{"id":90176,"date":"2026-10-06T18:38:46","date_gmt":"2026-10-06T15:38:46","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=90176"},"modified":"2026-10-09T18:40:03","modified_gmt":"2026-10-09T15:40:03","slug":"auf-den-spuren-des-glaubens-und-der-erinnerungen-wallfahrt-zur-alten-grotte-in-neuhof","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/auf-den-spuren-des-glaubens-und-der-erinnerungen-wallfahrt-zur-alten-grotte-in-neuhof\/","title":{"rendered":"Auf den Spuren des Glaubens und der Erinnerungen: Wallfahrt zur alten Grotte in Neuhof"},"content":{"rendered":"<p>Am Nachmittag des 4. Oktober 2026, unter dem milden Zauber eines sanften Herbstsonntags, hatte sich die Gemeinschaft von Bogda\/ Neuhof (Bogdarigosch) festlich gekleidet. In einer warmen und von Emotionen erf\u00fcllten Atmosph\u00e4re lie\u00dfen die Einwohner, unterst\u00fctzt von der R\u00f6misch-Katholischen Pfarrei Lippa, eine alte und kostbare Tradition wieder aufleben: die Wallfahrt zur historischen Grotte auf dem Gel\u00e4nde des ehemaligen Kurortes.<br \/>\nDas Fest begann bei der ehemaligen katholischen Kirche, direkt vor dem Dorfmuseum \u2013 einem Herzensort, der von Eugenia Suricescu und Sabina S\u00e2rbu mit Unterst\u00fctzung der Menschen vor Ort gegr\u00fcndet wurde. Hier steht nun \u2013 seit einem Jahr \u2013 ein neues Bildstock, in dem sich eine originalgetreue Kopie des Bildes der Heiligen Jungfrau Maria befindet, das einst in der Grotte im Wald verehrt wurde.<br \/>\nLiebe G\u00e4ste, die aus den umliegenden Ortschaften, aber auch aus Lippa und Temeswar angereist waren, wurden von den Gastgebern mit einer kleinen Agape empfangen, die die Entfernungen vergessen lie\u00df und die Herzen auf den gemeinsamen Weg einstimmte.<br \/>\nDer Beginn der Wallfahrt war von besonderer Feinf\u00fchligkeit gepr\u00e4gt: Frau Sabina S\u00e2rbu begr\u00fc\u00dfte die Anwesenden mit herzlichen Worten und trug anschlie\u00dfend ein bewegendes Gedicht vor, das ihrem Heimatdorf gewidmet war. Danach machten sich die Pilger unter der Leitung von Pfarrer Ioan C\u0103d\u0103rean, der das Segensgebet sprach, auf den Weg zur alten Mariengrotte.<br \/>\nW\u00e4hrend des Weges trugen die Gl\u00e4ubigen ehrf\u00fcrchtig eine Kopie des heiligen Marienbildes. Der Pfad erklang von Marienliedern und Gebeten, aber auch von Geschichten aus vergangenen Zeiten. Die Anwesenden teilten nostalgisch ihre Erinnerungen an jene Jahre, in denen diese Wallfahrt regelm\u00e4\u00dfig stattfand, und schufen so eine lebendige geistliche Br\u00fccke zwischen Vergangenheit und Gegenwart.<br \/>\nAls sie ihr Ziel erreichten, betete die im Glauben vereinte Gemeinschaft in der feierlichen Stille der alten Grotte die Lauretanische Litanei \u2013 ein Moment tiefer geistlicher Erhebung.<br \/>\nDoch damit war das Fest noch nicht zu Ende. Auf die geistliche Nahrung folgte eine Zeit schlichter Freude und gemeinschaftlichen Beisammenseins. Die Pilger blieben zusammen, tauschten bei einem warmen Tee und einer von den Organisatoren angebotenen Agape ihre Eindr\u00fccke aus und machten sich schlie\u00dflich mit dem Versprechen auf den Heimweg, diese sch\u00f6ne Tradition k\u00fcnftig nicht mehr in Vergessenheit geraten zu lassen.