Am 17. und 18. Oktober 2026 feierte die Wohltätigkeitsvereinigung „Vinzenz von Paul“ in Bocșa/ Bokschan ihr 30-jähriges Bestehen im Dienst an Menschen und Familien in schwierigen Lebenssituationen. Das Jubiläum brachte Mitglieder der örtlichen Gemeinschaft, Freiwillige und Vertreter vinzentinischer Vereinigungen aus Iași/Jassy, Roman, Oradea/Großwardein, Timișoara/Temeswar, Reșița/Reschitza und Österreich zusammen. Das Festprogramm umfasste Gebetsmomente, Begegnungen, Besuche, eine Präsentation der Tätigkeit der Vereinigung sowie kulturelle Veranstaltungen im Rahmen des traditionellen Bokschaner Herbstfestes.
Die vinzentinische Gemeinschaft in Bokschan, bekannt unter dem Namen Konferenz „Unbefleckte Empfängnis“, engagiert sich seit drei Jahrzehnten in der karitativen Arbeit. Besondere Aufmerksamkeit gilt kinderreichen Familien, Kindern aus sozial benachteiligten Verhältnissen und älteren Menschen, die allein leben. Nach Angaben des Verbands der Wohltätigkeitsvereinigungen „Vinzenz von Paul“ in Rumänien engagieren sich rund 20 Personen in der Arbeit der Gemeinschaft und unterstützen das ganze Jahr über Menschen in Not.
Zu den Aktivitäten gehören die Verteilung von Lebensmitteln, Kleidung und Hygieneartikeln, die Organisation von Ferienlagern und Programmen für Kinder sowie verschiedene Spendenaktionen. Im August 2025 nahmen beispielsweise 14 Kinder aus benachteiligten Familien, begleitet von vier vinzentinischen Freiwilligen, an einem Ferienlager in Brebu Nou/ Weidenthal teil. Ebenfalls im Jahr 2025 verteilte die Gemeinschaft von Bokschan in der Vorweihnachtszeit mit Unterstützung ihrer Partner aus Eggersdorf in Österreich Lebensmittelpakete, Kleidung und Hygieneartikel an 35 bedürftige Familien.
Die Zusammenarbeit mit der vinzentinischen Gemeinschaft in Eggersdorf bildet ein wichtiges Kapitel in der Geschichte der Vereinigung. Auch diese Partnerschaft besteht inzwischen seit 30 Jahren.
Der erste Jubiläumstag – Begegnungen und Rückblick auf die karitative Arbeit
Das Festprogramm begann am Samstag, dem 17. Oktober, mit einem Besuch in Tirol/ Königsgnad, einer Filialgemeinde der Römisch-Katholischen Pfarrei Bokschan, in der Ferienlager für Kinder veranstaltet werden. Dort feierte Pfarrer Emil Alin Irimiciuc, Ortspfarrer und geistlicher Assistent der vinzentinischen Gemeinschaft, eine heilige Dankmesse. Anschließend ermutigte er die Mitglieder der Vereinigung Vinzenz von Paul, ihre karitativen Aktivitäten fortzusetzen.
Danach besuchten die Teilnehmer das Museum in Bokschan, wo ihnen der Direktor der Einrichtung, Dan Liuț, die Sammlungen und Exponate vorstellte. Bei dieser Gelegenheit gab Rozalia Pataki, gebürtig aus Reschitza, ein Harfenkonzert.
Das Tagesprogramm wurde mit einem Symposium fortgesetzt, das der Vorstellung der örtlichen vinzentinischen Gemeinschaft, den Aktivitäten der vergangenen drei Jahrzehnte und der 30-jährigen Partnerschaft mit der Gemeinschaft der Pfarrei Eggersdorf in Österreich gewidmet war.
Pontifikalmesse und Herbstfest
Am Sonntag, dem 18. Oktober, begann das Programm der Vinzentiner mit dem Besuch zweier Familien, die von der Gemeinschaft in Bokschan unterstützt werden. Durch diese Geste erhielten die Teilnehmer die Möglichkeit, die vor Ort geleistete karitative Arbeit näher kennenzulernen.
Am selben Vormittag fand im Rahmen des Herbstfestes auch der traditionelle Umzug in deutscher Volkstracht statt. Die Teilnehmer brachen um 10.30 Uhr am Sitz des Demokratischen Forums der Deutschen in Bokschan auf und zogen zur römisch-katholischen Kirche „Unbefleckte Empfängnis“.
Um 11.00 Uhr feierte Seine Exzellenz Josef Csaba Pál, Diözesanbischof von Temeswar, in der Pfarrkirche anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der Wohltätigkeitsvereinigung „Vinzenz von Paul“ eine Pontifikalmesse. Pfarrer Emil Alin Irimiciuc, der Seelsorger der Gemeinde, konzelebrierte.
