{"id":90825,"date":"2026-11-03T17:14:46","date_gmt":"2026-11-03T15:14:46","guid":{"rendered":"https:\/\/gerhardus.ro\/?p=90825"},"modified":"2026-11-04T19:11:10","modified_gmt":"2026-11-04T17:11:10","slug":"november-der-monat-des-gebets-fuer-die-verstorbenen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerhardus.ro\/de\/november-der-monat-des-gebets-fuer-die-verstorbenen\/","title":{"rendered":"November \u2013 der Monat des Gebets f\u00fcr die Verstorbenen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wie wurde der November zum Monat des Gebets f\u00fcr die Verstorbenen? Durch eine kirchliche Anordnung oder durch eine Tradition der Volksfr\u00f6mmigkeit, die sp\u00e4ter vom Papst best\u00e4tigt wurde?<\/strong><br \/>\nDie ersten Tage des Monats November nehmen im Leben der katholischen Kirche einen besonderen Platz ein. Am Hochfest Allerheiligen erinnern wir uns an jene, die bereits zur ewigen Seligkeit gelangt sind. Am 2. November, dem Gedenktag Allerseelen, beten wir f\u00fcr alle verstorbenen Gl\u00e4ubigen. Der Besuch der Friedh\u00f6fe, die Pflege der Gr\u00e4ber, das Anz\u00fcnden von Kerzen und die Feier der Heiligen Messen f\u00fcr die Verstorbenen geh\u00f6ren zu den Traditionen dieser Tage. In der katholischen Tradition sind jedoch nicht nur die ersten beiden Novembertage, sondern der gesamte Monat in besonderer Weise dem Gebet f\u00fcr die Verstorbenen gewidmet.<\/p>\n<p><strong>Eine uralte Tradition der Kirche<\/strong><br \/>\nDas Gebet f\u00fcr die Verstorbenen geh\u00f6rt zur uralten Tradition des christlichen Glaubens. Es gr\u00fcndet in der \u00dcberzeugung von der Gemeinschaft der Heiligen: Der Tod unterbricht nicht die Gemeinschaft jener, die in Christus leben. Deshalb bewahrt die Kirche nicht nur das Andenken an die Verstorbenen, sondern betet auch f\u00fcr sie, vor allem im Rahmen der Heiligen Messe.<br \/>\nDabei handelt es sich um zwei historisch unterschiedliche Aspekte. Der Gedenktag am 2. November geh\u00f6rt zum liturgischen Kalender der Kirche, w\u00e4hrend sich die Fr\u00f6mmigkeitspraktiken, die w\u00e4hrend des gesamten Monats November gepflegt werden, im Rahmen der Volksfr\u00f6mmigkeit und der lokalen kirchlichen Traditionen entwickelt haben.<\/p>\n<p><strong>Cluny: Die Anf\u00e4nge des Gedenktages am 2. November<\/strong><br \/>\nDie Verbreitung des Gedenktages am 2. November ist mit der Benediktinerabtei Cluny in Frankreich verbunden. Die im 10. Jahrhundert gegr\u00fcndete Abtei wurde zu einem der bedeutendsten Zentren der mittelalterlichen Klosterreform. Ihr f\u00fcnfter Abt, der heilige Odilo (994\u20131049), ordnete an, dass in den der Abtei Cluny angeschlossenen Kl\u00f6stern jedes Jahr am 2. November aller verstorbenen Gl\u00e4ubigen gedacht werden sollte. Bereits am Vorabend erklangen die Glocken, die M\u00f6nche beteten das Totenoffizium, und am folgenden Tag wurden Heilige Messen f\u00fcr die Seelen der Verstorbenen gefeiert. Mit diesem Gedenken war auch die Unterst\u00fctzung der Armen verbunden.<br \/>\nDer \u00dcberlieferung zufolge geht diese Anordnung auf das Jahr 998 zur\u00fcck. Historische Forschungen datieren sie jedoch eher in die ersten Jahrzehnte des 11. Jahrhunderts, ungef\u00e4hr um das Jahr 1030. Die in Cluny entstandene Praxis verbreitete sich allm\u00e4hlich auch in anderen Klostergemeinschaften und Di\u00f6zesen und wurde so zu einem Bestandteil der liturgischen Tradition der westlichen Kirche.<\/p>\n<p><strong>Das Dekret von Papst Leo XIII. aus dem Jahr 1888<\/strong><br \/>\nDer Ursprung der Gebetspraxis, die w\u00e4hrend des gesamten Monats November gepflegt wird, l\u00e4sst sich nicht auf eine einzige kirchliche Anordnung zur\u00fcckf\u00fchren. Ein im Jahr 1888 erlassenes Dekret bietet jedoch einen wichtigen historischen Anhaltspunkt.<br \/>\nAm 17. Januar 1888 erlie\u00df die Kongregation f\u00fcr Abl\u00e4sse und die Heiligen Reliquien mit Zustimmung von Papst Leo XIII. ein Dekret, das im 20. Band der <em>Acta Sanctae Sedis<\/em> ver\u00f6ffentlicht wurde. Das Dokument regelte die Gew\u00e4hrung von Abl\u00e4ssen f\u00fcr Fr\u00f6mmigkeits\u00fcbungen, die w\u00e4hrend des gesamten Monats November zugunsten der Seelen im Fegefeuer verrichtet wurden.