<br \/>\nNeuhof hat einmal mehr gezeigt, dass Entfernungen verschwinden, wenn Menschen durch den Glauben, den Respekt vor der Vergangenheit und die Freude am gemeinsamen Miteinander verbunden sind.<\/p>\n<p><strong>Adrian P\u0103\u0219c\u0103l\u0103u<\/strong><\/p>\n<p>Ein Mitglied der \u00f6rtlichen Gemeinschaft, Frau Luca, ver\u00f6ffentlichte diese Botschaft in den sozialen Netzwerken und berichtete: \u201eIn den zur Gemeinde geh\u00f6renden Ortschaften gibt es vielleicht drei oder vier katholische Einwohner, die bereits sehr alt sind. Da es sich um eine Gegend handelt, in der die gesamte interethnische Gemeinschaft in Harmonie zusammenlebte, hat sich ein Kern gebildet, der f\u00fcr die Bewahrung traditioneller, spiritueller und kultureller Werte k\u00e4mpft. So erkl\u00e4rt es sich, dass wir gestern auch den Weg des Marienbildes gefeiert haben: Wir gingen von dem Ort, an dem sie aufgestellt ist, bis zu dem Ort, an dem sie gefunden wurde, und wieder zur\u00fcck, vor dem Kulturzentrum Neuhof, wo sie im vergangenen Jahr aufgestellt wurde. Die ausgestellte Ikone ist eine von der R\u00f6misch-Katholischen Di\u00f6zese genehmigte Kopie. Die Originalikone befindet sich noch heute am Sitz der R\u00f6misch-Katholischen Di\u00f6zese in Temeswar, in dem Raum, in dem t\u00e4glich die Hl. Messe gefeiert wird. (\u2026) Wunderbar war auch, dass der Anteil der Teilnehmer, die sich aus Katholiken und Orthodoxen zusammensetzten, nahezu gleich war und dass die Initiative, die Organisation und die Vorbereitung von uns Einheimischen ausgingen \u2013 von denjenigen, die heute hier leben \u2013, w\u00e4hrend die Katholiken (aus der Umgebung) unsere G\u00e4ste waren! Es war ein unvergesslicher Tag, erf\u00fcllt von Harmonie, Glauben und Respekt vor dem Glauben eines jeden Einzelnen, von Frieden, Empathie, Freude und Fr\u00f6hlichkeit, mit denen uns Gott und die Heilige Jungfrau Maria gesegnet haben. Gott helfe uns!\u201c<\/p>\n<p><strong>Einige Daten \u00fcber die Wallfahrten nach Neuhof\/Bogdarigosch<\/strong><br \/>\nIn seinem Werk aus dem Jahr 1836 mit dem Titel <em>Der gegenw\u00e4rtige Zustand Ungarns und der angeschlossenen Provinzen in statistischer und geographischer Hinsicht<\/em> (<em>Magyar orsz\u00e1gnak, \u2019s a\u2018 hozz\u00e1 kapcsolt tartom\u00e1nyoknak mostani \u00e1llapotja statistikai \u00e9s geographiai tekintetben<\/em>) erw\u00e4hnt Elek F\u00e9nyes die Ortschaft unter ihrem deutschen Namen <em>Neuhof<\/em>. Er beschreibt sie als ein deutsch-rum\u00e4nisches Dorf, gelegen etwa eineinhalb Stunden s\u00fcdlich von Lippa; mit 214 r\u00f6misch-katholischen und 112 orthodoxen Einwohnern. Es verf\u00fcgt \u00fcber eine katholische Pfarrkirche, Mineralb\u00e4der, ein Agrarboden der dritten Kategorie sowie 14 6\/8 vollst\u00e4ndige Lehensparzellen. Die Eigent\u00fcmer waren Anna Potyondy und Graf Buttl\u00e9r.\u201d<br \/>\nDie r\u00f6misch-katholische Kirche des Dorfes wurde 1846 erbaut und tr\u00e4gt das Patrozinium der <em>Heimsuchung Mariens<\/em> (2. Juli). Dennoch kamen die Gl\u00e4ubigen aus der Umgebung nicht in erster Linie zur Pfarrkirche, am Patroziniumsfest nach Neuhof, sondern vor allem als Pilger zur bescheidenen Marienkapelle, die sich hier im W\u00e4ldchen befindet.