Zu Beginn seiner Predigt richtete der Diözesanbischof Worte der Anerkennung und Dankbarkeit an die Mitglieder der vinzentinischen Gemeinschaft für ihre 30-jährige Tätigkeit im Dienst am Nächsten. Zugleich begrüßte er Patriciu Mirel Pascu, den Bürgermeister der Stadt Bokschan, und unterstrich die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Kirche und Zivilgesellschaft bei der Unterstützung von Menschen, die nicht selbst für sich sorgen können.
Der Bischof dankte Gott für die Großzügigkeit und den Einsatz der Freiwilligen, die den Menschen in schwierigen Lebenssituationen oftmals unter persönlichem Einsatz und unter Aufwendung ihrer Zeit und Kraft zur Seite gestanden haben.
Ausgehend von den Worten des Erlösers: „Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört“, hob der Bischof drei wichtige Lehren für das christliche Leben hervor: die Suche nach der Wahrheit mit aufrichtigem Herzen, Gott den ersten Platz im eigenen Leben einzuräumen und die Verantwortung gegenüber Familie und Gesellschaft mit Ernsthaftigkeit, Liebe und reinem Gewissen wahrzunehmen.
In diesem Zusammenhang betonte Bischof Pál, dass der Glaube einen Christen nicht von der Welt entfernen, sondern ihm helfen soll, besser in ihr zu leben und zum Wohl der Gemeinschaft beizutragen. Ein Christ ist dazu berufen, ein verantwortungsbewusster, ehrlicher und solidarischer Mensch zu sein, auf den sich andere verlassen können – sowohl in der Familie und am Arbeitsplatz als auch in der Gesellschaft.
Mit Blick auf die Tätigkeit der Jubiläumsgemeinschaft erklärte der Diözesanbischof: „Die vinzentinische Gemeinschaft und ihre Mitglieder sind ein sehr schönes Beispiel. Diese Gemeinschaft geht hinaus in die Gesellschaft und sucht die Menschen, die am dringendsten Hilfe benötigen.“
Zugleich ermutigte er die Anwesenden, gegenüber dem Leid ihrer Mitmenschen nicht gleichgültig zu bleiben und durch konkrete Taten dazu beizutragen, die Welt, in der sie leben, zum Guten zu verändern.
Zum Abschluss seiner Predigt rief der Bischof dazu auf: „Geben wir uns nicht damit zufrieden zu sagen, dass die Welt schlecht ist. Fragen wir uns vielmehr, was wir selbst tun, damit sie besser wird.“
Nach der heiligen Messe wurde das Fest ab 12.30 Uhr auf dem kleinen Platz vor der Kirche mit einem Kulturprogramm fortgesetzt. Es wurde von der deutschen Volkstanzgruppe „Enzian“ aus Reschitza, unter der Leitung von Marianne und Nelu Florea, sowie von Jugendlichen aus Bokschan gestaltet.
Ein Jubiläum der Solidarität und Freundschaft
In einem Beitrag, der in der Gruppe des Verbands der Wohltätigkeitsvereinigungen „Vinzenz von Paul“ in Rumänien veröffentlicht wurde, ließ die Vorsitzende, Ana Doboș, die wichtigsten Ereignisse der beiden Festtage Revue passieren und sprach den Organisatoren ihren Dank aus. Besonders dankte sie Eva Peter, der Vorsitzenden der gastgebenden vinzentinischen Gemeinschaft, Pfarrer Emil Alin Irimiciuc sowie allen Mitgliedern der Vereinigung, die an der Vorbereitung des Jubiläums beteiligt waren.
„Wir haben uns wie in einer Familie gefühlt“, schrieb Ana Doboș und brachte damit die herzliche und freundschaftliche Atmosphäre zum Ausdruck, die das Treffen prägte.
Das Jubiläum in Bokschan bot nicht nur Gelegenheit, dankbar auf 30 Jahre karitative Tätigkeit zurückzublicken, sondern auch, die Bedeutung von Solidarität, ehrenamtlichem Engagement und der Sorge um den Nächsten erneut zu bekräftigen. Diese Werte bilden die Grundlage für die Sendung der vinzentinischen Gemeinschaften.
Wir danken Karina Thernes, Mitglied der örtlichen vinzentinischen Konferenz und Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen Boschkan, sowie Erwin Josef Țigla, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen im Banater Beregland und Ehrenvorsitzender des Verbands der Wohltätigkeitsvereinigungen „Vinzenz von Paul“ in Rumänien, für die bereitgestellten Informationen und die Unterstützung bei der Erstellung dieses Beitrags.
Pressestelle der Diözese Temeswar
Foto: Erwin Josef Țigla














