Region nachhaltig gepr\u00e4gt haben.<\/p>\n<p>Presseb\u00fcro des Bistums Temeswar<\/p>\n\n\t\t<style type=\"text\/css\">\n\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\twidth: 50%;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t}\n\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in 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Oktober 2026, fand im Hohen Dom zum Hl. Georg, der R\u00f6misch-Katholischen Kathedrale von Temeswar, ein besonderer spirituell-kultureller Abend statt. 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