<br \/>\nDer Legende nach, wie sie auch im oben genannten Werk von Samu Borovszky beschrieben ist, entdeckten die deutschen Kolonisten beim Bau der Siedlungen Neuhof und Altringen \u2013 w\u00e4hrend sie Steine aus den umliegenden Felsen f\u00fcr die Fundamente ihrer H\u00e4user brachen \u2013 ein Marienbild, das sie in eine in den Berghang gehauene Vertiefung einf\u00fcgten. Aus eben diesem Felsen entsprang sp\u00e4ter eine heilkr\u00e4ftige Quelle. Der Ort wurde zu einem Wallfahrtsziel, und aus den Spenden der Gl\u00e4ubigen lie\u00df die Familie Pottyondy eine Kapelle errichten.\u201c<br \/>\n\u201eNeuhof wird auch in der Studie von Zolt\u00e1n Magyar, mit dem Titel <em>Das wundersame Bild \u2013 Legenden \u00fcber Kultikonen im ungarischen Volksglauben<\/em> (<em>A csod\u00e1s k\u00e9pm\u00e1s \u2013 Kegyk\u00e9pekhez f\u0171z\u0151d\u0151 mond\u00e1k a magyar folkl\u00f3rban<\/em>) erw\u00e4hnt. In diesem Studium ordnet der Autor \u2013 basierend auf der Legende \u2013 das Marienbild der Kategorie\u201a\u00a0<em>aus der Erde hervorgekommene Ikonen<\/em>\u00a0zu.<br \/>\n\u00dcber die Ortschaft und die Pfarrei, die 1771\u20131772 w\u00e4hrend der Amtszeit des Bischofs Franz Anton Engl von Wagrain gegr\u00fcndet wurden, sowie \u00fcber den Wallfahrtsort und die damit verbundenen Wallfahrten schrieb der Banater P\u00e4dagoge und Heimatforscher Erhard Recktenwald im <em>Banater Kalender 2015<\/em> (Hrsg. Dr. Walther Konschitzky) Folgendes: \u201eEine breite Allee f\u00fchrte zur Wallfahrtskapelle mit dem Gnadenbild: der Gottesmutter mit dem Jesuskind auf dem Arm. Der Legende nach war das Bild an dieser Stelle gefunden worden. (\u2026) Wann die Wallfahrt zum Gnadenbild begann, ist schriftlich nicht belegt. Bekannt ist, dass schon vor dem Ersten Weltkrieg Prozessionen in die Rigosch gepilgert kamen. \u00dcber die Errichtung der Kapelle berichtet die Legende, dass ein himmlisches Zeichen ausschlaggebend war: Bei der Suche nach der Heilquelle waren die Arbeiter auf ein verrusstes Marienbild gestossen. Sie brachten es in die Neuhofer Kirche. Am n\u00e4chsten Morgen war das Bild aber wieder an der Fundstelle im Wald. Dies geschah noch zweimal. Anton N\u00e4gele liess daraufhin eine Kapelle in den weichen Sandstein hauen und diese mit Mauerziegeln ausbauen. Das Marienbild stand auf einem Altar, der von Votivzeichen, von Kr\u00fccken und Dankestafeln der dort Geheilten umgeben war. Seitlich standen je zwei Kirchenb\u00e4nke; ein hohes schmiedeeisernes Tor gew\u00e4hrte tags\u00fcber Einblick in die Kapelle. Auf dem dar\u00fcber liegenden H\u00fcgel wurde der Kreuzweg mit einem hohen Steinkreuz errichtet. Ob 1892 ein Teil des Geldes, das Bischof Alexander Bonnaz vorher der Neuhofer Kirche gespendet hat, auch zur Einrichtung der Kapelle eingesetzt wurde, ist nicht belegt. Zwischen den Weltkriegen gab es ein reges Wallfahrtsgeschehen in der Rigosch.