<br \/>\nDie Einleitung des Dekrets enth\u00e4lt eine wertvolle historische Information: In den Kirchen zahlreicher Di\u00f6zesen war es bereits zur Gewohnheit geworden, w\u00e4hrend des gesamten Monats November t\u00e4glich f\u00fcr die Seelen im Fegefeuer zu beten. Die Gl\u00e4ubigen verrichteten diese Gebete auch privat. Bereits fr\u00fchere P\u00e4pste hatten f\u00fcr solche Fr\u00f6mmigkeits\u00fcbungen Abl\u00e4sse gew\u00e4hrt, diese galten jedoch noch nicht f\u00fcr die gesamte Kirche.<br \/>\nAuf die an ihn gerichteten Bitten hin weitete Papst Leo XIII. die mit den t\u00e4glichen Fr\u00f6mmigkeits\u00fcbungen im Monat November verbundenen Abl\u00e4sse auf die Gl\u00e4ubigen der ganzen Kirche aus, sowohl f\u00fcr gemeinschaftlich als auch f\u00fcr privat verrichtete Gebete. F\u00fcr jeden Tag des Monats gew\u00e4hrte er einen Teilablass und f\u00fcr einen frei gew\u00e4hlten Tag einen vollkommenen Ablass, sofern bestimmte Bedingungen erf\u00fcllt wurden: die sakramentale Beichte, der Empfang der Heiligen Kommunion, der Besuch einer Kirche oder \u00f6ffentlichen Kapelle sowie das Gebet in den Anliegen des Heiligen Vaters. Die Abl\u00e4sse konnten auch den Seelen der Verstorbenen zugewendet werden.<br \/>\nDas Dekret von 1888 erkl\u00e4rte den November also nicht ausdr\u00fccklich zum Monat der Verstorbenen. Vielmehr zeigt es, dass diese Praxis bereits bestand und in zahlreichen Di\u00f6zesen verbreitet war. Papst Leo XIII. weitete die mit dieser Tradition verbundenen Abl\u00e4sse auf die gesamte Kirche aus.<\/p>\n<p><strong>Vom Gedenken zum Gebet<\/strong><br \/>\nIm Mittelpunkt der Fr\u00f6mmigkeits\u00fcbungen im Monat November steht nicht nur die Erinnerung an die Verstorbenen, sondern vor allem das Gebet f\u00fcr sie. In der Gemeinschaft der Heiligen bleiben die Glieder der Kirche auch \u00fcber den Tod hinaus miteinander verbunden. Das Gebet f\u00fcr die Verstorbenen ist ein Ausdruck dieser Liebe.<br \/>\nDas <em>Direktorium \u00fcber die Volksfr\u00f6mmigkeit und die Liturgie<\/em>, herausgegeben von der Kongregation f\u00fcr den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, nennt verschiedene Formen, durch die die Gl\u00e4ubigen diese Gemeinschaft zum Ausdruck bringen k\u00f6nnen: die Feier der Heiligen Messe, den Besuch der Friedh\u00f6fe, die Unterst\u00fctzung Bed\u00fcrftiger, Werke der Barmherzigkeit sowie verschiedene Gebete und Fr\u00f6mmigkeits\u00fcbungen.<\/p>\n<p><strong>Was k\u00f6nnen wir heute tun?<\/strong><br \/>\nDie geltenden Bestimmungen \u00fcber die Abl\u00e4sse sind im <em>Enchiridion Indulgentiarum<\/em> (1999) enthalten. Diesen Bestimmungen zufolge k\u00f6nnen die Gl\u00e4ubigen vom 1. bis zum 8. November t\u00e4glich einen vollkommenen Ablass f\u00fcr die Seelen der Verstorbenen gewinnen, wenn sie in frommer Gesinnung einen Friedhof besuchen und f\u00fcr die Verstorbenen beten, und sei es auch nur still im Herzen.<br \/>\nAm 2. November, dem Gedenktag Allerseelen, kann ein vollkommener Ablass auch durch den and\u00e4chtigen Besuch einer Kirche oder \u00f6ffentlichen Kapelle gewonnen werden, wo das Vaterunser und das Glaubensbekenntnis gebetet werden.<br \/>\nF\u00fcr den Gewinn eines vollkommenen Ablasses m\u00fcssen au\u00dferdem die \u00fcblichen Bedingungen erf\u00fcllt sein: die sakramentale Beichte, der Empfang der Heiligen Kommunion, das Gebet in den Anliegen des Heiligen Vaters sowie die v\u00f6llige Abkehr von jeder Anh\u00e4nglichkeit an die S\u00fcnde. Diese Abl\u00e4sse k\u00f6nnen ausschlie\u00dflich den Seelen der Verstorbenen zugewendet werden. Ein Teilablass ist beispielsweise auch mit dem Gebet <em>Requiem aeternam<\/em> \u2013 \u201eHerr, gib ihnen die ewige Ruhe\u201c \u2013 verbunden.<br \/>\nDer Monat November erinnert uns also nicht nur an das Ende des irdischen Lebens. Das Gebet f\u00fcr die Verstorbenen bringt unseren Glauben an die Auferstehung, die Hoffnung auf das ewige Leben und jene Liebe zum Ausdruck, die mit dem Tod nicht endet.<\/p>\n<p>Presseb\u00fcro der Di\u00f6zese Temeswar<br \/>\nFoto: Gy\u00f6rgy Szil\u00e1rd<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie wurde der November zum Monat des Gebets f\u00fcr die Verstorbenen? Durch eine kirchliche Anordnung oder durch eine Tradition der Volksfr\u00f6mmigkeit, die sp\u00e4ter vom Papst best\u00e4tigt wurde? Die ersten Tage des Monats November nehmen im Leben der katholischen Kirche einen besonderen Platz ein. 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