Der Mai wird oft als der Monat unserer Seligsten Jungfrau Maria bezeichnet, denn wir bitten stärker um den Schutz unserer himmlischen Mutter, aber der Monat Mai lenkt unsere Aufmerksamkeit auch auf die Marien-Wallfahrtsorte. Eines der bedeutendsten in unserer Diözese ist Maria Radna, das jährlich Zehntausende von Pilgern empfängt. „Es gibt in der Diözese Temeswar eine Kirche, zu Ehren der seligsten Jungfrau Maria geweiht, die im Volksmund Maria Radna genannt wird“ (Papst Johannes Paul II) – das Zitat empfängt uns, wenn wir die Website des Wallfahrtsortes besuchen. Maria Radna feiert in diesem Jahr den 500. Jahrestag der Errichtung der ersten Kapelle. Die durch die Epidemie verursachten Einschränkungen machen das Feiern dieses Jubiläums sehr schwierig – über diesen Jubiläum und dem Museum neben der Kirche sprachen wir mit den jungen Priester Ioan Cădărean, der auch Kustos des Museums ist.

Maria Radna feiert dieses Jahr den 500. Jahrestag der Entstehung ihrer ersten Kapelle, um 1520. Was bedeutete und was bedeutet heute noch dieser Wallfahrtsort für die Gläubigen der Diözese Temeswar die hier regelmäsig pilgerten und pilgern?

-Die lokale Tradition, Nemorosa opacitas relucens seu genuina historia sacratissimae imaginis Beatae Virginis Matris Gratiarum quae in Sacra Radnensi Ædicula… colitur basiert auf einer historischen Quelle und präsentiert uns die Geschichte und Entwicklung des Marienheiligtums, des Ortes, den wir heute in ganz Europa als Maria Radna kennen. In der Nemorosa opacitas…, (Wundertätiger Waldschatten, wie er schon damals ins Deutsche übersetzt wurde) veröffentlicht 1756, lesen wir darüber, das die kleine Kirche „sumptibus cujusdam devotae, piaeque Catholicae viduae circa annum Christi 1520” (das heißt, sie wurde auf Kosten einer gläubigen und frommen katholischen Witwe in das Jahr Christi 1520 gebaut). Das Jahr des Kirchenbaus, 1520, wird allgemein als historisch bewiesene Tatsache für die Anfänge des religiösen Lebens in der Region anerkannt, das Datum bleibt jedoch als wichtiger Bezugspunkt für Maria Radna. Auf Initiative von Domherr Andreas Reinholz, Pfarrer von Maria Radna und mit der Ermutigung und Zustimmung von Diözesanbischof József-Csaba Pál, wurde 2020 zum Jubiläumsjahr in Maria Radna.

Die Kapelle, deren Bau in historischen Quellen erwähnt wird und die mit unterstützung einer bestimmten Witwe auf der rechten Seite der Marosch in den Weinbergen von Radna errichtet wurde, diente zweifellos dem Zweck, um Gottes Segen und Hilfe für die Arbeit zu erbitten. Es ist eine verbreitete Tatsache, dass solche Kapellen in der Vergangenheit in Weingärten und auf Hügeln gebaut wurden. 1551, nachdem Lippa in türkische Hände gefallen war, flohen viele Stadtbewohner von der linke Seite der Marosch zusammen mit Priestern und Franziskanerbrüder (sie haben sich in 1325/1327 in Lippa niedergelassen) in die heutige Radna. Die damals kleine Kapelle, die vor 500 Jahren erbaut wurde, musste mehrmals erweitert und repariert, bzw. neugebaut werden (1681, 1723, 1757- sind die wichtigsten Daten).

Für die Gläubigen des Banats, aber auch für ganz Südosteuropa, ist das Marienheiligtum in Radna ein besonderes Geschenk Gottes. Die Gegenwart unserer himmlischen Mutter, der Mutter aller Gnaden, ist hier zu spüren. Für uns hier scheinen die Worte des Erlösers wahr zu werden, als er die Mutter Gottes der Obhut des Apostels Johannes anvertraute. Deshalb schauen wir hier auf die Jungfrau Maria, die für uns auf dem Thron ihres Sohnes vermittelt. Seit Jahrhunderten, pilgern Jung und Alt, Arme und Reiche verschiedener Sprachen und Nationen hierher, um Gottes Hilfe und um Vergebung zu bitten. Gottes Antwort lies nicht auf sich lange warten, wie die vielen Gebetserhörungen, Wunder- die hier stattfanden- belegen.

Seit fünf Jahren befindet sich im Kloster Radna auch ein Museum. Was können wir darüber wissen und welche Rolle spielt dieses Museum im Leben von Maria Radna und der Diözese Temeswar?

-Seit 2015 gibt es im gesamten Westflügel des Klosters ein Museum, das mit dem Wallfahrtsort verbunden ist. Viele Wallfahrtsorte auf der Welt haben ähnliche Museen, seien es kleinere oder größere. Das Museum in Maria Radna befindet sich auf einem relativ großen Gebiet, ist jedoch kleiner als andere ähnliche Museen. Das Konzept und die Einrichtung des Museums wurden damals von dem jetzt emeritierten Diözesanbischof Martin Roos entworfen. Es wirkt als private Museumssammlung der Diözese Temeswar und fällt daher nicht in die Zuständigkeit weltlicher Kulturinstitutionen. Es erstreckt sich auf drei Stockwerken des Gebäudekomplexes und kann als wissenschaftlich aufgebautes Museum bezeichnet werden. Hier gibt es viele Daten und Informationen, ausgestellt in 130 Ausstellungsvitrinen, die Museumsobjekte und Dokumente zeigen.