<br \/>\nEs kamen zahlreiche Prozessionen: Schwaben aus Deutschbentschek, Deutsche und Schokatzen aus Rekasch, aus Stantschowa kamen die Slowaken und kleinere Gruppen aus Neuarad, Glogowatz und anderen D\u00f6rfern. Die K\u00f6nigshofer machten zun\u00e4chst einen Abstecher in das Seitental vor Neuhof; dort legten sie an einem Holzkreuz Blumen nieder und entz\u00fcndeten Kerzen. Lehrer Jakob Hutterer erfuhr sp\u00e4ter, dass hier bosnische Franziskaner in einem Massengrab beerdigt sind. Sie wurden verraten, dass sie hier eine Einsiedelei mit einer Kapelle unterhielten, und in der T\u00fcrkenzeit wurde so etwas mit dem Tod bestraft. Schon 1812 liess die Frau des ersten Gutsbesitzers Thomas Pottyondy hier eine Holzkapelle errichten. Auch das gefundene Marienbild im byzantinischen Stil l\u00e4sst die Vermutung zu, dass sich an der Heilquelle eine Einsiedelei befand. Maria mit dem Jesuskind mit goldenem Heiligenschein war im Mittelalter die Gestalt des Heilwillens und der Heilwirklichkeit Gottes. Die griechischen Buchstaben bedeuten: <em>Maria, Gottesgeb\u00e4rerin<\/em> und <em>Jesus Christus, Retter der Welt<\/em>. Im unteren Bereich, steht mit kyrillischen Buchstaben folgender Text: <em>Prineo Stefan Antonovi\u0107 1870 <\/em>(geschenkt\/geopfert (?) durch Stefan Antonovi\u0107 1870). Nach der Schliessung der Kapelle durch die Kommunisten brachte man das Inventar der Kapelle in die Neuhofer Pfarrkirche. Gegenw\u00e4rtig befindet sich das Marienbild in der bisch\u00f6flichen Kapelle in Temeswar, wo jeden Morgen die hl. Messe zelebriert wird. Die vielen kleinen und gr\u00f6sseren H\u00f6hlen in der Gegend, die wir als Kinder nur in Gruppen besuchten, lassen gleichfalls vermuten, dass es hier mal eine Einsiedelei gegeben hat.\u201c<br \/>\nLeider ist die Wallfahrtskapelle in den Jahrzehnten der kommunistischen Diktatur verfallen, und heute ist nur noch die in den H\u00fcgel gehauene Vertiefung erhalten, einige historische Daten, die Legende sowie die Erinnerung an das Glaubenszeugnis jener Christen, die einst hierher pilgerten und in Andacht zur Heiligen Jungfrau Maria beteten.<\/p>\n<p>Pressestelle der Di\u00f6zese Temeswar<\/p>\n\n\t\t<style type=\"text\/css\">\n\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\twidth: 50%;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t}\n\t\t\t\/* see gallery_shortcode() 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Oktober 2026, unter dem milden Zauber eines sanften Herbstsonntags, hatte sich die Gemeinschaft von Bogda\/ Neuhof (Bogdarigosch) festlich gekleidet. In einer warmen und von Emotionen erf\u00fcllten Atmosph\u00e4re lie\u00dfen die Einwohner, unterst\u00fctzt von der R\u00f6misch-Katholischen Pfarrei Lippa, eine alte und kostbare Tradition wieder aufleben: die Wallfahrt zur historischen Grotte auf dem Gel\u00e4nde des [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":90171,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[66],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/90176"}],"collection":[{"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=90176"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/90176\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":90177,"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/90176\/revisions\/90177"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/90171"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=90176"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=90176"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=90176"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}