Im Erdgeschoss wird die Gründung des Franziskanerordens präsentiert, dessen Tätigkeit sich in Maria Radna und Lippa auf mehr als sieben Jahrhunderte, in mehreren Klöstern und Ordenshäusern erstreckt. Sie waren in der gesamten Diözese Temeswar präsent.

Im zweiten Stock wird die Geschichte der Errichtung der ersten Kapelle dargestellt und bis die Wallfahrtskirche 1992 den Rang einer Basilica Minor erhielt. Es mangelt auch nicht an Daten über das wundertätige Gnadenbild, an Dokumenten von Gebetsanhörungen in der Wallfahrtskirche, an Daten zu Ereignissen und Pilgerfahrten.

Der dritte Stock erweckt die Geschichte des Klosters Maria Radna zum Leben, da die Bautätigkeit am Klosterkomplex mehr als Hundert Jahre lang dauerte. Wir finden hier Daten zum Klosterleben, zur Bildung und zur Geschichte der Franziskanergemeinde. Dort kann man auch die Geschichte des Kreuzweges auf dem Hügel hinter der Kirche kennenlernen, aber auch verschiedene liturgische Kleidungsstücke sehen (wie die berühmte Plumbo-Kasel, ein liturgishes Gewand- um 1650), es befinden sich hier auch Schatzkammer-Gegenstände: Kelche, Monstranzien, usw.

Das Museum Verbreitet sich auch in den Südflügel des Klosters, wo es einen Konferenzraum, ein Reflektorium (Speisesaal), ein Kunst-Ausstellungsraum und andere Säle gibt. Zusammen mit dem  Informationszentrum im Hof dienen Sie auch pastoralen Aktivitäten unserer Diözese und der Ortspfarrei. Hier werden regelmäßige Treffen für Familien, Jugendliche, Gebetsgruppen, Priester, Lehrer, Schüler und Freiwillige organisiert. Pilger sind ebenfalls willkommen, die in diesen Zimmern entspannen oder sogar hier speisen können. Fast 400 Personen nahmen an dem hier organisierten Familientreffen und verschiedenen Veranstaltungen teil. Die Weihe der zwei Diakonen fand letztes Jahr auch hier statt, da die Kathedrale zum Hl. Georg, die Domkirche von Temeswar derzeit renoviert wird. Zusätzlich zu diesen Veranstaltungen finden hier von Mai bis Oktober, jedes Jahr, mehrere große Pilgerfahrten statt, an denen fast 100.000 Menschen teilnehmen.

Das Museum ist normalerweise täglich, außer Montags geöffnet und der Besuch kann auch mehr als anderthalb Stunden dauern.

Wie haben sich die Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen auf die diesjährigen Pilgerfahrten ausgewirkt, die für Maria Radna anlässlich des Jubiläums besonders jetzt geplant waren?

Wir freuen uns auf die Zukunft zusammen mit dem Domherr Andreas Reinholz, der hier sit 2003 Pfarrer und Rektor der Basilica ist. Die durch die Pandemie verursachte Situation führte auch zur Suspendierung der bisher programmierten Ereignissen in Maria Radna. Das Museum ist vorerst geschlossen, die hl. Messen finden ohne Teilnahme der Gläubigern statt, fast niemand pilgert zur Kirche. Der Aufenthalt zu Hause gab uns die Möglichkeit, uns mit etwas zu befassen, zu dem wir während der vielen Veranstaltungen und Pilgerreisen nicht die Zeit hatten.

Die Pilgerfahrten in diesem Jahr werden von der Weiterentwicklung der Epidemie und den eingeführten Sicherheitsvorkehrungen beeinflusst. Am Fest des Patroziniums, Mariä Verkündigung (25. März), feierten wir ohne Gläubige. Wir wissen nicht, welche Einschränkungen in diesem Jahr für die Teilnahme an den hl. Messen eingeführt werdem. Für dieses Jahr waren noch geplant: die Pfingstpilgerfahrt, die Wallfahrten der Ministranten, der Karmelitanischen Bewegung, der Gläubigen der Stadt Temeswar und der deutschsprachigen katholischen Gläubigen, die übliche Wallfahrt am fest Mariä Himmelfahrt und die feierlichkeiten zum 500. Jahrestag, die Pilgerfahrt am Fest Mariä Geburt, die Wallfahrt der Priester, der kirchlichen Mitarbeiter, der ungarischsprachigen Katholiken und sogar viele private Pilgerfahrten. Wir vertrauen auf die Göttliche Vorsehung und beten dafür, dass die Epidemie vorübergeht. Wir hoffen, dass nach dieser schweren Zeit noch mehr Gläubigen hierher pilgern werden, um Gott zu danken und den Herrn bitten, uns auch in der Zukunft zu beschützen, wie er es bisher getan hat.

Möge der Allmächtige Gott uns allen helfen und die Mutter der Gnaden von Maria Radna uns beschützen!

Interview von Fábián Róbert/ Redakteur bei romkat.ro mit dem Priester und Kustos Ioan Cădărean, auf Ungarisch. Übersetzung ins Rumänische: Pfr. Ioan Cădărean. Übersetzung ins Deutsche: Maja Lazar. Adaptierung: Claudiu Călin